Es war in der MTV-Sendung The City, dass sich ein hübsches, reiches Mädchen zu den Kameras umdrehte, von denen sie sich filmen ließ, und stolz erklärte: "I'm a social". "Ich bin ein Sozial"? Der Satz ergibt keinen Sinn. Vielleicht meinte sie "Socialite", eine Dame von Rang. Doch echte Damen von Rang zeigen sich nicht bei MTV.

Als Michael Buckley "I'm a social" hörte, machte er den Satz zu seinem Slogan. Buckley ist 34 Jahre alt und lebt in Hartford, Connecticut. Er hat Psychologie studiert, Behinderte betreut und die Pressearbeit für eine lokale Musikagentur gemacht. Heute hat Buckley keinen Beruf mehr. Keinen zumindest, der sich in einem Wort benennen lässt. Er sagt von sich: "I'm a social." Denn das social web, das soziale Netz mit Plattformen wie YouTube oder Facebook ist seit 2006 sein Broterwerb und seine Passion. Sein Leben.

Dazu knipst der schlaksige Mann mit der hohen Stirn, der manchmal tagelang nur Shorts und Jogginghosen trägt und mit seinen vier kleinen Hunden spielt, die Kamera an. Holt tief Luft. Und erklärt dann mit hastiger Stimme, wie glücklich er jetzt ist, ein Mensch von Rang zu sein.

Bei YouTube stehen seine Videos auf Platz eins der Kategorie "Entertainment". Sogar die New York Times hat schon davon berichtet. Mit Foto. In seiner hausgemachten What the Buck?-Show lästert Buckley drei Mal pro Woche fünf oder zehn Minuten lang über peinliche Prominente und Teenie-Stars. Sonntags und donnerstags ist er jeweils für eine Stunde via Webcam auf der Plattform Blog.tv zu sehen und redet, singt und spielt dort vor gut tausend Live-Zuschauern. Zwischendurch postet er kurze Video-Blogs, Vlogs, auf seiner Website Buckhollywood.com und via Facebook. Etwa dreißig Mal am Tag schreibt er auf Twitter, was er gerade einkauft, schaut oder isst.

Wenn Michael Buckley sagt, dass er in einem Baumarkt schlecht beraten wurde, kann es passieren, dass der Baumarkt ihm einen Einkaufsgutschein schickt, um seinen Ruf zu retten. Buckley bekommt Päckchen mit Süßigkeiten, Kleidung und Hundefutter. Eine Frau aus Japan sandte ihm zu Weihnachten 5000 Yen. Beim Auspacken freut sich Buckley wie ein Kind: Er nimmt alle Geschenke an.

"Stars haben Fans", erklärt er in einem Making-Of zu seiner Arbeit: "Aber wir sind keine Stars. Wir sind Leute auf YouTube. Wir haben einfach Zuschauer."

Im Fernsehen würde es Buckleys Promi-Magazin so nicht geben: Der Humor ist schmutzig, die Sprachspiele japsend, der Tonfall zwischen "Kaffeeklatsch" und Kalkofes Mattscheibe. Buckley ist kein Autor, kein Comedian, kein Journalist. Er wollte schon als Kind auftreten, aber ihm fehlte das Talent, egal für welches Fach. Also schuf er sich eine eigene Bühne. Zuerst im offenen Kanal des Bürgerfernsehens und dann, als ihm ein Cousin YouTube zeigte, online. Die ersten vierhundert Shows drehte er nach Feierabend, unbezahlt. Anfangs wurde er nur beschimpft. Der Ruhm kam erst langsam. Inzwischen sehen sich durchschnittlich 300.000 Menschen seine Videos an.