Freifunk

Internet für alle

In einer ganzen Reihe von Städten weltweit gibt es freie Funknetze. Berlin aber tut sich schwer. Dabei existiert hier bereits eines, getragen von Enthusiasten.

Die Stadt als überdimensionales Internetcafé, in dem jeder an jedem Ort problemlos surfen und mailen kann, möglicherweise sogar kostenlos – diese Idee hat weltweit schon viele Bürgermeister umgetrieben. Für die Stadt selbst kann es durchaus ein Vorteil sein, wenn Bürger, Firmen und die eigenen Bediensteten jederzeit Zugang zu den Informationen des Netzes bekommen. Und angesichts der immer größeren Bedeutung des Web ist eine Art Internetgrundversorgung auch eine soziale Dienstleistung.

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Große Städte wie Hongkong haben sie umgesetzt und auch ganz kleine wie Kennesaw im US-Bundesstaat Georgia. Seit 2006 versucht der Senat von Berlin, ein für alle offenes stadtweites Wlan-Netz aufzubauen. Viel wurde darüber bereits debattiert, doch bis heute ist unklar, wer es zu welchen Bedingungen anbieten wird und wo die dafür benötigten 5000 Funksender aufgebaut werden können. Sicher scheint derzeit nur, dass der Zugang nicht kostenlos sein wird, will man doch auf jeden Fall eine Firma als Betreiber und das nicht selbst machen.

Dabei gibt es ein solches Netz bereits. Es gehört allerdings nicht der Stadt oder irgendeinem Konzern, sondern den Bürgern, die es aufrechterhalten. Freifunk nennt sich die internationale Initiative, die in Berlin sehr rührig ist. Schirmherr ist ein gemeinnütziger Verein. Die Idee ist simpel: Niemand nutzt seine Flatrate wirklich aus, also kann die übrige Bandbreite auch anderen zur Verfügung stehen. Wer mit anderen teilen will, spielt auf seinen Router eine freie Software von freifunk.net, besorgt sich bei dem Verein eine IP-Adresse und stellt die Antenne ans Fenster. Wer mit seinem Laptop in der Nähe ist, kann dann über fremde Anschlüsse kostenlos surfen.

Die ganze Stadt können die Freiwilligen noch nicht versorgen, aber in einigen Gegenden ist das Angebot schon recht groß. Wer mitmacht, akzeptiert eine Art Verbindungsabkommen, das PicoPeeringAgreement. Grundsätzlich bestätigt man damit nur, dass man die fremden Daten nicht beeinträchtigt oder verändert und dass man bereit ist, seine Infrastruktur "für den freien Datenaustausch" zur Verfügung zu stellen. Je nach Region kann es noch Zusätze geben. So wird beim Freifunk-Berlin NordOst dringend darum gebeten, keine Filesharing-Programme zu nutzen.

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Leser-Kommentare

    • 19.09.2009 um 10:52 Uhr
    • Alobam

    Ein (kostenloses) Internet für alle würde unserem Unternehmen einen Extremen boost verleihen! In ganz Berlin mit einem beliebigen Laptop oder sogar Ipod Touch surfen wäre eine wahnsinnige gelgenheit für Unternhemen und Privatleute. Wenn das irgendwer von der Stadtverwaltung ließt, bitte einführen!
    Und bitte ohen private Firmen, dann haben wir ein ähnliches Chaos wie bei der S-Bahn ;-)

    • 20.09.2009 um 23:16 Uhr
    • neptox

    Ich hatte selbst bis heute davor Angst, mein Internet der Gesellschaft kostenlos zur Verfügung zu stellen. Auch die 12 WLan-Signale, die ich empfange sind allesamt verschlüsselt.
    Ab heute ist damit für mich Schluss. Ich werde Freifunker! Das Internet ist frei – und auch der Zugang soll es sein.

    Öffnet das Netz!

  1. Man sollte in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen, dass die DSL-Anbieter das gar nicht mögen und jetzt auch gerichtlich dagegen vorgehen:
    http://yuccatree.de/2009/...

    • 21.09.2009 um 12:14 Uhr
    • as87
    4.

    @Frodo Beutlin
    Das hat aber nichts mit dem Freifunkprojekt zu tun, denn dort geht es um den "Anbieter" FON (http://www.fon.com/de).
    Dein verlinkter Artikel benutzt nur fälschlicherweise den Begriff "Freifunk", denn FON macht nichts anderes als die Benutzer einen eigenen Router ins Fenster zu stellen und für das "teilen" des DSL-Anschlusses unter anderem Geld zu verlangen und genau dagegen gehen die Provider vor.

    Das Freifunk-Projekt macht sowas völlig frei und ohne Bezahlung, nur leider sind solche Artikel wie auf Yuccatree mal wieder schlecht recherchiert und bringen gerne FON und Freifunk durcheinander.
    (btw ..Freifunk benutzt auch FON-Router, aber dann sind die kein Teil von FON mehr und haben damit nichts zu tun)

    • 21.09.2009 um 12:18 Uhr
    • as87
    5.

    Noch als Nachtrag ..Freifunk-Router verbinden sich untereinander, wenn sie in Reichweite zueinander sind und bilden damit ein eigenes Netzwerk.

    Das Internet ist dann nur ein "Service" von diesem Netzwerk und mitnichten dafür notwendig um ein Freifunk-Netz zu bilden, da alles über WLAN geht - man kann auch einfach nur so ein Teil des Freifunk-Netzes sein, ohne sein Internet freigeben zu müssen - ein alternatives und regionales "Internet", wenn man so will.

    Einfach unter http://start.freifunk.net... noch ein wenig einlesen :)

  2. @as87: OK, Freifunk <> FON. Aber auch wenn das Projekt nicht kommerziell ist, scheinen mir da zwei Fragen nicht hinreichend geklärt bzw. Schwachpunkte:
    1) Rechtsverletzungen - wer haftet, wenn über meinen DSL-Anschluss strafbare Dinge laufen (Kinderporno, Raubkopien etc.) und
    2) Die AGB der DSL-Anbieter verbieten teilweise, den Anschluss Anderen zur Verfügung zu stellen. Die Anbieter werden vermutlich wenig Lust haben, sich selbst das Wasser abzugraben, indem sie dabei zusehen, wie ein paar zahlende Kunden ihre Leistung weiterverschenken und dabei den Traffic vervielfachen.
    Versteh mich nicht falsch: die Idee klingt reizvoll, aber diese real existierenden Fragen hätte ich schon gern geklärt ;-)

    • 22.09.2009 um 12:14 Uhr
    • alxhh

    Lieber Frodo, deine Konsumhaltung ist ein wenig traurig, da doch mit minimalem Aufwand alles im Netz gefunden werden kann:

    Die rechtliche Betrachtung in lang: http://retosphere.de/publ...
    Und ein Blog vom gleichen Author: http://www.offenenetze.de/
    Die FAQ bei Freifunk: http://wiki.freifunk.net/...

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