Hacker Küchentischethik für FortgeschritteneSeite 4/4
Das ist nicht nur philosophisch problematisch. Wenn kontroverse Eckpunkte sichtbare Positionen in gesellschaftlichen Debatten einnehmen, unterminieren sie die globale Glaubwürdigkeit und Akzeptanz der für die Orientierung in der digitalen Welt wichtigen Hackerideologie.
Dazu ist positiv hervorzuheben, dass die Community in den genannten Punkten keineswegs einer Meinung ist. Es gibt viele im Großen oder Kleinen abweichende Positionen. Diese Diskordanz sollte möglicherweise stärker nach Außen treten. Der Eindruck einer geschlossenen und in Teilen wenig akzeptablen Ideologieentwicklung könnte dann entkräftet werden. Eine Möglichkeit der Umsetzung wäre die Diversifikation der noch sehr homogenen politischen Gruppierungen. So können die einzelnen Gruppen eindeutig ausgerichtete Programme vertreten, während trotzdem die Vielfalt der möglichen Positionen abgebildet wäre. Diskordanz wäre dann ein allgemeiner Vorteil und kein Hindernis.
Denn klar ist, dass politische Hacker eine wichtige Rolle für eine immer stärker technisch und vor allem informationstechnisch unterlegte Gesellschaft spielen werden. Und für eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft ist es nützlich, wenn sich zu komplexen Fragen mit verschiedenen Lösungsvarianten mehrere Positionen konsolidieren, zwischen denen gewählt werden kann. Auch wenn das bedeutet, dass die Ergebnisse von den Wunschzielen abweichen werden. Das wäre gute demokratische Praxis: die konsistente Vielfalt.
Sandro Gaycken ist Technik- und Sicherheitsforscher an der Universität Stuttgart und beschäftigt sich mit Hacking, Datenschutz, Sicherheit und Cyberwarfare. Zu Hackerideologien hat er in seinem neuen Buch "Neue Utopien" geforscht. Er ist seit Jahren politisch in der Hackergemeinschaft tätig.
- Datum 22.02.2010 - 12:25 Uhr
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habe nur zufällig daraufgeklickt, weil die Überschrift nicht passt.
Der Artikel fängt ja gut an, aber dann wird plötzlich Marx für die Behauptung herangezogen, dass Urheberrechtsverletzungen einem Diebstahl entsprechen.
Zu Zeiten von Marx war Arbeitszeit eine Ressource, genau wie die materiellen Güter, die zur Produktion notwendig waren. Dies ist sicherlich auch richtig: wenn ein Schuster zwei Schuhe macht, braucht er nicht nur das doppelte Material, sondern auch die doppelte Arbeitszeit. Anders geht es nicht.
Bei illegalen Downloads sind die Kosten für den Künstler aber gleich null. Er hat fixe Produktionskosten für sein Produkt, und soll nach Meinung der Hacker dafür auch entlohnt werden - Stichwort Kulturflatrate.
Was er aber nicht hat sind Kosten für die Verfielfältigung. Welcher Logik entspricht es, dass der Künstler "bestohlen" wird, wenn man ihm nichts wegnimmt? Hier könnte man nur mit entgangenem Gewinn argumentieren - dieser ist aber keinesfalls ausschlaggebend für den Künstler! Wer sich dumm und dämlich verdient ist die *Industrie*, welche für das Kunstprodukt vollkommen sinnlose Leistungen wie Werbung und Vertrieb übernimmt.
Die Hacker sagen: hey, die Industrie brauchen wir nicht, die braucht kein Mensch. Denn Werbung brauche ich als Kunde nicht, und Verfielfältigen kann ich mir das ohne Kosten selber. Und es ist doch verkehrte Welt, wenn der Großteil des Erlöses eines Musikalbums an das Plattenlabel geht - und nicht an den Künstler, der ja der einzige ist, der hier eine für den Kunden wertvolle Leistung erzielt hat.
Es tut mir Leid, es so formulieren zu müssen, aber Ihre Vergleiche sind schlicht unsinnig.
1) Die Kosten des Künstlers sind in der digitalen Welt bei Privatkopien zwar gleich Null, doch entsteht der Preis am Markt nach Angebot und Nachfrage. Steigt das Angebot ins "Unendliche", was durch die Möglichkeit digitaler Kopien ja durchaus der Fall ist, so schmiegt sich der Preis des Produktes der Null an. Plötzlich haben Künstler also etwas produziert, ohne entlohnt zu werden. Das Prinzip funktioniert generell immer noch, doch hätte der alte Marx wohl große Probleme gehabt, sich einen Markt vorzustellen, in dem das Produkt "ohne Ressourcen" vervielfältigt werden kann. Ergo funktioniert die "reine Lehre" in diesem Fall nicht.
2) Es ist immer wieder zu beobachten, dass Befürworter der zugleich kostenfreien und legalen Vervielfältigung von Musik innerhalb einer Diskussion mangels Argumenten zur dumpfen Schelte auf die Musikindustrie greifen. Doch sind es gerade diese Industriezweige, die Produktion und Verbreitung von Musik ermöglichen, etwa indem sie in mittellose Künstler investieren, mit dem Vertrauen, in das Kunstprodukt. Dass das gesamte (kapitalistische) System zur Monopolisierung neigt und deshalb einige wenige aus dem goldenen Kelch trinken, ist nichts neues.
3) Stichwort Kulturflatrate. Meines Wissens konnte noch niemand ein ernstzunehmendes Berechnungsmodell darlegen, das sowohl einerseits eine angemessene Entlohnung der Künstler, wie andererseits günstige Konditionen für den Kunden ermöglichte. Können Sie das?
Es tut mir Leid, es so formulieren zu müssen, aber Ihre Vergleiche sind schlicht unsinnig.
1) Die Kosten des Künstlers sind in der digitalen Welt bei Privatkopien zwar gleich Null, doch entsteht der Preis am Markt nach Angebot und Nachfrage. Steigt das Angebot ins "Unendliche", was durch die Möglichkeit digitaler Kopien ja durchaus der Fall ist, so schmiegt sich der Preis des Produktes der Null an. Plötzlich haben Künstler also etwas produziert, ohne entlohnt zu werden. Das Prinzip funktioniert generell immer noch, doch hätte der alte Marx wohl große Probleme gehabt, sich einen Markt vorzustellen, in dem das Produkt "ohne Ressourcen" vervielfältigt werden kann. Ergo funktioniert die "reine Lehre" in diesem Fall nicht.
2) Es ist immer wieder zu beobachten, dass Befürworter der zugleich kostenfreien und legalen Vervielfältigung von Musik innerhalb einer Diskussion mangels Argumenten zur dumpfen Schelte auf die Musikindustrie greifen. Doch sind es gerade diese Industriezweige, die Produktion und Verbreitung von Musik ermöglichen, etwa indem sie in mittellose Künstler investieren, mit dem Vertrauen, in das Kunstprodukt. Dass das gesamte (kapitalistische) System zur Monopolisierung neigt und deshalb einige wenige aus dem goldenen Kelch trinken, ist nichts neues.
3) Stichwort Kulturflatrate. Meines Wissens konnte noch niemand ein ernstzunehmendes Berechnungsmodell darlegen, das sowohl einerseits eine angemessene Entlohnung der Künstler, wie andererseits günstige Konditionen für den Kunden ermöglichte. Können Sie das?
Es tut mir Leid, es so formulieren zu müssen, aber Ihre Vergleiche sind schlicht unsinnig.
1) Die Kosten des Künstlers sind in der digitalen Welt bei Privatkopien zwar gleich Null, doch entsteht der Preis am Markt nach Angebot und Nachfrage. Steigt das Angebot ins "Unendliche", was durch die Möglichkeit digitaler Kopien ja durchaus der Fall ist, so schmiegt sich der Preis des Produktes der Null an. Plötzlich haben Künstler also etwas produziert, ohne entlohnt zu werden. Das Prinzip funktioniert generell immer noch, doch hätte der alte Marx wohl große Probleme gehabt, sich einen Markt vorzustellen, in dem das Produkt "ohne Ressourcen" vervielfältigt werden kann. Ergo funktioniert die "reine Lehre" in diesem Fall nicht.
2) Es ist immer wieder zu beobachten, dass Befürworter der zugleich kostenfreien und legalen Vervielfältigung von Musik innerhalb einer Diskussion mangels Argumenten zur dumpfen Schelte auf die Musikindustrie greifen. Doch sind es gerade diese Industriezweige, die Produktion und Verbreitung von Musik ermöglichen, etwa indem sie in mittellose Künstler investieren, mit dem Vertrauen, in das Kunstprodukt. Dass das gesamte (kapitalistische) System zur Monopolisierung neigt und deshalb einige wenige aus dem goldenen Kelch trinken, ist nichts neues.
3) Stichwort Kulturflatrate. Meines Wissens konnte noch niemand ein ernstzunehmendes Berechnungsmodell darlegen, das sowohl einerseits eine angemessene Entlohnung der Künstler, wie andererseits günstige Konditionen für den Kunden ermöglichte. Können Sie das?
Ihre Einwände gegen die Kritik von Pyr kann ich nachvollziehen.
Allerdings finde ich, dass, abgesehen von den eher geringen Kosten, die die Plattenfirmen & Co tragen, die hinter den Künstlern stehen, Vervielfältigung der neuen-Medien-Produkte ohne Produktionspreis abläuft. Soweit meine Meinung und wohl nichts Neues zur Sache.
Aber: Kritik an einer Sache sollte immer möglich sein, sofern sie vernünftig geäußert wird. Es mag stimmen, dass die Befürworter absolut kostenfreier Downloads und Medienzugänge schnell ausweichen und die raffgierige Industrie beschuldigen.
Das größere Problem scheint mir allerdings zu sein, dass diese Kritik gar nicht wahrgenommen wird, da kein Verbesserungsvorschlag mitgeliefert wird.
Missstände exisitieren auch dann, wenn noch niemand weiß, wie sie zu korrigieren sind.
Ihre Einwände gegen die Kritik von Pyr kann ich nachvollziehen.
Allerdings finde ich, dass, abgesehen von den eher geringen Kosten, die die Plattenfirmen & Co tragen, die hinter den Künstlern stehen, Vervielfältigung der neuen-Medien-Produkte ohne Produktionspreis abläuft. Soweit meine Meinung und wohl nichts Neues zur Sache.
Aber: Kritik an einer Sache sollte immer möglich sein, sofern sie vernünftig geäußert wird. Es mag stimmen, dass die Befürworter absolut kostenfreier Downloads und Medienzugänge schnell ausweichen und die raffgierige Industrie beschuldigen.
Das größere Problem scheint mir allerdings zu sein, dass diese Kritik gar nicht wahrgenommen wird, da kein Verbesserungsvorschlag mitgeliefert wird.
Missstände exisitieren auch dann, wenn noch niemand weiß, wie sie zu korrigieren sind.
Ihre Einwände gegen die Kritik von Pyr kann ich nachvollziehen.
Allerdings finde ich, dass, abgesehen von den eher geringen Kosten, die die Plattenfirmen & Co tragen, die hinter den Künstlern stehen, Vervielfältigung der neuen-Medien-Produkte ohne Produktionspreis abläuft. Soweit meine Meinung und wohl nichts Neues zur Sache.
Aber: Kritik an einer Sache sollte immer möglich sein, sofern sie vernünftig geäußert wird. Es mag stimmen, dass die Befürworter absolut kostenfreier Downloads und Medienzugänge schnell ausweichen und die raffgierige Industrie beschuldigen.
Das größere Problem scheint mir allerdings zu sein, dass diese Kritik gar nicht wahrgenommen wird, da kein Verbesserungsvorschlag mitgeliefert wird.
Missstände exisitieren auch dann, wenn noch niemand weiß, wie sie zu korrigieren sind.
Es tut mir Leid, es so formulieren zu müssen, aber auch ihre Argumente greifen zu kurz und führen nur(welche ein Wunder) aufgrund gut(aber willkürlich) gewählter Prämissen zu den(vllt. vorher schon gedachten?) Ergebnissen:
zu 1) ihre Prämisse ist: "Angebot und Nachfrage regelt den Preis" - aber genau dies wird in der Diskussion ja bemängelt. das dieser Quotient ebend NICHT uneingeschränkt auf kreative Güter anwendbar ist, gerade weil sie hochgradig subjektiv sind und nicht in ökonomische kalküle zu pressen sind.
zu 2) die industrie ermöglicht "...die Produktion und Verbreitung von Musik ... indem sie in mittellose Künstler investieren..." wieder so hingebogen, das die schlußfolgerung logisch ist :) aber die prämisse ist hier, dass die Künstler mittellos sind. Die Fragen sind hier: Soll dies so sein? Bzw. Warum ist dem so? Und besonders: Was wäre wenn dem NICHT so wäre(Grundeinkommen blablabla...)
zu 3) natürlich ist die Kulturflatrate ein schwieriges Baby, aber soll sie deshalb nicht "geboren" werden? Hier sind die Fragen doch: Stimmt es nicht, das die Plattenindustrie zumindest teilweise überflüssig geworden ist? Und ist nicht Werbung(im Sinne von "Verbraucherinformation"!) im kulturellen Sinne sinnlos?
Und falls ich sie immernochnicht überzeugt haben sollte: Schauen sie mal wieder MTV oder VIVA und lassen sie JAMBA genüsslich auf sich einwirken :o)
genauso wie freie bildung kann man denke ich auch freie kulturgüter fordern, solange sie virtualisierbar sind. ist halt ein politikum. aber brauchen wir wirklich industrien, die uns mit kulturellen grossereignissen versorgen?
statussymbole und der materielle kontext von inhalten hingegen werden immer etwas kosten: siehe konzerte, kino, iphone und die ganze material culture. wo man etwas an eine physische erfahrung binden kann funktioniert das auch ökonomisch. insofern ist alles, das was wir aus dem internet beziehen, eine art blueprint, mit deren hilfe wir einen besseren überblick über das angebot bekommen können.
@crusoe
wenn wir davon reden wie künstler gefunden werden können, trifft google denke ich als diskussionsgegenstand mehr zu als die unabwendbare misere der major labels. so eine suchmaschine gehört auf binnenpluralistische standards verpflichtet (ist vmtl. technisch noch nicht möglich), genauso wie öffentlich-rechtlicher rundfunk. und zur preisbildung lassen sich bestimmt komplementärwährungen finden, die die verteilung einer kulturflatrate regeln können.
auch im Bereich Gesellschaft und Geschichte.
Wie kann man jemandem seine Arbeit stehlen? Im Umkehrschluss müsste gelten, dass ich diese Arbeit erwerben und auf legalem Wege zu meinem Eigentum machen könnte. Das ist aber nicht möglich, denn ich erwerbe immer ein daraus resultierendes Konsumgut, das mir niemals die Möglichkeiten der geleisteten Arbeit geben kann. So oder so wird es unbestritten immer seine Arbeit bleiben.
"Zweitens wird es kein gutes Ende nehmen, wenn man implizit das politische Prinzip etabliert, dass Unrecht mit Unrecht bekämpft werden soll."
Schon mal den Fernseher angemacht?! (wahrscheinlich nicht, denn so was macht nur das Proletariat) Als ob in der Geschichte jemals etwas ein gutes Ende genommen hat. Von Einsicht ließen sich Machthaber noch nie leiten.
Was soll ich sagen? Wollen wir nicht alle gerecht entlohnt werden? Nicht nur in der Film- und Musikbranche sondern auch Piloten und Leiharbeiter? Ich bin nicht sicher ob sich jeder von Forschern beeindrucken lässt oder es sich bis zu Ländern wie China herumspricht. Aber wer weis schon was die Zukunft noch bringt.
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