Wikileaks Den Mächtigen auf die Füße tretenSeite 2/2
Whistleblower werden Menschen genannt, die vertrauliche Informationen an die Öffentlichkeit geben. Der Vorstand des Whistleblower-Netzwerks e.V. hat eine öffentliche Stellungnahme herausgegeben, in der die Bilanz zu Wikileaks eher kritisch ausfällt: "Wikileaks kann Aufklärung anstoßen und einfordern, leistet sie aber bisher kaum." Dies berge eine erhöhte Gefahr für Angeschuldigte, insbesondere wenn es um Einzelpersonen geht denen keine Medienmacht zur Richtigstellung und zum Zurückschlagen zur Verfügung stünde. "Wenn sie das Niveau von gutem investigativem Journalismus erreichen würde, würde auch Whistleblower-Netzwerk e.V. stärker darüber nachdenken, Whistleblowern die Nutzung von Wikileaks zu empfehlen."
Das allerdings zeugt von einem Denkfehler. Denn Wikileaks behauptet nicht, die Relevanz der Dokumente zu kennen, Wikileaks überprüft lediglich, ob das Dokument selbst echt ist. "Wikileaks bietet der gesamten Globalen Gemeinschaft ein Forum, um Dokumente und Artikel auf Glaubwürdigkeit, Plausibilität, Falsifizierbarkeit und Wahrheitsgehalt zu überprüfen,“ heißt es dazu. Der Politikwissenschaftler Kleinsteuber sieht die Journalisten und Wissenschaftler in der Verantwortung. „So wie es mit allen Quellen im Internet ist – sie müssen dann sorgfältig prüfen, ob sie den Hinweisen nachgehen wollen“, sagt der Politologe.
Vielen gilt die Veröffentlichung des angeblichen HIV-Tests von Apple-Chef Steve Jobs als Beleg für die Fehlbarkeit der Methode. Wikileaks hat das Dokument veröffentlicht, obwohl es zuvor als Photoshop-Fälschung identifiziert worden war. Die Betreiber sahen sich aber dennoch in der Informationspflicht, weil es auch in Börsenkreisen gezielt gestreut worden war, um den Aktienkurs des Unternehmens zu beschädigen. Deshalb war den Betreibern wichtig, das Dokument öffentlich als Fälschung zu outen.
Wikileaks schmückt sich auf der Homepage mit einem Zitat aus dem Time Magazin, das besagt, dass Wikileaks „so wichtig werden könnte wie das amerikanische Informationsfreiheitsgesetz“. Auch der Guardian und die New York Times bekennen sich immer wieder zu dieser Quelle. Deutsche Medien sind indes mehrheitlich zurückhaltend bis kritisch. Immerhin gab FAZ-Redakteur Thomas Thiel zu, bei Recherchen gegen das Bankhaus Julius Bär auf geleakte Geheimunterlagen zurückgegriffen zu haben. Die Seite könne aber auch schnell zum Nährboden für Gerüchte werden, gibt er zu bedenken. Kleinsteuber glaubt zu wissen, woher das schlechte Bild kommt: "Als Mächtiger habe ich ein Interesse, dass ich mich hinter schützenden Barrieren verschanzen kann", sagt er. „Und ich werde alles dafür tun, den Ruf des Denunzianten in der Öffentlichkeit zu verunglimpfen.“
Die Korruptionsbekämpfer von Transparency International (TI) schreiben über den Begriff des "Whistleblowing", er habe – aus den USA kommend – inzwischen auch Einzug in Europa gehalten. Allerdings noch wenig in Deutschland. „Nur bei uns hat der Whistleblower das Stigma des Denunzianten." Transparency Deutschland tritt bereits seit vielen Jahren dafür ein, Hinweisgeber in Unternehmen und Behörden zu unterstützen und zu schützen. Zwar gibt es von dieser Stelle keine öffentliche Stellungnahme zu Wikikleaks, immerhin aber wurde Julian Assange, einer der wenigen öffentlich bekannten Wikileak-Aktivisten, zum großen Transparency Kongress im vergangenen Jahr nach Athen eingeladen. Amnesty International hat Assange in diesem Jahr für seine Aufklärungsarbeit einen Preis verliehen.
Zu tun gibt es genug, wie die aktuelle Wunschliste der meistgesuchten Dokumente zeigt. Allein für Deutschland stehen darauf unter anderem die Liste der zu sperrenden Internetseiten, die das BKA an die Internetprovider gegeben hat, unter Verschluss gehaltene Stasi-Akten prominenter Persönlichkeiten, die Liste jugendgefährdener Schriften, die an Suchmaschinen-Betreiber gegangen ist, die Toll-Collect-Verträge, die Unterlagen zum Cross-Border Leasing der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) oder die Fahrtenbücher Ursula von der Leyens. „Seiten wie Wikileaks sind unentbehrlich, damit die, die da oben sitzen, sich ihrer Sache nicht zu sicher sein können“, sagt Kleinsteuber.
- Datum 22.10.2009 - 16:34 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Es ist schade, dass viele Zeitung "ihre" Quellen dort nicht für alle Medien zur Verfügung stellen. Zusammen wäre eine unterschiedliche Kommentierung und Einordnung ("echt oder nicht") und der Zugriff aller Leser auf die Quelle viel interessanter. (Man denke nur an den Hype um das Papier "Konzept integriertes Energieforschungsprogramm”.)
Die Wikileaks-Webseite ist nebenbei auch DIE Testseite für die Zensurinfrastruktur... "Gute" offizielle Gründe (Urheberrecht, etc.) gäbe es eine Menge, dagegen aber auch.
... man könnte die Site aufrufen. Das geht momentan nicht.
Wie lange wird es wohl dauern, bis WikiLeaks auf der Sperrliste des BKA landet?!
Im größeren Bild: Ich denke, mit einer dermaßen domestizierten und geradezu schwachsinnigen Bevölkerung wird sich ein konstruktiver Aufstand nicht bewerkstelligen lassen...
Verfassungsschutz,hörst du zu?
gefährdet...entschuldigen sie...;)
gefährdet...entschuldigen sie...;)
gefährdet...entschuldigen sie...;)
Alles, was das Licht der öffentlichkeit scheuen muss, beruft sich auf Geheimhaltung. Das war schon immer so und das ist auch heute so.
Da werden nicht die Praktiken abgestellt, sondern gegen die Veröffentlicher vorgegangen. Auch das ist uralt und hat sich in den wenigen Jahrhunderte, die Demokratie in der Welt kennen, noch nicht grundlegend geändert.
Dabei ist es eine öffentlche Aufgabe, auch der Presse, durch Transparenz ein Verhalten, eine Meinung auf den Prüfstand zu stellen. Kann es vor der Öffentlichkeit bestehen oder nicht?
Mir ist klar, dass es bei er Komplexität von Politikprozesses da schwierige Gratwanderungen gibt,aber Transparenz ist ein wichtiges Rechtsgut und sollte, wie in Schweden, in der Verfassung verankert werden. Sicher eine Schwierigkeit für einen Staat, der das Amtsgeheimnis hochhält und Verstösse dagegen strafbewehrt.
die Sperrung politisch unliebsamer Seiten.
http://wikileaks.org/wiki...
Danke für den Link. Ich bin schockiert. Es ist eindeutig Zeit zum Ändern.
Dazu aus der Wikipedia:
"Am 13. April 2009 hat sich jedoch herausgestellt, dass der Provider dem Domaininhaber schon im Dezember 2008 gekündigt hatte und die Domain deswegen in den Transit ging, weil bis zum Ende der Kündigungsfrist kein neuer Provider benannt worden war."
Das stimmt auch.
durfte man ja auch keine BBC-Sendungen hören.
"Feindsender" sind immer verboten, auch im 'Informationszeitalter'.
Das ist auch kein Widerspruch, zwar können mißliebige Informationen größtenteils durch konzertierte Medienmacht blockiert werden, zwar gibt es die bewährten Desinformationskampagnen des AgitProp - fragen Sie Merkel - , dennoch gibt es zuweilen kritische Lücken, zumal im Netz.
Halten Sie ruhig den 'Afghanistaneinsatz' für einen Aspekt internationaler Sozialarbeit,
in Deutschland jedenfalls herrscht Krieg.
Danke für den Link. Ich bin schockiert. Es ist eindeutig Zeit zum Ändern.
Dazu aus der Wikipedia:
"Am 13. April 2009 hat sich jedoch herausgestellt, dass der Provider dem Domaininhaber schon im Dezember 2008 gekündigt hatte und die Domain deswegen in den Transit ging, weil bis zum Ende der Kündigungsfrist kein neuer Provider benannt worden war."
Das stimmt auch.
durfte man ja auch keine BBC-Sendungen hören.
"Feindsender" sind immer verboten, auch im 'Informationszeitalter'.
Das ist auch kein Widerspruch, zwar können mißliebige Informationen größtenteils durch konzertierte Medienmacht blockiert werden, zwar gibt es die bewährten Desinformationskampagnen des AgitProp - fragen Sie Merkel - , dennoch gibt es zuweilen kritische Lücken, zumal im Netz.
Halten Sie ruhig den 'Afghanistaneinsatz' für einen Aspekt internationaler Sozialarbeit,
in Deutschland jedenfalls herrscht Krieg.
Da fragt man sich warum das bei solchen Seiten so einfach geht und bei KiPo-Seiten muß dann ein Stopschild her?
Für wie blöd halten die uns eigentlich?
dass der Journalismus und andere Gruppen die Aufgaben nicht mehr erfüllen, die eine kritische Öffentlichkeit fordern müssten. Die Aufdeckung von Verstößen wird deshalb zunehmend von anderen Bürgerrechtsgruppen übernommen<(a>.
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