Wer auf die Seite INmobile.org geht, bekommt es gleich vor den Latz geknallt: Acces denied – Zugang verboten. Laut Selbstauskunft füttern sich hier über 2000 Führungskräfte aus der Welt des Mobilen Lebens gegenseitig mit elitärem Wissen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, versteht sich. Der größte Teil der Mitglieder, knapp 35 Prozent, hat immerhin einen Posten als stellvertretender Unternehmensleiter inne. Ein Viertel hat ein eigenes Start-up auf den Weg gebracht, weitere 18 Prozent der Mitglieder sind Geschäftsführer oder gleich die Firmenlenker höchstpersönlich. Man will unter sich bleiben. Eine Premiummitgliedschaft kostet 350 Dollar im Jahr.

Angeblich wird dafür relevantes Wissen und Vitamin B ausgetauscht. "Mir gefallen die Themen der Foren und ich freue mich, von euch allen lernen zu können", lässt sich ein Mitglied auf der Startseite zitieren, das bei einem Kommunikationsanbieter für das operative Geschäft zuständig ist. "Ich habe mich bereits mit ein paar Leuten aus der Vergangenheit verbunden. Sehr nützlich", schreibt ein stellvertretende Geschäftsführer eines Medienunternehmens. Wer sich um eine Mitgliedschaft bewirbt, wird gebeten, sich eine Woche lang zu gedulden, man will die Kandidaten prüfen. Wie die Daten untersucht werden, verrät die Seite nicht.

Dass Vitamin B nützlich sein kann, ist mehr als eine Redensart, das legt auch eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) nahe. Ihr zufolge kommen 30 bis 40 Prozent aller Jobsuchenden heute durch persönliche Verbindungen an einen Arbeitsplatz. Deutlich im Vorteil ist, wer dabei nicht in Allerwelts-Kontakten fischen muss, sondern elitäre Netze zur Verfügung hat: In der analogen Welt heißen sie Lions Club, Rotary oder Kiwanis. Und in der digitalen Welt eben INmobile oder Affluence.org.

Oder asmallworld.net. Dort braucht man sich gar nicht erst zu bewerben, wenn man noch keine Kontakte hat. Die persönliche Einladung ist Bedingung. Und zwar von einem der anderen "kulturell einflussreichen Menschen", die asmallworld zu seinen Mitgliedern zählt. Immerhin verrät das Netzwerk in einem öffentlichen Blog ein wenig über diese Menschen: Zum Beispiel über , laut Eigenwerbung ein "wunderschöner Star aus Saudi Arabien und junger Global Leader". Oder die "Königin der Rock Opera". Nie erfahren wird man indes, ob die "kulturell einflussreichen" Mitglieder ihre Après-Ski-Partys tatsächlich in Kitzbühel und Cortina feiern, wie auf der öffentlich zugänglichen Seite zu lesen ist.

Hinter den verschlossenen Türen tauschen sich die Mitglieder nicht nur über exklusive Reiseziele aus, sie handeln in den Kleinanzeigen auch mit Luxusyachten oder Ferien-Ressorts. Und geradezu fantastische Geschäfts- und Jobmöglichkeiten sollen sich dort bieten.

Lange wurde die demokratische Offenheit des Netzes gepriesen: In der jeder mit jedem kommunizieren und die kostbare Ressource Wissen für alle frei verfügbar war. Bezahlt hat man das bislang mit der Mühe, die das permanente Sortieren und Bewerten der Glaubwürdigkeit einer Person mit sich brachte. Dafür stößt man im Netz immer wieder auf interessante Informationen, nach denen man ursprünglich gar nicht gesucht hatte. Geschrieben von Menschen, denen man im richtigen Leben nie zugehört hätte. In den wachsenden Gated Communities des Netzes ist diese Form der Demokratie unerwünscht. Man trifft nur auf die vorgefilterten Grüppchen, die man auch auf der nächsten Charity Party kennenlernen würde. Und behält sein Wissen lieber für sich.

"Das Problem mit Seiten wie Facebook ist", sagt smallworld-Erfinder und Ex-Banker Erik Wachtmeister, "dass einige 'High-Profile'-Mitglieder permanent kontaktiert werden, während andere diese Seiten als bequeme Möglichkeit sehen, sich mit attraktiven und erfolgreichen Menschen zu verbinden." Die gesellschaftliche Hackordnung, sie funktioniert auch im Netz. Und die da oben wollen von denen da unten bloß in Ruhe gelassen werden.

Nicht berühmt und einflussreich, sondern nur entweder reich oder schön muss man sein, wenn man der Diamond Lounge beitreten möchte – wobei Reichtum natürlich für die Männer Bedingung ist und Schönheit für die Frauen. Denn auch im Internet werden die Regeln aus der Steinzeit noch hoch gehalten: Sugar Daddy darf sich hier ein junges Ding leisten, einzige Voraussetzung: "Sie sind sophisticated, super-sexy und erfolgreich. Sie haben das Auto, das Geschäft, die Blicke und das Geld."