Google als Helfer Bei Axel Springer hat die Zukunft des Netzes Lücken

Inhalte für Geld anbieten, aber nicht auf die Reichweitenhilfe von Google verzichten wollen – bei Springer geht dieser Spagat gerade schief.

Die Zukunft des Onlinejournalismus hat begonnen, zumindest wenn es nach der Axel Springer AG geht. Doch der Verlag kann sich nicht zwischen Geld und Google entscheiden und versteht das Internet immer noch nicht.

Springer prescht bei Bezahlinhalten vor und sorgt damit für Diskussionen und Lacher. Da sind beispielsweise die technisch schlecht umgesetzten iPhone-Apps für Bild und Welt. Und nun gibt es einen weiteren Vorgeschmack auf das, was Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner regelmäßig als die Zukunft des Onlinejournalismus bezeichnet: kostenpflichtige Angebote.

Anzeige

Seit dem 15. Dezember bietet der Verlag lokale und regionale Inhalte auf dem Berliner Zeitungsportal Morgenpost.de und dem Hamburger-Abendblatt.de nur noch gegen Geld an, die Preise liegen bei knapp fünf Euro (Berlin) und knapp acht Euro (Hamburg) pro Monat. Tatsächlich bezahlen dürfte das Angebot aber kaum jemand. Denn die Onlineszene hat schon drei Möglichkeiten gefunden, trotzdem auf alle Artikel zuzugreifen.

Erstens: Überschrift bei Google eingeben und in dem News Aggregator aufrufen. Zweitens: Der Surfer stellt den User Agent seines Webbrowsers so ein, dass er sich als Google-Bot ausgibt. Und drittens, die einfachste Möglichkeit: Der Nutzer gibt statt "www" einfach "mobile" in der Adresszeile des Browsers ein und besucht beispielsweise mobile.morgenpost.de. So hat er vollen kostenlosen Zugriff auf die Inhalte, und das ohne Werbung.

Wohlgemerkt: Dass dieser Zugriff möglich ist, ist keine Panne, sondern Absicht – zum Beispiel, um die reichweitenfördernden Dienste von Google weiterhin nutzen zu können.

Das Ganze zeigt immerhin, dass Medienmanager in Deutschland mittlerweile verstanden haben, dass das Internet wichtig ist. Was sie nicht verstanden haben ist, wie es funktioniert und wie es sich entwickelt. Etwa welche Möglichkeiten es durch Vernetzung und Verlinkung gibt, wie Communitys ticken, was die Leser und somit die Kunden erwarten.

Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob in naher oder ferner Zukunft jemand bereit sein wird, im Internet für klassische Zeitungsartikel zu bezahlen und ob gerade die Inhalte der beiden Regionalblätter von Springer geeignet sind, den Anfang zu machen. Vieles spricht dagegen. Noch müßiger sind Spekulationen darüber, ob kostenpflichtige Informationsinhalte die Weiterentwicklung der Gesellschaft fördern oder bremsen.

Eines aber scheint klar: Wenn selbst große Medienanbieter wie der Springer-Verlag Pläne, welcher Art auch immer, derart inkonsequent umsetzen, liegt die Onlinezukunft anderswo.

Der Artikel erschien bei golem.de

 
Leser-Kommentare
  1. Der NDR bietet auf seinen Internetseiten Nachrichten aus Norddeutschland an. Für dieses Angebot haben die Nutzer der “neuartigen Rundfunkempfänger” (gemeint sind Computer mit Internetanschluss und Mobiltelefone) in Form der GEZ-Gebühr bereits bezahlt.

    Für dieses Geld bekommt der Leser weder abgetippte DPA-Nachrichten noch die Klickraten erhöhende sinnlose Bildstrecken.

    http://zwischenzeit.de/bl...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • sane
    • 17.12.2009 um 15:30 Uhr

    Und was wollen Sie damit aussagen? Dass die Axel Springer AG sich dem öffentlichen Rundfunk anschließen soll, weil das Bezahlmodell "GEZ" so toll funktioniert?

    • sane
    • 17.12.2009 um 15:30 Uhr

    Und was wollen Sie damit aussagen? Dass die Axel Springer AG sich dem öffentlichen Rundfunk anschließen soll, weil das Bezahlmodell "GEZ" so toll funktioniert?

    • sane
    • 17.12.2009 um 15:30 Uhr

    Und was wollen Sie damit aussagen? Dass die Axel Springer AG sich dem öffentlichen Rundfunk anschließen soll, weil das Bezahlmodell "GEZ" so toll funktioniert?

    Antwort auf "es gibt Alternativen"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gerade im Bereich der lokalen und regionalen Inhalte gibt es beim NDR eine sehr gute Alternativen. Diese sind gut strukturiert aufbereitet und nebenbei werbefrei.

    Das einige Verlage nach staatlicher Hilfe rufen, da ihnen jetzt die Umsätze einbrechen, erinnert schon an das GEZ Modell. Eine Ausweitung der GEZ befürworte ich ausdrücklich nicht. Nur wenn ich schon dafür bezahlen muss, dann kann ich es auch nutzen.

    Gerade im Bereich der lokalen und regionalen Inhalte gibt es beim NDR eine sehr gute Alternativen. Diese sind gut strukturiert aufbereitet und nebenbei werbefrei.

    Das einige Verlage nach staatlicher Hilfe rufen, da ihnen jetzt die Umsätze einbrechen, erinnert schon an das GEZ Modell. Eine Ausweitung der GEZ befürworte ich ausdrücklich nicht. Nur wenn ich schon dafür bezahlen muss, dann kann ich es auch nutzen.

  2. 3.

    Gerade im Bereich der lokalen und regionalen Inhalte gibt es beim NDR eine sehr gute Alternativen. Diese sind gut strukturiert aufbereitet und nebenbei werbefrei.

    Das einige Verlage nach staatlicher Hilfe rufen, da ihnen jetzt die Umsätze einbrechen, erinnert schon an das GEZ Modell. Eine Ausweitung der GEZ befürworte ich ausdrücklich nicht. Nur wenn ich schon dafür bezahlen muss, dann kann ich es auch nutzen.

    Antwort auf "@Frans von Hahn"
  3. Niemand weiß heute, wohin sich der Journalismus entwickelt, aber daß es weg von der Papierflut gehen muß, ist vielen klar. Was würde man denn lesen, wenn man nur Papierzeitungen bekäme? Nur ein oder bestenfalls 2 Abbonnements sind sind vorstellbar plus der Zeitschriften. Das ist aber nicht die ganze Bandbreite an Infos, die zur Verfügung stehen und aus denen man das aussuchen möchte, was einem gefällt.

    Wir würden für "guten Journalismus" gerne zahlen, aber keine Mondpreise: 2-5 cent pro Artikel sind vorstellbar, dann ist auch das Risio gering, für etwas viel zu bezahlen, was einem nicht gefällt.
    Abrechnen kann man über Micropayment oder Konto, wo die Minibeträge sich sammeln und von Zeit zu Zeit abgerechnet werden. Die Zeitungen in gedruckter Form sind antiquiert, heute könnte man an Kiosken Drucker stehen haben, die das ausdrucken, was man haben möchte für unterwegs. Aber auch das taugt nur für den Übergang, bis jeder ein geeignetes elektronisches Lesegerät (Netbook mit Internetzugang) dabei hat.
    E-Books finde ich unergonomisch in ihrer heutigen Form, aber online-Zeitungen praktisch und erheblich umweltfreundlicher als auf Papier, auch kommunikativer wegen der Kommentarfunktion. Man benötigt auch weniger Platz in ÖPNV.
    Vielleicht bekommen die Damen und Herren Verleger das ja mal gebacken, bevor es Neueinsteiger tun.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Als ich mir das Video mit der Darstellung einer Illustrierten auf einem Tablet-PC / iTablet angesehen habe, war ich positiv überrascht.

    http://www.stereopoly.de/...

    Mein Vorschlag an die Verlage ist es, sich das notwendige know-how zur Erstellung solcher Inhalte einzukaufen. Jetzt die noch bestehende Leserschaft zu vergrätzen ist kontraproduktiv.

    • luccas
    • 17.12.2009 um 20:44 Uhr

    politaffe schrieb:
    "Wir würden für "guten Journalismus" gerne zahlen..."

    Just da liegt die Sau in der Soße.
    "Guter Journalismus" wird gerademal noch von ein paar wenigen Medien praktiziert. Die anderen 90" kupfern ab und schreiben Pillepalle. Eigenrecherchierte, investigative Artikel bleiben weitgehend außen vor.

    Als ich mir das Video mit der Darstellung einer Illustrierten auf einem Tablet-PC / iTablet angesehen habe, war ich positiv überrascht.

    http://www.stereopoly.de/...

    Mein Vorschlag an die Verlage ist es, sich das notwendige know-how zur Erstellung solcher Inhalte einzukaufen. Jetzt die noch bestehende Leserschaft zu vergrätzen ist kontraproduktiv.

    • luccas
    • 17.12.2009 um 20:44 Uhr

    politaffe schrieb:
    "Wir würden für "guten Journalismus" gerne zahlen..."

    Just da liegt die Sau in der Soße.
    "Guter Journalismus" wird gerademal noch von ein paar wenigen Medien praktiziert. Die anderen 90" kupfern ab und schreiben Pillepalle. Eigenrecherchierte, investigative Artikel bleiben weitgehend außen vor.

  4. Als ich mir das Video mit der Darstellung einer Illustrierten auf einem Tablet-PC / iTablet angesehen habe, war ich positiv überrascht.

    http://www.stereopoly.de/...

    Mein Vorschlag an die Verlage ist es, sich das notwendige know-how zur Erstellung solcher Inhalte einzukaufen. Jetzt die noch bestehende Leserschaft zu vergrätzen ist kontraproduktiv.

    • hg2000
    • 17.12.2009 um 17:30 Uhr
    6.

    ich kann man mir vorstellen, dass solche ebook Reader: http://www.ebookreader-in... noch eine ganz interessante Alternative zu gedruckten Zeitungen sein können, sofern sie Artikel online und personalisiert abrufen können. Aber für ganz normale News auf einer Webseite bzeahlt kein Mensch etwas, so lange man sie einen Klick weiter auch umsonst haben kann.

  5. 7. hm,

    ich kann gut verstehen, warum privatunternehmen keine lust haben, zukunftsinvestitionen in die hand zu nehmen und mal ein interessantes und handhabbares bezahlmodell für online-inhalte zu entwickeln.

    so oder so ist man angeschmiert - scheitert man mit der anspruchsvollen kundschaft, hat man reputation und marktanteile verloren. hat man erfolg, kopieren innerhalb eines halben jahres alle anderen mirnichts-dirnichts dasselbe konzept und der vorsprung vor der konkurrenz ist futsch.

    dass marktwirtschaft technische entwicklung und wohlstand erzeugt, ist wohl eher die ausnahme als die regel. dass springer jetzt vorprescht, hat wohl eher mit selbstüberschätzung und totaler unkenntnis der materie zu tun als mit sowas wie 'mut' oder 'innovationskraft'.

    • lispm
    • 17.12.2009 um 18:38 Uhr

    Die Welt-App für iPhone und iPod touch ist alles andere als technisch schlecht umgesetzt. Ganz im Gegenteil. Für eine erste Version ist sie sogar sogar ausgesprochen gut umgesetzt worden. Das hat mich schon selbst erstaunt, aber die App ist 'slick'. Sie sieht gut aus, hat ein paar innovative Interface-Elemente und recht gut programmiert - typischerweise sehen 1.0-Versionen anders aus. Ich weiss nicht was Golem.de gesehen hat, ich habe mir die Welt-App angesehen und war angetan - klar gibt es da Verbesserungspotential für erweiterte Funktionen - aber vom Look & Feel und von der technischen Umsetzung ist das schon recht gut.

    Die Abendblattaktion hingegen, ist schon recht laienhaft. Übrigens kann man die Abendblatt-Artikel fein von der Google-News-Suche aufrufen - ich empfehle dazu eine Query nach Datum über die Quelle - dann bekommt man die Artikel schön chronologisch aufgelistet.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service