Googles MarktmachtWer suchet, der nicht findet

Die EU-Kommission setzt sich mit Beschwerden von drei Portalen auseinander, die sich mit Googles Suchalgorithmus und seiner Dominanz auf dem Online-Werbemarkt befassen. von 

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Mitglieder eines Kinder-Spieleklubs spielen Blinde Kuh im Londoner Hyde Park im Jahr 1932  |  © Fox Photos/Getty Images

Achtzig Prozent aller Suchanfragen in der EU landen bei Google. Damit hat das – selbst milliardenschwere Unternehmen – indirekt Verfügungsgewalt über die Umsätze von zahlreichen Unternehmen: Was Google oben auf der Seite platziert, hat die größten Chancen, auch gesehen zu werden. Vierzig Prozent aller Suchenden klicken auf den ersten Treffer. Alles, was weiter unter steht, ist praktisch nicht existent. Schon ab Platz drei sinkt die Klickwahrscheinlichkeit auf unter neun Prozent. Platz zehn rufen noch nicht einmal mehr 3 von 100 Suchenden auf. Und auf die zweite Seite der Suchergebnisse guckt fast niemand mehr an.

Wer Produkte oder Dienstleistungen verkaufen, oder mit Werbung auf seiner Seite Gewinne erlösen will, wird daher alles dafür tun, auf Platz eins, zwei oder drei zu landen. Ein ganzer Wirtschaftszweig lebt von der Suchmaschinen-Optimierung. Doch manchmal hilft auch die beste Optimierung nichts. Immer wieder beklagen sich Unternehmen, von Google benachteiligt zu werden, ohne eine Chance zu haben, die Gründe für das miese Ranking zu erfahren.

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Denn der Algorithmus, mit dem Google die Konkurrenz auf die Plätze verweist, ist so geheim wie das Coco-Cola-Rezept. Jetzt befasst sich die EU-Kommission mit den Beschwerden dreier Unternehmen, die sich durch Googles Ranking-Verfahren benachteiligt fühlen oder sich über die von Google diktierten Bedingungen auf dem Online-Werbemarkt beklagen. Ihr Verdacht: Google listet sie absichtlich schlechter, weil sie in Konkurrenz zu ähnlichen Angeboten von Google stehen. Die Unternehmen sind die britische Seite Foundem und die Microsoft-Tochter Ciao, beides Verbraucherportale, die Preise von Produkten vergleichen und zu Shops verlinken. Dritter Beschwerdeführer ist die französische Seite ejustice.fr, ein Informationsportal für Rechtsfragen, das vor allem von Akademikern und Juristen besucht wird. Foundem ist wie Microsoft Mitglied der Initiative for a Competitive Online Marketplace (ICOMP). Sie setzt sich unter anderem für "gesunde Marktplätze" im Internet ein. Von der ICOMP heißt es, dass eine ganze Reihe von Unternehmen die Klage unterstützt und es einzig darum ginge, einen transparenten und fairen Wettbewerb im Netz sicherzustellen.

Ciao beklagt sich explizit über Googles Monopolstellung auf dem Online-Werbemarkt. "Angesichts der Dominanz eines Akteurs im Online-Advertising-Markt überrascht es nicht, dass sich die EU-Kommission mit der Thematik befasst", bestätigt Ulrike Piesch von Ciao. "Wir glauben, dass es für die Wettbewerbsaufsicht  ein normaler Vorgang ist, den Online-Advertising-Markt näher zu untersuchen – vor allem, wenn man bedenkt wie wichtig dieser für die Entwicklung des Internets ist."

In einem Blog-Post bestätigte Googles europäische Wettbewerbsexpertin Julia Holtz den Eingang der Post aus Brüssel: "Wir sind uns sicher, dass wir unser Geschäft im Interesse der Nutzer und Partner steuern, und im Einklang mit dem europäischen Wettbewerbsrecht", schreibt sie. "Wir sind die ersten, die zugeben, dass unsere Suche nicht perfekt ist, aber es ist eben auch ein sehr schwieriges, wissenschaftliches Problem." Man solle sich nur mal vorstellen, 272 Millionen mögliche Antworten auf eine Suche nach dem Begriff "iPod" auf einem kleinen Computerbildschirm innerhalb weniger Millisekunden abzubilden. "Das ist eine Herausforderung, die wir jeden Tag Millionen Mal zu bewältigen haben."

Google versuche beispielsweise keine Seiten nach oben zu holen, die nur aus kopierten Inhalten oder gar Spam bestehen und die für den Nutzer wenig attraktiven, eigenen Inhalt bieten. Grundsätzlich habe man aber nichts gegen sogenannte "vertikale Seiten", also Portale wie Ciao, die von anderen Informationen versammeln und neu zusammenstellen, schreibt Holtz. Sie nennt als Beispiel die Seite Opodo, die billige Flüge auswertet und die regelmäßig weit oben bei den Suchergebnissen erscheine. Mit Ciao habe man zudem erst Probleme, seitdem das Portal 2008 von Microsoft aufgekauft worden sei. So hat Ciao bereits ein Verfahren vor dem deutschen Bundeskartellamt angestrengt, um sich gegen Wettbewerbsverzerrungen im Online-Werbemarkt zu beschweren. Laut Piesch habe man erst aus den Medien erfahren, dass dieser Fall nun auch in Brüssel verhandelt werden würde. "In der Zwischenzeit werden wir weiterhin das Bundeskartellamt bei seinen Ermittlungen in Bezug auf die Beschwerden von Ciao, der Verbände der Zeitschriften- und Zeitungsverleger sowie von Euro-Cities, einen Berliner Anbieter von Online-Stadtplänen, unterstützen", sagt Piesch.

Leserkommentare
    • Fifty4
    • 24. Februar 2010 13:49 Uhr

    Das sich die Kläger allgemein für "gesunde Marktplätze" einsetzen ist doch fraglich. Wahrscheinlich haben sie ihren Profit im Auge. Dabei sind ihre Programmierer offensichtlich nicht in der Lage, ohne genaue Kenntnis des Algorhytmus gute Platzierungen zu erreichen. Obwohl das möglich ist. Vielleicht sollten die sich ein wenig Rat bei Fachleuten holen statt zu klagen.

  1. ...landen die Seiten auch deshalb nicht auf dem ersten PLatz weil es ähnliche Seiten gibt die für die meisten Benutzer relevanter / attraktiver sind und daher weiter oben landen als z.B. Ciao

    • daandi
    • 24. Februar 2010 14:42 Uhr

    Von einem fairen Wettbewerb dürfte auch nach Offenlegung des Ranking-Alorithmus keine Rede sein.
    Dann hängt die Platzierung nämlich noch stärker davon ab, wer den besten Suchmaschinenoptimierer beauftragt und der Nutzer bleibt vollends auf der Strecke.

  2. ...ich würde sagen Google ist ein Unternehmen, was es anbietet ist seine Sache.

    Der Bäcker muss auch nicht auf die Konkurrenz hinweisen.
    Oder Mercedes auf BMW.

    Aber in EU-Land muss man den eigenen Konkurrenten fördern - der "Browser Ballot Screen" (wie das Ding auf Deutsch auch heißt) bei Microsoft zum Beispiel.

    Unter diesem Gesichtspunk will ich eine Strafe für Toyota - die Radios und CD Player lassen sich nicht tauschen und sind fest integriert...

    Und es gibt alternativen zu Google.

    • hg2000
    • 24. Februar 2010 17:53 Uhr

    Kann Man bei Google überhaupt von einem Monopol sprechen?

    Wikipedia sagt:"Ein Monopol (altgriechisch von μόνος (monos) = „allein“ und πωλεῖν (pōlein) = „verkaufen“) nennt man eine Marktsituation (Marktform), in der für ein ökonomisches Gut nur ein Anbieter[1] oder nur ein Nachfrager existiert."

    -> Es gibt doch zahlriche Suchdienste, aus denen der User frei wählen kann.

  3. Ciao ist wohl der größte Google Spammer in Deutschland. Keine Produktsuche, bei der Ciao nicht in der Ergebnisliste ganz oben gewesen wäre.

    Sie wurden aus sehr gut nachvollziehbaren Gründen zurückgestuft. Wenn ich nach einem Produkt Suche, möchte ich vor allem den Hersteller und nächsten Händler ganz oben wiederfinden - und nicht die Seiten von Produktaggregatoren.

  4. "Vierzig Prozent aller Suchenden klicken auf den ersten Treffer. Alles, was weiter unter steht, ist praktisch nicht existent."

    Könnte ja auch daran liegen dass die Frage schon auf der ersten Seite und dort meist innerhalb der Top 3 Suchergebnisse beantwortet wurde ...das ist doch wie beim Telefonbuch, wenn ich da auf Anhieb die Nummer finde die ich suche bin ich doch auch glücklich und beende die Suche anstatt weiter zu suchen...

    Kinder, das ist wie bei der Hommingberger Gepardenforelle (selber googeln), Content is King und alles Andere ist Spam. Die Besten Ergebnisse wurden mit ehrlichem Content gemacht, nicht mit klassischer SEO oder Spam.

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