Netzsperren "Jura ist nicht dazu da, antiquierte Geschäftsmodelle zu schützen"Seite 3/3

ZEIT ONLINE: Sie selbst setzen sich für ein modernisiertes Urheberrecht ein. Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dass sich ein solcher Ansatz in der Politik durchsetzen lässt? Die Zeichen scheinen bei den großen Parteien nach wie vor auf Verschärfung zu stehen, man liebäugelt etwa mit Internetsperren für illegales Kopieren...

Hoeren: Zurzeit läuft nichts. Börsenverein und Musikindustrie schalten nach außen hin auf stur und wollen keinen echten Dialog. Freund ist Freund, Feind ist Feind. Es wird schwarzweiß gemalt und nur sortiert, wer zu welchem Lager gehört. Da die Brücken zu einem offenen wissenschaftlichen Diskurs abgebrochen wurden, reagiert die Politik symbolisch: mit leeren Gesten, wie etwa dem unsäglichen, technisch und juristisch unsinnigen Sperrungsgerede.

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Thomas Hoeren ist Professor am Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, Internetrechtsexperte und Richter am Oberlandesgericht. Er hat ein 500 Seiten dickes Skript zum Internetrecht verfasst, dass kostenlos heruntergeladen werden kann.

Die Fragen stellte Ben Schwan.

 
Leser-Kommentare
    • wet
    • 07.09.2009 um 13:32 Uhr

    Das Justiz experimentell ist, hilft leider den von einem Ausreißer in dieser Experimentierkette betroffenen "Fall" recht wenig. Nach mehr als zehn Jahren seit Erfindung des Internets durch Al Gore sollte doch nicht mehr zu Lasten der aktiven Nutzer herumprobiert werden müssen...

  1. So sieht es meine Partei - in groben Umrissen. Urheberrecht ist eine Orwellsche sinentstellung, wir reden hier & heute über ein reines Verwerterrecht. Die Urheber sind genau so gekniffen wie die Kundschaft.
    Dass willfährige Altparteiler, die auch gewohnheitsmässig Geld von Waffenhändlern nehmen, das alles kriminalisieren wollen, ist klar. Wes Brot ich ess...

    • Spez
    • 07.09.2009 um 15:35 Uhr
    3. Pushen

    Ich möchte mal nicht kleinlich sein, aber bin es jetzt mal.
    Das englische Wort to push wurde schon einmal eingedeutscht. In Form des Wortes: puschen.
    Vielleicht sollte man es dabei belassen und die Entwicklungsgeschichte nicht noch einmal wiederholen.

  2. 4. Wowy

    Einer der wenigen nicht offen Pro-Verlags-Leistungsschutzrechts- und Anti-Google-Artikel zum Thema Urheberrecht.

    Es ist traurig genug, aber ich verspüre den Drang mich bei der ZEIT-Redaktion zu bedanken.

    Danke.

  3. Antiquierte Geschäftsmodelle gibt's doch überall, wo man hinguckt - die Kommerzialisierung von Waren und Dienstleistungen muss endlich aufhören - wir fordern die Legalisierung des Laden-"Diebstahls" (schon das Wort gehört abgeschafft) - "freie Liebe" mal ganz anders: jedem seine kostenlose Nutte - ...

    Mal im Ernst: Selten hatte das Wort vom Elfenbeinturm so viel Berechtigung wie bei diesem "Professor aus Münster".

  4. Aus meiner Wahrnehmung heraus mache ich die gleichen Beobachtungen. Es tut gut diese von einem Profi bestätigt zu wissen. Normalerweise würden mich solche Urheberrechtssachen nicht weiter tangieren - DRM kann man irgendwie verschmerzen -; ich habe aber den Eindruck das der größte Teil unserer Wirtschaftsleistung in der Zukunft auf geistigem Eigentum beruhen wird: Formeln, Baupläne, Modelle, Konzepte. Das macht einerseits ungeheuer wichtig dass diese (effektiv! und nicht nur pro forma) geschützt sind, andererseits muss der Wissenschaft und der Kultur aber auch ein sicherer und offener Zugang zu Wissen und Forschung gegeben sein. Da sich keine große Partei verpflichtet fühlt mit dem (m.M.n.) wichtigsten Teil unseres späteren Volkseinkommens zu beschäftigen ist mein Unmut über diese Thematik entsprechend groß.

  5. prof. hoeren zählt m.e. zu den wenigen deutschen juristen, die sich aktiv für ein zeitgemässes urheberrecht aussprechen und einsetzen und die gegenwärtig völlig verkrusteten und kommerzialisierten strukturen des längst überholten urhg kritisch beleuchten.

  6. Mal wieder ein Artikel der in die Print-Zeit sollte, aber dort nie erscheinen wird. Dadurch verfestigt man die Fronten, statt durch konstruktiven Streit nach und nach zu neuen Möglichkeiten zu finden.

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