Journalismus im Netz

Kurt Beck will mehr Qualitätsjournalismus sehen

Die Studie "Begrenzter Journalismus" prophezeit Medien Finsteres. Kurt Beck fordert trotzdem gute Ausbildung und Recherche. Gebühren aber will er nicht verlangt haben.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ist zugleich Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ist zugleich Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, über Gebühren für Angebote im Internet nachzudenken. So zumindest berichtete es die Nachrichtenagentur dpa nach einer Rede Becks beim Mainzer Mediendisput mit dem Zitat: "Journalistische und verlegerische Arbeit ist auch im Netz etwas wert. Wir müssen uns darauf einstellen, wie das einer darauf nicht eingestellten Kundschaft vermittelt werden kann." Das aber will der Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder so nicht verstanden wissen, wie es nun in einer Klarstellung hieß.

Anzeige

Bei der Tagung mit dem Motto "Schweigen, Lügen und Vertuschen – wenn die Wahrheit nicht mehr öffentlich wird" lieferten Vertreter aller Mediengattungen vor allem düstere Zustandsbeschreibungen und Zukunftsszenarien. Anlässlich des Mediengesprächs stellten Medienwissenschaflter der Universität Darmstadt eine Studie vor, die sich mit den Gefahren für den unabhängigen Journalismus auseinandersetzt. Das Autorenteam erwartet, dass sich die Krise der Zeitungen weiter verschärfen wird. "Die Betriebswirte haben längst die Herrschaft in den Redaktionen übernommen", sagt Geribert Jakob von der Forschungsgruppe Medien.

Unter den Faktoren, die es dem Qualitätsjournalismus künftig schwerer machen, taucht auch der Punkt "Digitalisierung" auf. Dazu heißt es: "Die Beteiligungsbarrieren für Laien sinken, die Medien verlieren ihre Gatekeeper-Funktionen. Junge Nutzer und Intensiv-Leser wenden sich verstärkt den Online-Medien zu." Sie ignorierten dabei zunehmend die Themen-Bündelung, die etablierte Anbieter zusammenstellten. Es entstünden "deterritorialisierte Kommunikationsräume."

In ihren Lösungsvorschlägen spricht die Studie unter anderem von einer Neuausrichtung der Produktionsabläufe, so sollten Leser interaktiv eingebunden werden und Inhalte noch stärker vernetzt werden. Dies könne zur internen Qualitätssicherung genutzt werden. Außerdem sollten Verlagsgründungen unterstützt werden, zumal sie im Netz mit geringerem finanziellem Aufwand umzusetzen wären. Schließlich sollten die Produktionsabläufe wieder entschleunigt werden. "Es macht keinen Sinn, das 137. News-Portal zu sein, das dieselbe Nachricht leicht modifiziert ebenfalls veröffentlicht", schreiben die Autoren. Die Manpower wäre in eigene, selbst recherchierte Geschichten besser investiert.

Denkbar sei aber auch die Förderung zivilgesellschaftlicher Medieninitiativen, die die Medienvielfalt bereichern können.

Beck zeigte sich offen für Überlegungen, Qualitätsjournalismus mit staatlicher Unterstützung zu sichern, schrieb dpa. "Ich würde nichts von all dem einfach vom Tisch wischen", kommentierte er entsprechende Maßnahmen anderer Länder – etwa Medienfonds oder die kostenlose Verteilung von Zeitungen an junge Leser wie in Frankreich. "Wir müssen darüber reden, aber nicht mit verdeckten Karten", sagte Beck und warb für einen "offenen Diskurs" aller Beteiligten. Als Forderung, für Onlineangebote Gebühren zu erheben, will Beck das jedoch nicht verstanden wissen. In einer "Klarstellung" auf der Website seiner Landesregierung heißt es: "Mit keinem Wort hat sich Kurt Beck – weder in seiner Rede noch im anschließenden Interview mit Norman Odenthal – dafür ausgesprochen, über Gebühren für Internetangebote nachzudenken." Er habe lediglich betont, dass Qualitätsjournalismus auch in digitalen Medien gute Ausbildung brauche.

Unwidersprochen blieben die übrigen Zitate, in denen Beck forderte, die "tief greifenden Veränderungen der medialen Welt" als Chance zu sehen. "Natürlich wird mit den neuen Möglichkeiten viel Halbwissen, Unwissen und Unfug verbreitet. Aber bei solch großen Dingen sollten die Chancen im Vordergrund stehen, auch die Chancen für wirtschaftlichen Gewinn und Arbeitsplätze." Das Internet erfordere ein Festhalten am Qualitätsjournalismus als "Leitfaden durch die Informationswelt" nach "kritischer Aufbereitung". Deshalb dürfe auf gute Ausbildung, faire Entlohnung und Arbeitsbedingungen sowie Zeit für Recherche auch künftig nicht verzichtet werden. Man dürfe nicht versuchen, überhöhte Renditeerwartungen mit immer seichteren Inhalten zu erfüllen, warnte er. "Das Internet ist kein Grund zu sagen: Wir brauchen keinen Qualitätsjournalismus mehr."

Anzeige
Leser-Kommentare

  1. Journalismus von Qualitäts-Journalismus?

    Liegt die Krux allein in einer üppigen Honorierung des Veröffentlichten, oder doch eher in der unvoreingenommen objektiven und unparteiischen Berichterstattung, die möglichst dem Leser förderlich, weil sachlich informierend ist!?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kann ich leider auch nicht sagen.

    Die "unvoreingenomme objektive und unparteiische Berichterstattung" kennen Sie denn ein Beispiel?

    Im Wesentlichen wird eine Abgabe nur dazu dienen, die INSM von Personalkosten zu befreien.

    Bevor Sie eine üppige Honorierung unterstellen, recherchieren Sier doch bitte erst in den Honorarempfehlungen, die öffentlich einsehbar sind und setzen Sie diesen Zahlen den Arbeitsaufwand für die Recherche entgegen. Sie werden schnell merken, dass die Honorare so üppig nicht sind. Hinzu kommen Nebenkosten für die journalistische Arbeit: Reisekosten, Gebühren, Arbeitskosten. Das Honorar-Argument ist hier genau so unsinnig wie im Bildungssegment, in dem genug gut ausgebildete Spezialisten ihr mühsam und unter Aufwendung finanzieller Mittel erworbenes Wissen, was auch aktuell gehalten werden will, für 15 - 30 Euro die Stunde (brutto natürlich) "verhökern" müssen.

  2. 2.

    "Natürlich wird mit den neuen Möglichkeiten viel Halbwissen, Unwissen und Unfug verbreitet."

    Natürlich am meisten von Politikern ^^

    Ne, im Ernst, das mit dem bezahlen für Nachrichten ist ohne einschneidende Zugangskontrollen ins Netz nicht durchsetzbar.

    Man muss weiterhin nach dem Nutzen suchen, dass Leser im Netz etwas zahlen (für Nachrichten).

    Wie bereits vorher schon gesagt wurde sind von dieser "Krise" ja vorrangig die Tageszeitungen betroffen und nicht die Wochenzeitungen. Die Bild wird sich sicher auch noch gut verkaufen.
    Vielleicht sollte man Tageszeitungen kleiner machen. Wenige Seiten, ähnlich dem International Herald Tribune. Die SZ, FAZ und wie sie heißen kann doch kein Mensch an einem Tag lesen.

    Ein Grund, warum ich mir nur einmal in der Woche die Zeit kaufe, die kann man dann auch durchschmökern.

    Man könnte diese dünnen Tageszeitungen dann mit einer dicken Samstagsausgabe koppeln, wo dann der Feuelliton und andere Kulturnachrichten abgearbeitet werden. Oder die Zeit lesen ;)

  3. Wie kann man bloß so neben den Realitäten dieser Welt liegen!

    Herr Beck verkennt man wieder die Natur des Menschen. Menschen sind nun mal egoistisch, faul und verlogen.
    Erst adäquate Rahmenbedingungen können die menschlichen Unzulänglichkeiten und Laster disziplinieren.

    Öffentlich Rechtliches GEZ- Zwangsgebühren- TV hat vor allem gezeigt, dass diese Form der Medienfinanzierung nicht funktioniert. Die Qualität ist unterirdisch, die Effizienz auch. Intendanten haben sich offenbar zu Feudalherren mit verstecken Interessen entwickelt.

    Viele ÖR- Redaktionen sind von bestimmten ideologischen gesellschaftlichen Partialgruppen gekapert worden und verbreiten nicht Information, sondern Propaganda.

    Über Rundfunkräte bestimmt faktisch das Oligopol der Parteien. Will sich Herr Beck einen Stuhl im "Internetrundfunkrat" schaffen, damit auch dieser seine Geburtstagspartys ausrichtet? (Siehe http://www.welt.de/wirtsc... )

    Nach dem zweiten Weltkrieg, als es kein Fernsehen gab, mag ein solches öffentlich rechtliches System als Starthilfe vielleicht sinnvoll gewesen sein. Im Zeitalter des Internets ist es das nicht mehr, selbst für TV. Es besteht kein Mangel an Inhalten und Pluralität im Netz.

    Daher gilt es, Zwangsgebühren für Medien zu streichen, statt neue einzuführen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Jeder schliesst halt von sich auf Andere.

  4. Nachtigall, ich hör' dich pfeifen!

    Und wieder eine neue Masche, den Leuten das Geld aus dem Säck'l zu stehlen:

    Wie erfinderisch doch Politiker werden können, wenn es darum geht, den maroden Haushalt zu sanieren.

    Nur gut, dass die SPD momentan nicht am Ruder ist, da können wenigstens die CDU/CSU und ihr "Blindenhund" FDP diesen Beck'schen Ratgeber "Qualitätsjournalismus" in einigen Monaten als ihren eigenen geistigen "Erguss" dem Wahlvolk unterjubeln - als Angriff auf die "Bildungsmisere" in Deutschland.

    Die BILD und andere politischen "Bilderbücher" wird es freuen:

    Weniger Text und dafür können noch mehr "BUNTE" Bilder gedruckt werden.

    [ entfernt: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik und pauschalisierende Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

    Noch ein Grund, dies so zu handhaben - Integration eben.

    ...und wer zahlt's? - Wir, die Steuerzahler!

  5. Jeder kann im Internet sein Geschäftsmodell plazieren. Er kann entscheiden, ob seine Inhalte kostenlos sind, oder nicht. Grundsätzlich wäre es eine richtige Entscheidung, sich zurückzuziehen, falls die Kosten nicht mehr tragbar sind. Aber ein allgemeines, privates Geschäftsmodell, so wert mir die Presse auch ist, staatlich zu unterstützen, wie Beck überlegt, ist unterirdisch.

    Die Presse in Deutschland müsste sich in einer konzertierten Aktion entscheiden, ob alle ein Gebührenmodell einführen, oder alle vom Netz verschwinden.

    Vielleicht ist der allgemeine Rückzug aus dem Internet gar keine so falsche Entscheidung. Vielleicht liesse sich damit wieder mehr Leser für die Printmedien gewinnen.

    • 11.11.2009 um 12:37 Uhr
    • Medley

    "Gatekeeper"=> volkspädagogische Zensoren der Wirklichkeit

    "Qualitätsjournalismus"=> linke Alt68ziger Meinungshegomonie

    "Beck(SPD) zeigte sich auch offen für Überlegungen, Qualitätsjournalismus mit staatlicher Unterstützung zu sichern.""=> Staatskohle von dem SPD Politiker Beck für SPD-Gesinnungen in den öffentlichen Medien.

    ""Schweigen, Lügen und Vertuschen – wenn die Wahrheit nicht mehr öffentlich wird"=> ARD&ZDF

    Mehr muss man dazu nicht sagen.

    [ Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik und tragen Sie zu einer sachbezogenen Debatte bei. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

  6. Als Konkurrenz zu nicht komerziellen Informationsquellen werden jetzt die komerziellen Gebührenpflichtig. Ich weiß ja nicht. Ob das nicht nach hinten losgeht ; )
    Jetzt will er den Schreiberlingen mehr Geld zahlen, damit die "Qualitäts-Journalismus" betreiben können. Vielleicht damit die Propaganda nicht mehr so offensichtlich ist?
    Es ist halt nicht mehr so enfach wie früher die Leute über die Medien zu manipulieren.
    Deswegen haben die Politiker so eine Heidenangst vor dem Internet: Frei verfügbare Information aller couleur.
    Gerade weil man den Quellen im Internet nicht trauen kann macht das die Leute kritischer und sie hinterfragen mehr gegenüber den "normalen" Medien.

  7. ...allerdings schwierig dies sinnvoll durchzusetzen. Man kann die Perversion einer guten Idee hervorragend an der GEZ beobachten, welche - einmal in's leben gerufen zu einem Selbstzweck verkommt und versucht ihre "Besteuerungsmöglichkeiten" tunlichst auf möglchst viele nichtnutzer von Radio und/oder TV auszuweiten.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service