Games sind jetzt Chefsache. Diesen Eindruck wollte Bundeskanzlerin Angela Merkel am heutigen Dienstag vermitteln, als sie erstmals in Köln die Gamescom eröffnete. Die Computerspielmesse ist mit 350.000 erwarteten, meist jungen Besuchern eine der wichtigsten Veranstaltungen der deutschen Spielebranche. Für die Kanzlerin und zahlreiche weitere Politiker ist es eine gute Gelegenheit, wenige Wochen vor der Bundestagswahl sowohl Wahlkampf zu machen, als auch den Dialog mit dieser Branche zu suchen.

Die Beziehung zwischen Games und Politik in Deutschland ist nämlich angespannt. Auf der einen Seite betonen führende Politiker stets, Videospiele seien in "der Mitte der Gesellschaft angekommen". Seit 2008 gelten Games als Kulturgut, was auch Merkel in einem Vorab-Interview zur Gamescom betont. Von einem "neuen Qualitätslevel der deutschen Gamesbranche" sprach Digitalminister Alexander Dobrindt im Frühjahr zur Verleihung des Deutschen Computerspielpreises. Und der damalige Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte vor vier Jahren bei der Eröffnung der Gamescom: "Spiele sind die wahren Treiber für den Breitbandausbau."

Auf der anderen Seite fremdelt die Politik allen Bekenntnissen zum Trotz mit Videospielen. Nach dem Amoklauf von München ließ Innenminister Thomas de Maizière nicht lange auf sich warten, um "das unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet" zu erwähnen. Das sogenannte Killerspiel-Trauma steckt immer noch in den Köpfen. Die deutsche Drogenbeauftragte Marlene Mortler warnte in dieser Woche vor "einem gestörten Internet- und  Computerspieleverhalten" und die jüngste Debatte um geforderte Rundfunklizenzen für Game-Streamer zeigt, wie weit Anspruch und Realität auseinandergehen.

Die Branche wächst, die Branche warnt

Die diesjährige Gamescom ist politisch wie noch nie. Während die Politik die Messe als Chance sieht, ein junges Publikum zu erreichen, nutzt die Gamesbranche die Aufmerksamkeit in eigener Sache. Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), dem fast alle deutschen Entwickler und Publisher angehören, hat in den Tagen vor der Gamescom eine neue Studie in Kooperation mit der Hamburg Media School (HMS) vorgestellt. Fazit: Videospiele in Deutschland boomen – doch die deutschen Firmen zählen nicht immer zu den Gewinnern.

So hat laut Angaben des BIU der deutsche Computerspielemarkt im ersten Halbjahr 2017 zwar einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro generiert, ein Anstieg von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings profitieren davon vor allem ausländische Unternehmen, die ihre Inhalte hier vertreiben. Die deutschen Games-Entwickler erwirtschaften nur knapp sieben Prozent des nationalen Umsatzes. "Verglichen mit der Bedeutung Deutschlands als Absatzmarkt scheint die nationale Industrie eher unterrepräsentiert", schreiben die Autoren der HMS-Studie.

Vertreter des BIU und der deutschen Gamesbranche wollen das ändern und erhoffen sich mehr Unterstützung aus der Politik. Sie möchten eine bessere Förderung von Videospielen, sowohl wirtschaftlich als auch in der Bildung: Studiengänge, die sich auf Computerspiele spezialisieren, sind in Deutschland immer noch selten.

Köln - Merkel will Computerspielbranche mehr fördern Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Computerspielmesse Gamescom in Köln eröffnet. Sie wolle in Zukunft »vernünftige Möglichkeiten« für deutsche Entwickler schaffen, sagte sie. © Foto: Wolfgang Rattay/Reuters