Damit hatte der Urlauber nicht gerechnet: Als ihm der Anwalt eines Musiklabels darauf hinwies, dass er den Song Sommer unseres Lebens für andere zum Download ins Netz gestellt habe, ging es nicht etwa um einen Fall von Geschmacksverirrung. Sondern um eine handfeste Geldforderung. Das Plattenlabel 3p des Rappers Moses Pellham, das die Urheberrechte an dem Lied von Sebastian Hämer besitzt, verlangte Schadenersatz sowie die Erstattung der Abmahn- und Rechtsanwaltskosten. Der Beklagte war sich keiner Schuld bewusst. War er doch in der fraglichen Zeit überhaupt nicht zu Hause, sondern im Urlaub. Vermutlich hatten Unbekannte sein WLAN benutzt, um unter seiner IP-Adresse das Lied zum Herunterladen anzubieten.

Während die erste Instanz den Urlauber zunächst von Verantwortung freisprach, stellte das Landgericht klar, dass der WLAN-Inhaber auch haften müsse, wenn sein Netzwerk von anderen missbraucht würde. Er hätte demnach die Pflicht, sein Netz zu verschlüsseln und so vor Missbrauch zu schützen.

Nun befindet der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe abschließend darüber. Ein Urteil – das eine Grundsatzentscheidung werden könnte – gibt es noch nicht, am Donnerstag war lediglich die mündliche Verhandlung zu dem Fall. Allerdings ließen das Plädoyer der Klageseite und die Äußerungen des Vorsitzenden Richters erkennen, dass es für offene Hot-Spots eng werden könnte.

"Dass die WLAN-Piraterie ein Massenphänomen geworden ist, das wissen wir heute alle", sagte der Anwalt der Klageseite. Unverschlüsselte Funknetze eröffneten praktisch jedem Dritten den Zugang zum Internet – ob unberechtigt oder erlaubt. Dieser bleibt anonym, denn registriert wird immer nur die IP-Adresse des oft arglosen Anschlussinhabers." Richter Joachim Bornkamm nannte offene Netze eine "Gefahrenquelle", die dem Missbrauch durch Dritte offen stehe, obwohl sich dieser technisch problemlos vermeiden lasse.

Das allerdings ist durchaus strittig und im Zweifel eben nicht so leicht. Immerhin könnte man an diesem Punkt einerseits fragen, wie sicher das WLAN zu sein habe, gilt doch die "normale" Verschlüsselung per WEP als leicht zu knacken. Andererseits ließe sich einwenden, wie es der IT-Anwalt Thomas Stadler tut, dass dann auch das Verhalten eventueller Familienangehöriger oder Mitbewohner überwacht werden müsste, die Zugang zu dem dann verschlüsselten Netz haben.

Die Entscheidung dürfte nicht nur weitreichende Folgen für Plattenfirmen und Musikfans haben. Auch für die Vertreter freier Netzwerke, die sich für eine bundesweit offene Netzinfrastruktur starkmachen, ist es von Bedeutung.