Die Geschichte werden die Informationen wohl nicht umschreiben, doch erzählen sie viele einzelne Geschichten. Die Internetorganisation Wikileaks hat am Mittwoch damit begonnen, 573.000 Pagermitteilungen zu veröffentlichen, die am 11. September 2001 im Zusammenhang mit den Anschlägen auf das World Trade Center verschickt worden waren.

Pager sind trotz der inzwischen enormen Verbreitung der Mobiltelefone nicht ausgestorben, besonders Angehörige von Sicherheitsdiensten und Behörden nutzten sie. Auch, weil deren satellitengestützter Dienst im Fall von "Großlagen" nicht so schnell ausfällt wie der terrestrische Dienst der Handys.

Daher sind viele der nun veröffentlichten Nachrichten an militärische und polizeiliche Pager gesendet worden, aber auch viele an private Nummern. Nachzulesen sind sie hier als Sammlung in Zeitabschnitten von fünf Minuten, oder hier als komprimierte Datei.

Ihre Herkunft ist unklar. Wikileaks legt großen Wert darauf, die eigenen Quellen zu schützen und Material zwar auf Echtheit zu prüfen, jedoch nichts darüber zu verraten, woher es stammt. Ein Bericht von CBS News spekuliert, die Botschaften, die von mehreren verschiedenen Pagerdiensten stammen, seien abgefangen worden. Ob von Behörden oder von Privatpersonen, wird offen gelassen. Allerdings hat beispielsweise das FBI schon vor Jahren erkannt, dass sich die nicht verschlüsselten Übertragungen sammeln und auswerten lassen und beschrieben, wie dies möglich ist.

Doch wird nicht nur die Herkunft, sondern auch der Inhalt der Nachrichten für viele Spekulationen sorgen.

In dem Chaos aus Informationsschnipseln, Hilferufen, Anweisungen und von Computern generierten Warnmeldungen finden sich immer wieder interessante Hinweise. So interpretiert CBS eine Botschaft, die um 16 Uhr 18 von Jim Massa gesendet wurde, damals beim Computerausrüster Cisco zuständig für die Zusammenarbeit mit Behörden. Sie lautet: "NEED TO DISCUSS FBI TEN THOUSAND UNIT REQUIREMENT ASAP." Meint ungefähr, "müssen so schnell wie möglich Anforderung des FBI über zehntausend Einheiten diskutieren".

Die Interpretation dazu nun lautet, es gehe darin um Netzwerkausrüstung. Diese Nachricht belege daher, wie schnell amerikanische Telekommunikationsfirmen angesichts des Anschlags bereit waren, dem FBI und anderen Behörden Zugang zu ihren Daten zu verschaffen und Abhöraktionen zu ermöglichen.