"Menschen ändern sich nicht"
ZEIT ONLINE: Wer soll darüber entscheiden, ob es einer ist?
Reiter: Am Ende entscheidet die Zeit darüber. Was bleibt, hat offenbar einen gewissen Wert. Aber darüber hinaus glaube ich, dass es zumindest nützlich ist, wenn es professionelle Hilfe gibt. Das hat nichts mit Entscheiden im eigentlichen Sinne zu tun, sondern eher mit Dienstleistung, mit Lenken, Auswählen. Also das, was bisher die Medien gemacht haben.
ZEIT ONLINE: Was halten Sie von der These der Aufmerksamkeitsökonomie? Wenn alle sich selbst verwirklichen, hat keiner mehr Zeit, die Texte und Bilder der anderen anzugucken. Das Publikum ist das knappe Gut – und müsste dementsprechend eigentlich entlohnt werden.
Reiter: Das klingt sehr überzeugend. Aber von Aufmerksamkeit allein kann man den Bäcker nicht bezahlen und seine Miete schon gar nicht. Und noch weniger kann man seine Zuhörer dafür bezahlen, dass man von ihnen Aufmerksamkeit bekommt. Das heißt, wir werden in dem ganz großen Dilemma stehen, dass irgendwie in diesem ganzen Internet außerhalb von Google und vom Online-Handel die Menschen ihre Leistungen auch kapitalisieren müssen.
ZEIT ONLINE: Also haben wir jetzt gerade ein Goldenes Zeitalter mit so vielen kostenlosen Informationen, aber diese Tage sind gezählt...
Reiter: In Zukunft wird es so sein, dass die Menschen die Informationen stärker noch aus Sozialen Netzwerken beziehen. Und wenn sie das mit dem alten Zustand vergleichen, ist die soziale Selektion doch jetzt viel stärker: Jeder konnte sich eine Zeitung kaufen, egal aus welcher sozialen Schicht er kam. Das ist viel leichter, als sich die richtigen Freunde auszusuchen, die ihnen die richtigen Informationen verlinken.
ZEIT ONLINE: Sie trauen den Menschen nicht viel zu.
Reiter: Gesellschaftlich bin ich in der Tat pessimistisch. Am Ende glaube ich nicht, dass wir eine verbesserte, emanzipatorischere Gesellschaft bekommen. Und das liegt schlicht daran, dass sich der Mensch nicht ändert. Also wenn Sie sich die Kommentarspalten von Internetauftritten anschauen, dann werden Sie feststellen, dass vieles davon gerotzt und krakelt ist. Sie haben das gleiche Phänomen, das Sie auf dem Fußballplatz haben, wenn sich der Mob zusammenrottet. Es gibt an vielen Orten im Netz, und vor allem dort, wo das Publikum klein ist, sehr intelligente Diskussionen. Aber überall da, wo ein großes Publikum ist, also auf den Internet-Seiten der großen Zeitungen, finden sie im Grunde unterirdische und bis in die Fäkalsprache hineingehende Kommentare. Und das sieht nicht unbedingt emanzipatorisch aus.
Die Fragen stellte Tina Klopp.
- Datum 19.03.2010 - 13:50 Uhr
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Das die Menschen sich nicht ändern ist allbekannt, doch worauf er hinauswill ist mehr als langweilig und auch wenn ein körnchen Warheit drinn ist, sind es immer noch Gedanken Relikte aus der frühen Vorzeit :)
ihr und jetzt mein kommentar paßt wunderbar unter diesen interessanten artikel.
ihr und jetzt mein kommentar paßt wunderbar unter diesen interessanten artikel.
Der Mann hat zwar recht, wenn er harsch zwischen Qualität und Quantität trennt (v.A. im letzten Absatz), doch lässt er eines aus den Augen: Das ist immer so. Die Bild-Zeitung, die möglichst viele Menschen zu erreichen versucht ist auch als "altes" Medium nicht sonderlich vertrauenswürdig. Gleichmachung, Veralgemeinerung bis hin zu Informationsverfälschung ist immer ein Phänomen der Masse. Das ist natürlich und erstreckt sich von schlechter Berichterstattung über "Unterschichtenfernsehen" bis hin zu Twitter quer durch alles, was der Mensch an Kommunikation aufbietet (man denke an die Universalweisheit: Viele Köche verderben den Brei).
Also Schwamm drüber und ab auf Youtube...
Reiter hat schon recht wenn er sagt, dass sich die Menschen nicht ändern. Bisher ist noch fast jede technische Entwicklung mit den abstrusesten Heilsversprechen begleitet worden, die sich durch die Bank nicht erfüllt haben. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass das beim Internet anders sein wird.
Die Dampfmaschine, die Eisenbahn, das Auto, der elektrische Strom, das Telefon, der Computer, die Raumfahrt, die Entwicklungen in der Medizin usw. haben tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft bewirkt, viele davon zum Guten. Aber Verbrechen, Krankheit und Tod sind uns trotzdem geblieben und werden auch die Segnungen des Internets überdauern.
Das Internet ist ein großartiges Ding, das vielen Leuten viele neue Möglichkeiten für alles Mögliche gibt (soziale Netzwerke, Blogs, Download von Daten statt Kauf im Laden, Unterhaltung, Kundenkontakt). Aber der Mensch wird davon nicht weniger egoistisch, grausam und dumm als er schon immer war. Das Internet ist ein Werkzeug, mit dem man viele tolle Sachen tun kann und das ich nicht missen möchte. Man kann es aber - wie alles andere auch - für Verbrechen missbrauchen. Darum sollte man vorsichtig damit umgehen und nicht alles glauben, was die Leute einem so einzureden versuchen.
Der Mann ist ein schönes Beispiel dafür, dass es auf Papier so viel Schwachsinn gibt, wie in Blogs.
Er erkennt ja selbst, dass ähnliche soziale Gruppen im Internet publizieren, wie es offline der Fall ist. Es gibt also auch im Internet entsprechende soziale Strukturen und damit Quellen unterschiedlicher Relevanz und Glaubwürdigkeit. Das publizieren ist billiger geworden und hat eine potentiell höhere Reichweite bei gleichem Aufwand. Das wird die Gesellschaft ändern, wie der Buchdruck sie auch geändert hat, aber es wird eben auch nicht zum Verschwinden gesellschaftlicher und damit publizistischer Strukturen führen.
Das "soziale Netzwerke"-Argument ist ohnehin Schwachsinn, soziale Netzwerke dienen im Wesentlichen der Kommunikation. Informationsbeschaffung ist davon erstmal unabhängig. Natürlich tauschen die Leute auch relevante Information untereinander aus, aber das war ja nun auch schon immer so.
Ich finde es ja sehr schlau, das 99% der User einsehen eben keine ausgewiesenen Experten zu sein und Wikipedia nicht verhunzen.
Erstaunlich das man Bücher herusbringen kann, wenn man daraus nur den Gegenteiligen Schluss zu ziehen in der Lage ist.
Erst einmal muss Dumm (grob geschätzt) 2.0.1 implementiert und abgearbeitet werden, dann sehen wir weiter. Die Vorstellung vom Netz als einem globalen Lagerfeuer hat sich längst erledigt; das war aber schon vor diesem Interview bekannt. Nackt und bekifft am Lagerfeuer sitzen ist und bleibt das einzige Utopia der Cyber-Hippies (wie J.P. Barlow), und das alles ist kaum noch einen Lacher wert. Man kann schon relativ froh sein, wenn die Beiträge in einem Forum oder Blog spürbar über dem Niveau des Handy-Gekakels der Generation Wobistu liegen ("HAI !!! BARRACUDA!!! WOBISTU, ICH BIN IM BUS?!?"). Früher veröffentlichten Versicherungen gelegentlich - anonym - Stilblüten im Kontext von Unfallberichten; das waren die einzigen Anlässe für einen Großteil der Bevölkerung, sich an der Schriftsprache zu vergreifen. Heute tut es fast jeder, und die Ergebnisse sprechen für sich. Natürlich kann im Grundsatz auch jemand, der gerade den Sportteil in der Tageszeitung zu decodieren in der Lage ist, etwas Relevantes zu sagen haben - doch wer wird sich in der Hoffnung auf dieses Relevante durch unabsehbare Mengen an Banalitäten und Schrott wühlen? - Ob andererseits die Rettung im "professionellen Qualitätsjournalismus" liegt (wie Reiter zu glauben scheint), lasse ich 'mal offen...
Spannend, was Herr Markus Reiter hier von sich gibt.
Nunja, in Deutschland herrscht vielerorten ja Panik vor dem Netz, weil dort Kinderschänder, Piraten und unauthorisiert Kreative lauern. Diese Vorurteile bedient Herr Reiter und hofft (wohl durchaus zurecht) davon finanziell zu profitieren.
Das er nur alte (und häufig wiederlegte) Thesen aufwärmt, fällt den geneigten Lesern nicht auf. Denn um das zu wissen müsste man ja ins Netz.
Rettet das Netz die Welt? Nicht zwingend.
Im Grunde verringert das Internet "nur" die Transaktionskosten in nahezu allen Gesellschaftsbereichen. Das Internet ist kein Heil- sondern ein Hilfsmittel. Das kann auch missbraucht werden.
Herrn Reiters Thesen hingegen greifen auf ganz andere Bereiche zurück: Nähmlich die zutiefst undemokratische Vorstellung der gesellschaftlichen Teilung in Erleuchtete (Intellektuelle, Journalisten etc.) und unrettbar Dumme (der Rest).
Wie absurd diese Idee ist, wird klar wenn man Google News benutzt und/oder Bildblog liest. Was da für Dummfug von Journalisten abgeschrieben und weitergereicht wird.
Ebenso fragwürdig ist die Gatekeeperfunktion von Journalisten. Diese hängen ja wirtschaftlich ab vom Verlag, welcher sie sofort kündigen kann (Tendenzbetriebe). Und die wiederum hängen von der Wirtschaft (Anzeigen) und der Politik (Auskunft und Information) ab. Zumindest als Kontrollorgan und Korrektiv ist das Internet also unabdingbar.
Als Humanist muss man daran festhalten (so schwer es fällt), dass niemand *unrettbar* dumm ist. Die Frage bleibt, ob die durch das Netz bereitgestellten Möglichkeiten insgesamt dem Zweck dienen, Aufklärung zu fördern und Dummheit/Unwissenheit zurückzudrängen. "Piraten" usw. beanspruchen, die Antwort zu kennen, aber es gibt keine eindeutige. Wenn man der Expertokratie misstraut, weshalb soll man Dilettanten glauben? Okay, es gibt Geschwätz-Theorien über "Schwarmintelligenz", die eher an den Tanz der Lemminge erinnern: folge blind der Herde, es wird schon richtig sein. In einem c't-Artikel über "SchülerVZ" wurde ein Mädchen mit den Worten zitiert "ich bin dabei, weil alle meine Freunde hier sind." Nicht immer bleibt diese Denkweise harmlos, und solche Formen von Konformismus steuert das Web insgesamt: mitmachen, nicht abseits stehen, nicht zuviele unbequeme Fragen nach dem Sinn und Ziel des Ganzen stellen. Mich stimmt das häufig bedenklich, weil es auf die Gegenteile von Demokratisierung und Emanzipation hinauslaufen kann(!). Nur selber denken macht klug; das ist eine Konstante, die jenseits von Diskussionen über Soziale Netzwerke, Cloud Computing etc. steht.
@ranjit: Dem ist nichts hinzuzufügen. Guter Kommentar zu den Ansichten eines Ultra-konservativen wie Markus Reiter.
Als Humanist muss man daran festhalten (so schwer es fällt), dass niemand *unrettbar* dumm ist. Die Frage bleibt, ob die durch das Netz bereitgestellten Möglichkeiten insgesamt dem Zweck dienen, Aufklärung zu fördern und Dummheit/Unwissenheit zurückzudrängen. "Piraten" usw. beanspruchen, die Antwort zu kennen, aber es gibt keine eindeutige. Wenn man der Expertokratie misstraut, weshalb soll man Dilettanten glauben? Okay, es gibt Geschwätz-Theorien über "Schwarmintelligenz", die eher an den Tanz der Lemminge erinnern: folge blind der Herde, es wird schon richtig sein. In einem c't-Artikel über "SchülerVZ" wurde ein Mädchen mit den Worten zitiert "ich bin dabei, weil alle meine Freunde hier sind." Nicht immer bleibt diese Denkweise harmlos, und solche Formen von Konformismus steuert das Web insgesamt: mitmachen, nicht abseits stehen, nicht zuviele unbequeme Fragen nach dem Sinn und Ziel des Ganzen stellen. Mich stimmt das häufig bedenklich, weil es auf die Gegenteile von Demokratisierung und Emanzipation hinauslaufen kann(!). Nur selber denken macht klug; das ist eine Konstante, die jenseits von Diskussionen über Soziale Netzwerke, Cloud Computing etc. steht.
@ranjit: Dem ist nichts hinzuzufügen. Guter Kommentar zu den Ansichten eines Ultra-konservativen wie Markus Reiter.
Herr Reiter hat die Problematik erkannt !
das richtig fatale an Twitter, Blogs und Social Networks, ist, das bei solchen Gegebenheiten eine Verwahrlosung der angeborenen natürliche Fähigkeit sich über die Sprache als Kommunikationsmedium mit anderen Menschen zu verständigen verloren geht.
Zudem können heutige junge Menschen nur noch sehr schwer einen grammatikalisch richtigen Satz bilden. Denn hier setzt vermehrt ein Übergang von der natürlichen Sprache, hin zu der Kommunikationssprache des Netzes, ein.
>> das
Den Satzanfang hätte man groß schreiben müssen.
>> richtig fatale
"Das Fatale" ein Substantiv, ebenfalls groß zu schreiben.
>> an Twitter, Blogs und Social Networks, ist
Was soll dieses letzte Komma? Da endet oder beginnt kein Nebensatz und die Aufzählung ist auch längst beendet.
>>, das bei solchen Gegebenheiten eine Verwahrlosung der
Konjunktionalsatz, folglich wäre "dass" richtig gewesen.
>> angeborenen natürliche Fähigkeit sich über die Sprache als Kommunikationsmedium mit anderen Menschen zu verständigen verloren geht.
angeborenen, natürlichen Fähigkeit
Abgesehen davon ist Sprache ohnehin nicht angeboren, wie eine nähere Beobachtung Neugeborener zeigt.
>> Denn hier setzt vermehrt ein Übergang von der natürlichen Sprache, hin zu der Kommunikationssprache des Netzes, ein.
Beide Kommata sind falsch oder zu mindest überflüssig. Die Kommunikationssprache des Netzes ist davon abgesehen so natürlich wie jede andere auch.
Kommasetzung bedarf eines guten Verständnisses der Satzstruktur, das leider auch viele ältere Menschen vermissen lassen...
Ein heutiger, junger Mensch.
Konnten sie das vorher?
Auf die grammatikalischen Fehler möchte ich gar nicht erst eingehen, diese wurden schon hinreichend erkannt.
Mich interessiert eher der letzte Satz:
"Denn hier setzt vermehrt ein Übergang von der natürlichen Sprache, hin zu der Kommunikationssprache des Netzes, ein."
Wenn ich jetzt also jemandem eine E-Mail schreibe, ist das dann eine unnatürliche Sprache? Immerhin bleibt es doch Deutsch, ob ich es jetzt spreche oder schreibe. Worin besteht denn der Unterschied zu einem Brief? Ach so, Briefe sind ja auch unnatürlich. Die Schrift dann somit auch...
>> das
Den Satzanfang hätte man groß schreiben müssen.
>> richtig fatale
"Das Fatale" ein Substantiv, ebenfalls groß zu schreiben.
>> an Twitter, Blogs und Social Networks, ist
Was soll dieses letzte Komma? Da endet oder beginnt kein Nebensatz und die Aufzählung ist auch längst beendet.
>>, das bei solchen Gegebenheiten eine Verwahrlosung der
Konjunktionalsatz, folglich wäre "dass" richtig gewesen.
>> angeborenen natürliche Fähigkeit sich über die Sprache als Kommunikationsmedium mit anderen Menschen zu verständigen verloren geht.
angeborenen, natürlichen Fähigkeit
Abgesehen davon ist Sprache ohnehin nicht angeboren, wie eine nähere Beobachtung Neugeborener zeigt.
>> Denn hier setzt vermehrt ein Übergang von der natürlichen Sprache, hin zu der Kommunikationssprache des Netzes, ein.
Beide Kommata sind falsch oder zu mindest überflüssig. Die Kommunikationssprache des Netzes ist davon abgesehen so natürlich wie jede andere auch.
Kommasetzung bedarf eines guten Verständnisses der Satzstruktur, das leider auch viele ältere Menschen vermissen lassen...
Ein heutiger, junger Mensch.
Konnten sie das vorher?
Auf die grammatikalischen Fehler möchte ich gar nicht erst eingehen, diese wurden schon hinreichend erkannt.
Mich interessiert eher der letzte Satz:
"Denn hier setzt vermehrt ein Übergang von der natürlichen Sprache, hin zu der Kommunikationssprache des Netzes, ein."
Wenn ich jetzt also jemandem eine E-Mail schreibe, ist das dann eine unnatürliche Sprache? Immerhin bleibt es doch Deutsch, ob ich es jetzt spreche oder schreibe. Worin besteht denn der Unterschied zu einem Brief? Ach so, Briefe sind ja auch unnatürlich. Die Schrift dann somit auch...
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