Ländergrenzen im Internet
Geoblocking verhindert das grenzenlose Surfvergnügen
Weltweit einkaufen oder Fernsehen? Die globale Freiheit des Internets ist ein Mythos. Allerdings lassen sich die künstlichen Grenzen umgehen. Das ist nicht immer legal.
© Thomas Lohnes/ddp

Zollgrenzen gelten nicht nur an Flughäfen, sondern auch für Einkäufe im Internet
Das Internet kennt keine Grenzen, könnte man meinen. Doch eine Technik namens Geoblocking verhindert regelmäßig, dass wir amerikanisches Fernsehen im Netz gucken können. Und das Einkaufen bei günstigem Stand von Dollar oder Pfund scheitert oft daran, dass die Anbieter gar nicht nach Europa liefern. Aber überall wo Barrieren sind, gibt es auch findige Menschen, die sie zu umgehen verstehen. Wenn auch nicht immer ganz legal.
Es gibt kaum einen Bereich im Web, der so wenig globalisiert ist wie das Fernsehen. Das wichtigste Werkzeug bei der globalen Umsetzung von Film- und Fernsehrechten heißt Geoblocking: Wie sich leicht aus dem Namen ableiten lässt, werden damit bestimmte Regionen von einem digitalen Angebot ausgeschlossen. Anhand der einzigartigen IP-Adresse, die jeder Computer im Netz besitzt, kann man erkennen, in welchem Land er steht. So verhindern die Sender nicht nur, dass sich ein TV-Serienfan US-Produktionen wie Lost oder 24 deutlich vor deren Ausstrahlung im deutschen Fernsehen ansehen kann, sondern auch, dass ein Formel-1-Fan im Auslandsurlaub wie gewohnt auf den RTL-Webcast des Grand Prix zugreift.
Welch gravierende Folgen kostenlose Web-Streams auf das echte Fernsehen haben können, mussten Sky-Abonnenten vor kurzem erfahren. Weil die spanische Fußball-Liga beschlossen hatte, die Primera Division auf Laola1.tv gratis live im Internet zu übertragen, brach der Premiere-Nachfolger die Verhandlungen über die Übertragungsrechte einfach ab. "Es ist für einen Pay-TV-Sender, der exklusive Inhalte anbieten will, schlichtweg nicht kommunizierbar, warum seine Kunden für etwas zahlen sollen, was es auch umsonst im Internet gibt“, sagt Manuel Weis, Chefredakteur des Medien-Portals Quotenmeter.de.
Es gibt aber auch vereinzelte Gegenbeispiele: So kann seit 2008 jede Folge der Cartoon-Serie South Park gratis als Webstream angesehen werden, auch die gerade aktuelle US-Ausgabe im Originalton. Die Begründung der beiden Macher Trey Parker und Matt Stone: "Wir waren es echt Leid, unsere eigene Show selbst immer illegal herunterladen zu müssen, deshalb haben wir eine legale Alternative geschaffen.“ Ermöglicht wurde dies aber erst durch eine spezielle Rechte-Konstellation: Sowohl Serie als auch alle Sender, die sie weltweit ausstrahlen (Comedy Central, MTV), gehören ein und demselben Medienkonzern: Viacom.
"Es wäre schön, wenn man diesen Rechte-Wust entwirren könnte, aber es ist eben so, dass jeder, der darin namentlich vorkommt, Vorteile daraus zieht – meist in Form von Geldscheinen“, sagt Medien-Experte Weis. Was immer wieder zu seltsamen Situationen führt: So durfte die ARD die Tagesschau im Sommer 2008 nicht wie gewohnt ungeblockt im Web anbieten, da sie aktuelle Olympia-Berichte beinhaltete, dafür aber außerhalb Deutschlands keine Internet-Rechte hatte.
Um Fragen der Legalität schert sich die Internet-Gemeinde oft wenig. Längst kommt mehr als die Hälfte des Download-Aufkommens des BitTorrent-Netzwerkes aus dem TV-Bereich, was natürlich gegen die Urheberrechte verstößt. Gesetzlich gefahrlos ist hingegen der Zugriff mittels eines Programms wie Hotspot Shield. Das richtet einen so genannten VPN-Tunnel (Virtual Private Network) ein, der die eigene IP-Adresse verschleiert und der US-Seite vormacht, sie habe es mit einem Einheimischen zu tun. Das erlaubt den ungehinderten, wenngleich langsameren Zugriff auf Web-Angebote wie Hulu oder den Radio-Dienst Pandora. Das ist zwar nicht im Sinne der Anbieter, aber auch nicht illegal.
Auch beim Einkaufen ist die Globalisierung für den einzelnen Kunden noch Zukunftsmusik. Dabei lohnt sich allein aufgrund von niedrigen Dollar- oder Pfundkursen der Einkauf im Ausland auf den ersten Blick beträchtlich. Viele Shops oder Auktionshäuser akzeptieren aber keine Versandadressen außerhalb der USA. Doch auch hier sucht sich der Markt einen Weg: Weiterversender wie YankIt! oder Bonvu stellen ihre Postadresse zur Verfügung. An diese wird die Bestellung zunächst geliefert und dann gegen Aufschlag nach Europa weitergeschickt.
Allerdings ist diese Möglichkeit höchstens Sammlern zu empfehlen, da etwa technische Inkompatibilitäten oder Garantiefälle zu Problemen führen können. Die Preisersparnis ist ohnehin meist überschaubar, denn trotz des niedrigen Dollarkurses und des seit knapp einem Jahr angehobenen Zoll-Freibetrags treiben letztlich Versandkosten und besonders die fällige Einfuhrumsatzsteuer die Kosten in die Höhe. Und das Finanzamt lässt sich leider nicht ansatzweise so einfach umgehen wie das Geoblocking.
- Datum 3.11.2009 - 15:19 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Viele Internet seiten geben sich anders, wenn sie von verschiedenen Orten angepeilt werden. Werbung und Angebote ändert sich passend zur IP addresse, auch die Google,Yahoo etc Ergebnisseändern sich je nach Herkunft des Suchenden, egal ob er nun deutsche oder Ergebnisse aus dem ganzen web wünscht. Ungefragt bekommt man so die relevantesten Ergebnisse für seine Region. Das man nicht gefragt wird erhält den falschen Eindruck der Homogenität des Netzes und beinflusst den Surfer.
Genau dieses Thema ist ein großer Aufreger für mich, da ich ständig im Ausland unterwegs bin. Gerade bei TV-Sendungen ist mir das ganze unverständlich. Jeder kann die Sendung im TV aufnehmen, aber wenn ich sie mir dann aus dem Netz ru nterlade ist es illegal??? Das verstehe wer will.
Bemerkung zu meinem Vorkommetator: Die Werbung auf Webseiten orientiert sich nicht nur an der IP-Adresse sonder es kommt auch darauf an welche Sprache man im Windows eingestellt hat.
Eine vielleicht dumme Frage meinerseits:
Was ist mit Linux?
Eine vielleicht dumme Frage meinerseits:
Was ist mit Linux?
Naja genau genommen kommt es auf die bevorzugten Sprachen des Browsers an. Diese lassen sich beim Firefox unter Extras->Einstellungen->Sprachen ändern. Einige Werbebanner verwenden aber (?)zusätzlich(?) die IP-Adresse zur genaueren Lokalisierung (Heiße Girls aus [deine Stadt]).
Die meisten Blockaden basieren afaik ausschließlich auf die Lokalisierung über die IP-Adresse (Stichwort: geoIP).
Ja, das Wort Netzneutralität vermisse ich in diesem Artikel. Gemeint ist damit die uneingeschränkte Übertragung, der im Internet verfügbaren Inhalten. Rein technisch kann ich als Anbieter eines Internetdienstes (z.B. private Homepage) mit nur wenigen Zeilen Code bestimmen, aus welchen IP-Adressbereichen, Länderdomains oder mit welcher Spracheinstellung des Browsers (nicht Windows!) meine Inhalte abrufbar sind.
Was die Warenströme anbelangt, so finde ich es weniger bedauernswert, dass wir Nordhalbkugler nicht an die neusten Schnäpchen aus Übersee herankommen, als die Tatsache, dass Händler in Schwellen- und Drittweltländer aufgrund von horrenden Ausfuhrzöllen und Versandkosten gar nicht in die Verlegenheit kommen mit uns in Handel zu treten. Beispielsweise verlangt der deutsche Logistikkonzern DHL für ein Päckchen (!) von Lima/Peru nach Deutschland mehr als 80 Euro. Ich wünschte mir, es gäbe ein YankIT in ebendiesen Ländern und würde etwaige Initiativen auch persönlich unterstützen.
Grüße eines Piraten.
die - besonders in der "realen" Welt - immer predigen, Alles aber auch wirklich Alles globalisiert werden müsse, weil nur so die Märkte funktionieren würden und dann Alles aber auch wirklich Alles gut würde?
Die Niederlande bieten beinahe alle TV-Inhalte, unabhängig vom Standort des Computers, offiziell im Netz an, sowohl die des staatlichen Fernsehens (www.uitzendinggemist.nl), als auch jene der Privaten (auf den jeweiligen Homepages).
Leider sind andere Staaten noch nicht so weit, wobei ich nicht weiß, worin die Angst besteht. Ich nehme ja niemandem etwas weg, wenn ich mir etwas online ansehe, außerdem möchte ich Serien gerne in der Originalsprache ansehen, was im österreichischen/deutschen Fernsehen quasi unmöglich ist. Vielleicht will man die Menschen ja dumm halten, indem man alles synchronisiert und nicht einmal die Option anbietet, etwas in der Originalsprache anzubieten (Zweikanalton, teilweise im ORF verfügbar). Dadurch ist Fernsehen für mich komplett uninteressant geworden, ich möchte gerne selbst darüber entscheiden, ob ich die synchronisierte oder die originalsprachliche Version ansehen will!
Und ich hoffe, dass auch einige andere Menschen ähnlich denken und dass die Zeit des Fernsehens in dieser starren Form bald vorbei sein wird.
"Das (Anm. Hotspot Shield) erlaubt den ungehinderten, wenngleich langsameren Zugriff auf Web-Angebote wie Hulu oder den Radio-Dienst Pandora."
Leider ist dies seit längerem nach meinem Kenntnisstand - zumindest bei Hulu - nicht mehr möglich. Es wird erkannt, dass man einen VPN-Tunnel verwendet und damit die Nutzung verweigert.
Naja genau genommen kommt es auf die bevorzugten Sprachen des Browsers an. Diese lassen sich beim Firefox unter Extras->Einstellungen->Sprachen ändern. Einige Werbebanner verwenden aber (?)zusätzlich(?) die IP-Adresse zur genaueren Lokalisierung (Heiße Girls aus [deine Stadt]).
Die meisten Blockaden basieren afaik ausschließlich auf die Lokalisierung über die IP-Adresse (Stichwort: geoIP).
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