Geodaten Auch Einbrecher informieren sich bei Facebook

Mit Statusmeldungen wie "Bin fünf Wochen in der Arktis", macht man es Verbrechern leicht. Das finden auch Versicherungen und warnen vor zu viel Offenheit im Netz.

Wer sein Haus zu lange allein lässt, lockt Einbrecher an.

Wer sein Haus zu lange allein lässt, lockt Einbrecher an.

Was tun Menschen nicht alles, um ihre Eigenheime auch im Urlaub bewohnt aussehen zu lassen. Sie zwingen Nachbarn zum täglichen Briefkastenleeren, kaufen programmierbare Rollläden, die automatisch einen Tag- und Nachtrhythmus vorspiegeln oder Zeitschaltuhren, die jeden Abend das Licht angehen lassen. Nicht zu vergessen Bewegungsmelder mit künstlichem Hundegebell.

Bei manchen jedoch ist es umgekehrt. Sie tun einiges, um Gesetzesbrecher auf eine günstige Gelegenheit für ihren nächsten Bruch aufmerksam zu machen. Damit nicht genug: Der moderne Einbrecher sollte keine Mühe haben, den besten Termin für einen Bruch zu planen: Statusmeldungen auf Twitter und Facebook, Handyprogramme wie Foursquare oder neuerdings auch Googles Buzz verkünden: "Pleaserobme.com! (Bitte raub mich aus!)" So heißt jedenfalls eine Webseite, die aktuelle Informationen über verlassene Wohnungen und den Aufenthaltsort der Bewohner unter dem ironischen Titel "Neue Gelegenheiten" auflistet. Die Nachrichten laufen im Sekundentakt ein, nur einbrechen muss der Täter noch selbst.

Anzeige

"Das Haus verlassen und bei Street Bagles eingecheckt" verrät etwa The Mexican aus Brooklyn, New York. Aber weil The Mexican vielleicht nur kurz auf seinem Brötchen kaut, bis er wieder zurück ist, sollte es der Einbrecher doch besser mit bryanhead versuchen: Der hat sich nämlich "soeben am Palm Springs International Airport eingecheckt". Hinter der Seite Pleaserobme.com steckt eine Gruppe namens Forthehack. Sie will mit diesem ernst gemeinten Spaß auf neue Gefahren im Zusammenhang mit sozialen Medien aufmerksam machen.

Die Nutzung von Diensten wie Facebook und Twitter wächst exponentiell. In den vergangenen Monaten ist auch die Zahl der Dienste gewachsen, die dabei Angaben über den Aufenthaltsort ihrer Nutzer verarbeiten. Die britische Zeitung Daily Telegraph zitiert Darran Black, Leiter der Abteilung "Immobilien" des Online-Versicherungsvergleichs Confused.com mit den Worten, er halte es durchaus für möglich, dass dadurch auch die Preise für Versicherungen steigen können. "Wir könnten Gebührensteigerungen von bis zu zehn Prozent für die Nutzer von Sozialen Medien erleben", sagt er. Denn wer den Handy-Dienst Foursquare nutze, teile aller Welt mit, wann er das Haus verlassen habe und dass er sich jetzt an einem bestimmten Ort – einem Restaurant zum Beispiel – aufhalte. Da kann der Einbrecher sogar seinen Kumpel zu Hause lassen, der früher hätte Schmiere stehen müssen. Schließlich wird der Hausbewohner ihm wohl auf gleichem Wege mitteilen, wann die Heimkehr droht.

Theoretisch ist das Risiko nicht. Im vergangenen Jahr traf es den Video Podcaster Israel Hymen, der mit seiner Familie in den Mittleren Westen gereist war und von unterwegs über seine Reiseroute twitterte

Wieder daheim musste er feststellen, dass Einbrecher sein Haus ausgeräumt hatten.

"Kriminelle werden immer besser in der Informationsbeschaffung. Sie benutzen Google Earth und Streetview, um ihre Einbrüche mit militärischer Prezision zu planen", sagt Black. "Versicherungsanbieter werden anfangen, das im Schadensfall zu überprüfen." Er hält es für möglich, dass die Assekuranzen künftig einen Versicherungsfall ablehnen, weil sie glauben, dass der Versicherte seiner Sorgfaltspflicht nicht ausreichend nachgekommen ist.

Katja Klopsch vom Kölner Versicherungsunternehmen Asstel sagt, dass es dazu bislang noch keine geltende Rechtsprechung gebe. "Im Schadensfall muss geprüft werden, ob der Versicherungsnehmer grob fahrlässig gehandelt hat, das heißt, juristisch gesprochen, ob er die erforderliche Sorgfalt gröblich, im hohen Grade außer Acht gelassen hat und nicht beachtet hat, was unter den gegebenen Umständen jedem hätte einleuchten müssen." Dann sei etwa die Frage zu beantworten, ob nur die engsten Freunde über die Abwesenheit informiert worden seien oder auch gänzlich unbekannte Personen. Und ob die Adresse des Versicherten bekannt oder leicht herauszufinden war.

Leser-Kommentare
  1. Unsere derzeitigen Verhältnisse führen schnurstracks zu mehr Kriminalität. Daß sich die Verbrecher dabei technischer Fortschritte bedienen ist klar. Jeder, der mit seinem Besitz glänzt, wird steigenden Aufwand betreiben müssen, seinen Besitz zu verteidigen. Viel Spaß dabei!

  2. Spricht überaupt nichts gegen. Nur dann sollte es auch anders herum laufen: Eigenheimbesitzer, die ihr Gebäude besser absichern, einen richtigen Zaun setzen, Hunde halten und Co, sollten Rabatt bekommen.

    Wenn schon differenzieren und das Negative bestrafen - dann auch das Positive belohnen. ABer das wird unseren Versicherungsunternehmen ja nicht in den Sinn kommen. Welche Überraschung.

  3. ... Versicherung mogeln sich überall heraus, solange man nicht klagt. "Grobe Fahrlässigkeit" anzunehmen, wenn ich anderen im Internetzeitalter von meiner bevorstehenden Reise erzähle ist schlicht schwachsinnig.

    Am besten der Kommentar von User "Nachtauge12", da geht es hin. Wisst ihr was? In einige New Yorker Stadtteilen haben die Leute Gitter vor dem Fenster und schwere Eisenriegel an den Türen und natürlich: Waffen. Wollt ihr das? Überall 2m hohe Stacheldrahtzäune, Videokameras, Gitter, scharfe Hunde? Vor allem letztere nerven doch jetzt schon genug mit ihrem rumgeschei**e und gebelle.

    Ich bin dafür diese, bis ins Klein-Klein differenzierenden, privaten Gewinnerwirtschaftungsgesellschaften abzuschaffen gegen eine Allround-Versicherung die einige grobe Vorgaben macht und damit fertig. Das bleibt überschaubar, das bleibt bezahlbar, das böte Rechtssicherheit, man hätte insgesamt niedrigere Beiträge (da alle dafür zahlen, Honorare und bürokratischer Overhead wegfiele), die klingelputzenden Versicherungsvertreter würden endlich aussterben und man hätte mehr Zeit für sinnvollere Sachen, als wie Versicherungen zu vergleichen und zu verklagen.

  4. die Überwachungstechnik wird immer besser, Tatsache ist dass die meisten Einbrecher panische Angst vor dem "elektronischen Zeugs" haben.

    Und vielleicht kommen ja mal ein paar Polizisten auf die Idee, im Internet Abwesenheit anzukündigen und dann auf die Einbrecher zu warten. Das Ganze medial gut aufbereitet läßt die Einbruchszahlen schnell wieder sinken...

    Also: keine Panik, auf neue Probleme folgen neue Lösungen.

  5. Nun ist es ja nicht so das das Problem alt wäre das Einbrecher nun mal gerne in Häuser einbrechen deren Besitzer verreist sind. So hat man schon lange dafpr gewant beim Flughafen darauf aufzupassen das niemand sich die Ediketten mit den adressen der koffenanguckt oder gar bei umfragen mitzumachen wo die adresse angegeben werden muss.
    Und was macht der normalbürger wenn er beim Flughafen ein Stück gratis pizza gewinnen kann und nur seine Adresse für werbung hinterlegen muss ? genau gantz offen die adresse aufschreiben so das auch jeder Einbrecher mitlesen kann.

    Die Elektronischen Spielereien sind dann zu Hause ebend auch nicht mehr das wahre einen Störsender der einfach mit der 20-40 fachen Leistung eines Handys alle Frequentzen abdekt zu bauen ist einfache Elektronik und durch die gantzen WLan verbindungen kann so ein sender auch Sicherheitskameras lamlegen. Kameras die ein kabel haben lassen sich dann einfach dadurch überwältigen das man sie ignoriert und die Festplatte mit den gespeicherten datan mitnimmt.

    Und Hunde ? ..... klar wenn jemand Verreist lässt er ja seine Hunde für den Einbrecher gut und sicher bei Verwanten oder im Pflegeheim. Sonst ist ein Hund immer noch kein Ernst zu nehmendes Hinderniss da di meisten eben keine Ausgebildeten Kampfhunde sind die mit den Abehranlagen gegen hunder vertraut sind.

    So wird sich wohl nichts wirklichens mit dem internett ändern nur eine zusätzliche ebene kommt hinzu.

  6. ptivatsphäreeinstellungen: nur Freunde....schon ist das problem gelöst. wer ist denn so dumm, seine statusmeldungen (oder gar adresse und geburtsdatum) für alle zu veröffentlichen?

    • dorena
    • 27.02.2010 um 20:48 Uhr

    war heute mein erstes Gefühl bei der Lektüre diverser Artikel zum Thema Datenschutz im Internet.
    Aber ist es damit nicht genauso wie mit allen anderen Risiken ? Man kann überall verunglücken,zusammenbrechen,angegriffen werden.....und geht
    trotzdem raus und auch dann und wann auf Reisen.
    Genauso verhalte ich mich im Internet: bin so aufmerksam,wie ich es sein kann und freue mich trotzdem,dass es Internet gibt und dass ich auf diesem Wege
    Informationen suchen und bekommen kann oder auch mich
    unkompliziert mit anderen Menschen austauschen kann.
    Was ich nicht mache,ist Fotos hochladen,wo Menschen drauf sind.Man weiss nie,was damit passiert....oder Adressen von Bekannten ohne Nachfrage weiterreichen...... Musik oder
    Infos downloade ich nur dort,wo es ausdrücklich erlaubt ist.Selber gebe ich keine Musik online weiter.
    So hoffe ich,einigermassen auf der sicheren Seite zu sein.
    Ansonsten lasse ich alles sein,was auch nur den Anschein hat,es könnte mir gefährlich werden...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service