Auch das kommunistische Blatt L'Humanité bekommt Geld vom französischen Staat. Den Präsidenten mag man deshalb noch lange nicht. © ZEIT ONLINE

60 Millionen Euro will die französische Regierung in den nächsten drei Jahren für die Subventionierung des Online-Journalismus ausgeben. Französische Internet-Medien können sich seit Ende 2009 um jeweils bis zu 1,5 Millionen Euro Fördermittel bewerben. Über die Vergabe entscheidet ein öffentlicher Ausschuss. Präsident Nicolas Sarkozy will damit die Meinungsfreiheit und Pressevielfalt fördern.

Seine gedruckte Presse subventioniert der französische Staat schon seit vielen Jahren. Insgesamt lässt sich Frankreich das in diesem Jahr 900 Millionen Euro kosten. Die Verleger begrüßen das. Um die französischen Zeitungen ist es noch schlechter bestellt als um die deutsche Zeitungslandschaft. Selbst renommierte Titel wie Le Monde, Libération oder Le Figaro wären ohne Staatshilfe kaum überlebensfähig. Und die Online-Medien können von schwarzen Zahlen bislang nur träumen.

Kritik an der staatlichen Hilfsaktion kommt jedoch gleich von mehreren Seiten. Zum einen ist jetzt schon abzusehen, dass sich vermutlich die etablierten Medien den Großteil der Zuwendungen sichern werden, indem sie sich mit ihren Internet-Ablegern bewerben. So berichtet etwa Libération, dass nur acht der bereits eingereichten 64 Anträge von reinen Online-Medien kommen. Blogger kritisieren zudem schon länger, dass sich die Medien nicht in die Karten gucken lassen, wie viel Geld sie denn genau vom Staat bekommen.

Zudem fragen sich Blogger wie etwa Thierry Crouzet, warum sie "jeden Tag schreiben, aber nichts von den 60 Millionen abbekommen sollen?" Um sich dann zu korrigieren: "Ich verlange gar keine Subventionen vom Staat, aber ich bitte ihn, doch eine moribunde Industrie endlich sterben zu lassen."

Besonders hart werden ausgerechnet die News-Angebote kritisiert, die sich eigentlich auf die Fahnen geschrieben haben, alles anders und besser zu machen als die traditionellen Medien: Die unabhängigen Nachrichten-Seiten Mediapart.fr, Rue89.fr oder Slate.fr zum Beispiel. Blogger kreiden ihnen an, dass sie sich auch um den Geldsegen beworben haben. "Schämt ihr euch nicht, um Geld zu betteln?", fragt Crouzet. Und ein Blogger namens "Vogelsong" greift die Slate.fr-Gründer und ehemalige Le Monde-Leute Jean-Marie Colombani und Eric le Boucher nicht minder harsch an: Sie kassierten jetzt immerhin 199.000 Euro vom Staat. Und ihre ansonsten "liberale Prosa" hindere sie offensichtlich nicht daran, das "dreckige Geld vom Steuerzahler einzukassieren".

Der medienkritische Blogger Daniel Schneidermann schreibt auf Arret sur image: "Staatshilfe, nein danke." Er wolle keine "finanzielle Beziehung zum Staat", begründet er seine Ablehnung. Die Debatte sei zweischneidig, sagt indes Edwy Plenel von Mediapart, der seine Bitte um Staatshilfe mit den Worten "Wir würden liebend gerne darauf verzichten, aber wir sind eben auch keine Masochisten" begründet. "Der Staat, das ist nicht Sarkozy", sagt er.

Den französischen Zeitungen wird oft zu große Staatsnähe unterstellt. Und auch das öffentlich-rechtliche Modell in Deutschland ist trotz aufwendiger, institutioneller Konstruktionen alles andere als erhaben über den Verdacht, parteipolitische Spielchen zu befördern. Unter den subventionierten französischen Medien finden sich aber auch Gegenbeispiele für die These, dass Geld vom Staat das publizistische Speichelleckertum befördert: Die kommunistische L`Humanité etwa lässt sicherlich kein gutes Haar an dem aktuellen konservativen Staatspräsidenten – obwohl sie auf die staatliche Hilfe angewiesen ist und sich derzeit nur mit regelmäßigen Spendenaufrufen von Monat zu Monat schleppt.

Im Interview mit Le Monde rechtfertigt der französische Medienexperte und Soziologe Jean-Marie Charon die Maßnahme, denn es gebe nun einmal "überall ein Problem, Qualitätsjournalismus zu finanzieren." Hochwertige Informationen seien kostspielig, aber unentbehrlich für die demokratische Debatte.

Der Soziologe möchte künftig übrigens auch die Blogger liebend gerne an der Förderung beteiligen. Jetzt sollten sich kluge Leute die Köpfe zerbrechen, wie man dafür Förder-Kriterien entwickeln könnte. Die Kriterien müssten objektiv sein, ohne dabei die konkreten Inhalte zu bewerten, wie er betont. Denn dass es sich bei den Staatshilfen primär um "technische Hilfen" handelt, ist für den Soziologen das beste Argument gegen den Staatsnähe-Verdacht. Er sieht es nämlich so: Man hätte es versäumt, die Medienunternehmen ausreichend zu veranlassen, sich auf die verlegerischen, technischen und wirtschaftlichen Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte einzustellen. "Dafür zahlen wir jetzt einen hohen Preis." Die Subventionen nämlich.