Er sah gut aus, war jung und freundlich. Vermutlich hat sich die 17-jährige Britin aus dem Landkreis Durham geschmeichelt gefühlt, als ihr der junge Mann auf Facebook seine Freundschaft antrug und sie dann zu einem Treffen einlud. Doch der Mann, mit dem sie sich auf Facebook verabredete, war ihr Mörder.

Der Fall des nun zu 35 Jahren verurteilten Sexualstraftäters erregt derzeit in Großbritannien deshalb so viel Aufsehen, weil es ihm das Soziale Netzwerk vermeintlich zu leicht gemacht hat, mit seinem Opfer in Kontakt zu treten: Der 33-jährige Peter Chapman benutzte ein falsches Profil mit dem Foto eines gut aussehenden Jugendlichen und gab ein deutlich jüngeres Alter an. Er überredete sein minderjähriges Opfer mit einer Textnachricht, sich doch von seinem Vater im Auto abholen zu lassen. Hinter dem Steuer: Der Täter selbst – der mit dem Mädchen auf einen verlassenen Rastplatz fuhr, sie vergewaltige und ermordete.

Einige glauben nun, man hätte den Tod des Mädchens verhindern können, gäbe es in Europa strengere Kontrollen für die Online-Aktivitäten vorbestrafter Täter zum Beispiel, und das notfalls per Gesetz, wie es in mehreren US-Bundesstaaten bereits vorgesehen ist. So beklagt sich das Child Exploitation and Online Protection Centre (CEOP), das in Großbritannien für die Überwachung von als gefährlich eingestuften Sextätern zuständig ist, Facebook würde sich bislang weigern, einen sogenannten "Alarmknopf" einzurichten. Mit dessen Hilfe könnten Jugendliche melden, wenn sie sich etwa von Pädophilen belästigt fühlten. Andere Netzwerk-Seiten würden dieses von der CEOP entwickelte Tool bereits verwenden.

Chris Huhne, innenpolitischer Sprecher der Liberaldemokraten, bezeichnete Facebooks Bekenntnisse zum Schutz ihrer Mitglieder als "leere Worte", solange es nicht dieses Tool einrichte. Außerdem stelle sich die Frage, wie sinnvoll ein Register für Sexualstraftäter im digitalen Zeitalter noch sei, wenn ein bereits wegen Vergewaltigung Verurteilter wie Champan seinen Internetzugang uneingeschränkt nutzen könne. In einem Brief an den Innenminister Alan Johnson schrieb Huhne: "Es wäre sicher eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme, sowohl die Internetaktivitäten als auch die Mailadressen von Sexualstraftätern mitzuloggen und sie den Sozialen Netzwerken zugänglich zu machen, damit diese die verdächtigen Personen überwachen können."

In Deutschland haben die meisten Bundesländer Programme aufgelegt, um als gefährlich eingestufte Straftäter nach der Entlassung weiter zu beobachten. In der Bewährungszeit müssen sie dabei oft richterliche Auflagen erfüllen. So dürfen entlassene Pädophile zum Beispiel keine Wohnung in der Nähe von Kinderspielplätzen beziehen oder in Bereichen arbeiten, in denen sie mit Jugendlichen in Kontakt kommen, wie Sportvereine oder Jugendzentren. Die entlassenen Straftäter müssen sich regelmäßig bei ihren Bewährungshelfern melden, bei einem Umzug stets ihren Wohnort bekannt geben.

Bernd Carstensen vom Bund deutscher Kriminalbeamter (BDK) glaubt, dass die Landes-Gerichte schon jetzt die Möglichkeiten hätten, strengere Auflagen auch für die Online-Aktivitäten der Haftentlassenen anzuordnen. Das sei allerdings immer gegen die Persönlichkeitsrechte des Täters abzuwägen. "Wenn ein Richter entsprechend kreativ wäre, könnte er so was auch machen", sagt er. Carstensen fordert zunächst vor allem mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Aufgrund des Verfassungsgerichtsurteils zur Vorratsdatenspeicherung seien diese Fragen allerdings auf Eis gelegt.