Internet

Obama hat noch nie getwittert

Enttäuschung im World Wide Web: US-Präsident Obama hat noch kein einziges Mal selbst in die Tastatur getippt, um einen Eintrag beim Sozialen Netzwerk Twitter zu posten.

Obamas Twitter-Feed ist äußerst populär – doch genuine Obama-Botschaften findet man dort nicht

Obamas Twitter-Feed ist äußerst populär – doch genuine Obama-Botschaften findet man dort nicht

Moderne Kommunikation und Internet haben ihm den Weg ins Weiße Haus geebnet – doch jetzt musste US-Präsident Barack Obama zugeben, selbst noch nie den Kurzmitteilungs-Dienst Twitter ausprobiert zu haben. "Ich habe noch nie getwittert", räumte er am Montag vor Studenten während seiner Asienreise in Shanghai ein. "Meine Finger sind zu ungeschickt, um Sachen ins Telefon zu tippen", sagte er.

Anzeige

Mit dem Dienst können maximal 140 Zeichen lange Textbotschaften übers Internet versendet werden. Obamas Twitter-Seite gilt als eine der populärsten – 2,6 Millionen Menschen "folgen" ihm.

In amerikanischen Blogs zeigte sich mancher dann doch enttäuscht über die Enthüllung: "Ich weiß, es ist dumm zu denken, dass jemand, der so beschäftigt ist wie Präsident Obama, von Zeit zu Zeit ein "Tweet" (Twitter-Botschaft) raushaut. Wenn es aber stimmt, dass er es noch NIE benutzt hat, wäre es offener gewesen, das etwas früher zu erfahren", schrieb jemand im Blog Marketing Pilgrim. "Wäre ich ein Anhänger, der glaubt, Teil von etwas Größerem zu sein, käme ich mir ein bisschen veralbert vor."

Ungeachtet der persönlichen Lücke bei der Anwendung sozialer Medien betonte der Präsident aber ihre Bedeutung für die Meinungsfreiheit: "Ich glaube sehr an die Technik, und ich glaube sehr an Offenheit, wenn es um den Fluss von Informationen geht", sagte er auf die Frage, ob Twitter in China frei zugänglich sein sollte. "Ich glaube, je freier Informationen fließen, desto stärker wird eine Gesellschaft, weil die Bürger rund um die Welt ihre Regierung zur Verantwortung ziehen können."

In den USA sei die Tatsache, dass es unbehinderten Zugang zum Internet gebe, eine "Quelle der Kraft. Und ich denke, das sollte ermutigt werden." Zugleich warb Obama für Menschenrechte. Meinungsfreiheit, Zugang zu Informationen und politische Partizipation seien universelle Rechte. "Sie sollten allen Menschen zur Verfügung stehen, einschließlich ethnischen und religiösen Minderheiten." 

Insgesamt vermied der Präsident jedoch einen zu kritischen Ton. So nannte er sensible Themen, wie den Tibet-Konflikt, nicht beim Namen.

Für die chinesischen Behörden war dies aber offenbar schon zu viel. So konnten Obamas Kommentare auf der chinesischen Website NetEase.com gerade einmal 27 Minuten gelesen werden, bevor die Zensoren sie löschten. Dies berichtete das Portal China Digital Times, das chinesische Internet-Inhalte dokumentiert. Zudem zeigten landesweite Sendeanstalten die Rede nicht. Lediglich einige Nachrichtenkanäle in Shanghai übertrugen den Auftritt sowie internationale Medien und vereinzelte Websites.

Die zuständigen Behörden hatten Obamas Auftritt bis ins Detail vorbereitet. Die Veranstaltung wirkte, als hielte sie sich an ein vorgeschriebenes Drehbuch. Zwar stellte sich der Präsident auch Fragen der Studenten. Eine echte Debatte entwickelte sich dadurch aber nicht. Die Studenten spendeten höflich Applaus und lachten, als Obama versuchte, Chinesisch zu sprechen.

Unmittelbar nach seinem Auftritt reiste Obama weiter nach Peking, wo er zu Gesprächen mit seinem chinesischen Kollegen Hu Jintao zusammenkommt. Dabei geht es vor allem um die erheblichen Ungleichgewichte im Handel der beiden Staaten.

Anzeige
Leser-Kommentare

  1. doch Konkretes sagt sie nie. Diesbezüglich kann also von Authentizität gesprochen werden, immerhin.
    Ich finde es übrigens ganz und gar nicht dumm, anzunehmen, dass, wenn sich jemand "Barack Obama" nennt und auch sonst einen staatstragenden Eindruck macht, er im Original zumindest neben dem Tippenden sitzt ... Die Forderung aus dem Artikel nach Ehrlichkeit ist eine absolut berechtigte.
    Ein kleiner Hinweis, dass da jemand "im Stil von B. O." twittert hätte am Ende den Reiz gesenkt in dieser Welt aus Analogkäse und auf Teufel komm raus finanzierten Wahlversprechen ... schade, oder?

  2. 2. Why?

    Zu Comment No1: Full Ackn.!

    Alleweil: Eine Verpflichtung zu "Twitter"??

    Genauso gut kann er in einer 4.! -klassigen TV-Show in BRD auftreten!

    ... hüstel...,- man muß nicht jeden Drec* mitmachen... Ganz im Gegenteil!

  3. Enttaeuschung im Word wide web.......Muss man wirklich alles mitmachen,
    auch wenn man meint man kann darauf verzichten?
    Was soll der reisserische Aufmacher, es ist doch eine private Entscheidung
    was jemand will oder nicht. Daraus eine Enttaueschung zu zelebrieren? Und
    noch dazu so lang?
    Wir sollten langsam lernen die Privatsphaere von Menschen zu respektieren.
    Ich finde diese Art der Darstellung bedenklich .
    Was denn noch alles, bitte schoen?

  4. Na und???
    Ich auch noch nicht...
    Und ich habe nicht das Gefühl, etwas wichtiges versäumt zu haben...

  5. Hallo? Zeitredaktion? Gibt es keine richtigen Nachrichten mehr?
    Dieser Artikel ist auf Bildzeitungsniveau. Oder habt ihr den von der Bunten abgeschrieben?
    Wenn ich Klatsch und Tratsch lesen wollte, was ich nicht will, würde ich auf BILD.de gehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
      seati

    ich gebe zu dass es sich vielleicht nicht um die relevanteste nachricht des tages handelt, aber ob sie es glauben oder nicht: für manche, insbesondere jüngere menschen, ist die tatsache, wem sie online wirklich zuhören schon wichtig. gerade wenn jemand für einen wandel und neue kommunikation steht, dann ist es sehr wohl berichtenswert, wenn er noch NIE selbst getwittert hat.
    außerdem gibt es doch wirklich genug andere artikel auf zeit.de . ich beschwere mich ja auch nicht über die aus meiner sicht zum teil odch recht pathetischen kulturbeiträge. ist halt nicht mein ding, aber deswegen gehe ich die beiträge nicht gleich inhaltlich an.

  6. Sind hier gerade ZEIT-Konkurrenten am Kommentieren, nen bisschen viralen Dumpfsinn verbreiten?

    Der Punkt ist, dass Präseident Obama mit Dingen wie Twitter sein Profil geschmiedet hat. Wenn er einen Twitter-Account nutzt, um sich zu repräsentieren, dann ist es für die Follower, bzw. Fans nicht angenehm zu erfahren, dass er selbst NIE getwittert hat.

    Gäbe es keinen Account für Präsident Obama, dann gäbe es auch nichts zu beanstanden, von wegen jeden Mist mitmachen. Aber es gibt einen. Also hat er den Mist mitgemacht, aber eben nicht selbst.

    Dass Präsident Obama seinen Twitter-account selbst füttert hat, glaube ich, auch keiner erwartet. Dass er aber noch NIE getwittert hat, weil er sich für zu ungeschickt hält, Text in ein Telefon zu tippen, das enttäuscht die Follower, denn sie haben einen Kandidaten erlebt, der eben diese Medien scheinbar genutzt hat.
    Ein Befürworter ist schön, aber nur halb so schön, wenn er selbst gar nicht nutzt, was er befürwortet - was in diesem Fall möglich und naheliegend war.

  7. Obama spricht davon, dass er zu ungeschickt sei, den Text per Telefon einzugeben?! Ich nutze meinen Computer! Nur so kann ich "links" mit Texten (z.b. meine Blog-Beiträge) und Bildern eingeben, die ich von den entsprechenden Web-Seiten herunterlade. Ich arbeite sehr gerne mit TWITTER.

    Herzliche Grüsse

    Klaus Metzger
    HILDESHEIM
    www.twitter.com/klmmetzger

    • 17.11.2009 um 17:59 Uhr
    • seati
    8.

    ich gebe zu dass es sich vielleicht nicht um die relevanteste nachricht des tages handelt, aber ob sie es glauben oder nicht: für manche, insbesondere jüngere menschen, ist die tatsache, wem sie online wirklich zuhören schon wichtig. gerade wenn jemand für einen wandel und neue kommunikation steht, dann ist es sehr wohl berichtenswert, wenn er noch NIE selbst getwittert hat.
    außerdem gibt es doch wirklich genug andere artikel auf zeit.de . ich beschwere mich ja auch nicht über die aus meiner sicht zum teil odch recht pathetischen kulturbeiträge. ist halt nicht mein ding, aber deswegen gehe ich die beiträge nicht gleich inhaltlich an.

    Antwort auf "Niveau?"
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren
  • Datum 16.11.2009 - 16:40 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Kommentare 9
  • Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Barack Obama | Internet | Soziale Netzwerke
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service