Internet-KriminalitätJeder zweite Nutzer wird Opfer von Online-Straftaten

Ferngesteuerte PCs, leer geräumte Konten, Datenklau – das BKA und der Verband Bitkom warnen: Netz-Kriminalität nimmt erheblich zu. Viele Nutzer sind zu arglos. Von Tina Klopp von 

Cyberkriminelle operieren weltweit, die Hintermänner zu fassen ist schwierig

Cyberkriminelle operieren weltweit, die Hintermänner zu fassen ist schwierig  |  © Joe Raedle/Getty Images

Das Bundeskriminalamt (BKA) und der Branchenverband Bitkom warnen vor deutlich mehr Straftaten im Internet. Das geht aus Zahlen hervor, die Bitkom in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa erhoben hat und die an diesem Donnerstag in Berlin vorgestellt wurden. "Mehr denn je müssen sich PC-Nutzer auf dem Laufenden halten, wie sie sich vor Kriminellen schützen können", sagte Bitkom-Chef Dieter Kempf. Kempf und der Chef des BKA, Jörg Zierke, kündigten zudem eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Polizei an.

Der Bitkom-Studie zufolge wurde bereits jeder zweite Deutsche Opfer von Kriminalität im Internet. Allerdings zählt der Verband auch Virenattacken zu den Straftaten. Diese machen den größten Teil der Betrugsfälle aus. Immerhin neun Prozent der Nutzer sind der Studie zufolge schon einmal von einem Geschäftspartner im Netz betrogen worden. Bei 5 Prozent wurden persönliche Zugangsdaten ausspioniert.

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Auf diese digitalen Nutzerprofile hätten es die Kriminellen besonders abgesehen, sagte Kempf. Die sogenannte Underground Economy würde für konkrete Adressen, Kontodaten, aber auch Informationen über Hobbys und Berufe hohe Preise bezahlen. Im Netz gebe es Online-Shops, in denen Kriminelle gezielt nach Kreditkarten-Daten, E-Mail-Zugängen oder gehackten Rechnern und Webseiten suchen könnten. Aktuell sorgen Listen für Aufsehen, auf denen Hacker Tausende E-Mail-Konten von Hotmail, Gmail, MSN und Yahoo-Nutzern zusammengetragen und ins Netz gestellt haben.

Krempf mahnte, viele Nutzer gingen zu sorglos mit ihren Daten um. Sechs von zehn Nutzern seien etwa bereit, Namen und Adressen in Web-Formularen einzutragen, etwa um bei Anbietern Waren oder Dienstleistungen zu kaufen. 38 Prozent der Surfer tippten auch Bankverbindungen oder persönliche Daten zu Beruf oder Hobby in die Eingabefelder der Online-Anbieter ein. "Früher wäre niemand auf die Idee gekommen, seine Tagebücher ans Schwarze Brett zu nageln", sagte Kempf mit Blick auf soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ.

Weitere Eintrittstore für Datendiebe seien Bezahldienste wie PayPal oder ClickAndBuy, Ebaykonten oder Heimarbeits-Zugänge zu Firmennetzen. Doch auch beim Besuch einer ganz normalen Website können sich Nutzer mit einem Trojaner infizieren. Bitkom hat auf den eigenen Internetseiten konkrete Hinweise zusammengetragen, wie sich Nutzer vor diesen Angriffen besser schützen können.

Auch Bankgeschäfte im Internet sind nach Ansicht von Bitkom derzeit mit größeren Gefahren verbunden. Zwar ist die Zahl der Betrugsfälle zuletzt gesunken, weil Banken das so genannte iTan-Verfahren eingeführt haben, um die Sicherheit der Kunden zu erhöhen. Mittlerweile aber hätten viele Kriminelle einen Weg gefunden, diese Sicherheitsmaßnahme zu umgehen. Der Verband rechnet deshalb damit, dass die Straftaten beim Online-Banking wieder steigen werden. Von 2900 Fishing-Fällen – so nennt man das Ausspähen von Bankdaten durch den Einsatz gefälschter Eingabemasken – geht Bitkom in diesem Jahr aus. Das wären 50 Prozent mehr Fälle als noch im Vorjahr. Der Gesamtschaden könnte sich in diesem Jahr auf 11 Millionen Euro belaufen, schätzt der Verband.

Im Schnitt erbeuteten die Betrüger der Bitkom-Studie zufolge 4000 Euro pro Nutzer. In einigen Fällen liege der Schaden jedoch bei fast 70.000 Euro. Zwar gibt es längst sicherere Mechanismen als die Liste mit den nummerierten Tan-Nummern. Bankkunden können sich etwa die aktuell benötigte Pin-Nummer kurz vor der Überweisung auf ihr Mobiltelefon schicken lassen. Vielen Kunden aber ist das zu umständlich. Außerdem informieren manche Banken nur unzureichend über die neue Technik oder haben sie noch gar nicht eingeführt. 33 Prozent aller Internetnutzer verzichten deshalb auf Bankgeschäfte im Internet.

Leserkommentare
    • Grabert
    • 08. Oktober 2009 18:03 Uhr

    Jahrelang sind die Computernutzer geimpft worden mit so schönen Sprüchen wie "Datenschutz ist Täterschutz" und "Der Ehrliche hat doch nichts zu verbergen". Und jetzt, da eine ganze Generation von Datenspendern diese Grundsätze verinnerlicht hat, da stellt sich ganz unerwartet heraus: Hoppla, wir haben ja doch etwas zu verbergen. Aber inzwischen dürfen viele Anwendungen ungefragt (weil es ja so herrlich bequem ist) Kontakt zum Internet aufnehmen. Kaum jemand kann noch feststellen, ob sich nur die Systemuhr mit dem Internet abgleicht oder ein Trojaner die Kontodaten verrät.
    Viele nette Dinge erleichtern uns vorgeblich unser User-Leben, denen man besser keinen Zugriff erlauben sollte. Zumindest, wenn man den Datenschutz-Gedanken der 1980er anhängt. Nur sollte man sich eben auch nicht wundern, wenn all diese niedlichen Zaubereien missbraucht werden können. Hier wäre das Zurückschrauben dringend erforderlich, auch mental.
    Immer neue Türchen, die zum Computer aufgemacht werden, um irgend einem Schnurrkram den Zugriff zu gestatten, ist eben auch ein offenes Türchen für unberechtigte Zugriffe.
    Und wer sich verinnerlicht, dass er etwas zu verbergen hat, der ist auch vorsichtig bei Angaben im Internet. Ich jedenfalls lasse in Internet-Formularen, wenn ich sie denn überhaupt (ungern) nutze, Felder leer wo es nur geht oder fülle mit Unsinn, wenn Inhalt erzwungen wird.
    Aber diese Einstellung ist wohl in Zeiten von (un)social networks eher eine extreme Minderheitenposition.

    Eine Leserempfehlung
  1. ...kam mir wieder der Gedanke dass offensichtlich vielen Nutzern das Verständnis für die Technologie dahinter völlig fehlt.

  2. Alle diese Dienste haben bekannte Mängel, die es Betrügern erlauben, relativ leicht Kasse zu machen. Deswegen muss man aber nicht gleich das ganze Internet in seiner bisherigen Form abschaffen. Aber Monopol Dienste etwas mehr unter Druck zu setzen schadet sicherlich niemanden.

    Diese nicht mehr zu benutzen übrigens auch. Generell sollte man im Internet relativ wenig kaufen, man fördert meist die falschen - Ausnahmen mag es geben.

    Schade das normale Banken weder richtiges HBCI noch richtiges Micropayment für ihren Privatkunden anbieten.

  3. … es heisst doch Phishing, oder?!

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    • Klaue
    • 09. Oktober 2009 1:11 Uhr

    Ja, Phishing und nicht so wie das ZDF meint, wie es heißen würde xD
    http://www.youtube.com/wa...

    Die ÖR und die neuen böse Kommunikationstechnologie :))

  4. denn Viren zur Internetkriminalität zählen und auch noch daraus die Überschrift formulieren ("jeder zweite")!??!

    Panikmache. Wahrscheinlich plant Schwarz(gelb) bereits weitere Einschnitte und wirft eine derartige Studie vorraus...

  5. Abgesehen davon, dass der Artikel Zahlen verfälscht (Viren werden in der gleichen Statistik wie Betrugsfälle geführt), heisst das Problem in erster Linie Windows. Als Alternative sollte man sich beispielsweise Ubuntu anschauen, ich kann es nur empfehlen. Seit meinem Umstieg vor ein paar Monaten hab ich keine Probleme mehr mit Viren und anderem Ungeziefer, die Mühe hat sich gelohnt. Weil ich viel mit Pendrives arbeite hatte ich jeden Tag mehrere Viren auf meinem Rechner, bis irgendwann gar nichts mehr ging.
    In Ubuntu sind alle Benutzerdaten strikt von den ausführbaren Dateien getrennt, auf die es widerum nur Zugriff nach Eingabe eines Passwortes gibt. Es könnte so einfach sein.
    Gegen Betrüger ist man aber natürlich nie sicher. Wenn jemand seine Passwörter persönlich preisgibt hilft keine Technik mehr, es kann also auch nicht die Schuld des Internets an sich sein. Leute die sich unsicher fühlen sollten solche Dienste einfach nicht benutzen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das Problem heißt in erster Linie Mensche (zur Illustration: "Ein sprechender Elch möchte meine Kreditkartennummer? Klingt fair!") :-)

    • alguien
    • 08. Oktober 2009 21:56 Uhr

    Die Ueberschrift spricht von "Online-Straftaten", da gehoeren Viren auch dazu. Und die meisten Viren enthalten ja Programme, um Banking-Passwoerter und andere wichtige Daten von Windows-Nutzern zu protokolieren und dann an die Autoren des Virus weiterzugeben.

    Ich benutze ebenfalls seit rund 2 Jahren Ubuntu. Zunaechst auf meinem Laptop, das einfach zu alt und langsam fuer Windows war, unter Ubuntu aber wieder schoen fluessig laeuft.

    Ein paar Wochen spaeter habe ich Ubuntu dann auch auf meinem Arbeits-PC installiert, und brauche seit dem weder Virenscanner noch Firewall, und was der gestresste Windows-User halt noch so alles kaufen und überwachen muss.

    Schön ist, dass man die Viren-verseuchten USB-Sticks der Freunde einfach in den Ubuntu-PC stecken und die Viren einfach in den Mülleimer schieben kann.

  6. Panikmache!

    Der Verband Bitkom und das BKA!

    Das Digitale Traum(a)paar!

    Wunderbar! Danke! Ich freu mich........

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