Julian Assange von Wikileaks ist nicht müde, auf zahlreichen Konferenzen immer wieder zu erklären, warum die Gesellschaft ein Projekt wie Wikileaks braucht. Hier auf der HITB Security Conference 2009 in Malaysia

Selbst wenn man gerade herausgefunden hätte, wem Helmut Kohl damals tatsächlich sein Ehrenwort gegeben hat – oder ein Dokument über einen Skandal in den Händen hielte, das unser Wissen über die Welt nachhaltig verändern würde. Derzeit müsste man all diese Geheimnisse für sich behalten. Denn Wikileaks, die Internet-Seite für Whistleblower(Geheimnisverräter), streikt. Hier wird derzeit niemandem geholfen, der völlig anonym und sicher vor Strafverfolgung pikante Dokumente in die Öffentlichkeit lancieren will.

Julian Assange, einer der international bekanntesten Köpfe von Wikileaks, vergleicht diesen Streik mit den Protesten einer Gewerkschaft: "Sie erinnern mit Streiks daran, dass Arbeit einen Wert hat", sagt er in einem Interview, das er dem Medien-Ökonomie-Blog im Anschluss an seinen Vortrag beim Kongress des Chaos Computer Clubs (26C3) gab. "Wir stellen der Welt jeden Tag kostenlos wichtige Informationen zur Verfügung. Aber wenn das Angebot unbeschränkt ist, weil jeder permanent darauf zugreifen kann, bewegt sich der öffentlich wahrgenommene Wert gegen Null. Indem wir unser Angebot zeitweise komplett herunterfahren, beginnen die Leute wieder, den Wert dessen wahrzunehmen, was wir tun."

Das meiste Geld geht laut Assange für Mitarbeiter drauf, die Zusammenfassungen schreiben und die Plausibilität der Dokumente vor der Veröffentlichung überprüfen. Er verrät dem Blog auch, dass Wikileaks an die 800 Gelegenheitsmitarbeiter und immerhin fünf Vollzeitkräfte hat. Diese Fünf haben oder hatten nebenbei noch Jobs, in der IT-Branche zum Beispiel, oder leben von ihrem Ersparten. "Aber das kann auf Dauer nicht so bleiben", sagt Assange. Zudem seien die Zugriffe auf die Seite in letzter Zeit massiv gestiegen. Dadurch fallen vermehrt Server-Kosten an, die Wikileaks zu tragen hat. Hinzu kommen Anwaltskosten. Schadensersatz habe Wikileaks bislang allerdings noch nicht zahlen müssen, weil man jeden Prozess gewonnen habe, erzählt Assange.

Insgesamt veranschlagt er die benötigte Summe auf 800.000 US-Dollar im Jahr. Wünschenswert wäre, wenn dieses Geld von privaten Spendern käme. Deshalb prangt auf der Startseite von Wikileaks derzeit auch ein prominenter Spendenaufruf: "We protect the world – but will you protect us?"