FacebookDie dunkle Vergangenheit des Mark Zuckerberg

Dass der Facebook-Gründer Idee und Code für sein Netzwerk geklaut haben soll, ist nicht neu. Doch tat er möglicherweise einiges, um seine Gegner auch noch zu behindern. von 

Marc Zuckerberg, Gründer und Chef von Facebook

Mark Zuckerberg, Gründer und Chef von Facebook  |  © Sean Gallup/Getty Images for Burda Media

Am 4. Februar 2004 gründete der damals 19-jährige Mark Zuckerberg das soziale Netzwerk Facebook . Da war er Harvard-Student im zweiten Semester. Inzwischen ist Facebook eine der größten und wichtigsten Webseiten der Welt. Dieses Netz im Netz hat rund 400 Millionen Mitglieder. Und Zuckerberg wurde mit 24 der reichste Selfmade-Milliardär der Geschichte.

Doch dieser glanzvolle Aufstieg hat einen dunklen Ursprung: Bis heute gibt es die unwiderlegte Anschuldigung, Zuckerberg habe die Idee für seine Seiten samt einiger Teile des Codes von drei seiner Kommilitonen geklaut. Und nicht nur das, er habe auch deren Projekt sabotiert, um seines als erstes starten zu können. Anschuldigungen, die derzeit neue Nahrung erhalten.

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Die amerikanische Website Business Insider berichtet unter Berufung auf anonyme Quellen, Zuckerberg habe sich im Rahmen dieses Streits auch in Mail-Accounts von Kommilitonen gehackt und in Profilseiten des Konkurrenzprodukts ConnectU.

Er habe außerdem, schreibt die Seite in einem zweiten Text , manipuliert und gelogen, um seine Konkurrenten hinzuhalten, und bereits kurz nach einem ersten Treffen mit ihnen den Beschluss gefasst, sie übers Ohr zu hauen, oder wie die Seite ihn zitiert: " Yeah, I'm going to fuck them ."

Facebooks Antwort ist knapp: "Wir diskutieren nicht über verärgerte Prozessgegner oder anonyme Quellen, die unsere frühe Unternehmensgeschichte oder Mark Zuckerberg in Verruf bringen wollen."

Bleiben also nur die Anschuldigungen. Im Kern sind sie nicht neu und waren bereits Gegenstand eines Gerichtsverfahrens. Denn schon eine Woche nachdem er seine Plattform, damals unter dem Namen thefacebook.com, gestartet hatte, beschuldigten ihn drei Kommilitonen des Diebstahls und strengten ein Gerichtsverfahren an.

Im Februar 2008 führte das zu einem Vergleich, der festlegte, dass Zuckerberg 65 Millionen Dollar an die Brüder Cameron und Tyler Winklevoss sowie an Divya Narendra zu zahlen habe. Doch die drei fochten den Vergleich an, sie wollen nicht nur einige Millionen, sie wollen alles. Der Streit ist bis zum heutigen Tag noch nicht entschieden.

Doch bislang waren die Gerichte nicht auf der Seite der Zuckerberg-Kontrahenten. Denn es gibt keinen Vertrag zwischen ihnen und Zuckerberg, nirgends ist festgehalten, dass er ihre Idee – ein Netzwerk für Studenten von Harvard und anderen amerikanischen Universitäten namens HarvardConnections, später umbenannt in ConnectU – programmieren sollte. Es gibt nur einige Gespräche und E-Mails, in denen über eine solche Zusammenarbeit geredet wird. " Dorm room chit-chat ", wie es einer der Richter nannte, "Schlafsaal-Tratsch".

Nicholas Carlson, der Autor der Artikel im Business Insider nun glaubt, dass er Belege dafür hat, wie weit Zuckerberg in seinen Sabotageversuchen ging. So zitiert er eine Instant Message, die Zuckerberg am 7. Dezember 2003 einem Kommilitonen, Freund und offiziellen Mitgründer, Eduardo Severin , geschickt haben soll: " Someone is already trying to make a dating site. But they made a mistake haha. They asked me to make it for them. So I'm like delaying it so it won't be ready until after the facebook thing comes out ." Sinngemäß: "Da haben sie den Falschen gefragt, ihre Datingseite zu bauen. Ich werde sie aufhalten, sodass sie nicht vor meiner Idee fertig ist." Carlson zitiert noch andere Botschaften ähnlichen Inhalts, die an weitere Kommilitonen gegangen sein sollen.

Eine zweite Aktion, die der Business Insider Zuckerberg vorwirft , würde zumindest belegen, dass der Facebook-Chef mit den drei ConnectU-Gründern heftig im Streit lag. Soll er doch die ConnectU-Profilseite eines der drei gehackt und verändert haben, um ihn in Misskredit zu bringen. Außerdem soll er ungefähr 20 weitere Accounts dort gelöscht und bei einigen weiteren die Privatsphäreeinstellungen so verändert haben, dass sie praktisch nicht mehr zu finden waren.

In einer dritten Geschichte beschreibt Carlson, dass Zuckerberg versuchte, einen Bericht über sich zu manipulieren. Reporter der Campuszeitung Harvard Crimson hätten 2004 recherchiert, was an den Diebstahlsvorwürfen dran war. Um mehr darüber zu erfahren, was der Crimson wusste, habe Zuckerberg Mails einiger Mitarbeiter gehackt. Er nutzte dazu angeblich Logindaten seines eigenen Dienstes. Auf Facebook suchte er demnach nach Crimson-Mitarbeitern, die dort Mitglied waren, und schaute dann in den Serverdaten, ob diejenigen beim Einloggen versehentlich falsche Passworte eingegeben hatten. In zwei Fällen hatte er wohl Glück und bekam so Passworte, die zwar nicht für Facebook galten, aber für die Harvard-E-Mail-Accounts der Betreffenden. Er konnte sich dort einloggen und mitlesen, was sie über ihn schreiben wollten, so Carlson.

Angestellt hat er mit seinem Wissen demnach aber nichts. Und auch die erste Aktion wirkt eher wie die eines wütenden Jugendlichen, nicht aber wie eine gezielte, kriminelle Attacke. Trotzdem haben die Vorwürfe Brisanz, lebt Facebook doch von dem Vertrauen der Nutzer. Das könnte erschüttert werden, wenn der Gründer es mit Wahrhaftigkeit und der Privatsphäre nicht so genau nimmt.

Vielleicht aber sind diese Geschichten auch nur die moderne Version einer alten Wahrheit, die der französische Schriftsteller Honoré de Balzac vor langer Zeit formulierte: "Hinter jedem großen Vermögen steht ein großes Verbrechen."

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Leserkommentare
    • SJBFR
    • 09. März 2010 9:15 Uhr
    17. StudiVZ

    hat allerdings auch nicht gerade dadurch überzeugt, dass sie eine originäre Idee entwickelt haben.

    Antwort auf "Einseitiger Artikel"
    • SJBFR
    • 09. März 2010 9:22 Uhr

    Frau Hegemann darf klauen aber Herr Zuckerberg nicht?

    • Sted
    • 09. März 2010 9:36 Uhr

    dass die Übersetzung der Stelle mit "someone is already trying to make a dating site" falsch ist und verstehe nicht, wieso man das nicht wörtlich übersetzt hat.

    Aber im Endeffekt bleibt die Aussage im Kern die selbe, egal ob Herr Sugarmountain jetzt seine Kommilitonen als Irre bezeichnet hat, oder einfach nur als "some dudes" oder "someone". Dass er sie wohl nicht unbedingt geschätzt hat dürfte er durch die komplette Aktion sowieso unter Beweis gestellt haben.

    Um der Korrektheit willen sollte man aber doch beim richtigen Wortlaut bleiben, sonst steht der Unsympath Zuckerberg am Ende als Superbösewicht da, der er dann doch nicht (so ganz) ist.

  1. Redaktion
    20. Someone

    Mir ist durchaus bewusst, dass die direkte Übersetzung von "someone" nicht "die armen Irren" ist.

    Liest man sich aber die von Business Insider zitierten Passagen durch, bekommt man schnell den Eindruck, dass genau das von ihm gemeint war.

    Wobei ich nicht ausschließen will, dass ich mit dieser Wahrnehmnung falsch liege. Daher: Wer Vorschläge hat, her damit, ich würde den Text dann entsprechend ändern.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    • Sted
    • 09. März 2010 9:55 Uhr

    nach einer anderen Übersetzung für das "someone" oder für den gesamten Satz?

    Ich finde "Jemand versucht bereits, eine Dating Site aufzubauen" vollkommen in Ordnung. Da kann man nicht mehr interpretieren als da steht.

    Für den Rest natürlich:

    "Aber sie haben einen Fehler gemacht und mich gebeten, die Seite für sie zu bauen. Ich halte das Projekt auf, sodass es erst fertig ist nachdem die Facebook-Sache veröffentlicht wurde."

    Es ist natürlich klar, dass man die typische Amerikanische Umgangssprache und den Hang dazu, "like" vor alles zu setzen nicht so leicht in annehmbares Schriftdeutsch übersetzen kann. Auch "Facebook-Thing" ist so eine Sache.

    But I feel like this is like the best translation. Like, seriously.

    Nichts für Ungut!

    • primi
    • 09. März 2010 10:55 Uhr

    Diese "sinngemäße" Übersetzung halte ich ebenfalls für sehr bedenklich. Wo bleibt da die neutrale Berichtserstattung? Wenn Sie solche Äußerungen in anderen Quellen gelesen haben, sollten Sie diese ebenfalls direkt zitieren und aufführen. Bitte schnell ändern (siehe Vorschlag oben).

  2. Wer immer den Desinformationsbegriff "soziales Netzwerk" fuer Datenraubbergwerke und Verhaltensspionagesysteme wie Facebook, Myspace oder Co. unkritisch mitbenutzt, arbeitet an der Verdrehung der Koepfe mit. Solange uns hierfuer kein besserer - sprich: demaskierender - Begriff einfaellt, sollten wenigsten die guten alten Anfuehrungsstriche gesetzt werden.

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    Sie sprechen mir gerade SO aus der Seele. Besser kann man´s nicht sagen!

  3. Redaktion

    Danke für die Vorschläge. Nun denn, also sachlich, kommt sofort :)

    @doerkie2001
    Ich halte soziales Netzwerk für einen das Phänomen gut beschreibenden Begriff, ist das doch die Hauptfähigkeit dieser Dienste - Menschen effektiv und simpel miteinander zu vernetzen. Anführungsstriche würden mich in diesem Zusammenhang vor allem an die "DDR" erinnern, also eine aus Ablehnung geborene bewusste Distanz.

    Diese Haltung habe ich aber nicht gegenüber diesen Netzwerken. Wir berichten hier viel über Probleme und kritische Punkte. Wichtig sind vor allem Transparenz und Datenschutz.

    Grundsätzlich aber glaube ich, dass solche Vernetzungsformen Sinnvolles und Gutes bewirken können und bewirken. Denken Sie nur daran, wie niedrigschwellig und leicht sich dadurch Betroffenenorganisationen gründen können.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

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    • TimmyS
    • 09. März 2010 12:57 Uhr

    Die Formulierung Social Network ist schon sinngemäß. Spannend an dem Phänomen ist, dass die Hauptfunktion solcher Plattformen den eklatant hohen Wert solcher Unternehmen nicht gerechtfertigt. Ich würde es mal ziemlich interessant finden, wenn sich DIE ZEIT mit einer Artikel-Serie zu den Social Networks auseinander setzt und man dort mal kritisch aufschlüsselt warum Facebook 10 Milliarden wert sein soll. Ich als Student nutze zwar Facebook, sehe es auch kritisch, aber wenn ich allein bei meinen wenigen Kontakten und den wenigen Inhalten der Kontakte und den Phänomen der Pseudo-Profile betrachte, dann stellt sich für mich die Frage, ?wer gibt Geld für völlig nichts sagende Daten aus?
    Skype stellt ein viel interessantes Konzept dar, denn es erleichtert die weltweite Real-Kommunikation, sowohl technisch als auch finanziell. Wenn ich was fördern wolle, dann Skype.

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