Geduckt kauert der Spieler hinter einem Haus, die Waffe im Anschlag. Projektile schlagen auf dem Boden neben ihm ein, sie kommen von der Anhöhe auf der anderen Seite. Nur noch ein Magazin hat er übrig und keine Bandagen, um seine Wunden zu verbinden. Die Uhr tickt, immer enger schnürt sich ein blauer Kreis um ihn. Bleibt der Spieler auf der Stelle, frisst ihn die tödliche blaue Zone auf. Bewegt er sich aus der Deckung, erwischt ihn vermutlich der Scharfschütze.

Brenzlige Situationen wie diese machen Playerunknown's Battlegrounds aus. Der Multiplayer-Shooter des südkoreanischen Entwicklers Bluehole, schlicht PUBG abgekürzt, ist das erfolgreichste Spiel des Jahres. Vor zwei Wochen knackte es den Rekord mit den meisten zeitgleichen Spielern auf der Plattform Steam: 1,35 Millionen Menschen stürzten sich gleichzeitig ins Gefecht. Schon wird über das Potenzial von PUBG als künftiger E-Sport gesprochen. Und das, obwohl das Spiel eigentlich noch gar nicht fertig entwickelt und es bislang nur in einer Vorabversion veröffentlicht ist.

Die Faszination ist dem Spielprinzip zu verdanken, dem Battle-Royale-Modus. 100 Spieler, wahlweise alleine, in Zweier- oder Viererteams, treten gegeneinander an. Über einer Insel springen sie aus einem Flugzeug. Auf dem Boden angekommen, müssen sie in den Wäldern und Städten so schnell wie möglich zufällig verteilte Ausrüstung und Waffen suchen. Anschließend geht es darum, in die Zone zu gelangen – einen weißen Kreis, der in jeder Partie an einem anderen Ort der Insel erscheint und im Verlauf des Spiels immer kleiner wird. Ziel ist, als letzter Spieler oder letztes Team zu überleben.

Die "PUBG"-Entwickler drohen der Konkurrenz

Der Erfolg von Playerunknown's Battlegrounds ist anderen Entwicklern nicht verborgen geblieben. Ebenfalls vor zwei Wochen kündigte die Firma Epic Games einen zusätzlichen Modus für sein Survivalspiel Fortnite an: Fortnite Battle Royale. Das Prinzip ähnelt dem von PUBG, und Epic erwähnt das Spiel im offiziellen Trailer offen als Inspiration.

Eigentlich eine schöne Huldigung, aber die Macher von PUBG sehen das anders. Vergangene Woche schrieben sie in einer Pressemitteilung, man sei "besorgt, Fortnite könne die PUBG-Erfahrung kopieren." Außerdem sei es "nicht richtig", wenn Epic Games ihr Spiel in ihrer Werbung erwähne. Angesichts der vielen Ähnlichkeiten prüfe man nun "weitere Schritte".

In der Gamesszene wird der Fall seitdem diskutiert. Nicht nur weil es so klingt, als erwäge Bluehole, einen anderen Entwickler zu verklagen. Es geht auch um Fragen, inwieweit ein Genre überhaupt geschützt sein kann – und ob die Macher von PUBG hier nicht vielleicht überreagieren.

Ein Genre lässt sich nicht schützen

Sollte der Fall wegen möglichen Plagiats und Urheberrechtsansprüchen tatsächlich vor Gericht landen, glaubt etwa die auf die Unterhaltungsbranche spezialisierte Anwältin Mona Ibrahim nicht an einen juristischen Erfolg für Bluehole. Dies schreibt sie in einem Gastbeitrag für das Gamesportal Polygon.

Ihre verkürzte Erklärung: Die Mechanik eines Spiels, seine Regeln und sein Genre fallen nicht unter das Urheberrecht. Sonst gäbe es schließlich auch nicht mehr als einen Kriegsshooter, ein Rennspiel oder ein 2D-Adventure. Geschützt sind im Fall von Videospielen nicht Ideen, sondern allenfalls bestimmte Elemente, die sich Entwickler patentieren lassen können. Das können etwa bestimmte Soundeffekte oder Designelemente sein. Wie schwer es ist, Rechtsansprüche allein anhand des Look-and-feels eines Spiels geltend zu machen, mussten in den vergangenen Jahren vor allem die Entwickler mobiler Games feststellen. Ihre Spiele werden häufig schamlos geklont.

Auch die offene Erwähnung von PUBG als Inspiration für Fortnite Battle Royale ist nach Ansicht der Anwältin Ibrahim kein Hinweis auf ein Plagiat. Schließlich bewirbt Epic sein Spiel nicht als "Das neue PUBG!" und für die Spieler entsteht dadurch auch keine Verwirrung. Denn selbst wenn Fortnite einige Elemente kopiert – etwa das Abspringen zu Beginn jeder Runde – unterscheiden sich beide Spiele sowohl im grafischen Stil als auch in der Umsetzung deutlich.