Enquete-Kommission Bundesregierung sucht einen NetzzugangSeite 2/2

Die Grünen begrüßten die neue Kommission – immerhin hatte Parteivorstand Malte Spitz einen ähnlichen Vorschlag schon im vergangenen Herbst gemacht, ohne allerdings auf große Resonanz zu stoßen. So verwiesen die Grünen nun auch darauf,  dass es "bitter nötig" sei, die "bisher verfehlte Netzpolitik" zu korrigieren. Und die Netzpolitiker Konstantin von Notz und Spitz nutzten die Gelegenheit für einige grundsätzliche Zweifel an der Kompetenz des politischen Gegners: "Es steht aber zu befürchten", hieß es in einer Erklärung, "dass erneut der Fehler gemacht wird, die Diskussion nationalstaatlich beschränkt zu führen. Dabei muss gerade bei der Netzpolitik die europäische und internationale Ebene zwingend mitbedacht werden."

Außerdem bemängelte man, nicht gefragt worden zu sein: "Aus unserer Sicht wäre es wünschenswert, wenn nicht nur eine geringe Zahl von Abgeordneten und Sachverständigen, sondern möglichst allen Interessierten die Möglichkeit gegeben wird, sich an den für unsere Gesellschaft so wichtigen netzpolitischen Debatten zu beteiligen."

Die SPD erlaubte sich Zweifel, ob von der Kommission als Ergebnis ein Bekenntnis zur "Freiheit im Internet" abgegeben wird – entsprechendes hatte die Union mit Bezug auf ihren Koalitionsvertrag in der Erklärung versprochen.

Dann folgte noch ein Seitenhieb der Sozialdemokraten: "Hinter den Kulissen ist zu vernehmen, dass es sich nun bei der Einrichtung der Enquete-Kommission aus Sicht der Union vor allem um einen symbolischen Akt handelt, um die Internetcommunity zu beschwichtigen." Die entscheidenden Fragen seien ohnehin nicht Gegenstand der Entscheidungsfindung in der Enquete-Kommission, sondern würden in den zuständigen Ausschüssen des Deutschen Bundestages behandelt.

Doch kursiert noch eine zweite Interpretation. Die Gründung der Kommission kann demnach auch verstanden werden als Versuch des Nachwuchses in der Union, sich gegen die Alten zu positionieren. Mit einem Thema, dass die gealterte Führungsriege nicht versteht und bei dem sie nur verlieren kann. Insofern wäre es also durchaus eine Idee der Opposition, der innerparteilichen in diesem Fall.

 
Leser-Kommentare
    • luccas
    • 14.01.2010 um 21:24 Uhr

    Angesichts des Umstandes, dass 99% aller Politiker Firefox für einen Spielfilm mit Clint Eastwood halten, kann man sich denken, was bei dieser Kruschtkommission rauskommen wird.

  1. wenn man sich seitens der Regierung nach Steuer-, Renten- und Sozialpolitik ins nächste Betätigunsfeld begibt, ohne auch nur einen Hauch davon zu verstehen.
    Was sich so ein Mensch wie z. B. Herr Kauder wohl unter "Breitband" vorstellt, wenn man im Jahre 2010 schon die "digitale Revolution" bemerkt hat?

    Nun, ohne Sachverstand war man ja schon beim Zensurversuch mit dem Vorwand "Kampf gegen Kinderpornografie" zugange, allerdings wahrlich nicht nur auf Seiten der CDU.
    Was denn ein Browser sei, fragte einer frech bei der Hörung im Bundestag ... und es konnte niemand antworten.
    Mag sein, dass sich da die Sache mit dem "Firefox" des Vorkommentators ergab, die beim Mitwirken an Gesetzen des Bundes irgendwie an Lustigkeit verliert.

    Sollte das Volk nur Zeichnungsbefugte in hohen Staatsämtern gewollt haben?
    Nur Sachverstand (zumindest grob, also die Hürden wie z. B. die Brwoserfrage nehmend) verhindern den Einfluss der Lobbyisten ... aber ob diese Minderung überhaupt angestrebt wird, darf mit einem lauten "Yahoo!" nichtssagend ins Bundestagsplenum geworfen werden.

    • tobiii
    • 15.01.2010 um 9:16 Uhr

    "Die SPD erlaubte sich Zweifel, ob von der Kommission als Ergebnis ein Bekenntnis zur "Freiheit im Internet" abgegeben wird – entsprechendes hatte die Union mit Bezug auf ihren Koalitionsvertrag in der Erklärung versprochen."

    Ausgerechnet die SPD meldet sich hier zu Wort und wagt es, nach ihrer Zensursula-Beteiligung Kommentare zur "Freiheit im Internet" abzugeben. Über diese Partei kann ich nur noch den Kopf schütteln....

    • ngw16
    • 15.01.2010 um 10:47 Uhr

    aber nicht hinreichend würde ein Mathematiker sagen.

    Es ist natürlich längst überfällig, dass die mit Nebenjobs zeitlich überforderten Parlamentarier und Regierungsmitglieder, sich einmal der realen Welt zuwenden.
    Und dazu gehört auch das Thema Internet.

    Wenig hilfreich ist da aber schon, wenn als eine der Vorgaben die "Stärkung des Bewusstseins für den Wert geistigen Eigentums" sein soll.

    Hier sollte eine Enquete-Kommission erst mal "den Wert geistigen Eigentums" sinnvoll definieren.
    Denn da liegt zu viel im Argen, weil die Politik auch dieses nur als Mantra vor sich herum trägt, aber auch völlig verschlafen hat.
    Bzw. durch Lobbyismus nicht neutral sehen vermag.

  2. "Andere" sind bei allen NRW-Wahlumfragen auf Rekordhoch, von Umfrage zu Umfrage mehr. Wer sind dieses anderen? Wir dürfen vermuten, daßß, besonders in NRW, die "Anderen" vor allem Piraten sind. Und das ist der Hintergrund der obskuren Aktion: Die einzige Angst, die CDU-Politiker umtreibt, ist die Angst vor Machtverlust.
    Also wird eine potemknsche Kompetenz-Fassade aufgebaut, die suggerieren soll, was keiner glaubt: Die CDU, so soll uns diese EnqueteKommision sagen, versteht die Zukunft. Dabei zeigen sowohl die Stoßrichtung als auch der Zeitpunkt ihrer Einberufung, daß die Verursacher dieser Kommision nicht einmal die Gegenwart verstehen.
    Was soll man auch von einer Regierung erwarten, die beim IT-Gipfel, erst vor Kurzem, eine "Maximalforderung" zum Thema Breitband stellt, die 50% hinter der ansonsten gleichlautenden Initiative aus Portugal liegt?

    Wer Zukunft gestalten will, muss die Gegenwart verstehen. Da ist diese Regierung mal wieder nicht dabei...

  3. Eine sehr amüsante Analyse über Medienkompetenz der Regierung und den "Raum der Freiheit" findet sich unter www.SemperVideo.de (S. Überschrift)

  4. Mehr muss man dazu ja nichts sagen, oderrr?

  5. es ist aber relativ klar, wer da drin sitzen wird, die üblichen Verdächtigen von Lobo, Beckedahl und Niggemeier, ein paar Professoren der Soziologie und haufenweise Abgeordnete, die in geschlossenen Zirkeln debattieren und ein gedrucktes Werk im Telefonbuchformat auf den Tisch hauen. Statt die Internet-Gemeinde mit modernen Kommunikationsmitteln zu beteiligen oder sie den Bericht selber entwickeln zu lassen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service