Internetzensur China eskaliert den Streit mit Google

Mit einer Umleitung nach Hongkong umgeht Google die chinesische Zensur. Chinas Regierung zeigte sich entrüstet und wirft dem Konzern nun den Bruch von Versprechen vor.

Chinas Regierung hat mit Schärfe auf den Schritt Googles reagiert, Suchanfragen aus China auf das von staatlicher Internetzensur nicht betroffene Hongkong umzuleiten. Peking sprach von "unerhörten Anschuldigungen wie auch Verhalten" des Internetkonzerns. "Google hat seine schriftlichen Versprechen gebrochen, die es abgegeben hat, als es auf dem chinesischen Markt startete", sagte ein Vertreter des Informationsministeriums, das für Internetangelegenheiten zuständig ist. Kommerzielle Themen dürften nicht politisiert werden. Der Stopp der Zensur der Suchbeiträge sei "total falsch", fügte ein Regierungsbeamter hinzu. Die Regierung werde den US-Konzern nach Recht und Gesetz behandeln, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Bisher musste Google staatskritische Suchtreffer ausfiltern, um in China seinen Dienst anbieten zu können. Seit Montag bedient sich der Konzern eines Tricks: Wer die Seite google.cn besucht, wird auf die Version für Hongkong umgeleitet, in deren Ergebnissen die Maschine politisch heikle Treffer nicht beseitigt.

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Zunächst hatte Google damit den Zensur-Streit mit Peking verschärft und muss nun damit rechnen, den Zugang zum lukrativen chinesischen Markt zu verlieren. Unbestätigten Informationen zufolge plant der Konzern aber ohnehin, sich im April zurückzuziehen.

Schon nach einem breit angelegten Hacker-Angriff hatte Google angekündigt, Pekings Zensur-Anforderungen nicht mehr befolgen zu wollen und notfalls auch einen Rückzug aus China in Kauf zu nehmen.

Die kommunistische Regierung hatte von westlichen Internet-Unternehmen verlangt, dass sie heikle Informationen über Tibet oder die blutige Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 aus ihren Seite herausfiltern. Die chinesische Regierung hatte unmissverständlich gewarnt, dass Google mit Konsequenzen rechnen müsse, falls der Konzern auf die vorgeschriebene Zensur verzichtet.

In der Volksrepublik gibt es bis auf die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao keinen freien Zugang zum Internet. Google betrachte die Umleitung in die ehemalige britische Kolonie als völlig legale Lösung, sagte Chefjustiziar David Drummond in einem Blog-Eintrag. Man hoffe, dass Chinas Regierung den Schritt respektiere. "Obwohl wir uns bewusst sind, dass sie den Zugang zu unseren Diensten jederzeit blockieren kann", schrieb Drummond.

Google hatte seine Haltung zu der von Peking verordneten Zensur nach dem Hackerangriff auf seinen E-Mail-Dienst GMail Ende vergangenen Jahres überdacht. Das Unternehmen beharrt nun auf seinem neuen Kurs, weltweit entschiedener gegen Zensur vorgehen zu wollen. China hatte Google zuletzt vorgeworfen, den Streit zu politisieren.

Der chinesische Internet-Markt gilt als äußerst lukrativ und zukunftsträchtig. Google, mit Abstand der weltweite Marktführer bei Suchmaschinen und Internet-Werbung, hat dort jedoch einen schweren Stand. Das Unternehmen startete in China relativ spät und liegt deutlich hinter dem chinesischen Konkurrenten Baidu.com zurück.

Google wolle andere Aktivitäten in China wie sein Forschungszentrum weiter betreiben, schrieb Drummond. Schon in den vergangenen Wochen waren aus dem Unternehmen jedoch Zweifel laut geworden, ob die chinesischen Behörden das zulassen werden.

Die Google-Aktie wechselte mit der Ankündigung von Gewinnen in die Verlustzone und verlor zum Handelsschluss in New York 0,45 Prozent auf 557,50 Dollar. Das Papier des Konkurrenten Microsoft ging hingegen zeitgleich auf Erholungskurs.

 
Leser-Kommentare
  1. Wir bekommen hierzulande ja auch immer komische Meldungen von Google, dass irgendwelche Treffer bei der Suche aus rechtlichen Gründen nicht angezeigt werden können. Dann muss man immer erst auf die internationalen Seiten von Google wechseln.

    Wann hört bei uns die Zensur auf?

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    Interessiert mich wirklich. Bei Seiten die offensichtlich gegen Recht verstoßen, kann ich das sogar akzeptieren. Aber ich wüsste gern, wie wann, warum zensiert wird. Schwieriges Thema.

    • Quack
    • 23.03.2010 um 12:31 Uhr

    Sie wollen doch nicht ernsthaft die Situation in Deutschland mit der in China vergleichen? Google filtert in Deutschland rechtswidrige und grundgesetzfeindliche Seiten heraus, die beispielsweise zu Mord aufrufen. Sie können diese übrigens meist immer noch direkt aufrufen, was in China nicht möglich ist.

    Hallo "Lügenpresse",
    Einige Seiten sind auch in Deutscshland (Österreich, Schweiz) gesperrt, stimmt: Z.B. Kinderporno oder Nazikram. Dennoch würde ich die Maßnahme nicht damit vergleichen, was in China passiert. Angenommen, eine Seite wäre in Deutschland gesperrt, obwohl sie nicht gegen die Menschenrechte verstößt. Dann kann man bei uns einfach auf ausländische Seiten umleiten.
    In China nicht.

    Interessiert mich wirklich. Bei Seiten die offensichtlich gegen Recht verstoßen, kann ich das sogar akzeptieren. Aber ich wüsste gern, wie wann, warum zensiert wird. Schwieriges Thema.

    • Quack
    • 23.03.2010 um 12:31 Uhr

    Sie wollen doch nicht ernsthaft die Situation in Deutschland mit der in China vergleichen? Google filtert in Deutschland rechtswidrige und grundgesetzfeindliche Seiten heraus, die beispielsweise zu Mord aufrufen. Sie können diese übrigens meist immer noch direkt aufrufen, was in China nicht möglich ist.

    Hallo "Lügenpresse",
    Einige Seiten sind auch in Deutscshland (Österreich, Schweiz) gesperrt, stimmt: Z.B. Kinderporno oder Nazikram. Dennoch würde ich die Maßnahme nicht damit vergleichen, was in China passiert. Angenommen, eine Seite wäre in Deutschland gesperrt, obwohl sie nicht gegen die Menschenrechte verstößt. Dann kann man bei uns einfach auf ausländische Seiten umleiten.
    In China nicht.

  2. Ich bin sehr gespannt.

    Wie mein Vorredner schon anmerkt, in Deutschland werden auch fleißig Suchergebnisse gefiltert.
    Übrigens reicht dafür ein böser Anwaltsbrief mit Unbegründeten Anschuldigungen schon aus. Zumindest wird man bei google.de darauf hingewiesen, wenn bei seiner Suche die Suchergebnisse Zensiert worden sind.

    Komisch, dachte Zensur gibt es in Deutschland nich... stand da nicht mal was im Grundgesetz?

    Ich bin aufjedenfall froh übers Googles neues Bewusstsein.
    Zurück zu "Don't be evil"!

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    "stand da nicht mal was im Grundgesetz?"

    Das steht dort sogar immer noch, siehe Art. 5, Abs. 1, S. 3 GG ;-). Nur:

    1) Grundrechte erlangen grds. Geltung nur im Verhältnis Staat zu Bürger. Private Organisationen wie Google stehen dort (erst einmal) vollkommen außen vor.

    2) darf Abs. 2 des Art. 5 GG nicht vergessen werden, nach dem das Recht auf freie Meinungsäußerung eben auch eingeschränkt werden kann. "Zensur" (staatliche) ist also auch in Deutschland durchaus möglich.

    Ohne nun die Regularien zu kennen, nach denen Google bestimmte Suchanfragen in/für Deutschland filtert, dürften aber vor allem auch die nach Abs. 2 einschränkenden Gesetze hierfür mitverantwortlich sein (z.B. § 130 StGB in bezug auf die Leugnung des Holocaust etc.)

    Marc

    "stand da nicht mal was im Grundgesetz?"

    Das steht dort sogar immer noch, siehe Art. 5, Abs. 1, S. 3 GG ;-). Nur:

    1) Grundrechte erlangen grds. Geltung nur im Verhältnis Staat zu Bürger. Private Organisationen wie Google stehen dort (erst einmal) vollkommen außen vor.

    2) darf Abs. 2 des Art. 5 GG nicht vergessen werden, nach dem das Recht auf freie Meinungsäußerung eben auch eingeschränkt werden kann. "Zensur" (staatliche) ist also auch in Deutschland durchaus möglich.

    Ohne nun die Regularien zu kennen, nach denen Google bestimmte Suchanfragen in/für Deutschland filtert, dürften aber vor allem auch die nach Abs. 2 einschränkenden Gesetze hierfür mitverantwortlich sein (z.B. § 130 StGB in bezug auf die Leugnung des Holocaust etc.)

    Marc

    • joG
    • 23.03.2010 um 9:00 Uhr

    ....entrüstet, verärgert oder schrill. Das ist beunruhigend, da es befürchten lässt, dass die Partei bereits in relativ guten Zeiten und bei geringem Grund eskaliert und nationale Emotionen in der Bevölkerung nutzt. Da fragt man sich, wie sie reagieren würden, wenn die Bevölkerung aufgeregt und tatsächlich etwas wichtiges betroffen wäre.

  3. Interessiert mich wirklich. Bei Seiten die offensichtlich gegen Recht verstoßen, kann ich das sogar akzeptieren. Aber ich wüsste gern, wie wann, warum zensiert wird. Schwieriges Thema.

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    ... entscheiden können und das sind dann die Gerichte des jeweiligen Landes, in dem ein Internetauftritt stattfindet. Das ist das Mindeste, was selbstverständlich sein sollte.

    Grundsätzlich entscheide ich lieber selber, was ich lesen will, und möchte da auch von Gerichten nicht bevormundet werden. Es soll also möglichst keine Zensur stattfinden, auch nicht, wenn jemand meint, dass er beleidigt worden wäre oder dass irgendwem historische Darstellungen nicht gefallen. Sonst wird das endlos nur zu Streit vor Gerichten führen und Gerichte sind eben in unserem System auch Klassenjustiz, zum Beispiel.

    Also möglichst keine Zensur, nicht nur in China nicht, sondern auch nicht bei uns.

    ... entscheiden können und das sind dann die Gerichte des jeweiligen Landes, in dem ein Internetauftritt stattfindet. Das ist das Mindeste, was selbstverständlich sein sollte.

    Grundsätzlich entscheide ich lieber selber, was ich lesen will, und möchte da auch von Gerichten nicht bevormundet werden. Es soll also möglichst keine Zensur stattfinden, auch nicht, wenn jemand meint, dass er beleidigt worden wäre oder dass irgendwem historische Darstellungen nicht gefallen. Sonst wird das endlos nur zu Streit vor Gerichten führen und Gerichte sind eben in unserem System auch Klassenjustiz, zum Beispiel.

    Also möglichst keine Zensur, nicht nur in China nicht, sondern auch nicht bei uns.

  4. ... entscheiden können und das sind dann die Gerichte des jeweiligen Landes, in dem ein Internetauftritt stattfindet. Das ist das Mindeste, was selbstverständlich sein sollte.

    Grundsätzlich entscheide ich lieber selber, was ich lesen will, und möchte da auch von Gerichten nicht bevormundet werden. Es soll also möglichst keine Zensur stattfinden, auch nicht, wenn jemand meint, dass er beleidigt worden wäre oder dass irgendwem historische Darstellungen nicht gefallen. Sonst wird das endlos nur zu Streit vor Gerichten führen und Gerichte sind eben in unserem System auch Klassenjustiz, zum Beispiel.

    Also möglichst keine Zensur, nicht nur in China nicht, sondern auch nicht bei uns.

  5. Ich verstehe den Vorwurf der Zensur gegenüber Google nicht.
    Wir dürfen nicht vergessen das es nur eine Suchmaschine von vielen ist.
    Ask, Fireball, Yahoo, MetaGer u.v.a. Suchmaschinen komplettieren das Internet. Wer aber ausschließlich googelt, trägt dazu bei ein Monopolisten zu erschaffen.
    Und nur ein Monopolist kann Zensur betreiben.

    Es liegt also an jedem/r selber.

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    Sie haben das Problem nicht verstanden.

    Sie haben das Problem nicht verstanden.

  6. Wie begründet die Obrigkeit in der VR China eigentlich, daß in Hong Kong und Macau nicht zensiert zu werden braucht?

    Gelten die Bürger dieser Gebiete offiziell als weniger blöde, so daß sie weniger "beschützt" werden müssen? Und welches Licht würfe das auf die Regierung der Volksrepublik, daß sie es nicht geschafft hat, ihre Bürger ebenso medienkompetent zu machen wie Briten und Portugiesen?

  7. dass Google diesen Schritt getan hat. Man würde sich wünschen, dass viel mehr Unternehmen und vor allen Dingen (demokratisch gewählte)Regierungen und Institutionen entschlossener dem chinesischen Regime gegenüber treten.

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