Yahoo Pipes Ab durch die Röhre!

Mit Yahoo Pipes lassen sich im Handumdrehen Webinhalte bündeln, filtern und personalisieren. Ein mächtiges Werkzeug, um im Web 2.0 den Überblick zu behalten

Das Web im Mixer: Mit Yahoo Pipes lassen sich Feeds bündeln, filtern und sortieren

Das Web im Mixer: Mit Yahoo Pipes lassen sich Feeds bündeln, filtern und sortieren

Die Hälfte der deutschen Internetnutzer tummelt sich mittlerweile in sozialen Netzwerken, weit über Hundert Plattformen stehen dazu allein aus Deutschland zur Verfügung. Die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten, die das Web 2.0 bietet, sind jedoch gleichzeitig ein Problem: Eine neue Nachricht via Twitter, ein Eintrag bei Facebook, Songs auf MySpace, Fotos auf Flickr, Videos auf YouTube und Nachrichten via RSS-Feed – je mehr unterschiedliche Dienste eine Person nutzt, umso umständlicher wird es, den Überblick über den Informationsfluss zu behalten.

Wie wäre es also, aus allen relevanten Quellen einen einzigen Datenstrom zu generieren, der sich ständig aktualisiert? Mit Yahoo Pipes steht ein kostenloses Werkzeug zur Verfügung, welches genau dies ermöglicht – ganz ohne Programmierkenntnisse.

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Pipes is a free online service that lets you remix popular feed types and create data mashups using a visual editor.

Pipes Dokumentation

Was in Fachkreisen als Mashup bezeichnet wird, ist im Grunde nichts weiter als simples Kombinieren von Inhalten zu einem individuellen Feed. Dazu steht in Pipes (engl. "Röhren") ein grafischer Editor zur Verfügung, über den sich nahezu jede beliebige Datenquelle einbinden lässt. Darin können die gewünschten Datenquellen per Drag-and-Drop auf einer Arbeitsfläche angeordnet, verbunden und mit verschiedenen Filter- und Sortiermodulen bearbeitet werden. Nach diesem Prinzip ließe sich beispielsweise der ZEIT-ONLINE-Newsfeed in Pipes einbinden, nach Datum sortieren und nach Thema filtern. Mit einem Klick kann die Pipe direkt ausgegeben werden, wahlweise als RSS-Feed oder als Widget, das auf Websites oder in anderen Applikationen eingebaut werden kann.

Sortieren, Filtern und individuell anpassen: Jeder beliebige Feed lässt sich in Pipes einbinden

Sortieren, Filtern und individuell anpassen: Jeder beliebige Feed lässt sich in Pipes einbinden

Um die volle Funktionalität von Pipes zu erschließen, braucht es allerdings Zeit. Denn hinter der simplen Oberfläche ist das Röhrensystem sehr komplex und damit letztlich auch flexibel zu gebrauchen. Wer über das nötige Know-how verfügt, kann durchaus vielschichtige Abläufe konstruieren. So gibt es Module, die Daten lokalisieren, Flickr nach Stichwörtern durchsuchen oder Texte übersetzen. Das Pipes-Entwicklerteam hat angekündigt, bald noch zahlreiche weitere Module freizugeben. Fertiggestellte Pipes lassen sich selbst wiederum als Module in andere Pipes einbinden.

Für Einsteiger dürften die Röhrenkonstrukte trotz der einfachen Oberfläche etwas gewöhnungsbedürftig wirken. Wer die Funktionen unkompliziert kennenlernen möchte, kann auf ein Archiv an bereits angelegten Pipes zurückgreifen: So gibt es bereits Mashups für relative simple Abfragen von Nachrichten oder Sozialen Netzwerken bis hin zu komplexen Abläufen wie die Suche von Flickr-Fotos eines bestimmten Gegenstands in der Nähe eines bestimmten Orts. Ein anderes Pipe kombiniert die Schlagzeilen der New-York-Times-Titelseite mit thematisch passenden Flickr-Fotos. Alle im Pipes-Archiv gelisteten Mashups können bearbeitet, kopiert und in eigene Röhrenkonstrukte integriert werden. Der eigenen Kreativität sind somit kaum Grenzen gesetzt.

 

ZEIT ONLINE hat mithilfe von Pipes einen Feed erstellt, der nahezu sämtliche Aktivitäten der Kandidaten zur Bundestagswahl 2009 auf Twitter, Flickr, YouTube und Blogs bündelt. In chronologischer Reihenfolge geordnet können Sie live verfolgen, wie der Wahlkampf im Web 2.0 ausgetragen wird. Über die Pipes-Website lässt sich die ZEIT ONLINE Polit-Pipeline direkt abrufen oder in einer RSS-optimierten Version als Feed abonnieren. Die Badge-Funktion ermöglicht es, die Pipe auch in Websites oder andere Applikationen zu integrieren.

Das Röhrensystem in Aktion: Über das "Truncate-Modul" kann die Ausgabe des Feeds begrenzt werden, beispielsweise auf 50

Das Röhrensystem in Aktion: Über das "Truncate-Modul" kann die Ausgabe des Feeds begrenzt werden, beispielsweise auf 50

Dieser Datenstrom umfasst mehr als 400 integrierter Feeds. Daher benötigt die Pipe einige Zeit zum Laden. Derzeit ist die Ausgabe von uns auf die aktuellsten 100 Feeds begrenzt. Die Pipe lässt sich jedoch individuell anpassen und beispielsweise die Ausgabe auf 20 Feeds begrenzen, umso die Ladezeit zu verkürzen. Hier zeigt sich eine Schwachstelle von Pipes: Auch wenn die Abfrage großer Datenmengen möglich ist, scheint die technische Infrastruktur noch nicht dafür ausgelegt zu sein. Wer von einer IP-Adresse aus mehr als 200 Abfragen an Pipes innerhalb von zehn Minuten startet, dem wird von Yahoo sogar für eine Stunde komplett der Zugang zu Pipes gesperrt. Auf eine Anfrage von ZEIT ONLINE bestätigt ein Sprecher des Entwicklerteams die technischen Probleme – man arbeite derzeit an einem Ausbau der Infrastruktur.

Nichtsdestotrotz steht mit Pipes – in erster Linie für die private Nutzung – ein mächtiges Werkzeug zur Verfügung, an dem nicht nur Technik-Freaks und Entwickler Gefallen finden können. Das Röhrensystem ermöglicht neue Wege, um das Potential des Web 2.0 zu erschließen.

 
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