Soziale NetzwerkeIm Netz lügen wir nicht

In sozialen Netzwerken posen wir, um gut auszusehen? Nein, sagt eine Studie. Die Profile zeigen unser wahres Ich. von 

Wir maskieren uns nicht, wenn wir uns im social web bewegen

Wir maskieren uns nicht, wenn wir uns im social web bewegen  |  © Mustafa Ozer/AFP/Getty Images

Selbstdarstellung ist alles im Netzwerk. Oder vielleicht doch nicht? Psychologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben versucht zu hinterfragen, wie wir uns im Netz wirklich geben, wenn wir uns bei den Lokalisten, Facebook oder goolive einloggen. "Wir hatten erwartet, dass sich in den Profilen eine gewisse Selbstidealisierung zeigt", sagt Mitja Back, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Mitautor der Studie. "Doch wir haben keinen solchen Effekt gefunden."

Meint, die meisten Menschen machen sich im Netz nicht besser (oder schlechter) als sie wirklich sind. Oder noch knapper: Unsere Onlineprofile zeigen unsere wahre Persönlichkeit.

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Das mag trivial klingen, ist doch der Trend, sich im Netz eine völlig andere Identität zuzulegen schon lange vorbei. Längst erfüllen die Vernetzungshilfen andere Zwecke, sollen echte Kontakte herstellen, bei der Jobsuche helfen oder alte Freunde wieder finden. Die Zeit der Decknamen und gefakten Accounts ist vergangen.

Doch wie ernst wir die social networks inzwischen nehmen, ist schon überraschend. "Sie sind keine Spielerei", sagt Back. "Das sind tatsächliche Beziehungen, die dort ausgehandelt werden." Das erkläre auch, warum Seiten wie Facebook solch enormen Zulauf hätten.

Die untersuchte Stichprobe war nicht sehr groß, 236 Profile wurden insgesamt betrachtet, die allerdings recht genau. Zuerst fragten die Psychologen die Inhaber der Profilseiten nach bestimmten Eigenschaften wie Werten, Zielen, Gewissenhaftigkeit oder Offenheit für Erfahrungen. Dann wurden Fremde gebeten, die Profilseiten derjenigen zu beurteilen und danach die Persönlichkeit der Inhaber einzuschätzen.

Verglichen wurde letztlich das Urteil der Fremden mit dem, das die Nutzer von sich selbst hatten – Fremdbild und Selbstbild also. Ergebnis laut einer von der Uni verschickten Mitteilung: "Es zeigt sich, dass die spontanen Eindrücke der fremden Beurteiler mit den tatsächlichen Eigenschaften der Profilbesitzer übereinstimmen und nicht durch deren Selbstidealisierung verfälscht werden."

Dabei ist Idealisierung Teil unseres Lebens. Gibt es doch viele Situationen, in denen wir versuchen, uns im besseren Licht zu zeigen, da wir uns Vorteile davon versprechen. Im Netz aber scheint das nicht so einfach zu sein.

Leserkommentare
  1. Was Sie nicht sagen...

    Gezeichnet,
    Fiesoduck

  2. die meisten zeigen sich nur als Zombies, Nein, sie sind tatsächlich echte Zombies. Um das wissenschaftlich zu belegen, haben die Zombies eine Studie machen lassen, bei anderen Zombies.

  3. Ich kann der These "Die Profile zeigen unser wahres Ich" nicht pauschal zustimmen. Ich würde es auch nicht als "lügen" bezeichnen, denn dies setzt eine Absicht voraus. Ich würde eher sagen, dass sich viele Socialnetwork-user in ihren Profil so geben, wie sie gerne sein würden, cool, selbstbewusst, witzig. Oft stecken Leute hinter diesen Profilen, die im Alltag eher graue Mäuse sind.

    • myvoice
    • 19. November 2009 20:35 Uhr

    Die eigentliche Aussage ist doch, dass solche Versuche nicht funktionieren, weil andere Benutzer den "fake" als solchen erkennen und die wahre Persönlichkeit herauslesen.

  4. Ich muss sagen, die These "Andererseits funktioniert es auch sehr schlecht, sich falsch darzustellen" stimmt zu. Meist versucht man sich vor seinen Freunden, die mit den Profilen verknüpft sind eines Einzelnen, so zu beschreiben, wie man annimmt zu sein. Also hat man keine andere Möglichkeit, als sich selber so zu beschreiben, wie man ist, da sonst die "Freunde" es widerlegen könnten.

  5. Je nach angenommener Verteilung muss man sich ernsthaft fragen, ob 236 Personen eine ausreichende Stichprobengröße sind, um auf über 300.000.000 aktive Facebook-Nutzer zu schließen.

    Quelle: http://www.facebook.com/p...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich gehe davon aus, dass bei der (eher qualitativ als quantitativ) durchgeführten Auswertung eine Verallgemeinerbarkeit besteht. Die Studie hat ja anscheinend nicht als Ergebnis gebracht, dass ein gewisser Anteil sich adäquat selbst darstellt, sondern dass dies ein grundlegendes Prinzip ist.

    [...] (Bitte verzichten Sie auf das Posten von Werbung. Die Redaktion /ft)

  6. Ich bin halt wirklich so geil, wie ich in meinem Profil schreibe...

  7. Ich gehe davon aus, dass bei der (eher qualitativ als quantitativ) durchgeführten Auswertung eine Verallgemeinerbarkeit besteht. Die Studie hat ja anscheinend nicht als Ergebnis gebracht, dass ein gewisser Anteil sich adäquat selbst darstellt, sondern dass dies ein grundlegendes Prinzip ist.

    Antwort auf "Statistisch relevant ?"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Soziale Netzwerke | Facebook | Information | Offenheit | Studie | Oder
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