In den vergangenen Jahren ist der Spielemarkt auseinandergedriftet. Auf der einen Seite entstanden hochgezüchtete Heimkonsolen und PCs, die immer prächtigere und detailliertere Spielwelten ermöglichen. Auf der anderen Seite konkurrieren unzählige, meist so kurzweilige wie simple Mobile Games um die Gunst von Smartphone- und Tablet-Besitzern. Dazwischen tummeln sich zwar auch Mobilkonsolen, doch die richten sich entweder an ein bestimmtes Publikum (3DS: Kinder und Jugendliche) oder sind schlichtweg nicht erfolgreich (Playstation Vita). Was es bisher nicht gab, war eine Konsole, die nahtloses Spielen ermöglicht: zu Hause am Fernseher und unterwegs auf dem Touchscreen. Der Traum aller zockenden Pendler, sozusagen.

Genau diese Konsole ist jetzt erschienen. Sie ist von Nintendo, heißt Switch und kostet in der Basisausstattung rund 330 Euro. Stellt man das handliche Tablet in die mitgelieferte Docking-Station, dann erscheint das Bild in Sekundenschnelle auf dem Fernseher, der über ein HDMI-Kabel angebunden ist. Umgekehrt geht es genauso schnell: einfach das Tablet aus der Docking-Station ziehen, und schon springt das Bild wieder zurück auf den 6,2-Zoll-Touchscreen des Tablets. Die Joy-Con-Controller sitzen seitlich an der Mobilkonsole, lassen sich aber auch ablösen und dann bequem wie zwei Fernbedienungen nutzen. Mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild hat Nintendo zudem einen veritablen Blockbuster im Gepäck.

Doch die Attraktivität einer Konsole bemisst sich nicht nur danach, wie vielfältig sie einsetzbar ist. Sondern auch nach ganz grundlegenden Dingen wie Preis, Grafik, Bedienbarkeit, Spieleauswahl und Vernetzungsmöglichkeiten. Viele Konsolen scheiterten daran, dass sie Schwächen in diesen Bereichen nicht kompensieren konnten, auch nicht durch spektakuläre neue Features. Nintendo selbst kann ein Lied davon singen: Die Wii (2006) war mit ihrer neuartigen Bewegungssteuerung zwar ein Riesenhit, der Nachfolger Wii U (2012) allerdings floppte heftig. Der Wii U half wenig, dass sie ein originelles Second-Screen-Konzept für asymmetrische Spiele besaß. In der Öffentlichkeit wurde sie vor allem als schwachbrüstiger Nachzügler der Generation PS4/Xbox One wahrgenommen. Hat Nintendo aus diesen Fehlern gelernt oder setzt sich der Konzern erneut zwischen alle Stühle?

Als Überall-Konsole sollte Switch natürlich vor allem eines bieten: ein durchgängig hochwertiges Spielerlebnis, ganz unabhängig vom Ort. Oder anders formuliert: Macht Breath of the Wild zu Hause am Fernseher genauso viel Spaß wie unterwegs in der S-Bahn? Als grafischer Maßstab eignet sich das neue Zelda sehr gut, denn die wunderschönen Landschaften des Königreichs Hyrule sind detailliert und farbenprächtig. Unterwegs, auf dem Touchscreen, wird Zelda mit einer Auflösung von 720p dargestellt, auf dem heimischen Fernseher dagegen mit einer Auflösung von 900p. Weil die Konsole für Letzteres mehr rechnen muss, bricht die Bildrate dabei immer wieder leicht ein, wie Polygon in einem Vergleichsvideo dokumentiert.

Auf dem Touchscreen wirkt Zelda zudem deutlich schärfer als auf dem Fernsehbildschirm: Besonders gut sieht man das am wogenden Gras, das in der TV-Fassung leicht verschwimmt. Wer Zelda unterwegs spielt, sollte sich dafür einen passenden Ort suchen: Der Touchscreen ist im Vergleich zu den meisten Smartphonebildschirmen zwar recht leuchtstark, allerdings reicht das nicht aus, um etwa prallem Sonnenlicht im Stadtpark zu trotzen. Außerdem stört, dass der Touchscreen stark spiegelt. So ist der beste Ort fürs Mobilspielen letztlich ein relativ dunkler Raum. Mögliches Szenario: Die Eltern schauen fern, der Nachwuchs spielt auf dem Touchscreen. Eine Second-Screen-Funktion bietet Switch übrigens nicht.

Drei Stunden mobil spielen, drei Stunden aufladen

Hybridkonsole Nintendo Switch © Drew Angerer/Getty Images

Ein weiterer wichtiger Faktor fürs mobile Spielen ist die Akkulaufzeit. Bei einem grafisch anspruchsvollen Game wie Zelda hält die Switch nur knapp drei Stunden durch, dann muss das Tablet per USB-C-Netzteil an die Steckdose. Die Ladezeit liegt zwischen zwei und drei Stunden. Wer unterwegs lange spielen möchte, der sollte auf ein externes Akku-Pack zurückgreifen. Die Akkus der Joy-Con-Controller dagegen machen frühestens nach etwa 20 Stunden schlapp, überdauern also mehrere Gaming-Sessions.

Stichwort Joy-Con: Die beiden leichtgewichtigen Controller sind mit das Beste an der Switch-Konsole. Und zwar deshalb, weil man sie beim Spielen wie die Remote-Controller der Wii locker links und rechts vom Körper halten kann, statt wie üblich einen Controller mit zwei Händen zu bedienen. Wer Letzteres vorzieht, kann die beiden Joy-Cons auch in einer Halterung zusammenstecken – oder einen sogenannten Pro-Controller kaufen, der aber zusätzlich 70 Euro kostet. Ein Nachteil der Joy-Cons ist, dass sie für große Hände zu kleinteilig gebaut sind, was auf Dauer beim Spielen anstrengt. Immerhin lassen sie sich mit Schlaufen am Handgelenk befestigen, damit sie bei Party-Spielen wie 1-2-Switch nicht durch die Gegend fliegen. Dafür schiebt man die Joy-Cons mit speziellen Aufsätzen zusammen. Ziemlich frickelig wird es, wenn man sie vom Tablet ablösen will, denn dazu muss ein winziger Einrastknopf gedrückt werden. Nicht selten drückt man dabei aus Versehen Funktionstasten am Controller.