MySpace "Die Musikbranche steckt noch mitten in der Krise"Seite 2/2

ZEIT ONLINE: Und wie wird die Zukunft der sozialen Netzwerke aussehen, wenn jeder erst einmal mobil online ist? Gibt es dann überhaupt noch unterschiedliche Profile für diverse Communitys, oder nimmt man sein Profil und seine Liste überall hin mit?

Joel Berger: In dem Moment, in dem ich auf eine Site gehe, werde ich mich wahrscheinlich schon allein dadurch registrieren, dass ich meine digitale Identität mit mir herumtrage – im Grunde so wie beim iTunes Store. Das ist zwar jetzt ein alter Hut, doch Apple hat das Ganze revolutioniert. Es gab etliche MP3-Läden, die allesamt nicht funktionierten. Dann kam iTunes: Was willste haben? Klick, da hast du’s. Aber Apple ist nicht das einzige Unternehmen, das gute Ideen hat.

ZEIT ONLINE: Eine Frage zum Webdesign von MySpace: Oftmals macht es den Eindruck, als erblicke man eine wahllos zusammengekleisterte Teppichwand. Wird am Erscheinungsbild gefeilt?

Joel Berger: Wir sind dran, das Design ein bisschen zu standardisieren. Das ist eben der schmale Grat zwischen gestalterische Freiheit lassen und trotzdem noch ästhetischen Mindeststandards genügen wollen. Aber es wird bald ein Profil 2.0 geben, damit die User dann auch die Buttons besser finden. Es geht ja nicht, dass man stundenlang nach irgendeinem Player suchen muss.

ZEIT ONLINE: Allein in Deutschland gibt es über 450.000 Bandprofile auf MySpace. Wie leicht oder schwer ist es für Musiker, wahrgenommen zu werden?

Joel Berger: Künstler brauchen ein Profil auf MySpace, um aktives Community-Management zu betreiben. Eine Band muss ihren Fans einen Mehrwert bieten, auf sie eingehen. Die Fanbase ist das wichtigste Tool, das die Künstler haben.

ZEIT ONLINE: Und hat die Musikbranche ihre Krise überwunden oder steckt sie noch mittendrin?

Joel Berger: Ich glaube, die Branche steckt noch mittendrin. Der Markt bricht ja immer noch um. Es ist ja nicht so, dass ein anderes Gleichgewicht erreicht worden ist. Dieser Digitalisierungsprozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Jetzt sind wir bei 27 Prozent Anteil weltweit. Irgendwann werden es 100 sein, die Frage ist nur wann. Nur ein kleiner Teil davon wird der Downloadmarkt sein. Der Rest basiert auf werbebasierten oder Abonnementmodellen.

Die Fragen stellte Frank Magdans.

 
Leser-Kommentare
    • Talor
    • 05.03.2010 um 18:07 Uhr

    Gibt es eigentlich eine Studie darüber, welche Musik eher heruntergeladen und welche physisch gekauft wird?

    Ich fände es sehr interessant, zu sehen, ob sich mein Vorurteil bestätigt, dass sich eher kurzlebige Hintergrundmusik im Internet verkaufen lässt, während "echte" Musikliebhaber sich auf Platten und CDs konzentrieren.

  1. 2. Sicher

    Da brauchen Sie doch keine Studie für.
    Es ist klar, dass Musikliebhaber mehr Geld für ihre Musik ausgeben und sie auch auf CD haben wollen. Außerdem wollen sicher fast alle mit guter Anlage CD´s statt MP3, nicht unbedingt wegen hörbaren Unterschieden, sonderen wegen dem bewussten "auflegen". Und sie wollen ganze Alben und keine Singles, Downloads dagegen sind doch eher bei einzelnen Liedern attraktiv.
    Ich denke ein Markt für CD´s und Schallplatten wird Bestand haben, aber in anderer Größe. Vielleicht wird er sogar zum Direktvertrieb der Künstler, möglich ist das ja mittlerweile.
    Hoffentlich schrumpft der Gesamtmarkt bald wieder auf ein normales Maß und finanziert keine aufgeblähten Großkonzerne mehr. Dagegen kämpfen Universal und co, mit allen Mitteln.

  2. ...wird wohl gar nichts mehr daraus.

    Gerade in der Musikbranche sind "I leave Myspace, find me at Facebook" Aktionen derzeit besonders im Trend.

    Myspace wurde bereits vor Jahren von Facebook, Last.fm und Diensten wie Soundcloud überholt. Myspace hat einfach kein Konzept. Eine Internetfirma, die Jahre (!) braucht um selbst einfachste Änderungen umzusetzen - und das auch noch mit kaum zu übertreffender Geschmacklosigkeit - ist eine Blase die bald platzt.

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