ZensurGoogle legt sich nach Hacker-Angriff mit China an

Google will die Internet-Zensur Chinas nicht länger hinnehmen. Der Internetkonzern muss damit rechnen, dass die Regierung die Seite google.cn sperrt.

Zensur: Google legt sich nach Hacker-Angriff mit China an

Google in chinesischer Sprache: Der Konzern will für google.cn die Zensur abschaffen  |  © Frederic J. Brown/AFP/Getty Imags

China gilt mit seiner riesigen Bevölkerung und rapide wachsenden Wirtschaft als wichtiger Markt, auch im Kerngeschäft von Google. Der Internetkonzern will sich daher nicht länger den Zensur-Forderungen der chinesischen Regierung beugen und nimmt den Rückzug aus dem Zukunftsmarkt in Kauf. Auslöser der Kehrtwende war nach Google-Angaben ein Hacker-Angriff aus dem Land im Dezember. Dabei sei versucht worden, in E-Mail-Konten chinesischer Menschenrechtsaktivisten bei Googles Mail-Dienst einzubrechen, teilte das US-Unternehmen mit. Bei den Ermittlungen habe Google ähnliche Hacker-Angriffe auf mindestens 20 weitere große Unternehmen entdeckt.

Wir sind uns bewusst, dass das auch die Abschaltung von Google.cn und die Schließung unserer Büros in China bedeuten könnte.

Googles Chef der Rechtsabteilung, David Drummond

In den kommenden Wochen werde Google mit der chinesischen Regierung beraten, ob und wenn ja auf welcher Grundlage eine unkontrollierte Suchmaschine im Rahmen der Gesetze betrieben werden könne. "Wir sind uns bewusst, dass das auch die Abschaltung von google.cn und die Schließung unserer Büros in China bedeuten könnte", schrieb Googles Chef der Rechtsabteilung, David Drummond, im Firmenblog.

Anzeige

Google hatte die chinesische Seite im Januar 2006 gestartet und musste dafür – wie andere Internet-Unternehmen – eine Zensur einführen. Suchergebnisse zu politisch heiklen Themen wie die blutige Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens werden gefiltert. Das brachte dem Konzern viel Kritik von Menschenrechtlern ein. Google verteidigte sich bisher damit, dass der Zugang der Chinesen zu mehr Information die Nachteile einer selektiven Zensur überwiege.

Google betreibt die weltweit meist genutzte Suchmaschine, liegt in China aber immer noch hinter dem einheimischen Anbieter Baidu. Der Betrieb von Baidu war am Dienstag ebenfalls durch einen Hacker-Angriff beeinträchtigt.

US-Außenministerin Hillary Clinton verlangte von China eine Erklärung. Der von Google erhobene Vorwurf der Zensur wecke große Besorgnis und werfe Fragen auf, sagte Clinton in Honolulu.

Der Hacker-Angriff im Dezember sei weitgehend erfolglos geblieben, schilderte Google. Die Angreifer hätten sich lediglich Zugang zu zwei E-Mail-Postfächern verschaffen können. Auch dabei hätten sie jedoch nur die Kontoinformationen und die Betreffzeilen der E-Mails einsehen können, nicht aber ihren Inhalt.

Zugleich schrieb Sprecher Drummond ohne weitere Details, dass geistiges Eigentum von Google entwendet worden sei. Die weiteren angegriffenen Unternehmen seien in unterschiedlichen Branchen tätig: Internet, Technologie, Finanzen, Medien, Chemie.

Hacker-Angriffe mit politischer Verwicklung hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. So waren Computer der baltischen Republik Estland im Sommer 2007 während eines Streits mit dem großen Nachbarn Russland fast drei Wochen lang unter Beschuss. Im vergangenen Jahr legte ein Angriff auf das Twitter-Konto eines georgischen Bloggers zeitweise den gesamten Kurznachrichtendienst lahm. Auch deutsche und amerikanische Regierungscomputer wurden bereits angegriffen.

Westliche Sicherheitsdienste sprechen von einem "Cyber-Krieg", die Nato betreibt eine Spezialeinheit, um Angriffe aus dem Internet abwehren zu können. Immer wieder hatte es Berichte über "rote Hacker" im Dienste Pekings gegeben, die chinesischen Behörden weisen sie jedoch zurück.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Cia
    • 13. Januar 2010 9:18 Uhr

    Nach den einstigen Protesten wäre es normal die Sache auszuhalten und zu vergessen. Daher ein Lob an google, dass die Umstände ihrer Arbeit auf diesem Markt weiterhin ein Thema für sie sind! Auch wenn ich befürchte das die Hackerangriffe etwas beträchtlicher waren als sie dargestellt werden.

  1. Endlich läßt sich ein Unternehmen trotz Marktrisiko nicht mehr alles gefallen. Es wäre zu schön, wenn andere Unternehmen diesem Beispiel folgen würden.

    Leider wird es immer genug Firmen geben die wegen ein paar kurzfristigen Dollar Ihre eigene Zukunft verkaufen. Damit in China möglichst Umsonst produziert werden kann liefern diese ja freiwillig ihre Konstruktionspläne und Know How. Danach beschweren sich diese über Produktpiraterie.

  2. Die Außenministerin der USA scheint etwas langsam zu sein wenn sie erst auf Grund diesen Falls bemerkt, dass es in China Zensur gibt.

  3. [ entfernt: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik und tragen Sie zu einer sachbezogenen Debatte bei. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

  4. Google, ein Verein, der in jüngster Vergangenheit keine Möglichkeit ausgelassen hat, alles über seine Kunden zu erfahren (und gewinnbringend wieder preiszugeben)... Warum macht er das? Aus purer Menschenliebe? Mit Sicherheit nicht. Im Artikel heißt es, dass Google Interna geklaut wurden (ohne nähere Angaben). Dies scheint so wichtig für den Anbieter zu sein, dass er entweder mehr Sicherheit aushandeln will oder einen Rückzug in Kauf nimmt... Seid bloß nicht zu naiv und glaubt an das Gute in Google! nebenbei: Mit der Suchmaschine www.ecosia.de lässt sich pro Suche realer Regenwald schützen! Steigt um auf Ecosia!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zitat von der Ecosia:

    "Ecosia is powered by bing, yahoo and bing" (es stehen aber Logos von Bing---also Microsoft, Yahoo und WWF).

    "Wie generiert Ecosia die Suchergebnisse?

    Ecosia erhält seine Suchresultate von den Suchpartnern Yahoo und Bing. Diese liefern sowohl die regulären Suchergebnisse wie auch die gesponserten Links, mit deren Hilfe wir Werbeeinnahmen generieren. Ecosia plant nicht, einen eigenen Suchindex zu erstellen, weil die Kosten dafür sehr hoch wären."

    Und warum werben Sie für Yahoo und Microsoft? Aus purer Menschenliebe? Oder weil Sie glauben, Yahoo und Microsoft handeln aus purer Menschenliebe?

    Immerhin haben beide Unternehmen, im Gegensatz zu Google, die Benutzerlogs an den U.S. Congress weiter gegeben, als er sie, ohne rechtliche Grundlage, haben wollte.

    In ecosias Werbevideo (das, interessanterweise, auf Google's YouTube gehostet wird) wird eine alte Ente wiederholt, eine einzige Suchanfrage erzeuge so viel Strom wie eine Glühbirne in einer ganzen Stunde.

    Diese Behauptung wurde schon in Der Zeit widerlegt (http://www.zeit.de/2009/2...). Mich wundert es trotzdem, dass soviele Menschen nicht in der Lage sind, selbst zu rechnen und elementare Fakten zu recherchieren.

    Angenommen, gemeint wäre die übliche 60W Glühbirne: Das hieße, alleine um eine einzige Suchanfrage zu bewältigen, was vielleicht 1/3 Sekunde dauert, bräuchte man über 7000 Rechner. Google aber beantwortet jede Sekunde etwa 3500 Anfragen, sodass sie dafür 8 Million Rechner bräuchte. Das ist fast drei Größenordnungen mehr, als Google überhaupt hat (15.000 Server in 2003. Heute sind es sicherlich mehr, aber doch nicht 500 mal mehr!).

    Dazu müsste Google etwa so viel Strom verbrauchen wie der ganze EU-Staat Estland mit seinen ca. 1 Mio. Einwohner.

  5. .... immer gefürchtet, in diesem Fall gelobt. Wenn Google politisch wird, wird ein Fass geöffnet. Sofort wird polarisiert und Google wird Stellung beziehen müssen zu weitere Themen. Damit ist der Startschuss gegeben zu einem Ringen um die Google-Politik.
    Wir sind im Web 2.0 Version Politik 1.0 (Build 2010).
    Vor 2010 war "Non-Politik" die Standard Einstellung. Dies ist ein Wendepunkt. Im Moment geht es um Zugang und Zensur. Es folgt Information und Inhalt. Die Auseinandersetzung um Wahrheit, deren Zugang und Deutungshoheit ist auf der nächsten Stufe angelangt. "Was ist Wahrheit?" diese mehr als 2000 Jahre alte Frage erhält im Internetzeitalter eine weitere Facette.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann die Begeisterung noch nicht teilen.

    Allerdings enthält der Artikel auch relativ wenig Information – es ist eine Ticker/-PR-Blog-Zusammenfassung, keine wirkliche eigne Recherche. Ich warte noch etwas ab. Zumal es eher nach Maleware aussieht – per Mail wurden wohl Programme untergeschoben. Es gab aber wohl noch einen zweiten Zwischenfall, den Google/bzw. wohl eher einer Gründer, wohl nicht sonderlich lustig fanden – dies ist der spannendere Teil.

    Gefühlt sieht es für mich nach einem PR-Clou der Version 1.0 aus: „Zwei Fliegen mit einer Klappe“, aber ich weiß noch zu wenig.

    Hier, wo die (EU-)Parlamentarier noch nicht mal die ACTA Verträge einsehen dürfen und eine Zensur (VDS, Internetprovider vs. Rechtsverstöße vs. Kunden, HADOPI, EU-Telecom-Paket) eingebaut ist, sollte man drüber nachdenken, wie lange diese überhaupt noch gut geht. Momentan wird eher der Stecker global gezogen, bzw. das gesamte Netz eher etwas an China angepasst. Ob die Begründungen für viele dieser Gesetze immer so tragfähig sind, ist fraglich.

    Was ist Meinungsfreiheit? Ist vermutlich die aktuellere Frage. Und die kommt meist vor der „Wahrheit“.

    • Klaue
    • 13. Januar 2010 11:11 Uhr

    ∞ Wahrheit - 1 Realität
    xD

  6. Ich kann die Begeisterung noch nicht teilen.

    Allerdings enthält der Artikel auch relativ wenig Information – es ist eine Ticker/-PR-Blog-Zusammenfassung, keine wirkliche eigne Recherche. Ich warte noch etwas ab. Zumal es eher nach Maleware aussieht – per Mail wurden wohl Programme untergeschoben. Es gab aber wohl noch einen zweiten Zwischenfall, den Google/bzw. wohl eher einer Gründer, wohl nicht sonderlich lustig fanden – dies ist der spannendere Teil.

    Gefühlt sieht es für mich nach einem PR-Clou der Version 1.0 aus: „Zwei Fliegen mit einer Klappe“, aber ich weiß noch zu wenig.

    Hier, wo die (EU-)Parlamentarier noch nicht mal die ACTA Verträge einsehen dürfen und eine Zensur (VDS, Internetprovider vs. Rechtsverstöße vs. Kunden, HADOPI, EU-Telecom-Paket) eingebaut ist, sollte man drüber nachdenken, wie lange diese überhaupt noch gut geht. Momentan wird eher der Stecker global gezogen, bzw. das gesamte Netz eher etwas an China angepasst. Ob die Begründungen für viele dieser Gesetze immer so tragfähig sind, ist fraglich.

    Was ist Meinungsfreiheit? Ist vermutlich die aktuellere Frage. Und die kommt meist vor der „Wahrheit“.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • yato
    • 13. Januar 2010 14:38 Uhr

    Es stört mich sehr dass es bei vielen Elektrogeräten keine Auswahl gibt, überall steht "Made in China" kleingedruckt drauf.

    Der Westen macht Chinas Exportindustrie gross und China
    wird immer unverschämter und mächtiger mit unserer Hilfe und unserem Geld.

    Wir sollten lieber Elektro- oder Billigprodukte aus Indien oder osteuropäischen oder EU
    Ländern kaufen. Die sollten China mittelfristig ersetzen, solange China eine Diktatur bleibt!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
  • Schlagworte Google | Bill Clinton | Finanzen | Blogger | Chemie | China
Service