Jeder Schuss ist wichtig und richtig, das ist die Grundhaltung in "Wolfenstein 2". © Bethesda Softworks

Doch auch im Marketing hat sich Bethesda nicht von politischen Diskursen ferngehalten – zumindest in den USA. "Make America Nazi Free Again" lautete die Losung auf dem Twitter-Kanal des Spiels. Das ist insofern bemerkenswert, als nicht wenige Spieler das Politische von ihren Videospielen am liebsten fernhalten würden. Prompt folgte das Entsetzen einiger Gamer. Politische Spiele seien zu boykottieren. Widerstand gegen Nazis zu organisieren, scheint inzwischen tatsächlich wieder eine bedenkenswerte Angelegenheit zu sein.

In und um Wolfenstein 2 zeigt sich also eine intelligente Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, mit Gewalt, mit Verlust, mit Widerstand. Durch das Mittel der Hyperbel wird eine menschenverachtende Ideologie der Dekonstruktion preisgegeben – und dem Abschuss durch die Spieler. Geradezu absurd ist jedoch, dass in der deutschen Fassung ebenso wie in der englischen alles an dieser Ideologie nach dem Dritten Reich aussieht und klingt, dass es keinerlei Verwechslungsgefahr mit einem anderen Regime gibt, und dass in diesem Spiel der Zeichen und Symbole trotzdem eines nicht vorkommen darf: das Hakenkreuz. Denn Videospiele sind ja keine Kunst.

Der Streit um die Kunst

Wieso in Deutschland keine verfassungswidrigen Symbole gezeigt werden dürfen? "Weil man den Videospielern und auch den Videospielen letztlich noch nicht traut", sagt Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats. Gleichzeitig betont er aber, dass sich die Videospielbranche selbst auch nicht traue, diese Frage nach der Kunst in einem Musterprozess entscheiden zu lassen. Dabei sei die Politik inzwischen weit progressiver: "Noch vor zehn Jahren hatte der NRW Kultursekretär Grosse-Brockhoff meinen Rücktritt gefordert, weil ich gesagt habe, dass Computerspiele Kunst sein können. Jetzt spricht die Kanzlerin auf der Gamescom vom Kulturgut Games." Die größere Herausforderung liege daher bei der Branche selbst. "Traut euch endlich, Künstler sein tut nicht weh!", ruft er dieser zu.

Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbands BIU, kennt den Grund für den Missstand zwischen Videospielen und anderen Medien: "Während in anderen Medien wie dem Film verfassungsfeindliche Symbole wie das Hakenkreuz bei entsprechendem Kontext verwendet werden können, wird dieses Recht Games bisher nicht eingeräumt. Ursache hierfür ist ein Gerichtsurteil aus den frühen Jahren des Mediums." Das heutige Verbot von verfassungsfeindlichen Symbolen wie dem Hakenkreuz in Videospielen hält er für willkürlich. "Das verstößt unter anderem gegen die Grundrechte der Kunst- und Meinungsfreiheit." Die Lösung müsse es sein, die momentane Ungleichbehandlung zu beenden, die Behörden müssten die veraltete Rechtsposition anpassen.

Doch von wem soll dieser Impuls nun kommen? Der Politik? Der Branche? Den Spielern? Den Medien? Schlussendlich ließe sich der Sachverhalt wohl auf eine Frage herunterbrechen: Wieso geht es im Tarantino-Film Inglourious Basterds um den Nationalsozialismus, aber in Wolfenstein 2: The New Colossus um das Regime? Die Antwort liegt wohl irgendwo zwischen dem Popcorn im Kino und dem Controller in der Hand der Spieler.