Und dann ist das sichere Wohnzimmer eben wieder da, wie zuvor. Nach dem Schrecken, die Hände sind verschwitzt, kann der Controller zur Seite gelegt werden, der Bildschirm erlischt. Es ist sicher: In diesen Wänden kann nichts passieren, was  gerade im Videospiel erlebt wurde. Bei aller Ungewissheit in dieser Welt, das ist gewiss.

Das Genre des Horrorspiels ist so alt wie Videospiele. Von den textbasierten Anfängen hin zu den ultrarealistischen Titeln der Gegenwart – die Geschichte der Horrorspiele ist bewegt und bewegend. Doch gerade in den vergangenen Jahren erschienen viele prägende Spiele, von kleinen Indie-Spielen hin zu sogenannten Triple-A-Titeln wie Resident Evil 7, das Anfang des Jahres herauskam. Statt Action wendeten sich diese Spiele hin zu subtileren Stilmitteln. Die Spieler flüchten vor einem namenlosen Horror, flüchten vor der Komplexität des Alltags in ein Spiel, das nur noch ein Gefühl zulässt: Angst.


Eines dieser genreverändernden Spiele war Outlast, erschienen 2013, entwickelt vom Indie-Studio Red Barrels. Mit einer Kamera ausgerüstet waren die Spieler als Reporter in einer geschlossenen Psychiatrie unterwegs. Aus der Ich-Perspektive betrachteten sie verstörte Menschen, die sich durch Selbstverstümmelung jeder Menschlichkeit beraubt hatten. Durch einen Effekt – eine Nachtsicht-Funktion der Kamera, die das Bild verzerrt und farbverfälscht erscheinen lässt – wurde das Sehen im Dunkeln zur größten Quelle der Furcht. Tauchte jemand plötzlich aus den Untiefen auf, die Pupillen schwarz und die Augen stierend, konnte oftmals nur die Flucht der Ausweg sein.


Die Sprach- und Fassungslosigkeit des Horrors

Nun erscheint mit Outlast 2 (PS4, Xbox One, PC) der Nachfolger. Die Mechanismen funktionieren genauso, das Szenario jedoch ist anders. Der Protagonist und seine Frau folgen als Reporter der Spur einer schwangeren Frau, die ermordet wurde. Gleich zu Beginn des Spiels jedoch stürzt der Hubschrauber der beiden ab – ein Ende, das eigentlich jeden Hubschrauber in einem Videospiel ereilt.

Am Boden aufgekommen gilt es, die nunmehr verschollene Ehefrau zu finden. Outlast 2 macht direkt klar, dass die ordnende und schützende Gesellschaft in diesem Spiel außer Kraft gesetzt ist. Die Spieler entdecken – zumeist in beklemmender Dunkelheit – die Überreste eines Dorfes, das von einem Kult bewohnt ist. Übersät mit Symbolen wie umgedrehten Kreuzen oder Opferstätten, wird schnell klar, dass es sich um eine religiöse Sekte handeln muss.

Symbole sind notwendig in Horrorspielen, denn was ihnen oft fehlt, sind die Worte. Viele, die in den letzten Jahren erschienen sind, versetzen die Spieler in Sprachlosigkeit. Sie geben ihnen kaum Worte an die Hand, mit denen sie beschreiben könnten, was sie gerade sehen und vor allem fühlen.

Resident Evil 7 etwa basiert auf dem Horror einer Familie, die nicht Geborgenheit symbolisiert, sondern Schrecken und Gewalt. Outlast 2 spielt mit religiösen Symbolen und der Angst vor dem Okkulten. In Amnesia wissen die Spieler nur, dass der Protagonist sein Gedächtnis mit einem Trank gelöscht hat – doch warum? Among the Sleep spielt mit dem Motiv des Kleinkindes, das die Wut der Mutter im wahrsten Sinne nicht verstehen kann. Das japanische Danganronpa erklärt einen mechatronischen Horror-Teddy zum Antagonisten, lässt die Spieler in einer Schule gefangen sein, die von diesem Bären als mörderisches Versuchsfeld genutzt wird – weshalb, ist unklar. Und Spiele wie dem Ende der Woche erscheinenden Little Nightmares oder dem Adventure Inside leben nur davon, dass die Spieler auf der Flucht sind. Sie laufen davon, wissen jedoch nicht wovor. Der Horror tritt in diesen Spielen immer als etwas auf, das sprach- und fassungslos macht.