Das Satellitenbild zeigt die Wolkenbildung über Europa und dem Nordatlantik mit dem sich entwickelnden Orkantief "Kyrill" © Deutscher Wetterdienst/dpa

Das norwegische Wort "yr" bedeutet Nieselregen. Es kann aber auch ausgelassen, hocherfreut heißen – ein bisschen irre eben. In einer solchen Stimmung werden die Gründer von www.yr.no vor zwei Jahren gewesen sein, als sie merkten, wie gut die neue Wetter-Website gefiel. Das gemeinsame Projekt des Meteorologischen Instituts in Oslo und des öffentlich-rechtlichen Senders NRK wird heute in jeder Woche von bis zu 1,6 Millionen Menschen genutzt. Und das in einem Land, das nur 4,8 Millionen Einwohner hat.

Wobei inzwischen längst nicht alle Nutzer aus Norwegen stammen. Denn Wetterdaten respektieren genau wie das Wetter keine Ländergrenzen. Daher liefert www.yr.no auch hervorragende Wettervorhersagen für Dresden oder Fallingbostel. Oder für sieben Millionen andere Orte auf der Welt, wie die Seite nicht ohne Stolz verkündet.

Entdeckt aber haben das neben den Norwegern bislang vor allem die Schweden. Ähnliche Angebote gibt es dort nicht und ein Viertel der Nutzer kommt inzwischen aus dem Nachbarland. Deutsche sind mit 0,5 Prozent, was immerhin etwa 8000 Menschen entspricht, bislang eine eher kleine Nutzergruppe. Allerdings ist die Website nur in norwegischer und englischer Sprache verfügbar.

Der Erfolg basiert auf der einzigartigen Datenquelle. Die Seite verarbeitet die originalen Rohdaten des Norwegischen Meteorologischen Instituts, das diese frei zur Verfügung stellt. Vor wenigen Jahren habe man versucht, die Daten zu verkaufen, erzählt der Direktor des Osloer Instituts Anton Eliassen. Mit wenig Erfolg. "Leute sind nicht bereit, für Wetterinformationen zu bezahlen. Die möchten sie frei verfügbar haben. Und da stimmen wir zu", sagt Eliassen. Immerhin hätten sie deren Erhebung ja mit ihren Steuern bezahlt. Der Erfolg gäbe ihm Recht, meint er. Jetzt bekämen die Bürger mehr detaillierte Wettervorhersagen und also mehr für ihr Geld.

Mit der offenen Linie hat Eliassen jedoch den Ärger europäischer Kollegen geerntet. Jede Firma oder Person kann seine Wetterdaten herunterladen, nicht nur Norweger. Eliassen nennt ein Beispiel: Eine finnische Firma hat früher Daten vom finnischen Wetterdienst gekauft, bekommt sie aber jetzt kostenlos von den Norwegern. Das schafft Unruhe unter den Kollegen in anderen Ländern.

Die schwierigsten Diskussionen habe er deswegen mit den französischen Kollegen von Météo-France gehabt, sagt Eliassen. Eine französischsprachige Version von yr.no würde man dort als eine unfreundliche Aktion sehen.

Auch mit den Kollegen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) hat Eliassen gesprochen. "Sie fragten, ob wir yr.no auf Deutsch anbieten werden. Das haben wir nicht gemacht, weil wir ungern einen Streit mit einem Institut anfangen möchten, das auf der richtigen Seite in dieser Diskussion steht."