Ars Electronica "Wir müssen eine Revolution starten"
Die Intelligenz der Cloud wird derzeit noch gar nicht richtig genutzt. Global-Voices-Mitbegründer Ethan Zuckerman zeichnet das Bild einer besseren Netzwelt
©Jewel Samad/AFP/Getty Images

Cloud Computing, das "Rechnen in der Wolke" bezeichnet den aktuellen Trend, die eigene IT nicht mehr aus dem lokalen PC, sondern aus dem weltweiten Netzwerk zu beziehen
ZEIT ONLINE: Was halten sie von dem Begriff Cloud, der momentan inflationär benutzt wird, wenn vom Internet die Rede ist?
Ethan Zuckerman: Ich denke, das ist ein unglücklich gewählter Begriff. Alle paar Jahre taucht so ein Modewort auf. Vor ein paar Jahren war es das Web 2.0, jetzt ist es die Cloud. Die Cloud ist nicht neu. Denjenigen unter uns, die in den achtziger Jahren Computer benutzt haben, ist die Idee dahinter sehr vertraut. Schon damals war es selbstverständlich, dass ich als Schreibprogramm einen Rechner verwende, der nicht derjenige ist, der vor mir steht.
ZEIT ONLINE: Was ist gut an der Idee der Cloud?
Zuckerman: Es war noch nie so einfach und günstig, digitale Medien zu schaffen. Wir besitzen mittlerweile alle Mobiltelefone mit Kameras, wir können Videos aufzeichnen. Wenn wir vernetzt sind, sind wir automatisch Autoren. Die Cloud macht es uns einfach, Informationen zu teilen und neue zu entdecken. Aber wenn wir glauben, die Cloud sei der Traum dieser großen Konzerne wie Google oder IBM, dann machen wir es uns zu einfach. Wenn es eine Cloud in den frühen Tagen des Internets gegeben hätte, hätten wir Google niemals gebraucht.
ZEIT ONLINE: Die Idee von der Cloud Intelligence ist eine schöne Vorstellung. Gibt es eine andere?
Zuckerman: Die Cloud Intelligence ist eine mögliche Zukunft. Derzeit deutet sich aber an, dass wir die Cloud auf sehr langweilige Art und Weise nutzen. Zum Beispiel, um mit unseren Schulfreunden in Kontakt zu bleiben. Das ist schön, aber das ist vermutlich keine Revolution. Wenn wir eine Revolution wollen, müssen wir eine Revolution starten.
ZEIT ONLINE: Wie könnte so eine Revolution aussehen?
Zuckerman: Wir müssten uns gewahr werden darüber, was wir da eigentlich tun. Es ist ein Unterschied, ob wir die physische Welt kartographieren, also die Straßen, die Fluglinien, die Internetkabelverbindungen und ähnliches. Oder ob wir nachzeichnen, was ich als „Flow“ bezeichnen würde, eine Karte der Ströme: Den Verkehr, nicht die Infrastruktur.
- Datum 09.09.2009 - 09:28 Uhr
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