Soziale Netzwerke Schnüffler auf Facebook aussperren
Facebook dreht an einigen Einstellungen, um die Privatsphäre besser zu schützen. Und damit die Nutzer am Ende noch mehr Inhalte mit anderen teilen.
© Sean Gallup/Getty Images for Burda Media

Mark Zuckerberg (geboren 1984) hat Facebook gegründet
Eine Plauderrunde mit Freunden und Bekannten darf man auf Facebook nicht erwarten. Allein in den letzten zweieinhalb Monaten ist eine Gruppe in der Größe eines mittelgroßen Landes dazugestoßen: 50 Millionen Neulinge haben sich in diesem Zeitraum angemeldet, nun zählt Facebook 350 Millionen Mitglieder.
Um hier noch so etwas wie Privatsphäre zu gewährleisten, hat sich das Netzwerk entschlossen, einige größere Veränderungen vorzunehmen und den Nutzer künftig eine Anleitung für seine persönlichen Einstellungen an die Hand zu geben. Weil die Mitglieder häufig extrem empfindlich auf Veränderungen reagieren, hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg die Schritte sogar persönlich auf der Startseite in einem offenen Brief angekündigt.
In seinen Augen sei es zu einem zunehmenden Problem geworden, dass fast jeder zweite Facebook-Nutzer in einem regionalen Netzwerk organisiert ist, schreibt er. Sie sollen nun abgeschafft werden. Denn diese regionalen Netzwerke umfassen, anders als der Name vermuten lässt, ganze Länder, zum Beispiel China oder Indien. "Daher haben wir beschlossen, dass ihr eure Privatsphäre auf diesem Weg nicht mehr ausreichend kontrollieren könnt", begründet Zuckermann die Entscheidung.
Auch Gemeinschaften für Schulen, Universitäten oder Firmen können schnell beträchtliche Größen erreichen. Die Beschränkung, private Daten nur mit diesen Gruppen zu teilen, (deren Mitglieder man ja zudem nicht selbst gewählt hat), sei also de facto gar keine Unterscheidung mehr, und mache keinen Sinn.
Angekündigt waren Veränderungen bei den Einstellungen schon vor dem Sommer. Facebooks Datenschutz-Chef Chris Kelly äußerte sich dazu in einem Blog-Eintrag mit dem Titel Improving Sharing Through Control, Simplicity and Connection. Hier ist die Stoßrichtung noch deutlicher: Die Leute sollen noch mehr Inhalte teilen. Und man bewegt sie dazu, indem man ihnen im Gegenzug verbesserte Kontrollmöglichkeiten gibt.
Kelly hatte damals angekündigt, dass Nutzer künftig bei jedem einzelnen Eintrag entscheiden können sollen, ob er allen Facebook-Mitgliedern oder nur Freunden oder auch Freunden von Freunden zugänglich sein solle. Damit das nicht in einer Klick-Arie mit zahllosen Fehlermöglichkeiten ausartet, sollten die Einstellungen übersichtlicher werden.
Fraglich ist indes, ob es in Zukunft auch einen Ersatz für die Gruppen-Einstellung geben wird, so dass man Informationen gezielt nur bestimmten Freunden zukommen lassen kann. Viele Nutzer wünschen sich, privaten Daten mit engen Freunden, nicht aber mit "zwangsbefreundeten" Kollegen, alten Klassenkameraden oder Ex-Beziehungen zu teilen. Auf der anderen Seite werden sich einige Ex-Partner oder Eltern von Minderjährigen ärgern, wenn sie plötzlich ihrer heimlichen Überwachungsmöglichkeit beraubt werden, weil sie vom Mitglied von bestimmten Inhalten ausgeschlossen werden. Derzeit können sich Facebook-Nutzer nur vor Schnüfflern schützen, indem sie diese aus ihren Kontakten komplett entfernen.
Das Gruppen-Blog TechCrunch fragt sich, warum es so lange gedauert hat, bis die Maßnahmen in die Tat umgesetzt wurden, und ob das technische oder organisatorische Gründe hatte. Die Blogger vermuten, dass sich Facebook mit den Entscheidungen schwer getan habe, weil hier Weichen für die Zukunft gestellt würden: Auf der einen Seite möchte man einen noch reichhaltigeren, möglichst alle Mitglieder umfassenden Informationsfluss erzeugen. Nur so kann das Unternehmen mit den Echt-Zeit-Suchen wie bei Twitter mithalten. Auf der anderen Seite steht diesem Vorhaben die Einsicht entgegen, dass ein ungefilterter Informationsfluss in sozialen Netzwerken nur begrenzt funktionieren kann. "Da Facebook als privates Netzwerk gestartet ist, könnte es in einem Fiasko enden, wenn die Nutzer mehr private Daten teilen als sie eigentlich möchten", schreiben die Blogger. TechCrunch vermutet, dass sich Facebook zwischen twitterartiger Echtzeit-Suche und dem Schutz der Privatsphäre entscheiden musste – und sich nun für die Privatsphäre entschieden hat.
Ein Gutes hat das Ganze: Indem man die Nutzer in den nächsten Wochen dazu auffordern will, ihre persönlichen Einstellungen zu überprüfen, bringt man viele dazu, sich überhaupt wieder Gedanken über ihre Privatsphäre zu machen. Damit lassen sich vielleicht Unglücke vermeiden, wie sie jüngst eine 29-jährige Kanadierin ereilte: Die Frau hatte Urlaubs- und Partyfotos von sich auf Facebook veröffentlicht. Diese Fotos hatte leider auch ein Mitarbeiter ihrer Krankenversicherung gesehen. Die Kasse hatte ihr daraufhin die Unterstützung gestrichen. Die Frau war eigentlich wegen einer starken Depression für ein Jahr krankgeschrieben und nun war die Krankenkasse der Meinung: Wer feiern kann, ist auch in der Lage zu arbeiten.
- Datum 03.12.2009 - 13:27 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 7
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"Eine Plauderrunde mit Freunden und Bekannten darf man auf Facebook nicht erwarten" Wie??
Ich verstehe das Problem nicht: man hat z.B. ein paar Freunde (z.B. wie bei uns hauptsächlich unsere Kinder und einige von deren Freunden, die mit ihnen zusammenaufgewachsen sind und bei uns ein - und ausgingen und nun irgendwo in der Welt studieren oder arbeiten. Nur diese Freunde können sehen, was bei uns gepostet wird. Nur diese können Fotos sehen, die Pinnwände, darauf die Links zu youtube oder sonstige usw. Jeder hat seine eigene Freundesliste, und jeder stellt seine Privatsphäre ein.
Über meine Privatsphäre bestimme ich ganz allein.
Niemand sonst kann irgend etwas sehen außer soviel vom Profil der einzelnen, wie jeder zeigen möchte. Also was ist los? Es geht nur um Gruppen, aber das hat nichts mit der Bekanntgabe von Einzelprofilen zu tun. Wenn ich z.B. auf das Profil eines Mitglieds einer der Gruppen klicke, in der ich bin, bekomme ich soviel zu sehen wie das Gruppenmitglied zeigen möchte. Ziat: "Nele teilt nur bestimmte Informationen mit allen Nutzern. Wenn du Nele kennst, füge sie als Freundin hinzu".
Meine eigene Einstellung ist generell:" nur Freunde" und nicht "Freunde von Freunden", und damit habe ich selbst alles jederzeit unter Kontrolle.
-Fortsetzung folgt im 2. Kommentar
Bevor wir alle bei facebook waren, hat jeder seine emails mit Links, Neuigkeiten etc. verschickt an alle aus der Familie und Freunde. Jetzt geht es einfacher, man postet den link auf seine wall und schon kann jeder, der als "Freund" gelistet ist sehen, was es Neues gibt. Man kann sich blitzschnell verabreden, kommentieren, neue Freunde vorschlagen, Fotoalben teilen (bei uns zur zeit ca.350 Fotos der letzten Jahre). Wer in einem Foto getagt ist, bekommt automatisch eine mail.
Das einzige Risiko besteht darin, daß die Datenbanken von facebook gehackt werden. Aber was werden die hacker bei uns finden? Fotos, mit denen sie nichts anfangen können, keine Adressen oder Telefonnumern, nur die email-Adressen, und die sind sowieso irgendwo im Internet zu finden. Dafür gibt es Blacklisting, spamfilter, Greylisting, Virenscanner etc.
Ich denke, man sollte sich erstmal richtig mit facebook befassen, was ein paar Tage dauern kann, um sich ein Urteil erlauben und dieses gar zu publizieren zu können.
Was ich facebook ankreide, ist die sehr schlechte Ordnung in den Funktionen, die schlechten Menüs sowie vor allem die default-Einstellungen: man ist nach seiner Anmeldung erstmal per default ziemlich "öffentlich" eingestellt, das muß man als erstes ändern.
Bei der Anmeldung muß niemand seine Persönlichkeit preisgeben, es benötigt nur eine valide e-mail Adresse, das ist wirklich alles.
Ich finde, facebook ist eine feine Sache, man muß es nur zu seinem Nutzen einzusetzen wissen.
... man muss einem Menschen einfach die Illusion von Schutz geben, und ihn dabei gleichzeitig ausbeuten.
"Facebook bietet Schutz vor Schnüfflern" ist eine Überschrift, die an Paradoxie wohl nur noch von Titeln des Kalibers "Der Verband der Heroindealer will gegen Panscher vorgehen", "Berentzen sponsort in Zukunft die anonymen Alkoholiker", "Tabakindustrie will in Zukunft nur noch Qualitätstabake verwenden" und "Ikea setzt auf Qualitätsware" zu übertreffen.
Ein wunderbarer Nebel, der hier erzeugt wird. Es wird hier suggeriert, daß Facebook nie und nimmer irgend etwas mit den Daten vor hätte, und Facebook im generellen absolut zu vertrauen ist.
Wer denkt, dass Facebook seine "Privatsphäre" schützt, der denkt recht wenig.
Wer so paranoid ist wie Armin A., dürfte niemals ein Telefon oder gar Internet bei einem Provider wie T-online oder 1 1 haben, da diese neben den realen Daten auch noch die täglich wechselnde IP-Adresse verfügen. Ach ja, und niemals beim Einwohner-Meldeamt seine Daten hinterlegen!
Wer so paranoid ist wie Armin A., dürfte niemals ein Telefon oder gar Internet bei einem Provider wie T-online oder 1 1 haben, da diese neben den realen Daten auch noch die täglich wechselnde IP-Adresse verfügen. Ach ja, und niemals beim Einwohner-Meldeamt seine Daten hinterlegen!
Wer so paranoid ist wie Armin A., dürfte niemals ein Telefon oder gar Internet bei einem Provider wie T-online oder 1 1 haben, da diese neben den realen Daten auch noch die täglich wechselnde IP-Adresse verfügen. Ach ja, und niemals beim Einwohner-Meldeamt seine Daten hinterlegen!
Hallo.
Wir wäre, als hieße der CEO von Facebook "Zuckerberg". Wobei Zuckermann auch ganz niedlich ist. ;-)
Und selbstverständlich kann man die Freunde einteilen in etwa "Job", "Familie" oder "Buddies", und alle können bestimmte Felder sehen oder eben auch nicht
"...)wenn sie plötzlich ihrer heimlichen Überwachungsmöglichkeit beraubt werden, weil sie vom Mitglied von bestimmten Inhalten ausgeschlossen werden."
Man kann auch jetzt schon problemlos Leute von seiner Freundesliste den Zugang zu Inhalten wie Fotos, Pinnwand oder Links verwehren.
Das erfordert natürlich, dass man sich die Mühe macht, mal einige Minuten lang zu recherchieren, wie man die Privatsphäreeinstellungen am sinnvollsten festlegt.
"...)wenn sie plötzlich ihrer heimlichen Überwachungsmöglichkeit beraubt werden, weil sie vom Mitglied von bestimmten Inhalten ausgeschlossen werden."
Man kann auch jetzt schon problemlos Leute von seiner Freundesliste den Zugang zu Inhalten wie Fotos, Pinnwand oder Links verwehren.
Das erfordert natürlich, dass man sich die Mühe macht, mal einige Minuten lang zu recherchieren, wie man die Privatsphäreeinstellungen am sinnvollsten festlegt.
Ich finde es ja gut das Sie ueber FB berichten, leider werden diese Artikel anscheinend immer in schnelle vorbereitet - immer wieder kommt es zu Fehlern (Namen, Fakten ueber die Funktionen etc).
"...)wenn sie plötzlich ihrer heimlichen Überwachungsmöglichkeit beraubt werden, weil sie vom Mitglied von bestimmten Inhalten ausgeschlossen werden."
Man kann auch jetzt schon problemlos Leute von seiner Freundesliste den Zugang zu Inhalten wie Fotos, Pinnwand oder Links verwehren.
Das erfordert natürlich, dass man sich die Mühe macht, mal einige Minuten lang zu recherchieren, wie man die Privatsphäreeinstellungen am sinnvollsten festlegt.
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