Das japanische Rollenspiel Persona 5 gilt vielen als Meisterwerk. Mit einer Wertung von 94 von 100 Punkten auf der Plattform Metacritic ist es das bislang bestbewertete PlayStation-Spiel des Jahres. Persona 5 ist bunt, abgedreht und erzählt in fantastischen Kämpfen den Aufstand der Jugend gegen die korrupte Obrigkeit. Doch so spaßig das Spiel auch ist, so ernst präsentieren sich die Entwickler. Denn wenn es um Streams geht, verstehen sie keinen Spaß.

"Ein Hinweis zu Persona 5 und Streaming" lautet die Überschrift eines Beitrags auf der US-Website des Entwicklers Atlus. Darin heißt es, man habe Jahre an dem Spiel gearbeitet und es handle sich um ein Spiel, das viel Wert auf die Geschichte und Entwicklung der Charaktere legt. Man wolle deshalb nicht, dass Spoiler das Spielerlebnis ruinieren. Wer über Persona 5 schreibe, soll bitte größere Details der Story aussparen.

Interessant wird es an der Stelle, in der es um Streamer oder sogenannte Let's Plays geht, also um jene Spieler, die ihr Spielerlebnis aufnehmen und auf Plattformen wie Twitch oder YouTube streamen oder hochladen. Sie sollen die Videos jeweils auf maximal 90 Minuten Länge beschränken. Kämpfe mit den End- und Zwischengegnern dürfen nicht gezeigt werden, die Sharing-Funktion auf der PlayStation 4 ist ohnehin deaktiviert. Zudem sollen die Spieler keine Inhalte zeigen, die über ein bestimmtes Datum in der Story des Spiels hinausgehen. Sonst könnte der Kanal gemeldet und im schlimmsten Fall gesperrt werden. Dazu, in fettgedruckten Versalien: "IHR WURDET GEWARNT."

Abgesehen von dem mit vielen netten Anspielungen umgebenen Befehlston, spaltet Atlus mit diesen Vorgaben die Szene: Sind sie berechtigt und gerade im Fall eines Spiels wie Persona 5 nachvollziehbar? Oder hat die Sega-Tochter einfach nicht verstanden, wie das Internet funktioniert und macht sich gerade höchst unbeliebt?

Spoiler vermiesen das Geschäft, sagen die Entwickler

Zunächst zur ersten Frage. Rechtlich gesehen bewegen sich Let's Plays von Singleplayer-Spielen seit jeher auf dünnem Eis. Technisch handelt es sich dabei um abgefilmte Szenen des Games. Kanäle zeigen über mehrere Episoden hinweg häufig den kompletten Spielverlauf, Zwischensequenzen inklusive. Deshalb können die Publisher und Entwickler urheberrechtliche Ansprüche geltend machen. Das Argument, durch die Kommentierung entstünde ein eigenes Werk, quasi ein Remix im Sinne der amerikanischen Fair-Use-Regel, gilt unter Juristen als nicht haltbar. Deshalb sollten sich Streamer immer vorab die Erlaubnis holen oder sich über Lizenzen informieren.

In der Vergangenheit gingen einzelne Entwickler gegen Let's Plays vor. Der prominenteste Name ist Nintendo. Vor drei Jahren gründete das japanische Unternehmen das Creator's Program, um an den Videos auf YouTube mitzuverdienen und wurde dafür von der Szene kritisiert. Vonseiten Nintendo hieß es, durch die Videos und Streams gingen dem Unternehmen potenzielle Einnahmen verloren: Wer jemandem zuguckt, wie er oder sie ein Spiel durchspielt, kauft es danach möglicherweise nicht mehr selbst.

Im aktuellen Fall von Persona 5 formuliert das Atlus weniger direkt. Tatsächlich liest sich der Beitrag so, als wollten die Entwickler in erster Linie vermeiden, dass Spoiler das Spielerlebnis für andere vermiesen. Deshalb sollen die Streamer eben Teile des Spiels aussparen – als ein Service für alle Unentschlossenen quasi. Doch auch wenn sie es nicht so direkt sagen, befürchtet Atlus offenbar, zu viele Streams könnten potenzielle Käufer abschrecken. In den Kommentarspalten der Fachportale, etwa bei Kotaku, unterstützen viele Spieler diese Ansicht. Gerade weil Persona 5 so viel Fokus auf die Story lege, könnten Clips auf YouTube mehr verraten als bei anderen Titeln, heißt es. Deshalb sei es das gute Recht von Atlus, Vorgaben zu machen und im schlimmsten Fall gegen Verstöße vorzugehen.