Das Internet kennt keine Grenzen, könnte man meinen. Doch eine Technik namens Geoblocking verhindert regelmäßig, dass wir amerikanisches Fernsehen im Netz gucken können. Und das Einkaufen bei günstigem Stand von Dollar oder Pfund scheitert oft daran, dass die Anbieter gar nicht nach Europa liefern. Aber überall wo Barrieren sind, gibt es auch findige Menschen, die sie zu umgehen verstehen. Wenn auch nicht immer ganz legal.

Es gibt kaum einen Bereich im Web, der so wenig globalisiert ist wie das Fernsehen. Das wichtigste Werkzeug bei der globalen Umsetzung von Film- und Fernsehrechten heißt Geoblocking: Wie sich leicht aus dem Namen ableiten lässt, werden damit bestimmte Regionen von einem digitalen Angebot ausgeschlossen. Anhand der einzigartigen IP-Adresse, die jeder Computer im Netz besitzt, kann man erkennen, in welchem Land er steht. So verhindern die Sender nicht nur, dass sich ein TV-Serienfan US-Produktionen wie Lost oder 24 deutlich vor deren Ausstrahlung im deutschen Fernsehen ansehen kann, sondern auch, dass ein Formel-1-Fan im Auslandsurlaub wie gewohnt auf den RTL-Webcast des Grand Prix zugreift.

Welch gravierende Folgen kostenlose Web-Streams auf das echte Fernsehen haben können, mussten Sky-Abonnenten vor kurzem erfahren. Weil die spanische Fußball-Liga beschlossen hatte, die Primera Division auf Laola1.tv  gratis live im Internet zu übertragen, brach der Premiere-Nachfolger die Verhandlungen über die Übertragungsrechte einfach ab. "Es ist für einen Pay-TV-Sender, der exklusive Inhalte anbieten will, schlichtweg nicht kommunizierbar, warum seine Kunden für etwas zahlen sollen, was es auch umsonst im Internet gibt“, sagt Manuel Weis, Chefredakteur des Medien-Portals Quotenmeter.de.

Es gibt aber auch vereinzelte Gegenbeispiele: So kann seit 2008 jede Folge der Cartoon-Serie South Park gratis als Webstream angesehen werden, auch die gerade aktuelle US-Ausgabe im Originalton. Die Begründung der beiden Macher Trey Parker und Matt Stone: "Wir waren es echt Leid, unsere eigene Show selbst immer illegal herunterladen zu müssen, deshalb haben wir eine legale Alternative geschaffen.“ Ermöglicht wurde dies aber erst durch eine spezielle Rechte-Konstellation: Sowohl Serie als auch alle Sender, die sie weltweit ausstrahlen (Comedy Central, MTV), gehören ein und demselben Medienkonzern: Viacom.

"Es wäre schön, wenn man diesen Rechte-Wust entwirren könnte, aber es ist eben so, dass jeder, der darin namentlich vorkommt, Vorteile daraus zieht – meist in Form von Geldscheinen“, sagt Medien-Experte Weis. Was immer wieder zu seltsamen Situationen führt: So durfte die ARD die Tagesschau im Sommer 2008 nicht wie gewohnt ungeblockt im Web anbieten, da sie aktuelle Olympia-Berichte beinhaltete, dafür aber außerhalb Deutschlands keine Internet-Rechte hatte.

Um Fragen der Legalität schert sich die Internet-Gemeinde oft wenig. Längst kommt mehr als die Hälfte des Download-Aufkommens des BitTorrent-Netzwerkes aus dem TV-Bereich, was natürlich gegen die Urheberrechte verstößt. Gesetzlich gefahrlos ist hingegen der Zugriff mittels eines Programms wie Hotspot Shield. Das richtet einen so genannten VPN-Tunnel (Virtual Private Network) ein, der die eigene IP-Adresse verschleiert und der US-Seite vormacht, sie habe es mit einem Einheimischen zu tun. Das erlaubt den ungehinderten, wenngleich langsameren Zugriff auf Web-Angebote wie Hulu oder den Radio-Dienst Pandora. Das ist zwar nicht im Sinne der Anbieter, aber auch nicht illegal.

Auch beim Einkaufen ist die Globalisierung für den einzelnen Kunden noch Zukunftsmusik. Dabei lohnt sich allein aufgrund von niedrigen Dollar- oder Pfundkursen der Einkauf im Ausland auf den ersten Blick beträchtlich. Viele Shops oder Auktionshäuser akzeptieren aber keine Versandadressen außerhalb der USA. Doch auch hier sucht sich der Markt einen Weg: Weiterversender wie YankIt! oder Bonvu stellen ihre Postadresse zur Verfügung. An diese wird die Bestellung zunächst geliefert und dann gegen Aufschlag nach Europa weitergeschickt.

Allerdings ist diese Möglichkeit höchstens Sammlern zu empfehlen, da etwa technische Inkompatibilitäten oder Garantiefälle zu Problemen führen können. Die Preisersparnis ist ohnehin meist überschaubar, denn trotz des niedrigen Dollarkurses und des seit knapp einem Jahr angehobenen Zoll-Freibetrags treiben letztlich Versandkosten und besonders die fällige Einfuhrumsatzsteuer die Kosten in die Höhe. Und das Finanzamt lässt sich leider nicht ansatzweise so einfach umgehen wie das Geoblocking.