Für die meisten Menschen ist das neue Star Wars: Battlefront II bloß ein Videospiel. Für Chris Lee hingegen, Mitglied im Repräsentantenhaus von Hawaii, ist es "ein Online-Casino für Jugendliche – und eine Falle". So nannte es der US-Politiker am Dienstag in einer Ankündigung. Hat da etwa wieder ein Politiker Games nicht verstanden? Im Gegenteil: Lee bekam viel Zustimmung von Gamern, denn er möchte etwas abschaffen, was diese ebenfalls aufregt: Sogenannte lootboxes, zu deutsch Beutekisten.

Dabei handelt es sich um virtuelle Belohnungen, die Spieler eines Games erhalten. Etwa, indem sie bestimmte Aufgaben erfüllen, Erfolge erreichen oder einfach lange genug spielen. Oder, indem sie echtes Geld in In-Game-Währung umwandeln und sich dann zusätzliche Kisten kaufen, stets in der Hoffnung, darin einen besonders seltenen Gegenstand zu finden. Häufig haben die Belohnungen keinen Einfluss auf das tatsächliche Spiel, in einigen Fällen aber können sich Spieler mit ihnen einen Vorteil verschaffen.  

Lange war dieses Prinzip vor allem in sogenannten Free-to-Play-Spielen verbreitet. Weil das Spiel kostenlos ist, verdienen die Entwickler mit Mikrotransaktionen: zwei Euro für eine schicker aussehende Rüstung hier, zwei Euro für ein cooles Schwert dort. Doch seit einiger Zeit haben auch die Entwickler von kostenpflichtigen Blockbustern den Reiz von Beutekisten entdeckt: Von Fifa bis Overwatch, von Battlefield bis Assassin's Creed: Sie alle locken mittlerweile mit virtueller Beute. Die Erklärung ist simpel: Im besten Fall bezahlen die Spieler nicht nur einmal für das Spiel, sondern über Monate hinweg. Publisher wie Take 2 (GTA) erwirtschaften mittlerweile die Hälfte ihres Umsatzes mit Mikrotransaktionen in ihren Spielen.

Der Fall Darth Vader

Der Trend spaltet die Szene. Einerseits funktioniert das Prinzip und manche Spieler geben Hunderte Euro dafür aus, möglichst alle Zusatzinhalte zu erhalten. Andere bemängeln, die Entwickler legten einen immer stärkeren Fokus auf das Beutesystem, während das eigentliche Spielerlebnis leide. Im Fall von Star Wars: Battlefront II entlud sich diese Kritik in den vergangenen Wochen in einem öffentlichen Protest.

Der begann mit Darth Vader. Ein Spieler der Betaversion von Battlefront II bemerkte, dass der Bösewicht nicht von Beginn an spielbar war, sondern ebenso wie andere Helden aus dem Star-Wars-Universum erst freigeschaltet werden musste: Entweder, indem man ziemlich lange spielte oder sich weitere Beutekisten kaufte  – zusätzlich zum Kaufpreis von 70 Euro. Gamespot fasst die gesamte Kontroverse noch einmal genauer zusammen.

Über Reddit verbreitete sich diese Entdeckung; eine Antwort des Publishers Electronic Arts wurde innerhalb weniger Tage zum Beitrag mit den meisten negativen Bewertungen in der Geschichte der Plattform. Spieler riefen zum Boykott auf, die Verantwortlichen versuchten es mit Schadensbegrenzung und erklärten, man wolle das Freischalten neuer Helden und die In-Game-Käufe anpassen. Kurz vor dem offiziellen Verkaufsstart kapitulierte Electronic Arts – möglicherweise auch auf Druck des Lizenzgebers Disney – und entfernte sämtliche Mikrotransaktionen mit echtem Geld. Man wolle das System noch einmal grundlegend überarbeiten, hieß es offiziell.