Zukunft des Journalismus Roboter als RedakteureSeite 2/2

Ein weiteres Problem ist jedoch die enge Vermischung von Anzeigen und Redaktion, wie sie auch AOL plant. So schreibt die Netzzeitung, dass die potenzielle Werbekundschaft bereits in die Entstehung eines Artikels, Videos oder Fotos einbezogen werden soll. Kritischen Journalismus wird man sich dann kaum noch leisten können.

Die Netzzeitung schreibt über das Thema übrigens auch in eigener Sache. Denn die vor zehn Jahren als ambitionierte erste Zeitung im Netz gegründete Seite wird um Jahreswechsel selber in der bisherigen Form eingestellt. Nachrichten-Aggregatoren sollen dann automatisch Texte auf die Seite stellen, alle Redakteure werden entlassen. Der Verlag DuMont-Schauberg als Neueigentümer will damit die Verluste abbauen.

Wozu überhaupt noch Journalisten arbeiten lassen – das haben sich auch Studenten der amerikanischen Northwestern University gefragt. Und ein Computerprogramm entwickelt, das nur mit Sportergebnissen gefüttert werden muss und dann automatisch Sportberichte generiert. Wie sie am Beispiel eines Baseball-Spiels zeigten, sind die Ergebnisse sogar recht akzeptabel. "Dass ein Programmmodul “Baseball” Sportreportern die Butter vom Brot nehmen kann, liegt nicht nur an dem vorhandenen Ausgangsmaterial", schreibt Jürgen Kalwa auf Carta. "Es liegt vor allem an der limitierten und standardisierten Art und Weise der Nachrichtengebung in der Sportberichterstattung."

Schulzki-Haddouti findet solche Ergebnisse auch gar nicht so schlimm. Schon jetzt gebe es viel zu viele standardisierte Nachrichten im Netz und viel zu wenig Hintergrund. "Wenn Maschinen die Chronisten-Pflichten übernehmen, hätten Journalisten wieder mehr Zeit für das, wofür sie bis auf weiteres unentbehrlich bleiben: Für die Analyse und Bewertung", sagt sie. Insgesamt ist die Kommunikationsexpertin sogar optimistisch. "Wenn wir die Chancen der digitalen Welt richtig nutzen, können wir einen besseren Journalismus bekommen." Die Eine-Million-Dollar-Frage ist nur: Wer wird künftig dafür noch bezahlen wollen?

 
Leser-Kommentare
    • Mercur
    • 04.12.2009 um 12:30 Uhr

    Es ist doch heute schon so, dass Sie als Redakteur weder schreiben dürfen, was Sie wollen, noch das, was die Menschen interessiert.
    Investigativer Journalismus findet doch gar nicht mehr statt, jedenfalls nicht in den sogenannten "Qualitätsmedien", die wie in Italien und USA nur einigen wenigen Eigentümern gehören und daher deren Interessen vertreten (sollen, müssen, dürfen?).
    Es wird veröffentlicht was die Menschen glauben sollen.
    Suchen Sie mal im Internet nach WTC7 und nach Climategate und dann vergleichen Sie, was Sie darüber im ahnungslosen Gebiet der Deutschland GmbH dazu sehen, hören und lesen können.
    Nutzen Sie das Internet zur Recherche, bevor es wegen Terrorismus oder Kinderpornografie oder irgendwelchen pandemisch verbreiteten ComputerSchweineViren gefiltert oder abgeschaltet oder mindestens gleichgeschaltet wird.

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    Ihr Beitrag ist die perfekte Illustration des Artikels. Denn auch das ist eine Folge, wenn man sich auschließlich und selektiv aus (fragwürdigen) Internetquellen informiert: Der verstärkte Einfluss von Halbwahrheiten, Unwahrheiten und Verschwörungstheorien.

    Ihr Beitrag ist die perfekte Illustration des Artikels. Denn auch das ist eine Folge, wenn man sich auschließlich und selektiv aus (fragwürdigen) Internetquellen informiert: Der verstärkte Einfluss von Halbwahrheiten, Unwahrheiten und Verschwörungstheorien.

    • aadam
    • 04.12.2009 um 12:39 Uhr

    Das Netz wählt die Themen, der Rechner liefert Texte, bezahlt wird nach Klicks und Anzeigenumsatz. Manche Medienbetreiber stellen sich so den künftigen Journalismus vor.

    Wieso "künftigen"? Genau das ist die Gegenwart - oder hab ich was verpasst?

  1. 3. Q.E.D

    Ihr Beitrag ist die perfekte Illustration des Artikels. Denn auch das ist eine Folge, wenn man sich auschließlich und selektiv aus (fragwürdigen) Internetquellen informiert: Der verstärkte Einfluss von Halbwahrheiten, Unwahrheiten und Verschwörungstheorien.

  2. Die Aufregung ist unverständlich. Es gibt ja auch die ewig Gestrigen, die sich noch über eine kettenrauchende Bundestagaabgeordnete ohne jede politsche Erfahrung, dafür aber mit Unterlippenpiercing (auf diesen Zeiten nachzulesen) aufregen können. Bäh! Die Bundeskanzlerin sollte endlich zum Thema Intimrasur Stellung nehmen; sowas bewegt die Menschen! Entsprechendes gilt für die Zeitungen.
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  3. Das Internet verkommt also zur „Bild-Zeitung“…
    …wer auch schon heute vernünftige Berichterstattung haben möchte, muss seinen eigenen Kopf einschalten und selektieren können.
    Es ändert sich nichts.
    Die Automation welche in der industriellen Produktion Arbeitskräfte frei gesetzt hat, erreicht nun auch den Dienstleistungssektor !
    Hurra, ihr wolltet ja nicht auf uns hören.
    Ich habe auch mal im Bergbau angefangen. Als es uns an den Kragen ging, wussten wir schon damals: „Wir sind nur die ersten...!“
    Jetzt kommen die Kollegen in der Automobilindustrie, bei den Banken, Versicherungen und in den Redaktionen dran !
    Hey, habt ihr keine Lobby ?!

    Ja ich polemisiere und polarisiere, dass mach ich immer – immer mehr..!

  4. Ich habe den Artikel nur überfolgen, aber hängt nicht eh alles mit allem zusammen? Und ist die Online-Community ist hier im «Blatt» nicht ziemlich gebläut worden?

    Bei der Angst über die Qualität des Journalismus musste ich etwas schmunzeln, hat nicht gestern Frau Klopp über einen schüler.cc Dienst etwas Halbgares über eine Franko-Kanadierin eingebaut, nur ein paar Tage nach den Enke-Exzessen?

    Von „Journalisten decken immer wieder Affären, Pfusch und Betrug auf“ bekomme ich hier wenig mit, eher gibt es des öfteren schlechte Computer-Bild-Artikel (iPhone, facebook, Windows/MacOSX) – wikileaks Quellen etc. werden hier leider viel zu selten analysiert und eingeordnet. So was muss Journalismus bieten.

  5. Lässt sich doch schön mit dem seit Jahren verzweifelten Versuch von computergenerierter Musik vergleichen.

    Nee,- dann lieber alles von Abba bis Zappa

  6. So läuft es heute schon. zeit.de ist ein gutes Beispiel ;-)

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