YouTube Leben auf YouTube
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 Big-Brother-Dynamik

Für viele Teenager ("Fast alle, die mir zuschauen, sind zwischen 13 und 18"), ist Buckley die erste erwachsene Bezugsperson, die sie derart privat erleben dürfen: Ein witziger und lebensfroher schwuler Onkel, der sie ins Haus einlädt und seine Erfahrungen mit ihnen teilt. Buckley macht Handstände, liest die Grabrede seiner Mutter vor, gibt Ratschläge, wenn man ihm seine Sorgen mailt, und hat, in seiner freundlichen, euphorischen Art, eine immense Strahlkraft. Sein Leben vorzuzeigen macht ihm erkennbar Spaß.

Und es bringt ihm Geld. Als offizieller YouTube-Partner erlaubt Buckley dem Unternehmen, via Google AdSense kleine Werbe-Banner in seinen Videos zu schalten. Dafür fließt ein Teil der Einnahmen an ihn zurück. Mehr als 100 YouTube-Künstler verdienen damit inzwischen bereits über 100.000 Dollar pro Jahr. Einer von ihnen ist Buckley, der schätzungsweise bereits 20.000 Dollar im Monat damit macht. Er hat eine Nische gefunden. Sobald er über Miley Cirus oder die Jonas Brothers lästert, bleiben die Zuschauer an seinen Videos hängen.

Kein anderes Medium setzt so stark auf Ausstrahlung und Persönlichkeit, um ein Publikum zu binden, wie Videos. Zu ihm kommen die Leute wegen des Klatsches. Aber sie bleiben wegen des Menschen.

Manchmal jedoch kippt das Bild. Die eigene Persönlichkeit als Haupteinnahmequelle, bekommt schnell die Dynamik von Big Brother. Buckleys Ehemann zum Beispiel, ein Immobilienmakler, taucht nur unfreiwillig in den Videos auf, als Ellenbogen, als Hinterkopf oder im Spiegel. Er möchte mit dem Rummel, den Buckley inszeniert, nichts zu tun haben. Als Buckley seine ersten 100.000 Abonnenten feiern wollte, wünschten ihm YouTube-Freunde und Stars wie Jennifer Hudson begeistert alles Gute und sangen ihm Lieder. Auch der YouTube-Gründer Chad Hurley schickte eine Videobotschaft. Buckleys Mann sagte nur lapidar: "Herzlichen Glückwunsch", rollte die Augen und fragte: "Kann das hier gelöscht werden?"

Dass Buckley selbst sich daran gewöhnen musste, sein Privatleben zur Grundlage einer Ich-AG zu machen, zeigt ein Video aus dem Jahr 2007. Damals kam es ihm noch geschmacklos vor, seine Zuschauer durch sein Haus zu führen. Weihnachten 2009 dann filmte er eine komplette Tour: Die karge Küche, die kleinen Hunde (und ihre Windeln), Hunderte teure Sammlerpuppen... Es ist ein schönes Haus, aber es wirkt ein bisschen kalt. Und Buckley schaut in die Kamera, wie Bree aus der Fernsehserie Desperate Housewives, wenn sie Gäste hat. Nervös und etwas verbissen.

 
Leser-Kommentare
  1. ...muss der Leser sich am Ende dieses Artikels auch noch gewissermassen als krönenden Abschluss in Form einer Werbung gefallen lassen.
    Dies kommt nach einem Artikel von solch minderer Qualität einem Ablenkungsmaneuver gleich. Es war in XYZ, Amerika dass sich jemand ein Sozial nannte. Schreiben Sie demnächst auch Falkensee, Brandenburg? Werden denn all die Anglizismen von niemandem in Ihrer Redaktion einer kritischen Begutachtung unterzogen?
    Es muss einen regelrecht wundern, dass in dem Artikel etwas einen Sinn ergibt - und nicht macht. Was mit Sicherheit keinen Sinn ergibt ist die sinnentleerte Worthülse, dass kein Medium so stark auf [...] die Persönlichkeit setzt, wie Videos.

    Dieser Artikel hat mich als langjährigen ZEIT-Leser verärgert. Es handelt sich in meinen Augen um einen Text, der rasch "produziert" wurde, und nicht um einen Artikel, der in der online-Ausgabe einer renommierten Zeitung erscheinen dürfte.

  2. Obwohl ich Youtube seit 2005 kenne habe ich noch nie von Michael Buckley gehört. Von mir aus gönne ich ihm den Erfolg, aber ich möchte trotzdem nie etwas von ihm sehen...

  3. Ich kenne seine Videos und sie sind ja auch ganz nett, wenn man sich denn erst mal daran gewöhnt hat, wie schnell und schrill sie sind. Natürlich ist das Niveau nicht das einer ZEIT, aber ich glaube, jeder, der YouTube-Videos anschaut, sucht auch nicht nach großen Meisterwerken. Seine Videos sind mit Freude gemacht und das merkt man auch.
    Jedenfalls ist dieser Artikel wirklich nicht etwas, was ich von Der ZEIT erwarten würde, auch wenn es nur die Onlineausgabe ist, auch wenn er ganz passabel ist. Ganz abgesehen von dem einen Absatz, der ja nur aus (Werbe-)Links zu bestehen scheint: Der Artikel ist wohl nur durch die entsprechenden Videos recherchiert. Das finde ich schwach. So etwas hätte fast jeder nach eingehender Recherche schreiben können; was fehlt, ist ein Interview. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Artikel nur als Lückenfüller dient, und einfach so dahingeschrieben wurde von jemandem, der wohl gerade diese Videos schaute. Natürlich ist dieser Artikel für jemanden, der Buckleys Videos nicht kennt, ganz in Ordnung und sicher interessant. Ich vermisse aber den Tiefgang. Ich hätte es besser gefunden, wenn der Artikel die ganze Sache genauer betrachtet hätte, sich mehr mit seiner Person oder anderen Menschen auf YouTube beschäftigt hätte, ein Interview hätte gepasst.
    Ich verstehe natürlich, dass so etwas in einem solchen kurzen Artikel nicht zu bewerkstelligen ist. Vielleicht könnte man daraus aber eben einen größeren Artikel zimmern. Ich würde mich darauf freuen.

  4. Lustig, einige Zeitleser scheinen tatsächlich so zu sein wie ich sie mir vorgestellt habe: besserwisserisch und kleinkariert. "Wo ist der Tiefgang? Warum wurde die Tragik der menschlichen Existenz nicht umfassend behandelt?" Macht Euch einfach mal locker und nölt nicht soviel rum. Es gibt Schlimmeres als einen mittelmäßigen Artikel auf zeit.de.

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