Filesharing
Die politische Dimension des Teilens
Daten im Internet zu teilen, ist ein Akt der Aufklärung und Demokratie, kein Vergehen. Eine Erwiderung des Chaos Computer Clubs auf Sandro Gayckens Text zum Filesharing.
© Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

Mickey Mouse ist das wohl erfolgreichste Geschäftsmodell, das auf dem bisherigen Geschäftsmodell "Ein Sender - viele Empfänger" basiert
Ab wann ist ein sozialer, technischer oder kultureller Wandel so tief in der Gesellschaft verwurzelt, dass man von einem Prinzipienwechsel sprechen muss? Inwieweit kann sich Recht und Gesetzgebung von den Alltagsrealitäten der Bürger entfernen, bis der offensichtliche Widerspruch eine politische Kraft wird, die sich politisch entlädt?
Der aktuelle Konsens drückt sich in millionenfachem täglichen Filesharen aus. Er ist längst ein anderer, als er – nicht ganz uneigennützig – in vielen Medien dargestellt und von Industrie und Politik gebetsmühlenartig wiederholt wird. Die Anzahl derer, die laut Angaben der Musikindustrie im Netz Daten tauschen, stellt längst die der Stimmen für die Regierungskoalition bei der letzten Bundestagswahl in den Schatten. Filesharing genießt so gesehen mehr Unterstützung in der Bevölkerung als unsere Regierung. Diesen Widerspruch kann man nicht durch bloße Rhetorik auflösen.
Die Leute stimmen mit den Füßen ab. Dem kann man mit dem Bau einer Mauer begegnen, doch am Ende muss die digitale Reisefreiheit gewinnen. Ob und wie man diese Reisen besteuern will, ist eine gesellschaftspolitische Frage, bei deren Beantwortung die Urheberrechtsindustrie die Rolle des verkalkten Politbüros innehat, das strukturell nicht zu zukunftsweisenden Antworten fähig ist.
Die Diskussion um das Filesharing in den Medien ist von aggressiven Kampfbegriffen einer Industrie geprägt, deren Rolle als Intermediär und Distributor im Zeitalter des Internets in großen Teilen überflüssig wurde. Die Begriffe des "geistigen Eigentums" und des "Raubkopierers" offenbaren, wie ideologisiert die Diskussion angegangen wird – von einer gewalttätigen Raubhandlung kann bei einer digitalen Vervielfältigung nicht die Rede sein.
Die Urheberrechtsgesetze orientieren sich momentan nicht an den Marktrealitäten oder an dem notwendigen Schutz von Urhebern und anderen an der Schöpfungskette Beteiligten, sondern an den Wünschen einer Wiederverkäufer-Industrie. Einerseits enthält diese Industrie den Künstlern ihre Tantiemen vor und lässt sich andererseits die Verwertungsrechte überschreiben, ohne in der Wertschöpfung eine eigene, über die Finanzierung hinausgehende Leistung zu erbringen. Die Schutzfristen lässt sie immer mal wieder um ein paar Jahre verlängern, wenn das Copyright auf "Mickey Maus" auszulaufen droht.
Die Behauptung, dass eine legale Verwendung des Filesharings nicht nachgewiesen sei, lässt sich schon bei flüchtiger Kenntnis der aktuellen Situation nicht aufrechterhalten. Linux-Distributionen verwenden BitTorrent seit Langem als normales Verteilungsmedium. Der Chaos Computer Club verbreitet, genau wie viele andere NGOs, seit Jahren praktisch seine gesamte Medienproduktion an Vortragsmitschnitten und Podcasts darüber. Sogar staatliche Fernsehsender wie der norwegische NRK distribuieren ihr Programm auf diesem Wege. Eine rein quantitative Argumentation geht hier am Kern der Sache vorbei.
Das Internet löst das Problem der Verbreitung von Inhalten. Über das Internet können Inhalte schneller, billiger und umweltfreundlicher an die Kunden verteilt werden als jemals zuvor. Die größte Effizienz entsteht, wenn die Kunden sich dabei am Weiterverteilen beteiligen, und genau dafür stehen die Begriffe "P2P" und "Filesharing" heute. BitTorrent ist dabei das demokratischste Distributionsmedium überhaupt. Inhalte, die gefragt sind, werden auch automatisch hoch verfügbar. So wird es übrigens auch unmöglich, brisante Inhalte – selbst größeren Umfangs – zu unterdrücken.
Wie der Urheber zu einer Vergütung kommt und wie ein Internetnutzer auch für die frei verfügbaren Werke vergüten kann, ist eine teilweise noch offene Frage. Es mangelt hier nicht grundsätzlich an der Bereitschaft, für künstlerische Werke zu zahlen, sondern an der technischen Möglichkeit, dies auch zu tun. Bequeme Bit-Vertriebe, die ihre Kunden nicht mit archaischem "digitalen Rechtemanagement" gängeln, florieren gerade deswegen.
Verleger oder klassische Intermediäre werden im Internet unmittelbar nach ihrem Bürokratieanteil bewertet, also danach, wie viel Geld tatsächlich bei den Künstlern beziehungsweise den Urhebern landet. Die Künstler wollen ihre Werke an die Menschen verteilen, und die Menschen wollen sie konsumieren oder gar weiterbearbeiten. Wir brauchen Institutionen, die beides ermöglichen und einen Bezahl-Rückkanal haben und die nicht, wie im Moment, die Kommunikation zu verhindern suchen.
Der Einwand, man könnte doch sein Video auch auf eine der üblichen Streaming-Plattformen hoch laden, ist angesichts der immer umfangreicheren Sperrungen und Löschungen von Inhalten auf diesen Plattformen nicht haltbar. Warum sollte man sich der Plattformen auch bedienen, wenn millionenfache dezentrale Distribution jedem zur Verfügung steht, unabhängig von YouTube und ähnlichen zentralen Dienstleistern? Die Evolution der Filesharing-Technologien, seit neuestem mit Hilfe von Magnet-Links und Twitter, machen mittlerweile selbst Tauschbörsen überflüssig.
Durch die Möglichkeit des kostenlosen und autonomen Vertriebs von Kulturgütern über P2P-Netze wird die ehemalige Daseinsberechtigung der Plattenlabels und Filmverleiher hinfällig. Im Netz ist prinzipbedingt jeder gleichzeitig Sender und Empfänger, gleichberechtigt mit allen anderen Teilnehmern. Dadurch ergeben sich neue, bessere Rezeptionsmodelle als das bloße zentralistische Ausstrahlen eines Fernsehprogramms. Statt einer gewaltsamen Beschneidung des Internets und seiner Techniken zum Erhalt der veralteten Geschäftsmodelle, benötigen wir einen neuen Interessensausgleich zwischen Urhebern und Internetnutzern.
Um ihr Überleben zu sichern, haben Musik- und Filmindustrie in Lobbyisten investiert. Deren sichtbarer Erfolg ist die Verschärfung des Urheberrechts und die Verlängerung von Laufzeiten von Monopolansprüchen. Die Gesellschaft hat davon schon lange keinen Nutzen mehr. Das Urheberrecht ist schon allein deshalb seit Jahren reformreif.
Das ist aber nicht der Hauptgrund, sich für die Technik und ihre Potenziale zu interessieren, die P2P-Filesharing bietet. Es ersetzt das alte zentralistische Publikationsmodell durch ein modernes, effizientes, billiges, vor allem aber demokratisches und unzensierbares. Und gerade diese demokratischen Aspekte sind es, in der die Chance liegen, der immer stärker werdenden allumfassenden Überwachung durch Staat und Privatwirtschaft einen ausgleichenden Pol gegenüberzustellen.
Es kann nicht Aufgabe der Gesellschaft sein, unter der Flagge eines vorgeblichen Kulturerhalts gegen eine Zukunftstechnologie vorzugehen. Es bleibt unverständlich, wie man deren politische Signifikanz übersehen kann, zumal sich der Unmut sogar in der Gründung einer neuen Partei niederschlug. Der Akt des Filesharens ist mindestens genauso politisch, wie es der Umweltschutz in den achtziger Jahren war.
Größere politische Umwälzungen sind in der Geschichte oft von technologischen Umwälzungen ausgelöst worden. Wir haben es hier mit dem Aufbrechen des Broadcast-Modells zu tun, was in seiner Brisanz mit der Erfindung des Buchdrucks vergleichbar ist. Gleichzeitig ist es auch eine der größten technischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte, und letztlich auch ein großer Schritt für die Ideale der Aufklärung.
In einer Zeit, in der Politiker der Internetausdrucker-Generation auch in den demokratischen Staaten mit China-inspirierter Informationskontrolle liebäugeln, wird eine solche Technologie geradezu zur politischen Notwendigkeit. Die Schaffung technischer Infrastrukturen, die Zensur und Informationskontrolle umgehen können und die Kosten der Verteilung von Information eliminieren, ist eine Voraussetzung für echte Meinungsfreiheit. Das ist der Kern des Interesses und des Engagements für Filesharing-Technologien.
Die Darstellung, es sei die Schuld der Filesharer, wenn die darbende und in die Ecke gedrängte Content-Industrie quasi zum Selbstschutz Überwachungs- und Zensurmaßnahmen fordern müsse, mutet geradezu widersinnig an. Implizit schwingt hier die Idee mit, die Netze seien einzig zum zentralisierten Transport urheberrechtlich geschützter Werke bestimmt. Schon eine kurze Güterabwägung zwischen der Verteidigung eines offensichtlich von der Technologieentwicklung überholten Geschäftsmodells und dem Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit macht klar, wie haltlos diese Ansicht ist.
Die Geheimverhandlungen über das ACTA-Abkommen illustrieren die politische Dimension des Themas. Eine zentrale Forderung ist, "auffällig gewordenen" Filesharern das Internet abzudrehen. Die Leidtragenden werden nicht Kriminelle sein, sondern normale Bürger, die sich unabhängig informieren wollen.
Das Geheimnis um ACTA selbst wurde ironischerweise durch die Kraft des Peer-to-Peer-Internets gelüftet: auf einer kooperativen Webseite für geleakte Dokumente und dann per P2P-Nachrichtenübermittlung durch Blogs. Dieses Beispiel illustriert, wie das alte Modell der zentralisierten Verteilung, Repression und Geheimhaltung mit dem neuen Modell von Offenheit, Dezentralisierung und Einbindung der Bürger kollidiert. Die Ziele der Filesharer decken sich mit anderen NGOs von der Korruptionsbekämpfung bis zum Umweltschutz: Transparenz und Sonnenlicht helfen am besten. Und Dezentralisierung auch.
Die Frage, wer den Lebensraum Internet tatsächlich regiert und ob er eine Verwertungsplattform für Mainstream-Inhalte mit staatlichen Blümchenwiesengärtnern wird oder ein bunter, distributionsoffener, digitaler Lebensraum bleibt, hat Menschen in seit Jahren nicht mehr gesehenen Massen auf die Straßen und in die politische Betätigung getrieben. Die gesellschaftliche Debatte wird sich daher in Zukunft an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren, nicht an den Gewinninteressen einer überkommenen Industrie, die mittlerweile die kulturelle Entwicklung mehr bremst als fördert. Angesichts der Umbrüche in den Denk- und Verteilmodellen ist es wichtig, sich nicht von Oberflächlichkeiten ablenken und vereinnahmen zu lassen, sondern konstruktiv über die Zukunft nachzudenken. Zurückblicken und krampfhafte Versuche, alles wieder wie früher werden zu lassen, haben noch nie funktioniert. Wenn ein Sturm kommt, kann man einen Bunker bauen oder Windmühlen. Wir plädieren für die Windmühlen.
- Datum 10.12.2009 - 18:00 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ursprünglich lautet das Sprichwort: Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Windmühlen, die anderen Schutzmauern. Chinesisches Sprichwort.
Der Artikel ist gut und trifft Kernpunkte, aber der Kernpunkt des Teilens, der in der Überschrift genannt wird, kommt zu wenig zur Geltung. Ich sag da immer: Wir Menschen tun uns schon damit schwer, materielle Güter zu teilen, deswegen gibt es auch immer noch so viel Hunger auf der Welt. Aber wenn wir dann nicht mal fähig sind, immaterielle Güter in Form von Ideen und Gedanken zu teilen, und ein geistiges Eigentumsrecht darauf erheben, dann weiß ich echt nicht wo das noch endet.
Es ist eine alte Tugend: Wer etwas übrig hat, oder es ohne Mühe vervielfältigen kann, dessen moralische Pflicht ist es, denen zu geben, die bedürftig sind.
Die Filesharing-Moral ist keine neue Erfindung, sondern instinktives Menschenrecht, das daher auch von den Weltreligionen in ihre jeweiligen Wertegefüge eingebaut wurde.
Wer von seiner Bandbreite nichts abgibt, und alle seine Dateien für sich behält, der ist ein schimpflicher Geizkragen und keine Lichtgestalt.
ein sehr guter Artikel, der den Nagel (oder die Nägel) auf den Kopf trifft.
ps: sollte es im deutschen Sprachraum nicht NRO (Nicht-Regierungsorganisation) heissen?
Es ist eine alte Tugend: Wer etwas übrig hat, oder es ohne Mühe vervielfältigen kann, dessen moralische Pflicht ist es, denen zu geben, die bedürftig sind.
Die Filesharing-Moral ist keine neue Erfindung, sondern instinktives Menschenrecht, das daher auch von den Weltreligionen in ihre jeweiligen Wertegefüge eingebaut wurde.
Wer von seiner Bandbreite nichts abgibt, und alle seine Dateien für sich behält, der ist ein schimpflicher Geizkragen und keine Lichtgestalt.
Daß Verlage oder Labels gegen "das Internet" vorzugehen versuchen, ist logisch. "Das Internet" führt täglich vor, wie es ohne Label geht und Infos braucht man nicht unbedingt mehr durch klassische Zeitungen zu erlangen. Die gedruckten sind dafür eh zu langsam und die Online-medien zu sehr Interessengesteuert, was ja verständlich ist, Milliardäre sind alt, sie brauchen das Geld.
Akzeptabel ist das alles nicht, z.B. wenn die Medien dafür mißbraucht werden, durch Vortäuschung falscher Tatsachen Angst vor Epidemien zu schüren, wie wir es gegenwärtig erleben und in der Vergangenheit erlebt haben, z.B. die verschiedenen "neuen Viren" die bald 99% der Erdbevölkerung ausgelöscht haben werden, wenn es nach der WHO geht.
Kein Musiker benötigt einen Medienverlag für die Verbreitung seiner Werke, und kein Buchautor benötigt einen Verlag. Das kann heute jeder billig und schneller über Internet realisieren, der den Techniken einigermaßen aufgeschlossen gegenüber steht.
Danke, CCC, daß Ihr für die Rechte und Freiheit der Internetnutzer einsteht, dafür kann man Euch gar nicht genug danken. Ich hoffe, daß Ihr bald als kompetenter und vor allem neutraler als die It-Branchenverbände auch und gerade von der Politik wahrgenommen werdet.
Danke für den Artikel. Sie haben mit jedem Wort recht.
Ich bin selbst in der Medienbranche tätig und finde es unglaublich wie dieser Artikel einfach bestimmte Realitäten ausblendet. Wenn jemand z.B. ein Patent für ein Mittel gegen AIDS anmelden würde, dann sollte er das natürlich kostenlos zur Verfügung stellen, was aber nicht heißt, dass die Tabletten zum Schluss umsonst sein sollen. Können sie gar nicht.
Es geht mir hier weniger um das geistige Eigentum, als vielmehr um die Menschen, die dieser Eigentum in Wort, Bild und Musik umsetzen. Soll heißen, der Typ, der im Studio die Tracks mastert oder derjenige, der einen Film farbkorrigiert.
Ich finde es generell gut, dass dieses Thema angesprochen wird und ich denke auch, dass ein Umdenken in der Verteilung stattfinden muss. Aber dann muss man auch über so etwas wie eine allgemeine "Kultursteuer" reden.
Und so schön das der Artikel hier auch darstellt - die Mehrheit der geladenen Inhalte sind nicht Linux-Distributionen oder Podcasts.
Filesharing ist für mich ein sehr praktischer Vertriebsweg. Aber ohne richtige Finanzierung wird die Qualität der Produkte in jedem Fall darunter leiden, weil keiner mehr bereit ist in diesem Segment zu arbeiten, wenn er dafür nicht entsprechend entlohnt wird.
Seine eigenen Ressourcen zur Verfügung zu stellen (Bandbreite und liebevoll gesammelte Dateien) damit andere oft unbekannte einen großen Nutzen (Zugang zu in den Medien enthaltener Kultur oder Information) haben ist sicherlich ein Verhalten, das die Gesellschaft verbessern kann.
Zu versuchen, seine Ideen unter Verschluß zu halten und nur gegen Geld herauszurücken ist das sozial unattraktivere Modell.
Ich vermisse in den Artikel die Enttkräftung zweier Argumente, die ich mir hier als Advokatus Diaboli zu eigen mache:
1. Die Anreize Kultur zu produzieren liegen nicht in der Liebe zur Kunst oder dem Wunsch nach Ruhm sondern in der Aussicht Reich zu werden und in der Sicherheit, daß nicht irgendjemand anderes, unbekanntes damit reich wird.
2. Information ist nicht für jeden geeignet. Der Staat muß eine Möglichkeit haben, unliebsame Inhalte zu Unterbinden. Wenn jetzt jeder Filesharing macht und auf einmal Erwachsene auf Kinderpornographie 16jährige auf Hardcore Pornographie und 14 Jährige auf Erotikfilme zugreifen können, dann schadet das der geistigen Entwicklung der jungen Generation.
Ich halte diese Argumente deshalb für extrem relevant, weil sie so schön Handfest sind. Die Meinungsfreiheit ist vielleicht sehr Grundlegend, aber auch sehr abstrakt.
Mein Portemonnaie, mein Kind, da soll nix dran! Beide Argumente treffen nicht, doch ich halte sie aber für das größte Hindernis für einen Konsens mit Internetausdruckern in Bezug auf Filesharing.
digitale Grüße,
Sphinxfutter
"Die Anreize Kultur zu produzieren liegen nicht in der Liebe zur Kunst oder dem Wunsch nach Ruhm sondern in der Aussicht Reich zu werden und in der Sicherheit, daß nicht irgendjemand anderes, unbekanntes damit reich wird."
- Klar, darum hat Van Gogh auch nix mehr gemalt, als der gemerkt hat, dass er das nicht verkaufen kann. Und Urvölker, die von Geld noch nie gehört haben, haben ja auch keine Kultur. Und die Ghetto-Kids, die Hip-Hop und Breakdance erfunden haben? Alle reich und berühmt? Michael Jackson? Verschuldet gestorben. Etc. pp.
"Information ist nicht für jeden geeignet."
- Eltern können ihre Kinder vor ungeeigneten Materialien schützen, indem sie den PC konfigurieren und den Medienkonsum der Kinder begleiten.
- Staatliche "Kontrolle" bzw. Medien-Verteilung durch die Medienbranche sind keine Garantie für geeignete bzw. gegen ungeeignete Inhalte. Ich persönlich finde "Popstars" und "DSDS" obszöner und für die jugendliche Psyche schädlicher als so manchen Erotikstreifen.
Filesharing als Akt der Aufklärung? Das ist aber sehr hoch gegriffen... Erst recht wenn man es, wie im Artikel, explizit auf Musikdownloads und die "Content-Industrie" bezieht. Die Technik selbst ist zunächst unpolitisch, die politische Dimension entsteht in der Nutzung - und wenn diese primär ökonomisch motiviert ist, ists schnell aus mit der Aufklärung.
In anderem Licht erscheint es zudem, wenn man es nicht von der Distribution, sondern der Produktion aus denkt: Wer zwingt eigentlich Künstler dazu, Plattenverträge zu unterschreiben? Warum tun es so viele, wenn sie mindestens ebenso erfolgreich ihre Musik selbst online vertreiben können? Aus Gesprächen mit Musikern weiß ich, dass viele sich darum gar nicht kümmern wollen, sondern froh sind, dass andere diese Arbeit übernehmen. Labels und Vertriebe sind keine Zollstellen, die nur die Hand aufhalten, so wie es in der Diskussion gerne dargestellt wird.
Wenn Musiker ihre Werke kostenlos verbreiten möchten: sehr gerne, find ich großartig. Wenn sie das nicht wollen, sollte man das jedoch respektieren. Der Aspekt des Respekts kommt mir in der Filesharing-Diskussion viel zu kurz.
Ich habe noch kein Argument gehört, das mich davon überzeugt, dass die kreative Leistung eines Einzelnen automatisch allen kostenfrei zur Verfügung stehen muss - und auch "Aufklärung" überzeugt mich nicht.
Übrigens: Ich bin überzeugter Linux-Nutzer, des Freiheitsgedankens wegen. Und ich bin leidenschaftlicher CD-Sammler, der Musik wegen.
Sie verschließen Ihre Augen vor wichtigen Aspekten. Ich begegne Ihrem Kommentar, der nicht im Geringsten das Gewicht hat, dem Artikel die Plausiblität seiner Argumente zu rauben, mit einer Metapher:
Seit zwei Dekaten existieren Techniken udn Pläne zur innovativ effizienten und ökologiekreislaufgerechten Energiegewinnung/-umwandlung/-nutzung. Aber diese werden nicht umgesetzt. Recherchieren Sie nach dem Wieso. Und ich versichere Ihnen, ich weiß, WO Sie nach diesem Wieso recherchieren werden. Nämlich im Internet. Damit stellen Sie die Verbindung zu dem Artikel und meiner Metapher selbst her: Warum glauben Sie, haben die im Artikel genannten Firmen in Lobbyismus investiert und verfassungswidrige Gesetztesentwürfe auf den Weg gebracht? Warum versuchen Profiteure die Daumen auf dem System zu halten, von welchem sie selbst profitieren? Und welche Folgen hat das für jene, die NICHT davon profitieren?
Wollen Sie diese Dinge tatsächlich ausgeblendet lassen? Oder wollten Sie eventuelle einfach nur Opposition ergreifen... aus welchen Gründen auch immer?
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