Die Golden State Warriors aus Oakland und die Cleveland Cavaliers waren in den vergangenen Jahren das Nonplusultra im Basketball. Dreimal in Folge trafen sie im Finale der NBA aufeinander. Das kann man langweilig finden oder bewundern. Der Erfolg jedenfalls zieht Kreise: Ab dem kommenden Jahr messen sich die beiden Teams nicht nur im Basketball, sondern auch im Online-Game League of Legends.

Golden Guardians heißt das E-Sport-Team der Warriors, 100 Thieves das der Cavaliers. Sie sind zwei von insgesamt zehn Teams der am Montag vorgestellten North American League of Legends Championship Series, kurz NA LCS. Es ist einer der bislang ambitioniertesten Versuche, Ligastrukturen aus traditionellen Sportarten wie der NFL oder NBA auf den E-Sport zu übertragen.

Und es geht um Geld, sehr viel Geld.

Man wolle ein langfristiges, stabiles und profitables System schaffen, heißt es in der Ankündigung des Entwicklers Riot Games. Die neue Ligastruktur soll Investitionen über einen längeren Zeitraum fördern, ein neues Gewinnbeteiligungsmodell einführen und letztlich auch den Spielern mehr Gehör verschaffen.

100 Bewerbungen auf zehn Startplätze

Was bedeutet das genau? Zunächst einmal sind die Teams in der neuen NA LCS fester verankert denn je. Zuvor kämpften sie eine Saison lang für Punkte, um an der World Championship teilzunehmen. Doch weil sich – vor allem erfolglose – Teams immer wieder zurückzogen und durch andere ersetzt wurden und weil häufig Namen und Besitzer wechselten, gab es eine Fluktuation, die es letztlich den Sponsoren schwierig machte: Weshalb in eine E-Sport-Organisation investieren, die es vielleicht in einem halben Jahr nicht mehr gibt oder die bekannte Spieler verliert?

M wie Moba

M wie Moba

...vom Mod zum Mainstream

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Games-Glossar

Moba, das

steht als Abkürzung für "Multiplayer Online Battle Arena", ein Genre aus dem Bereich der Echtzeit-Strategiespiele, bei dem sich zwei gegnerische Teams aus mehreren Spielern auf einer Map (der "Arena") gegenüberstehen.

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Alle Mobas teilen sich zentrale Spielmechaniken. So unterschiedlich die einzelnen Spiele im Detail sein mögen, die Grundprinzipien sind stets ähnlich und unterscheiden sich von klassischen Echtzeit-Strategiespielen.

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Entwickler: Riot Games. Erschienen: 2009. Aktive Spieler: circa 70 Millionen pro Monat

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Das neue Franchise-System soll das ändern. In den vergangenen Monaten führte Riot Games einen Bewerbungsprozess durch. Sowohl bestehende als auch neue Teams mussten einen Geschäfts- und Markenplan vorlegen, in dem sie beschreiben, wie sie sich in den kommenden Jahren entwickeln möchten, wie sie die Spieler betreuen, wie die Infrastruktur aussieht. Nun hat Riot Games die zehn Teilnehmer verkündet. Sechs davon kommen aus der bestehenden LCS. Golden Guardians, 100 Thieves und das von den Houston Rockets gesponserte Clutch City Gaming sind Teams, die an traditionelle Sportvereine angebunden sind. Der vierte Neuling Optic Gaming dagegen ist eine der bekanntesten E-Sport-Organisationen in den USA.

Circa 100 Interessenten soll es gegeben haben. Das ist erstaunlich, denn die Bewerber mussten auch über das entsprechende Kapital verfügen: 13 Millionen US-Dollar müssen die Neueinsteiger über mehrere Jahre verteilt an Riot Games zahlen. Die hohe Einstiegssumme soll garantieren, dass die Teams es ernst meinen und auch längerfristig dabeibleiben, was wiederum mehr Sicherheit für Sponsoren bedeutet. Nur wenn ein Team sich über einen längeren Zeitraum auf den letzten beiden Plätzen befindet, also nicht konkurrenzfähig ist, kann es ersetzt werden.

Ein Geldtopf für alle

Die Millioneninvestition für den Einstieg soll sich laut Riot mittelfristig für die Teams rechnen. Deshalb gibt es ein neues Erlösmodell: Jedes Team steckt einen Teil seiner eigenen Sponsoren- und Merchandisingeinnahmen in einen Topf der Liga. Dort hinein kommen außerdem Einnahmen aus dem Liga-Sponsoring, Medienverträgen und Übertragungsrechten – wie man es aus traditionellen Sportarten wie dem Fußball kennt. 

Die Beträge in diesem Topf werden dann wieder verteilt: 35 Prozent gehen direkt an die Spieler, deren Gehalt zudem auf mindestens 75.000 US-Dollar im Jahr angehoben wird. 32,5 Prozent gehen an die zehn Teams. Das restliche knappe Drittel behält Riot Games als Organisator der Liga und Entwickler von League of Legends für sich.

Je erfolgreicher jedes einzelne Team ist, je mehr Fans auf Plattformen wie twitch.tv die Partien gucken und je mehr Sponsoren es findet, desto besser ist es letztlich für alle Beteiligten der NA LCS. Auch deshalb war es wichtig, das alle Bewerber einen überzeugenden Entwicklungsplan vorlegen.

Änderungen in "Overwatch" und "Dota 2"

Neben einem höheren Gehalt und höheren Bonuszahlungen soll das Ligasystem den Spielern zugute kommen. Zum einen wird es eine Art Spielergewerkschaft geben. Die wird zu Beginn noch von Riot unterstützt, soll dann aber zunehmend eigenständig arbeiten, ihre Vertreter selbst wählen und ihre Interessen vertreten. Sie soll Spieler sowohl finanziell als auch juristisch beraten können. Eine häufig auftretende Kritik an der E-Sport-Szene ist, dass die häufig noch minderjährigen Spieler zu Beginn ihrer Karriere nicht genug von den Verträgen verstehen, die sie unterschreiben. Eine Gewerkschaft könnte hier bessere Voraussetzungen schaffen.

Zum anderen soll die NA LCS auch ein neues Nachwuchssystem schaffen. Jedes der zehn Teams wird ein zweites Team stellen, die ebenfalls gegeneinander antreten. So sollen Talente gefunden und betreut werden, die dann vielleicht eines Tages in die erste Mannschaft aufsteigen. Auch das kennt man aus den traditionellen Sportarten.

"Wir wollten nicht die NBA oder die englische Premier League imitieren", sagt Riots E-Sport-Manager Jarred Kennedy im Gespräch mit The Verge. Und man plane auch gar nicht, zu einem ähnlichen Massenphänomen zu werden, jedenfalls noch nicht. Stattdessen wolle man versuchen, Elemente aus bestehenden Sportarten zu übernehmen und somit eine bessere und professionelle Grundlage für den E-Sport zu schaffen.

"Dota 2" startet ein neues Turniersystem

Neben League of Legends soll es auch im Online-Shooter Overwatch ab dem kommenden Jahr eine Liga geben. Die Overwatch League des Entwicklers Blizzard ist dabei nicht auf eine Region beschränkt, sondern soll Teams aus aller Welt vereinen, darunter solche aus New York, Seoul, Shanghai und London. Obwohl es zwischenzeitlich hieß, Interessenten hielten sich angesichts des kolportierten Einstiegspreises von 20 Millionen US-Dollar zurück und Overwatch sei vielleicht doch nicht so attraktiv für den E-Sport, startet die Liga ab Januar mit zwölf Teams. Und wie in der NA LCS gibt es klare Vorgaben, was die Spielergehälter, die Trainingsstätten und Strukturen angeht.

Einen dritten Ansatz verfolgt der Entwickler Valve mit seinem Spiel Dota 2. Anders als in League of Legends gab es in Dota 2 bislang keine Saison mit einem Spielplan und der Chance, sich am Ende für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Stattdessen besteht die Szene aus einzelnen Turnieren mit unterschiedlichen Preisgeldern, deren Veranstalter Teams einladen oder sich qualifizieren lassen können. Der Turniermodus hat den Vorteil, dass erfolgreiche Teams sehr viel Preisgeld sammeln können – im Fall des von Valve organisierten The International bekamen die Gewinner in diesem Jahr mehr als zehn Millionen US-Dollar. Der Nachteil: Neue und schwächere Teams haben es schwer, sich überhaupt für Turniere zu qualifizieren und auf Dauer wirtschaftlich zu sein.

Ein angepasster Turniermodus namens Dota Pro Circuit soll dem entgegenwirken. Seit diesem Sommer gibt es je nach Preisgeld sowohl Major- als auch Minor-Turniere, die zusätzlich von Valve gesponsert werden und bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen. Je nach Abschneiden erhalten die Spieler und Teams Punkte, die diesmal zur Qualifikation für das nächste The International dienen. Da kein Team jedes Turnier spielen kann und die besten Teams sich vor allem auf Majors konzentrieren, haben somit auch schwächere oder neue Teams die Chance, sich über Minor-Turniere für das Highlight des Jahres zu qualifizieren – oder zumindest Turniere zu gewinnen.

Kritik gibt es trotzdem. So klagen einige Organisationen über den dicht gepackten Terminplan, weil sie die Qualifikationsspiele für mehrere Turniere an einem Tag absolvieren müssen. Gleichzeitig garantiert der Pro Circuit weder ein gleiches Gehaltsniveau noch die Beständigkeit der Teams.

Zumindest das könnte Riot mit der Neuausrichtung der NA LCS gelungen sein. Allerdings gibt es auch hier Bedenken: Die neue Liga mag professioneller denn je sein, sie zementiert aber auch den ohnehin schon nahezu exklusiven Einfluss des Entwicklers Riot auf die Entwicklung von League of Legends als E-Sport. Und sie macht ihn zu einer nicht minder exklusiven Angelegenheit, die möglicherweise kleinere, unabhängige E-Sport-Organisationen ausschließt. Wer hat schon mal eben 13 Millionen auf der hohen Kante, um sich in eine Liga einzukaufen?