ZEIT ONLINE: Herr Oberbeck, es gibt Berichte, dass Ihre Suchergebnisse vom chinesischen Festland aus trotz des Umzugs ihrer Suchseite nach Hongkong nicht erreichbar sind, stimmt das?

Kay Oberbeck: Nein. Unsere Seite ist von China aus zu erreichen. Es gibt jedoch bestimmte Suchbegriffe, die anscheinend durch die große chinesische Firewall geblockt werden, beziehungsweise eine Fehlerseite erzeugen. Wir selbst zensieren nicht mehr. Wenn Sie bei der Bildersuche nach dem Platz des Himmlischen Friedens suchen, bekommen Sie unzensierte Bilder, so wie beispielsweise auch in Deutschland.

ZEIT ONLINE: Darf ich eine Vermutung äußern?

Kay Oberbeck: Sicher.

ZEIT ONLINE: Es klingt so, als würden Sie und die chinesische Regierung noch miteinander reden, als würden jedoch beide Seiten versuchen, etwas zu eskalieren – China mit der Ankündigung, Sie zögen sich zurück, Sie mit der des Umzuges Ihrer Seite nach Hongkong. Können Sie etwas dazu sagen?

Kay Oberbeck: Für uns ist das Ganze eine Frage der Zensur. Wir glauben, jetzt eine Lösung gefunden zu haben, mit der wir rechtlich legal eine Suchmaschine anbieten können, deren Ergebnisse für chinesische Nutzer nicht mehr zensiert werden. Genau das machen wir in Hongkong. Woher die Meldungen über einen Rückzug am 10. April kommen, erschließt sich für uns nicht. Wir haben niemals damit gedroht, wir würden aus China herausgehen. Das ist nicht unsere Intention.

Unsere Intention ist es, auf Basis der jeweiligen Gesetze einen freien Zugang zu Informationen bereit zu stellen. Genau das tun wir jetzt. Uns ist natürlich klar, dass die chinesische Regierung mit der Firewall über ein Instrument verfügt, mit dem sie diese Lösung blockieren kann. Nur hoffen wir natürlich, dass die Regierung unsere Lösung akzeptiert.