Kostenlos im Netz Wer lesen will, muss lösenSeite 2/2

Auch die Süddeutsche Zeitung startet dieser Tage eine eigene iPhone-App. Die Basisversion soll kostenfrei sein und sich wie die klassische Seite mit Anzeigen finanzieren, eine andere Variante hingegen soll fast zwei Euro pro Monat kosten. Die App Süddeutsche Gold wird jedoch nicht nur ohne Werbung sein, sondern will Kunden mit zusätzlichem Komfort locken. Leser können sich bei neuen Texten in den Wunschressorts und bei Eilmeldungen benachrichtigen lassen. Außerdem werden neue Texte automatisch heruntergeladen, damit man nicht aufgeschmissen ist, wenn es mal keinen Mobilfunkempfang gibt, etwa im Flieger oder in der Bahn.

Der Gedanke dahinter ist klar: Während Lesern seit jeher antrainiert wurde, dass sie aktuelle Nachrichten bis hin zu aufwändigen Reportagen an jeder Ecke im Internet für lau bekommen, ist die Akzeptanz, für mobile Dienste zu zahlen, größer – glauben zumindest viele Verlage.

Allerdings gibt es entsprechende Dienste von anderen Anbietern weiter kostenlos. Wer beispielsweise einen RSS-Reader auf seinem Smartphone hat, kann auch diesen bitten, Texte seiner Wunschseiten zu laden, um sie später lesen zu können. Und jeder Verlag, der seine Inhalte weiter kostenfrei ins Netz stellt, würden die Pläne der Konkurrenten torpedieren. Zumindest so lange, wie sich die einzelnen Seiten im Netz nur unwesentlich voneinander unterscheiden und alle dieselben Nachrichten in anderer Verpackung liefern. Der Ausweg ist Exklusivität, so wie das schon im Kampf um Leser bei den gedruckten Ausgaben funktioniert hat: Nur wer bietet, was andere gar nicht haben, wird erfolgreich zur Kasse bitten können.

Daher kann der Gewohnheitswandel im Netz wohl höchstens ein Prozess auf Raten sein. Gut möglich aber, dass er in Deutschland seinen Anfang auf den Handys nimmt.
 

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 20.11.2009 um 16:11 Uhr

    ...ist die Datensicherheit. Solche Zahlvorgänge bergen Gefahren, die man nicht überblickt. Momentan sehen wir das mit den Kreditkarten und im Internet ist es sicher nicht sicherer. So würde man ein unkalkulierbares Risiko eingehen für einen Konsumbetrag von 1 Euro durch Angabe der Kontendaten und hätte grosse Summen Kleinstüberweisungen zu überwachen.

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    Nun ja - wer bei iTunes einzelne musictracks kauft, nimmt ja bereits an einem online Bezahlsystem teil. Ich denke nicht, dass die Sicherheitsbedenken da ueberwiegen.

    Ausserdem koennte es ja auch ueber ein online-Abo funktinieren, das per normaler Briefpost abgeschlossen wird.

    ICh denke allerdings, dass die Logik "wer online liest hat nicht bezahlt" zu kurz greift. Ich kaufe regelmaessig Zeitungen in Printversion - zusaetzlich nutze ich online- Portale verschiedener Zeitungen. Ich glaube, dass die meisten online-Leser zugleich auch Print-Leser sind. Die wenigsten waeren aber wohl bereit, 2 mal fuer dasselbe Angebot zu bezahlen - wenn sie also bereit fuer die online Version bezahlt haben, werden sie nicht dann noch einmal die Zeitung am Kiosk kaufen - falls das bei vielen Kunden aehnlich ist, dann ist absolut gesehen nicht viel zu gewinnen.

    • joG
    • 21.11.2009 um 1:18 Uhr

    ...kann sein, obwohl ich selbst das wie oben handhabe.

    Nun ja - wer bei iTunes einzelne musictracks kauft, nimmt ja bereits an einem online Bezahlsystem teil. Ich denke nicht, dass die Sicherheitsbedenken da ueberwiegen.

    Ausserdem koennte es ja auch ueber ein online-Abo funktinieren, das per normaler Briefpost abgeschlossen wird.

    ICh denke allerdings, dass die Logik "wer online liest hat nicht bezahlt" zu kurz greift. Ich kaufe regelmaessig Zeitungen in Printversion - zusaetzlich nutze ich online- Portale verschiedener Zeitungen. Ich glaube, dass die meisten online-Leser zugleich auch Print-Leser sind. Die wenigsten waeren aber wohl bereit, 2 mal fuer dasselbe Angebot zu bezahlen - wenn sie also bereit fuer die online Version bezahlt haben, werden sie nicht dann noch einmal die Zeitung am Kiosk kaufen - falls das bei vielen Kunden aehnlich ist, dann ist absolut gesehen nicht viel zu gewinnen.

    • joG
    • 21.11.2009 um 1:18 Uhr

    ...kann sein, obwohl ich selbst das wie oben handhabe.

    • luccas
    • 20.11.2009 um 17:03 Uhr

    Zitat: "Während Lesern seit jeher antrainiert wurde, dass sie aktuelle Nachrichten bis hin zu aufwändigen Reportagen an jeder Ecke im Internet für lau bekommen"

    Wo sind sie denn, die aufwendigen Reportagen? Wo die exzellent recherchierten Artikel, wo die gutfundierten Hintergrundberichte, die diesen Namen auch verdienen?
    Solange 99% aller (kostenlosen) Angebote aus zusammengeschustertem Schmonzes bestehen, ist absolut kein Grund ersichtlich, für dieses Zeug auch noch zu zahlen.
    Und was die von irgendwelchen Schlipsträgern abonnierten Börsen- und Analysen-News anlangt: Sie haben kaum einen der Finanznasen davor bewahrt, im Rahmen der Krise als Depp dazustehen.

  1. Online Ausgaben der Zeitungen kostenpflichtig zu machen hätte nebst anderem den Vorteil, dass uns hier in den Kommentaren die zahllosen aus der ultra-linken Ecke stammenden foristen erspart blieben, die zwar nie auch nur 1 cent für das Blatt ausgeben, aber der festen Meinung sind, über die kostenlosen online Versionen für ihre Weltbeglücklungsstrategien missionieren zu können. Oder gar den Charakter einer Zeitung "umzupolen". ZEIT-Herausgeber Josef Joffe beispielsweise ist ja eine Lieblings-Hassobjekt dieser Leute. Das würde schlagartig aufhören, müsste man dafür bezahlen.

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    • Mjardn
    • 20.11.2009 um 18:22 Uhr

    Hehe, da hab ich auch sofort dran gedacht. Die ganzen kleinen Weltverbesserer, die von der Linkspartei bestimmt dafür angeheuert wurden unqualifizierte, oberflächliche Kommentare zu schreiben, würden dann schmerzlich ihr neugewonnenes Hobby wieder aufgeben müssen. Das wäre mal ne echte Bereicherung für die "Zeit".

    Ich versteh sowieso nicht warum sich nicht alle Verlage zusammentun und eine Art Prepaid-Programm entwickeln, wo automatisch pro vom Leser aufgerufenen und damit freigeschaltetem Artikel ein paar Cent gezahlt werden...das hat nicht mal was mit Kartellrecht zu tun, sondern es geht um die Existenz der Zeitungen. Sieht man sich alleine auf der "Zeit" die Entwicklung von Kommentaren zu recherchierten Berichten an, so hat sich die Qualität dahingehend stark verschlechtert. Masse statt Klasse. Und das, obwohl Zeitungen neben dem Fernsehen das wahrscheinlich wichtigste Meinungsbildungsmedium ist und damit unabdingbar für die Demokratie.
    @ inkompetent
    Die Aufgabe eines Journalisten ist ja gerade, Informationen zu sammeln und diese in einen Artikel fließen zu lassen. Journalisten sind schon seit Jahrzehnten unterbezahlt, gerade dadurch können sich nur wirklich gute Schreiber profilieren. Wenn ich allerdings, wie sie vorschlagen, direkt beim Journalisten die Informationen abrufe, wird eine Unmenge von Informationen und Seiten freigeschaltet, die ein normal arbeitender Mensch nicht alle entdecken und deren Qualität beurteilen kann. Es braucht immer einen Vermittler...

    • Mjardn
    • 20.11.2009 um 18:22 Uhr

    Hehe, da hab ich auch sofort dran gedacht. Die ganzen kleinen Weltverbesserer, die von der Linkspartei bestimmt dafür angeheuert wurden unqualifizierte, oberflächliche Kommentare zu schreiben, würden dann schmerzlich ihr neugewonnenes Hobby wieder aufgeben müssen. Das wäre mal ne echte Bereicherung für die "Zeit".

    Ich versteh sowieso nicht warum sich nicht alle Verlage zusammentun und eine Art Prepaid-Programm entwickeln, wo automatisch pro vom Leser aufgerufenen und damit freigeschaltetem Artikel ein paar Cent gezahlt werden...das hat nicht mal was mit Kartellrecht zu tun, sondern es geht um die Existenz der Zeitungen. Sieht man sich alleine auf der "Zeit" die Entwicklung von Kommentaren zu recherchierten Berichten an, so hat sich die Qualität dahingehend stark verschlechtert. Masse statt Klasse. Und das, obwohl Zeitungen neben dem Fernsehen das wahrscheinlich wichtigste Meinungsbildungsmedium ist und damit unabdingbar für die Demokratie.
    @ inkompetent
    Die Aufgabe eines Journalisten ist ja gerade, Informationen zu sammeln und diese in einen Artikel fließen zu lassen. Journalisten sind schon seit Jahrzehnten unterbezahlt, gerade dadurch können sich nur wirklich gute Schreiber profilieren. Wenn ich allerdings, wie sie vorschlagen, direkt beim Journalisten die Informationen abrufe, wird eine Unmenge von Informationen und Seiten freigeschaltet, die ein normal arbeitender Mensch nicht alle entdecken und deren Qualität beurteilen kann. Es braucht immer einen Vermittler...

  2. Wie man es auch immer bewerten mag - Murdochs Versuch wird scheitern. Aktuelles Geschehen fliegt einem überall aus Radio/TV um die Ohren. Und dazu bedarf es keiner Zeitung. Und schon gar nicht einer, für die bei immer enger werdenden Budgets der privaten Haushalte auch noch bezahlt werden muss.

    Selbst Premiere/Sky wird wieder zurückgehen, die Zuschauer sind übersättigt, die Programme öde. Auch ich werde das Abo dort nicht verlängern.

    Man wird sich auf eine sich schnell ändernde Medienwelt einstellen müssen.

    Antwort auf
    • Ranjit
    • 20.11.2009 um 17:16 Uhr

    Ganz prinzipiell bin ich ja nicht dagegen, für Inhalte zu bezahlen.
    Aber leider machen Paywalls die Inhalte viel weniger attraktiv. Wenn ich einen Artikel lese, dann möchte ich ihn auch mit Freunden über E-Mail, Twitter usw. teilen können.

    Daher mein Vorschlag: Freiwillige Abos. Vielleicht garniert mit ein paar Symbolischen Vorteilen.

    Ganz generell würden dann jene zahlen, die die Zeitung häufig lesen. Die Zeitungen müssten sich jedoch einzigartig machen und auf die Leser eingehen. Dass sättigt keinen Murdoch, aber sollte guten Journalismus ermöglichen.

    Zeitungen und Journalisten genießen schließlich einige rechtliche und kulturelle Privilegien, da sie eine Wichtige Funktion für die Demokratie haben. Paywalls schränken diese Nützlichkeit ein. Somit wäre zu überlegen, ob Institutionen, die Paywalls im Netz errichten überhaupt noch durch die Pressefreiheit und die abgeleiteten Rechte geschützt werden sollten.

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    • shiri2
    • 20.11.2009 um 17:29 Uhr

    also ich weiß nicht, ranjit,

    nur weil prinzipiell einige menschen bereit "wären", für abos ect. zu zahlen, heißt das nicht, dass sie es dann auch tun, sobald das bezahlen freiwillig ist.

    da wird jeder vorm rechner sitzen u denken: na, irgendwer wird schon was geben, aber für mich bleibts umsonst, merkt ja auch keiner!....

    • shiri2
    • 20.11.2009 um 17:29 Uhr

    also ich weiß nicht, ranjit,

    nur weil prinzipiell einige menschen bereit "wären", für abos ect. zu zahlen, heißt das nicht, dass sie es dann auch tun, sobald das bezahlen freiwillig ist.

    da wird jeder vorm rechner sitzen u denken: na, irgendwer wird schon was geben, aber für mich bleibts umsonst, merkt ja auch keiner!....

  3. Es ist zu teuer, 1 Euro für etwas auszugeben, dessen Qualität man nicht kennt.
    Wenn es ein paar Cent wären für je ein Thema, würde ich zahlen. Möglich wäre das ja über paypal oder anderes micropayment. Die Frage ist jedoch: wozu benötigt man noch Verleger? Wäre es nicht besser, die Journalisten selbst würden direkt ihre Informationen verkaufen? Heute bekommen viele Hungerlöhne, und dadurch leidet die Qualität des Journalismus. Ich persönlich würde lieber bei bestimmten Journalisten direkt oder bei Presseagenturen einkaufen, anstatt Verlegern zu helfen, weitere Milliarden anzuhäufen. Wenn es Verleger gäbe, die konkret die Schwachen dieser Gesellschaft durch Informationen unterstützen würden, wäre ich auch bereit, für Artikel zu zahlen, allerdings niemals für eine einzige Zeitung einen Euro oder auch nur Dollar pro Tag. Wie soll ich nsonst verschiedene Standpunkte lesen, verschiedene Info-Quellen anzapfen, um sie vergleichen zu können? Nur so wird für mich ein Schuh daraus.

    • shiri2
    • 20.11.2009 um 17:29 Uhr
    7.

    also ich weiß nicht, ranjit,

    nur weil prinzipiell einige menschen bereit "wären", für abos ect. zu zahlen, heißt das nicht, dass sie es dann auch tun, sobald das bezahlen freiwillig ist.

    da wird jeder vorm rechner sitzen u denken: na, irgendwer wird schon was geben, aber für mich bleibts umsonst, merkt ja auch keiner!....

    Antwort auf "Paywall"
    • Mjardn
    • 20.11.2009 um 18:22 Uhr
    8.

    Hehe, da hab ich auch sofort dran gedacht. Die ganzen kleinen Weltverbesserer, die von der Linkspartei bestimmt dafür angeheuert wurden unqualifizierte, oberflächliche Kommentare zu schreiben, würden dann schmerzlich ihr neugewonnenes Hobby wieder aufgeben müssen. Das wäre mal ne echte Bereicherung für die "Zeit".

    Ich versteh sowieso nicht warum sich nicht alle Verlage zusammentun und eine Art Prepaid-Programm entwickeln, wo automatisch pro vom Leser aufgerufenen und damit freigeschaltetem Artikel ein paar Cent gezahlt werden...das hat nicht mal was mit Kartellrecht zu tun, sondern es geht um die Existenz der Zeitungen. Sieht man sich alleine auf der "Zeit" die Entwicklung von Kommentaren zu recherchierten Berichten an, so hat sich die Qualität dahingehend stark verschlechtert. Masse statt Klasse. Und das, obwohl Zeitungen neben dem Fernsehen das wahrscheinlich wichtigste Meinungsbildungsmedium ist und damit unabdingbar für die Demokratie.
    @ inkompetent
    Die Aufgabe eines Journalisten ist ja gerade, Informationen zu sammeln und diese in einen Artikel fließen zu lassen. Journalisten sind schon seit Jahrzehnten unterbezahlt, gerade dadurch können sich nur wirklich gute Schreiber profilieren. Wenn ich allerdings, wie sie vorschlagen, direkt beim Journalisten die Informationen abrufe, wird eine Unmenge von Informationen und Seiten freigeschaltet, die ein normal arbeitender Mensch nicht alle entdecken und deren Qualität beurteilen kann. Es braucht immer einen Vermittler...

    Antwort auf "SEHR SINNVOLL ! !"

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