Mozilla Browser – unser virtuelles Selbst
Mitchell Baker von der Mozilla-Foundation will Daten in großem Stil sammeln – aber nur im eigenen Browser. Start einer ZEIT ONLINE-Serie von Visionen über das Internet
Cloud Computing gilt als das nächste große Ding, als die Zukunft der Datenverwaltung. Doch es ist nur eine mögliche Zukunft, glaubt Mitchell Baker, und nicht unbedingt die beste. Baker leitet die Mozilla Foundation, in deren Namen unter anderem der Mozilla-Browser entwickelt wird. Und sie warnt, dass beim Cloud Computing die Gefahr bestehe, die Kontrolle über die eigenen Daten und die eigenen Erfahrungen zu verlieren.
Baker sucht eine Antwort auf die Frage, was es für unser Leben bedeutet, wenn Informationen über uns an vielen verschiedenen Orten gespeichert sind. Denn dadurch werde sich verändern, wie wir das Internet erleben und welche Erfahrungen wir dort machen. "Wenn man über seine Daten keine Kontrolle mehr hat, besitzt man auch keine Kontrolle mehr darüber, was man erleben will und was nicht. Wir versuchen dagegen, ein System zu entwickeln, bei dem der Mensch darüber bestimmt, welche Erfahrungen er machen möchte. Das ist die Zukunft, die wir bauen wollen."
Dabei sei es nicht grundsätzlich von Übel, Daten über Menschen zu sammeln. Immerhin könne unser Leben viel unkomplizierter und reicher werden, wenn technische Systeme uns und unsere Bedürfnisse kennen würden. Wer im Netz beispielsweise zu einer Krankheit Rat suche, der wolle, dass so viel wie möglich seiner Daten zur Verfügung stünden und verknüpft werden könnten. Mache es doch die Diagnose genauer und eine Lösung des Problems wahrscheinlicher. "Aber was ich natürlich ebenso will, ist, dass ich die Daten kontrolliere."
Zu stoppen sei der "gigantische Trend" sowieso nicht, dass immer mehr Daten von und über uns in der Welt seien, sagt Baker. Es müsse daher vor allem darum gehen, sie so zu gestalten, dass sie den Menschen nützten und nicht schadeten. "Wie kann ich sie kontrollieren, wie kann ich das Gefühl bekommen, dass meine Daten wirklich mir gehören und dass ich eine Wahl habe?" Antworten auf diese Fragen habe man noch nicht, auch nicht bei Mozilla. Doch sei es wichtig, sie zu stellen.
"Möglicherweise bin ich Idealistin, aber ich bin voller Hoffnung, dass wir einen Weg finden, bei dem sich jeder von uns sicher fühlt", sagt Baker. Dann könne es auch gut sein, dass wir in Zukunft Informationssammlungen über uns nützlich finden und nicht nur bedrohlich. Denn auf diese Art könne jeder viel über sich selbst erfahren und lernen, sich selbst besser zu verstehen.
Browser – unsere Fenster in diesen Datenraum – werden dabei eine wichtige Rolle spielen, sagt Baker. Denn künftig wird es das eine Netz für alle nicht mehr geben. Das Netz meines Nachbarn wird anders aussehen als mein eigenes, je nachdem, welche Dienste ich anbiete und nutze, welche Freunde ich habe, welche Systeme ich verwende. Netzwerke wie Twitter lassen das schon erahnen: welchen Nutzen und welchen Spaß man aus Twitter zieht, hängt davon ab, welchen Twitterern man folgt und warum.
Diese Individualisierung werde noch zunehmen. Browser seien dabei so etwas wie ein Concierge, ein persönlicher Sekretär, ein virtuelles Selbst: "Es ist der Ort im Internet, der ich ist", sagt Baker.
Als solches könnten sie helfen, Kontrolle zu erlangen. Ein Beispiel: Nach der Idee des Datenschutzes ist es wichtig, dass das eigene Surfverhalten nicht von anderen verfolgt und gespeichert wird. Was bedeutet, dass die Daten verloren sind. Dabei könnten sie aber nützlich sein, glaubt Baker. Um schnell zusätzliche Informationen zu einem Thema zu finden, zum Beispiel. Wenn der Browser weiß, dass ich nach Krankheiten und Therapien gesucht habe, könnte er mir auf diese Krankheiten spezialisierte Ärzte, Apotheken, Medikamente oder sinnvolle Tipps anderer Kranker liefern. Dazu aber braucht er die Daten meines Surfverhaltens. Baker will diese daher nicht löschen, sie will sie jedoch im Browser selbst speichern und verwalten und dem Nutzer die Chance geben, zu bestimmen, wer sie einsehen kann. An dieser Idee arbeite Mozilla.
- Datum 08.02.2010 - 15:13 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich habe in durchaus sachlicher Weise meine Meinung geaeussert, was den Begriff "Naiv" eischliesst. Wenn also eine Meinung nicht gefaellt, dann finden Sie es angemessen, meine Meinungsaeusserung hier zu entfernen. Die Zeiten, da Sie sich ihren eigenen Grundsaetzen verbunden fuehlten sind demnach also vorbei ?
Ich habe in durchaus sachlicher Weise meine Meinung geaeussert, was den Begriff "Naiv" eischliesst. Wenn also eine Meinung nicht gefaellt, dann finden Sie es angemessen, meine Meinungsaeusserung hier zu entfernen. Die Zeiten, da Sie sich ihren eigenen Grundsaetzen verbunden fuehlten sind demnach also vorbei ?
Der Vorteil früher war, dass Anwendungen und deren Datenbanken früher lokal gespeichert waren, z.B. das Telefonbuch auf CD und das Lexikon seiner Wahl auf DVD.
Nun ist es natürlich Blödsinn, sich mal eben das Internet herunterzuladen, um alle Inhalte lokal verfügbar zu haben und zu durchsuchen.
Aber gerade weil es ja scheinbar Gang und Gebe sein wird, alles zu protokollieren, warum sollte man dieses Protokoll-System mit irrelevanten Anfragen fluten?
Wenn ich mich also das nächste Mal nach Informationen zum Thema "Hodenkrebs" suche, sollte mein Browser z.B. zuvor und danach Suchanfragen zum Thema "HIV-Erkrankung", "Grippe-Viren", "Brustkrebs" und "Schlafstörungen" starten.
Dadurch werden die gesammelten Daten nahezu wertlos, weil auf jede echte Anfrage 4 falsche Anfragen kommen.
Da Mozilla Firefox auch aus nicht freien Komponenten besteht ist es nicht gesichert, dass Firefox die Daten nicht übermittelt. Aber zum Glück gibt es genug gute komplett freie Browser.
Ich habe in durchaus sachlicher Weise meine Meinung geaeussert, was den Begriff "Naiv" eischliesst. Wenn also eine Meinung nicht gefaellt, dann finden Sie es angemessen, meine Meinungsaeusserung hier zu entfernen. Die Zeiten, da Sie sich ihren eigenen Grundsaetzen verbunden fuehlten sind demnach also vorbei ?
Wenn der erste Kommentar wirklich nur wegen dem Wörtchen "naiv" gelöscht wurde, sollten sich die Zuständigen wirklich mal Gedanken machen, was sie hier eigentlich betreiben!
Was ich auch schon nettes gelesen habe: Ein Kommentar enthielt der Redaktion zu viel Polemik.. Das ist echt eine Schande!
Zum Thema: Gott oder sonstwer möge uns davor bewaren, dass das Internet "individualisiert" wird... Wenn ich einen Link finde, und den dann nicht mehr weiterleiten kann - eine Katastrophe wär dass..
Und wenn die Seiten für unterschiedliche Leute unterschiedlich aussehen, bereitet dass den Weg zur kinderleichten unbemerkten Zensur, worin ich durchaus eine Gefahr sehe - wenn jetzt schon bei der Zeit zensiert wird...
Im Gegensatz zu SPON wird hier unter Angabe von Gründen gelöscht, respektive der Inhalt des Kommentars. Man kann also weiterhin sehen, dass und warum gelöscht wurde.
Zeit Online hat hier schließlich das Hausrecht und ich bin sehr froh, wenn unsachliche, einer gepflegten Diskussion schadende Kommentare (einschließlich Polemiker-Kommentare ohne effektiven Mehrwert) gelöscht werden, sofern sichergestellt ist, dass dies nicht willkürlich geschieht.
Wenn Sie hier von Zensur reden wollen, haben Sie Zensur noch nicht erlebt.
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Ich will meine Informationen und Verhaltensmuster nicht einfach an einem Firma verschicken.
Und Cloud computing will ich auch nicht - vor allem weil es mir wenig nützt.
Ich müsste dann immer eine schnelle Internetverbindung suchen aber würde eh Ewigkeiten warten müssen bis ich mit meinen Daten etwas anfange kann...
(zum Beispiel Photos bearbeiten)
Und wer jetzt sagt e-mail... ich hätte gern meinen eigenen Mailserver :D bloß bräuchte ich dafür einen 64Bit Computer (und den habe ich nicht parat - mein aktuelles Notebook brauche ich, mein altes unterstützt es nicht)
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Seit Jahren schon stehen die Mozilla Foundation und die norwegische Firma Opera für die Öffnung des Internets. Wenn der Browser das Tor zur Welt des Internets ist, muss man auch dafür sorgen, dass es Wettbewerb, offene Standards und möglichst wenig Beschränkungen gibt.
Den anderen Weg gehen Großfirmen wie Microsoft, Google und Apple. Sie bieten u.a. Browser an, die ganz speziell für ihre Bedürfnisse geschaffen sind. Sie sollen User an ihr jeweiliges Portfolio binden. Jahrelang hatte Microsoft quasi ein Internet-Monopol. Nun schickt sich Google an, mit dem durchaus ja guten Browser "Chrome" ein Angebot zu schaffen, das genau auf die anderen Google-Angebote zugeschnitten ist. Und Apple als Edelavantgardist ist wahrscheinlich die geschlossenste Gesellschaft von allen dreien.
Microsoft hat sich mit seinem Imperium um das eigene Betriebssystem und den Office-Produkten ein Quasimonopol geschaffen, obwohl es teilweise sogar bessere Alternativen gibt. Aber die breite Masse nimmt sich gern vom vorgekauten Kuchen. Ähnlich agiert der Suchmaschinenriese Google, der das Image seiner Marke nutzt, und Apples Schafe sind sowieso die dümmsten. Sie lassen sich für viel Geld ein überteuertes Betriebssystem auf Hardware zu Wucherpreisen andrehen, auf dem nur eingeschränkt Software läuft und das eigentlich nur als Vertriebssystem für überteuerte Medienangebote dient.
Opera ist und bleibt wohl leider eher ein Nischenprodukt, aber Mozilla muss sehen, dass es im Kampf der Giganten nicht untergeht.
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