Google Book Settlement Google Books verzichtet auf weltweiten Anspruch

Deutsche Autoren sind raus aus dem Google-Buch-Projekt. Doch entschieden ist der Streit um die Digitalisierung mit dem nun vorgelegten Kompromiss noch lange nicht.

In der bisherigen Version kam Richter Denny Chin das "Google Books Settlement" nicht in die Tüte. Bis zum 9. November haben Google und die amerikanische Buchbranche nun Zeit, um den Vergleich zu überarbeiten

In der bisherigen Version kam Richter Denny Chin das "Google Books Settlement" nicht in die Tüte. Bis zum 9. November haben Google und die amerikanische Buchbranche nun Zeit, um den Vergleich zu überarbeiten

Ist Google eine Bedrohung oder eine Chance für den Buchmarkt? Seit 2004 scannt der Konzern überall auf der Welt Millionen von Werken, um sie für seine Suchmaschine und seine Werbedienste nutzbar zu machen. Dazu hat er mit diversen Bibliotheken Verträge geschlossen, um an deren Bestände zu gelangen. Google findet, man rette damit die Zukunft des Buches und erwartet gleichzeitig ein enormes Geschäft; die Bibliotheken hofften, so ihre Bestände sichern und neue Erkenntnisse aus ihnen gewinnen zu können.

Doch rief diese Idee heftigen Streit hervor, in den sich zuletzt auch Regierungen einmischten. Im Kern geht es, wie so oft, um Geld. Autoren und Verlage sehen ihre Rechte an den Büchern verletzt und wollen an eventuellen Gewinnen beteiligt werden. Google legte nach langem Gezerre 2008 ein entsprechendes Angebot vor und bot weltweit Urhebern an, sie mit 63 Prozent an den künftigen Einnahmen aus den digitalen Werken zu beteiligen. Das aber wollten Verlage und Autoren so nicht hinnehmen – sei es doch, argumentieren sie, eine nachträgliche Legalisierung eines eigentlich illegalen Prozesses: Google hätte die Bücher nie scannen dürfen und hat es trotzdem getan. In Mountain View ist man anderer Meinung, hat aber nun, gezwungen von einem New Yorker Gericht, einen neuen Kompromiss vorgelegt, um Verlage und Autoren für die Zweitverwertung zu entschädigen.

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Das ganze Amendend (überarbeitete) Google Book Settlement kann auf einer zu dem Streit eingerichteten Internetseite heruntergeladen werden. Es besteht aus diversen Teilen und ist hunderte Seiten lang. Hier die wichtigsten Neuerungen:

Nur noch Bücher, die urheberrechtlich in den USA, in Kanada, Großbritannien oder Australien registriert sind, gehören noch zu dem digitalen Verwertungsmodell. Letztlich gibt Google damit seinen Anspruch auf, alle Bücher der Welt digitalisieren zu wollen und beugt sich unter anderem dem europäischen Druck.

Deutsche Urheber sind damit nicht mehr Teil der Übereinkunft mit Google. Sie werden nicht pauschal entschädigt, verlieren aber auch keine Ansprüche gegenüber dem Konzern. Sind sie der Meinung, dass ihre Rechte verletzt werden, können sie gegen Google klagen, entweder in Deutschland oder in den USA.

Sie können aber auch einen so genannten Partnervertrag mit Google schließen, jeder Verlag für sich. Dann allerdings erhalten sie wohlmöglich weniger als die angebotenen 63 Prozent. Wie viel genau, ist nicht so klar. Kritiker sagen, das Abrechnungsmodell des "Partnerprogramms" sei nicht transparent genug.

Neu ist auch, dass all jene berücksichtig werden, die sich nicht bei Google melden – weil sie nichts davon wissen oder tot sind beispielsweise. Zwar hatte Google überall auf der Welt Anzeigen geschaltet und aufgerufen, dem Settlement zuzustimmen oder zu wiedersprechen, doch garantiert das nicht, dass der Konzern alle damit erreicht hat. Ursprünglich sollte daher das mit "verwaisten Werken" gemachte Geld an alle ausgeschüttet werden, die sich bei Google haben registrieren lassen. Kritiker nannten das eine Enteignung der betroffenen Autoren.

Nun will man eine Art Interessenvertretung schaffen. Das eingenommene Geld soll nicht mehr verteilt, sondern dazu verwendet werden, diese Treuhänder zu finanzieren, damit sie nach verschollenen Autoren suchen. Gelingt das innerhalb von fünf Jahren nicht, soll es nach weiteren fünf Jahren literarischen Einrichtungen zugute kommen, dem Gemeinwohl also, nicht einzelnen Autoren.

Nicht ausgeräumt ist damit die Angst, dass Google ein Monopol aufbaut und bald der wichtigste Anbieter von digitalen Büchern weltweit wird. Immerhin könnte der Konzern, setzt er seine Meinung durch, die Millionen gescannten Bücher nicht nur im Volltext durchsuchbar machen, sondern auch digitale Kopien davon verkaufen.

Daher sind auch Konkurrenten des Suchmaschinenbetreibers Teil des Streits. Microsoft, Yahoo und Amazon haben sich zur Open Book Alliance zusammengeschlossen. Die will einerseits eine offene und für jeden zugängliche Bibliothek schaffen und hat dazu bereits eine Million Werke gescannt. Andererseits haben auch diese Firmen wirtschaftliche Interessen, die sie mit ihrem Projekt verfolgen. Sie nun finden, dass der neue Kompromiss nicht genügt. An der grundsätzlichen Kritik, dass Autoren entrechtet würden, ändere er nichts.

Wie es weitergeht? Der Kompromissvorschlag muss nun vor dem Bundesgericht in New York verhandelt werden, was noch Monate dauern wird. Am 18. Februar soll dazu erst einmal eine Anhörung stattfinden, auf der die Gegner ihre Meinungen äußern können.

 
Leser-Kommentare
    • Mejan
    • 16.11.2009 um 13:58 Uhr

    Es ist schon erstaunlich, die Autoren deren Rechte von Google mit Füßen getreten werden, müssen sich bei Google melden um für sich günstige Verträge mit dem Riesen abzuschließen. Das ist doch grotesk. Seid tausenden Jahren wird das Wissen in gedruckter Form von Generation zu Generation weiter gegeben. Die Welt brauch Google nicht, Google brauch die Welt. Ich hoffe sehr dass alle Autoren, nicht nur die deutschen, sich auf ihr tun besinnen, denn sie sind dem Leser verpflichtet und nicht dem perfidem, geldgierigem Unternehmen. Die Autoren dürfen einfach nicht solchen Geschäften zustimmen. Die Literatur wird dadurch ein immensen Schaden nehmen.

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    • joG
    • 16.11.2009 um 14:54 Uhr

    ...nicht nur die deutschen, sich auf ihr tun besinnen, denn sie sind dem Leser verpflichtet und nicht dem perfidem, geldgierigem Unternehmen"

    Das hoffe ich auch. Wenn sie nämlich keinen Vertrag schließen, wird es Jahrzehnte dauern, bis man die Bücher im Netz lesen kann und die Welt ist dadurch ärmer.

    • joG
    • 16.11.2009 um 14:54 Uhr

    ...nicht nur die deutschen, sich auf ihr tun besinnen, denn sie sind dem Leser verpflichtet und nicht dem perfidem, geldgierigem Unternehmen"

    Das hoffe ich auch. Wenn sie nämlich keinen Vertrag schließen, wird es Jahrzehnte dauern, bis man die Bücher im Netz lesen kann und die Welt ist dadurch ärmer.

    • wp
    • 16.11.2009 um 14:43 Uhr

    Wäre das projekt nicht durch Google, sondern durch ein kleines Start-Up Unternehmen durchgeführt worden, man hätte es schon auf Milliarden von Euros verklagt und die Akteure strafrechtlich verfolgen lassen.

    • joG
    • 16.11.2009 um 14:54 Uhr

    ...nicht nur die deutschen, sich auf ihr tun besinnen, denn sie sind dem Leser verpflichtet und nicht dem perfidem, geldgierigem Unternehmen"

    Das hoffe ich auch. Wenn sie nämlich keinen Vertrag schließen, wird es Jahrzehnte dauern, bis man die Bücher im Netz lesen kann und die Welt ist dadurch ärmer.

    • itelon
    • 16.11.2009 um 14:56 Uhr

    Fuer mich als Nutzer waere eine solche digitale Bibliothek ein Traum: endlich in allen jemals gedruckten Buechern lesen koennen, jegliches Wissen zugaenglich, nie mehr umstaenliche Recherchen in der Bibliothek, Volltextsuche uvm. Dass sich davon Verlage und Bibliotheken bedroht fuehlen, ist klar. Dennoch ist es ganz klar die Zukunft, nur jetzt eben ohne deutsche Werke.

  1. Bei der aktuellen Diskussion um Google-Books kommt doch eines regelmäßig zu kurz:

    Das Urheberrecht hat nicht nur eine finanzielle Dimension. Es geht dabei nicht ausschließlich um die Entlohnung des Autors. Es geht auch um sein legitimes Interesse an dem Ob und dem Wie der Veröffentlichung überhaupt, und zwar nicht als Teil seiner finanziellen Interessen, sondern als Teil seines Persönlichkeitsrechts.

    Ich kann deshalb dem Standpunkt nicht zustimmen, es sei das Wichtigste, dass die Bücher und das darin enthaltene Wissen nicht verloren gingen. Schließlich muss auch diese Entscheidung dem Autor selbst zustehen. Er muss darüber entscheiden können, ob sein Buch überhaupt noch weiter verlegt werden soll oder ob er dies nicht mehr wünscht, etwa weil er von dem darin geäußerten wissenschaftlichen oder sonstigen Standpunkt mittlerweile Abstand genommen hat. Deshalb ist es bedenklich und mit dem deutschen Urheberrechtsgedanken wohl nicht zu vereinen, ein Buch überhaupt ohne die Zustimmung des Rechteinhabers zu veröffentlichen, ob erreichbar oder nicht. Ein vom Autor losgelöstes Veröffentlichungsinteresse ist in Deutschland aus guten Gründen erst ab 70 Jahren nach dem Tod des Autors anerkannt. Will man dies gesetzlich ändern, so bedarf es einer Debatte darüber, ob man in Deutschland grundsätzlich den anglo-amerikanischen Urheberrechtsgedanken annehmen will, der mehr von der finanziellen Seite und weniger von der persönlichen Stellung des Autors zu seinem eigenen Werk ausgeht.

  2. Die Presse ist doch genauso beschränkt wie "die Öffentlichkeit" und "die Politik", was das hier diskutierte Thema angeht.

    Hat irgendwer hier überhaupt schon mal mit Google Books gearbeitet? In der ganzen Diskussion weiß doch kein einziger Beteiligter, wovon überhaupt die Rede ist.

    Von wegen, alle Bücher werden eingescannt und kostenlos im Volltext und zum Runterladen angeboten. Im Volltext und zum Runterladen gibt es bei Google erstmal nur diejenigen Bücher, bei denen das Copyright definitiv abgelaufen ist. Und was das für ein unbeschreiblicher Segen für jeden Wissenschaftler oder kulturell Interessierten ist, kann sich keiner von euch offenbar auch nur entfernt vorstellen. Von so etwas haben kulturell und wirtschaftlich interessierte Menschen seit Jahrtausenden nicht einmal zu träumen gewagt.

    Ferner gibt es bei Google Books kein einziges Buch, das noch dem Copyright unterliegt, im Volltext geschweige denn zum Runterladen. Man kann im Volltext zwar suchen (und das ist natürlich so sinnvoll und ohne jeglichen Nachteil, dass es schon weh tut es überhaupt erwähnen zu müssen), aber von dem Buch wird nur ein unzusammenhängender Teil der enthaltenen Seiten bei Google angezeigt. Von Runterladen ist sowieso keine Rede. Und sobald ein Autor auch diese Anzeige einiger Seiten nicht gutheißt, dann erscheint ohne seinen Willen von seinem Buch kein einziger eingescannter Buchstabe bei Google.

    [Fortsetzung siehe nächster Kommentar]

  3. [Fortsetzung vom vorigen Kommentar]

    Und was ist denn das für ein idiotisches Argument mit den Rechteinhabern, die nicht mehr auffindbar sind. Dann werden also alle Bücher, deren Rechteinhaber nicht mehr auffindbar sind, in Zukunft auch nicht mehr auffindbar sein geschweige denn Interessenten oder Käufer finden. Ganz toll. Das hilft natürlich unheimlich den Rechteinhabern, die nicht mehr auffindbar sind dadurch, dass sie dann auch keine Leser mehr haben. Und den potentiellen Lesern und Interessenten hilft es auch unheimlich, sie sparen nämlich ganz viel Zeit dadurch, dass sie potentiell interessante Bücher gar nicht erst finden. Endlich hat man dann genügend Zeit, um guten Gewissens noch mehr DSDS und Big Brother zu glotzen. Herzlichen Glückwunsch.

    Hier haben ein paar geistig schwerstbeschränkte Lobbyisten mit Mamsell Merkel von der traurigen Gestalt an der Spitze nichts weniger als einen weiteren Sargnagel für die europäische Wissenschaft und Kultur geschmiedet.

    MfG vom Adminator

  4. Dass die deutschen/europ/etc. Autoren nicht mehr beruecksichtigt werden, bedeutet nichts anderes, als:

    1. die gesamte europaeische (und sonstige) Literatur ist auf einen Schlag gegenueber der englischsprachigen marginalisierter

    2. international betrachtet lohnt es sich auf einen Schlag damit eher in den USA, England oder Kanada verlegen zu lassen

    a) um ueberhaupt via Google bzw. im Net auffindbar zu sein
    b) um ueberhaupt so viel zu verdienen. Den meisten ist gar nicht klar dass Google mit 63% weit mehr bietet, als ueblicherweise z.B. Verlage zahlen - weit mehr!

    3. zieht man die ganze paranoide, heisse Weltverschwoerungsluft gegen Google ab, haben besagte Autoren auch praktisch nicht mehr Rechte, sondern lediglich weniger Optionen: waehrend sie vorher den Gebrauch einfach widerrufen konnten, koennen sie jetzt aber nicht einfach zu den guten Konditionen den Gebrauch nutzen.

    Ihre Position hat sich einfach nur verschlechtert. Weniger potentielle Verdienste, weniger Praesenz. Thats all.

    4. Der Leser hat weltweit ebenfalls einfach nur ein beschraenkteres Angebot, die Menschheit eine kleinere Bibliothek. Mehr noch: taeglich verschwinden Buecher durch Braende, sonstige Schaeden, Diebstahl. Eigentlich sollte man so schnell wie moeglich alles digitalisieren/retten und sich freuen, wenn das jemand das ueberhaupt organisiert, die Kosten uebernimmt und derartig gute Konditionen bietet.

    Tack tack tack, wieder ein ein paar Buecher fuer immer verschwunden.

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