Urheberrecht Döpfners Kampf gegen die Netzkommunisten

Springer-Chef Mathias Döpfner hat während eines Podiumgesprächs mit Arianna Huffington gegen die Kostenloskultur im Netz gewettert. Den freien Zugang zu Informationen nannte er "absurd".

Was gestern beim Monaco Media Forum in Monte Carlo zu erleben und inzwischen auf YouTube zu sehen ist, war so etwas wie der Inbegriff des Ringens der Vergangenheit mit der Moderne. Schön ist es nicht, solche Kämpfe zu sehen, aufschlussreich allemal. In diesem Fall rangen Mathias Döpfner, Chef des mächtigen Springerkonzerns, und Arianna Huffington, die als einfache Bloggerin begonnen hatte und inzwischen ihr eigenes Medienimperium mitleitet. Und natürlich ging es dabei um das Internet.

Vor Kurzem erst hatte Döpfner verkündet, die Texte seiner Medien Welt und Bild im Netz nur noch gegen Geld herauszurücken. Er will das via iPhone erreichen. Wer das Springer-Leseprogramm auf sein Handy lädt, dem sperrt es den freien Netzzugang zu seinen Medien und eröffnet dafür den neuen Bezahlkanal. Wer die Anwendung nicht herunterlädt, liest weiter umsonst.

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Man kann das clever nennen oder, wie Huffington es tat, anmaßend. Doch von vorn.

In der Debatte mit Huffington äußerte Döpfner eine, sagen wir, interessante These: "Die Theorie des freien Zugangs zu Informationen ist die absurdeste, die ich je gehört habe", sagte er. Und verglich Informationen mit einer Flasche Bier, die es im Supermarkt auch nicht umsonst gäbe – auch wenn er sich dies wünschen würde.


Doch war der Nachsatz nur Ironie. Denn für Döpfner, das war klar erkennbar, gibt es keinen Unterschied zwischen wichtigen Informationen, zu denen jeder Zugang haben sollte, und solchen, die man getrost einem elitären Zirkel bezahlender Kunden vorbehalten darf. Er scheint lediglich zu unterscheiden zwischen Kram, für den man kein Geld nehmen kann, und Inhalten, die sich verkaufen lassen. Letztere im Übrigen beschäftigen sich nach seiner Einschätzung vor allem mit: "Sport", "Sex & Crime" und "Live & Death".

Dass freier Zugang zu Informationen gewisse Vorteile hat, wenn man eine offene und pluralistische Gesellschaft bauen will, findet Döpfner nicht. Er fand den Gedanken vielmehr "absurd", dass es nur demokratisch zugehe, wenn alles kostenlos verfügbar sei. Dies sei doch nur ein "sehr spätes Ergebnis der Netzkommunisten".

Leser-Kommentare
  1. Manchmal fahre ich Bus. Das ist teuer in einer Stadt wie München, aber wer von hier nach dort möchte zahlt die 2.20€.
    Wer Glück hat und einen Fensterplatz bekommt, kann aus dem Fenster sehen. Die Häuserwände, die Strassenränder, die Bushaltestellen .... überall ist Werbung zu sehen. Man kann ihr nicht ausweichen. Die Werbung lassen Hersteller schalten, um für ihr Produkt, ihren Konzern oder ihr Anliegen zu werben. Als Fahrgast darf ich mir das ansehen. Ich darf auch wegsehen wenn es mich nicht interessiert. Aber auch wenn ich eine Strecke täglich fahre und ein Plaket schon genau kenne .... es kostet mich nur das Busticket.
    Wofür, so frage ich mich jetzt, will Herr Döpfner Geld?

  2. zu Informationen, die in bestimmter Qualität frei sein sollten. Ich bin gegen eine Verclaimung öffentlicher Räume. Um die Tagesnews zu überfliegen, brauche ich kein Pay-Paper, schon gar nicht im Organizer. Es wäre auch völlig uninteressant, da etwas zu bezahlen, geschweige denn in heutigen Zeiten 350 EUR für die Tageszeitung auszugeben. Hochwertige journalistische und literarische Texte sollte man sich je nach Bedarf freischalten dürfen. http://kallewestrich.blog...

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    • wp
    • 14.11.2009 um 16:09 Uhr

    Die Freischaltung einzelner Artikel ist keine Lösung, da sie im Prinzip zum gleichen Problem führt, wie werbefinanzierte Inhalte. Populäres und Populistisches wird aus finanziellen Gründen aufgebläht und weniger populäre Themen bleiben auf der Strecke. Dadurch entsteht ja die Informationskanalisierung. Bestes Beispiel sind Trendthemen wie Schweinegrippe.

    • wp
    • 14.11.2009 um 16:09 Uhr

    Die Freischaltung einzelner Artikel ist keine Lösung, da sie im Prinzip zum gleichen Problem führt, wie werbefinanzierte Inhalte. Populäres und Populistisches wird aus finanziellen Gründen aufgebläht und weniger populäre Themen bleiben auf der Strecke. Dadurch entsteht ja die Informationskanalisierung. Bestes Beispiel sind Trendthemen wie Schweinegrippe.

  3. 3.

    Zitat Döpfner:
    "Die Theorie des freien Zugangs zu Informationen ist die absurdeste, die ich je gehört habe"

    Ok, Der Zugang zu Information muss also Unfrei sein, muss etwas Kosten. Dann verwundert es mich, das Herr Döpfner da so lässig rumsitzt.

    Könnte den Job, den Herr Döpfner macht auch ein Huhn oder eine dressierte Maus machen?
    Mit Sicherheit nicht, denn um diesen Job zu machen bedarf es Bildung (Ja, selbst zum Springerchef bedarf es etwas im Kopf. Obwohl...).

    Bildung, Ausbildung, Studium, Lehre, Praxiserfahrung etc. was nichts anderes ist als gespeicherte Information, darf also in seinen Augen nicht frei sein.

    Nun dauert es noch etwa zwei Gedanken bis ich zu der Frage komme, wieviel denn ein Herr Döpfner meint, dass seine Bildung wert sein soll?

    Ist also ein Herr Döpfner auch klug genug zu erkennen, dass man ohne Geld keine Intelligenz und ohne Intelligenz kein Geld bekommt?

    Auf dem Posten eines Vorstandsvorsitzenden sollte man dies überblicken können. Bei Springer allerdings scheint dies unnötig zu sein.

  4. "Netzkommunisten" ist also das neue Schimpfwort für technischen Fortschritt und marktwirtschaftlichen Wettbewerb im Internet.

    Es ist auch Herrn Döpfner und dem Springer-Verlag freigestellt, diese ach so schlimme Internetwelt zu meiden und dort nichts kostenlos anzubieten.

    Im Netz ist dies eine von vielen Freiheiten, die man im Kommunismus nicht hatte.

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    Nun mir düngt Herr Döpfner ist einer der letzten Kämpfer der Garde-Kavallerie-Schützen-Division und er besitz wahrlich nicht den nötigen Weitblick, welchen man von einem studierten Journalisten erwarten darf!

    Nichts desto trotz zeigt es doch in welche Richtung sich unsere Demokratie bewegt. Die (leider) menschlich- logische Weiterentwicklung der Demokratie führt zur Oligarchie…
    …ein Teil der Bevölkerung hält sich für etwas Besseres, für etwas Würdigeres!
    Gut, das kennen wir schon – in der Geschichte gab es diese Wiederholung schon oft genug, so dass ich dem entspannt entgegen sehe
    (bis repetita non placent)
    Schön ist doch nur, dass der Bourgeois Döpfner nicht leise und subtil vorgeht, sondern seinen Feind, welches wohl das (gebildete) Proletariat und der Kommunismus sein dürfte, klar bei Namen nennt!
    Er bekennt sich wenigstens klar zur Mehrklassengesellschaft!

    Der Philosoph André Gorz hat jedoch schon 1983 in seinem Buch einen kollabierenden Konsum beschrieben, der den Staat dazu zwingt, seine überflüssigen Arbeitslosen mit kostenlosen Konsum bei der Stange zu halten!

    http://www.wikio.de/video...

    isi
    (Hallo Julia ich grüße Dich)

    Nun mir düngt Herr Döpfner ist einer der letzten Kämpfer der Garde-Kavallerie-Schützen-Division und er besitz wahrlich nicht den nötigen Weitblick, welchen man von einem studierten Journalisten erwarten darf!

    Nichts desto trotz zeigt es doch in welche Richtung sich unsere Demokratie bewegt. Die (leider) menschlich- logische Weiterentwicklung der Demokratie führt zur Oligarchie…
    …ein Teil der Bevölkerung hält sich für etwas Besseres, für etwas Würdigeres!
    Gut, das kennen wir schon – in der Geschichte gab es diese Wiederholung schon oft genug, so dass ich dem entspannt entgegen sehe
    (bis repetita non placent)
    Schön ist doch nur, dass der Bourgeois Döpfner nicht leise und subtil vorgeht, sondern seinen Feind, welches wohl das (gebildete) Proletariat und der Kommunismus sein dürfte, klar bei Namen nennt!
    Er bekennt sich wenigstens klar zur Mehrklassengesellschaft!

    Der Philosoph André Gorz hat jedoch schon 1983 in seinem Buch einen kollabierenden Konsum beschrieben, der den Staat dazu zwingt, seine überflüssigen Arbeitslosen mit kostenlosen Konsum bei der Stange zu halten!

    http://www.wikio.de/video...

    isi
    (Hallo Julia ich grüße Dich)

    • jhh
    • 13.11.2009 um 20:02 Uhr

    Die Haltung dieses Menschen bestätigt alle meine Vorurteile gegenüber dem Springer Konzern. Dafür müsste ich ihm eigentlich danken.

    • keox
    • 13.11.2009 um 20:15 Uhr

    sind es, die das Leben zur Hölle machen können.

    Nicht ihrer eingeschränkten Gedankenwelt wegen, sondern weil sie immer noch zu viel Einfluß haben.

  5. 7. Live

    Das Gespräch ist ganz interessant: http://www.youtube.com/wa...

    Döpfner hat aus seiner Sicht durchaus Recht, nur hilft ihm das nichts, weil die Leute einfach kostenlose Angebote seinen vorziehen werden.

  6. einfach die Inhalte aus dem Internet entfernen, und schon ist Ruhe in der Kiste.

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