Contra Pink Floyd Ich mache mir meinen eigenen Mix
Pink Floyd haben vor Gericht gewonnen: Man darf ihre Songs nur als gesamtes Album herunterladen. Warum das Quatsch ist, sagt Tina Klopp.
Scrennshot: ZEIT ONLINE

Im Download-Shop nicht mehr lange zu haben: einzelne Titel von Pink Floyds "Dark Side Of The Moon"
Natürlich gibt es gute Gründe, ein Album im Ganzen anzuhören. Am wichtigsten ist mir der Spannungsbogen. Zeigen doch verschiedene Lebensbereiche, dass man nicht pausenlos von einem Höhepunkt zum nächsten schreiten kann.
Aber ich fühle mich mündig genug, darüber selbst zu entscheiden. Und ich würde das sogar den meisten meiner Mitmenschen zubilligen.
Ich verwahre mich nicht nur dagegen, mir von einem Künstler diktieren zu lassen, dass ich beim Musikhören eine Hose tragen muss. Ich möchte mir auch den Teil aus seinem Album heraussuchen dürfen, der mir gefällt. Warum soll ich für zehn Minuten Gitarren-Solo bezahlen, wenn ich davon Kopfschmerzen bekomme? Das mag der Musikindustrie und den Künstlern nicht gefallen, aber ich kaufe genauso wenig ganze Alben, wie ich mich in Romanen durch jede Naturbeschreibung quäle. Ich folge weder bei Ikea noch in Kunstausstellungen dem Richtungspfeil. Das schränkt mich genauso ein, als wenn ich Spaghetti im Supermarkt nur mit der passenden Soße kaufen dürfte. Sicher glaubt auch der Nudelhersteller, dass Ketchup den Geschmack seines Hartweizens verdirbt.
Ich bin gewohnt, mir meine Nudelsoßen und Musikmischungen selbst zu bereiten: Hip-Hop landet da neben Country und Elektro in einer Wiedergabeliste. Mein ganzer Medienkonsum ist zu einem einzigen Mash-up geworden, ich lese mich durch die Blogs wie Helene Hegemann, und ich bin diejenige, die mixt und auswählt. Ob es mich unglücklich macht, wenn ich darauf verzichte, auch die schwächeren Phasen eines Albums zu durchmessen wie das Tal der Tränen? Ob ich dadurch langsam gefühllos und dumm werde? Und unersättlich nach immer mehr rufe, nach dem ultimativen Kick, während sich die armen Musiker schon jetzt die Finger wund produzieren?
Das ist ja meine eigene Entscheidung, zum Glück. Ich kann ja das ganze Album herunterladen, nur zwingt mich dank der Erfindung des MP3-Formats keiner mehr dazu.
Etwas ganz anderes ist das Dosenkonzentrat, das manche Radiosendungen ihren Hörern in Form von Opernschnipseln und Dauer-Allegretti anbieten. Natürlich ist das grässlich. Und der Hörer kann eben dann nicht mehr entscheiden, ob er lieber doch vom ganzen Werk erführe.
Vielleicht ist das nicht mehr als private Empirie: Aber ich habe gute Erfahrungen gemacht mit Menschen, die sich selbst nicht so wichtig nehmen. Das gilt auch für Künstler.
Vor dem 18. Jahrhundert war das übrigens ganz normal. Da ging man auf Konzerte wie auf den Jahrmarkt, schlug sich nebenan den Bauch voll, lachte laut mit der Frau Gemahlin und rülpste zufrieden. Dass sich ehrfürchtiges Erstarren und Obrigkeitsdenken bis in die Popmusik ausgedehnt haben, ist eine indirekte Folge der Romantik, die das Genie überhöhte und vorgab, Kunstwerke wären unantastbar. Dieses Denken war historisch wichtig, ging einher mit dem Sieg des Bürgertums, führt aber heute auch dazu, dass jedes Fünf-Sekunden-Zitat geeignet ist, den vermeintlichen Raubkopierer zu einer Millionenstrafe zu verurteilen.
Find ich, ganz respektlos gesagt, einfach bescheuert.
- Datum 15.03.2010 - 13:26 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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liebe frau klopp,
auch wenn ich es für sinnvoll halte ein kunstwerk zunächst einmal als ganzes zu erfassen,so teile ich ihre auffassung,dass dies ihre ureigene und mündige entscheidung ist.
wenn sie also ein werk der gruppe pink floyd erworben haben,so sollten ihre technischen geräte auch einen nur auszugsweisen genuss ermöglichen!
aber hier geht es um die filetierung von kunst bereits vor ihrem erwerb.wenn sie dies fordern,frage ich mich ob sie dann in zukunft auch bei büchern nur noch die seiten kaufen möchten,die nicht die zitierten langweiligen naturbeschreibungen enthalten.also sozusagen einen thomas mann modular.
eine solche forderung halte ich für bedenklich!die gefährliche kehrseite ist dabei nämlich der marktwirtschaftliche getriebene indirekte index: so wie heute filme in das sendeschema(zeitrahmen,altersbeschränkung,konsumverhalten etc.) der tv-sender zurechtgeschnitten werden,so würde künftig eventuell nur noch der mutmaßlich interessanteste teil eines werkes erfahrbar sein"der konsument wünscht es ja so".
übrigens:ich bekomme ein bestimmtes nudelprodukt leider auch nur mit streukäse,obwohl ich nur die nudeln und die soße mit gewürzmischung mag-so was blödes.
gut,dass es künstler gibt,denen ihr werk nicht gleichgültig wird,wenn es das diktat des marktes gerne mal wieder so hätte.
es gibt ja auch sogenannte auskoppelungen von teilwerken,wenn der künstler ihnen einen eigenständigen stellenwert zubilligt.
viele grüße und noch mehr spaß mit pink floyd-ungeschnitten!
Ich stimme Ihnen zu, es ist Ihr Recht, Musik so zu hören, wie Sie das wollen.
Es ist aber auch das Recht des Künstlers, seine Kunst in der Form anzubieten, in der er das möchte. Wenn ein Musiker nur komplette Alben verkaufen möchte und nicht einzelne Songs (was neben Pink Floyd z.B. auch AC/DC so handhaben), dann sollte er das dürfen. Denn es ist schließlich sein Werk, dass er da verkauft.
Als Konsument haben Sie dann wiederum die Wahl, keine Musik von diesem Künstler zu kaufen. So hat eben jeder seine Wahl zu treffen.
Als Künstler würde ich mich auch dagegen verwahren, dass alle möglichen Leute mein Werk nach Belieben zerhacken und verhunzen, etwa indem sie die geilsten Passagen rauspicken und einzlen verkaufen oder als Klingelton für Handys verticken. Und wenn eine Band mit ihrer Musik schon soviel Geld verdient hat wie Pink Floyd, kann sie es sich eben leisten, ihren Stiefel zu machen, egal was die Plattenfirma denkt.
Ich finde es besser, ein Künstler ist sperrig und macht, was er für richtig hält, als dass alle nur auf Profitmaximierung aus sind und es ihnen egal ist, ob sie Musik machen oder Radiergummis verkaufen.
"Das mag der Musikindustrie und den Künstlern nicht gefallen, aber ich kaufe genauso wenig ganze Alben, wie ich mich in Romanen durch jede Naturbeschreibung quäle."
Unsinnigerweise ist mir (bis auf Urheberrechtsverletzungsmaschinerien wie google-Books) noch kein Anbieter untergekommen, der einzelne Kapitel oder Absätze eines Romans zum Verkauf anbietet. Aber das wäre ja vielleicht mal ein Konzept: Kaufen Sie nur noch das Ende des Krimis, dann können Sie allen Freund(in)en beim Kaffekränzchen/Stammtisch erzählen, wer der Mörder war!
Früher(TM) hat man sich bei dem Problem mit dem 10 Minuten Gitarrensolo übrigens dadurch beholfen, dass man die Nadel ein Stück weiter nach innen gesetzt hat. Im Zeitalter der CD kam dann sogar noch so eine überflüssige "Skip"-Funktion hinzu, die das ganze herumsuchen, bis man den neuen Stückanfang gefunden hatte, überflüssig machte... Aber im Zeitalter des "Mir ist egal in welchem Kontext das gesagt/produziert/veröffentlicht wurde, hauptsache ich bilde mir ein zu wissen, was damit gemeint ist“ muss man die Selbstbeschneidung des Gesamtüberblicks ja auch noch durch andere vormachen lassen.
Irgendwie kann ich mich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, dass hier jemand für eine Meinung bezahlt wurde, die sie nicht wirklich selbst teilt.
Wenn man vom Spargel nur die Spitzen mag, geht man mit einer Schere zum Gemüsehändler. Und mit einem blauen Auge wieder nach Hause. Recht so. ;-)
Als Besitzer eines großteils der Pink Floyd Konzeptalben als Original CD und Liebhaber 10 minütiger Gitarrensoli stimme ich Ihnen völlig zu. Pink Floyd können machen was sie wollen. Aber die User werden sie sowieso nicht beinflussen können, die werden sich im Zweifel einfach das ganze Album raubkopiert herunterladen und (wenn überhaupt nötig) löschen was sie nicht brauchen. Was Pink Floyd da macht ist ökonomischer Selbstmord. Aber Pink Floyd sind diesbezüglich längst unsterblich.
Allesamt lustige Kommentare die zudem eines offenbaren; Ein tiefsitzendes Missverständnis zwischen Dürfen und Sollen.
Die Wahl zu haben, sich derer Teile zu bedienen impliziert nicht automatsich das Ganze auszuschließen. Aber umschließt die freie Wahl. Wenn Sie, meine lieben Vorkommentatoren, es gänzlich auszuschließen, möchte ich demnächst sehen, wie sie eine ganze Kuh nach Hause ziehen, wenn Sie weider einmal Milch kaufen. Oder wollen Sie kunstvolle Fertigkeit des höheren Erschafferwesens in Frage stellen?
Sie dürfen Ganze Alben kaufen, Sie müssen es nicht. Und wenn Pink Floyd meint so einen Unsinn vor Gericht zu erstreiten, zeigt das von sehr viel Hingabe zu seinen Fans, die gegen Null tendiert. Wie wäre es mit überzeugen, hey Fan wir haben uns dabei etwas gedacht, hört es im Ganzen, dann erschließt sich das Ganze ... aber NEIN, und ab da wird es albern, es werden Gerichte bemüht.
PF sind nun einmal die Urheber des ganzen. Und wenn sie möchten, dass es so verkauft wird, dann hat der Kunde das zu akzeptieren. Es steht ihm ja frei sich nicht darauf einzulassen. Nur weil andere Künstler es so machen muss es ja nicht jeder genauso machen.
Auch das ständige Argument von wegen Auskopplungen ist hinfällig - irgendwie muss das ganze ja im Radio gespielt werden so dass man darauf aufmerksam wird...dort dienen die Auskopplungen nur der Werbung...
In diesen Zeiten verlernen es die Leute eh zu "hören". Früher wurde ein Album von vorne bis hinten durchgehört, da lief das Hören von "Tubular Bells" von Oldfield nach einem festen Ritual ab. Und heute? Heute denken viele Künstler nur noch in 2-3 Songs, die als Single rausgebracht werden - meistens zusammen mit einer Hand voll Remixen, die eh keine Sau braucht. Und das Album ist dann nur noch Füllmaterial.
Ich finde es wirklich lustig wie jetzt auf PF rumgehackt wird. Wenn sie aus allem Geld machen wollten würde ihnen Kommerz vorgeworfen. Jetzt wird es auch vorgeworfen, weil man nur ganze Alben kaufen kann. Was denn nun?
@Apollo 23: Der Vegleich mit der Kuh hinkt gewaltig. Es gibt auch Unternehmen, bei denen sie nur ganze Kühe kaufen können. Wollen Sie sich darüber auch aufregen? Es bleibt auch hier dem Erzeuger belassen, in welcher Form er seinen Kram veräußert.
ein missverständnis liegt vor, wenn man kunst mit kühen verwechselt (auch wenn beides mit "k" anfängt)!
andersrum wird ein schuh daraus: welche teile eines kunstwerkes ich rezipiere ist meine persönliche fähigkeit, vielleicht sogar freiheit.
weshalb mir jedoch auch diese teile nach meinem gutdünken feilgeboten werden sollen entbehrt jeder vernunft!
wenn ich das produkt "kunstwerk" sehe (auch im zeitalter seiner technischen reproduzierbarkeit), so trifft wenigstens eines immer noch zu: der urheber/hersteller entscheidet über die beschaffenheit seines produktes, der kunde, ob er es dann kauft.
sollte ich also tatschlich milch nur noch in kühen angebiten bekommen, so muss ich mir überlegen, ob ich eine solche kaufe und pflege - wenn ich denn unbedingt milch haben will. wäre doch mal eine überlegung ;-)
Also: Es ist das Recht von PF zu entscheiden, wie ihre Musik verkauft wird, da können manche hier noch so sehr wie störrische kleine Kinder mit dem Fuß aufstampfen und schmollen...
Noch was: Selbst vor 10 Jahren musste man auch komplette Alben kaufen - da hat keiner gemeckert...
Im Gegenteil: Ich finde es recht egositisch nur 2-3 Titel zu kaufen. Ok, wenn mir nur wirklich ein Song des Album gefällt und der Rest Füllmaterial ist würde ich vielleicht gar nichts kaufen. Aber wenn mir ein paar Songs gefallen, dann würde ich das ganze Album kaufen, einfach auch um meinen Teil dazu beizutragen, dass es ein weiteres Album geben kann. Mag auf PF nicht zutreffen, aber auf viele andere. So verhindert man auch dass gute Musik gefördert wird...
Und Frau Klopp bestätigt mir mal wieder dass sie von dem, was sie schreibt, oftmals keinen Überblick hat.
"Vor dem 18. Jahrhundert war das übrigens ganz normal. Da ging man auf Konzerte wie auf den Jahrmarkt, schlug sich nebenan den Bauch voll, lachte laut mit der Frau Gemahlin und rülpste zufrieden."
Damals war die klassische Musik sicherlich so etwas wie unsere heutige Pop-Musik. Aber sie mit einem Jahrmarkt zu vergleichen? Frau Klopp - setzen Sie sich bitte erst einmal mit klassischer Musik und deren Geschichte auseinander.
@apollo23
Das mit dem tiefsitzenden Missverständnis gebe ich mit Bezug auf materielle und immaterielle Güter gerne zurück.
Der Milch als materiellem Gut wird ihre Bedeutung erst durch die Verwendung (-> Säugen von Kälbern, Müslischüssel, Kaffeetasse) hinzugefügt. Die Bedeutung eines Kunstwerkes (wie auch jeder anderen Form von Kommunikation) zu bestimmen ist jedoch stets die Freiheit desjenigen, der dieses Werk erschafft. Und es liegt demnach auch im Ermessen des Künstlers, ob es sich dabei um ein oder mehrere Werke handelt.
Aus der gleichen Überlegung heraus erwachsen z.B. auch Ansprüche gegenüber (Boulevard)medien, völlig aus dem Kontext gerissene Zitate durch Gegendarstellungen korrigieren zu lassen.
Dass dieser Streit aber auch eine finanzielle Komponente hat liegt auf der Hand und auch ich sehe es als völlig überflüssig an, darüber vor Gericht zu ziehen. Das betrifft allerdings eher das generelle Problem, wie Künstler für ihre Werke vergütet werden sollen.
Es ist allerdings ein Unding, wenn sich ein Label die Freiheit herausnehmen will, anstelle der Künstler zu bestimmen, was ein Werk ist.
Ein Künstler schafft mit viel Herzblut ein Werk, egal ob eine Symphonie, ein Konzeptalbum, ein Gemälde, was auch immer. Er feilt dran, macht rum, bis er findet, es sei fertig, so wie es gehört. Anschließend veröffentlicht oder verkauft er es. Jetzt kann es sein, dass das Publikum andere Vorstellungen als der Künstler davon hat, wie dieses Werk am besten zu konsumieren sei. Der Künstler kann dem Publikum natürlich nicht vorschreiben, wie das Kunstwerk zu behandeln ist. Aber er kann sich weigern, (echten oder vermeintlichen) Verhunzungen dadurch Vorschub zu leisten, dass er sie in vorauseilendem Gehorsam selbst vornimmt. Wenn PF denken, dass die Konzeptalben nur komplett verkauft gehören, haben sie das Recht dazu. Und sie befinden sich in der angenehmen Lage, ihre Meinung auch durchsetzen zu können. Unbekannte Künstler müssen oft alle möglichen Kröten schlucken, die die Plattenfirma/der Verlag/der Agent ihnen vorwirft.
PF sind nun einmal die Urheber des ganzen. Und wenn sie möchten, dass es so verkauft wird, dann hat der Kunde das zu akzeptieren. Es steht ihm ja frei sich nicht darauf einzulassen. Nur weil andere Künstler es so machen muss es ja nicht jeder genauso machen.
Auch das ständige Argument von wegen Auskopplungen ist hinfällig - irgendwie muss das ganze ja im Radio gespielt werden so dass man darauf aufmerksam wird...dort dienen die Auskopplungen nur der Werbung...
In diesen Zeiten verlernen es die Leute eh zu "hören". Früher wurde ein Album von vorne bis hinten durchgehört, da lief das Hören von "Tubular Bells" von Oldfield nach einem festen Ritual ab. Und heute? Heute denken viele Künstler nur noch in 2-3 Songs, die als Single rausgebracht werden - meistens zusammen mit einer Hand voll Remixen, die eh keine Sau braucht. Und das Album ist dann nur noch Füllmaterial.
Ich finde es wirklich lustig wie jetzt auf PF rumgehackt wird. Wenn sie aus allem Geld machen wollten würde ihnen Kommerz vorgeworfen. Jetzt wird es auch vorgeworfen, weil man nur ganze Alben kaufen kann. Was denn nun?
@Apollo 23: Der Vegleich mit der Kuh hinkt gewaltig. Es gibt auch Unternehmen, bei denen sie nur ganze Kühe kaufen können. Wollen Sie sich darüber auch aufregen? Es bleibt auch hier dem Erzeuger belassen, in welcher Form er seinen Kram veräußert.
ein missverständnis liegt vor, wenn man kunst mit kühen verwechselt (auch wenn beides mit "k" anfängt)!
andersrum wird ein schuh daraus: welche teile eines kunstwerkes ich rezipiere ist meine persönliche fähigkeit, vielleicht sogar freiheit.
weshalb mir jedoch auch diese teile nach meinem gutdünken feilgeboten werden sollen entbehrt jeder vernunft!
wenn ich das produkt "kunstwerk" sehe (auch im zeitalter seiner technischen reproduzierbarkeit), so trifft wenigstens eines immer noch zu: der urheber/hersteller entscheidet über die beschaffenheit seines produktes, der kunde, ob er es dann kauft.
sollte ich also tatschlich milch nur noch in kühen angebiten bekommen, so muss ich mir überlegen, ob ich eine solche kaufe und pflege - wenn ich denn unbedingt milch haben will. wäre doch mal eine überlegung ;-)
Also: Es ist das Recht von PF zu entscheiden, wie ihre Musik verkauft wird, da können manche hier noch so sehr wie störrische kleine Kinder mit dem Fuß aufstampfen und schmollen...
Noch was: Selbst vor 10 Jahren musste man auch komplette Alben kaufen - da hat keiner gemeckert...
Im Gegenteil: Ich finde es recht egositisch nur 2-3 Titel zu kaufen. Ok, wenn mir nur wirklich ein Song des Album gefällt und der Rest Füllmaterial ist würde ich vielleicht gar nichts kaufen. Aber wenn mir ein paar Songs gefallen, dann würde ich das ganze Album kaufen, einfach auch um meinen Teil dazu beizutragen, dass es ein weiteres Album geben kann. Mag auf PF nicht zutreffen, aber auf viele andere. So verhindert man auch dass gute Musik gefördert wird...
Und Frau Klopp bestätigt mir mal wieder dass sie von dem, was sie schreibt, oftmals keinen Überblick hat.
"Vor dem 18. Jahrhundert war das übrigens ganz normal. Da ging man auf Konzerte wie auf den Jahrmarkt, schlug sich nebenan den Bauch voll, lachte laut mit der Frau Gemahlin und rülpste zufrieden."
Damals war die klassische Musik sicherlich so etwas wie unsere heutige Pop-Musik. Aber sie mit einem Jahrmarkt zu vergleichen? Frau Klopp - setzen Sie sich bitte erst einmal mit klassischer Musik und deren Geschichte auseinander.
@apollo23
Das mit dem tiefsitzenden Missverständnis gebe ich mit Bezug auf materielle und immaterielle Güter gerne zurück.
Der Milch als materiellem Gut wird ihre Bedeutung erst durch die Verwendung (-> Säugen von Kälbern, Müslischüssel, Kaffeetasse) hinzugefügt. Die Bedeutung eines Kunstwerkes (wie auch jeder anderen Form von Kommunikation) zu bestimmen ist jedoch stets die Freiheit desjenigen, der dieses Werk erschafft. Und es liegt demnach auch im Ermessen des Künstlers, ob es sich dabei um ein oder mehrere Werke handelt.
Aus der gleichen Überlegung heraus erwachsen z.B. auch Ansprüche gegenüber (Boulevard)medien, völlig aus dem Kontext gerissene Zitate durch Gegendarstellungen korrigieren zu lassen.
Dass dieser Streit aber auch eine finanzielle Komponente hat liegt auf der Hand und auch ich sehe es als völlig überflüssig an, darüber vor Gericht zu ziehen. Das betrifft allerdings eher das generelle Problem, wie Künstler für ihre Werke vergütet werden sollen.
Es ist allerdings ein Unding, wenn sich ein Label die Freiheit herausnehmen will, anstelle der Künstler zu bestimmen, was ein Werk ist.
Ein Künstler schafft mit viel Herzblut ein Werk, egal ob eine Symphonie, ein Konzeptalbum, ein Gemälde, was auch immer. Er feilt dran, macht rum, bis er findet, es sei fertig, so wie es gehört. Anschließend veröffentlicht oder verkauft er es. Jetzt kann es sein, dass das Publikum andere Vorstellungen als der Künstler davon hat, wie dieses Werk am besten zu konsumieren sei. Der Künstler kann dem Publikum natürlich nicht vorschreiben, wie das Kunstwerk zu behandeln ist. Aber er kann sich weigern, (echten oder vermeintlichen) Verhunzungen dadurch Vorschub zu leisten, dass er sie in vorauseilendem Gehorsam selbst vornimmt. Wenn PF denken, dass die Konzeptalben nur komplett verkauft gehören, haben sie das Recht dazu. Und sie befinden sich in der angenehmen Lage, ihre Meinung auch durchsetzen zu können. Unbekannte Künstler müssen oft alle möglichen Kröten schlucken, die die Plattenfirma/der Verlag/der Agent ihnen vorwirft.
PF sind nun einmal die Urheber des ganzen. Und wenn sie möchten, dass es so verkauft wird, dann hat der Kunde das zu akzeptieren. Es steht ihm ja frei sich nicht darauf einzulassen. Nur weil andere Künstler es so machen muss es ja nicht jeder genauso machen.
Auch das ständige Argument von wegen Auskopplungen ist hinfällig - irgendwie muss das ganze ja im Radio gespielt werden so dass man darauf aufmerksam wird...dort dienen die Auskopplungen nur der Werbung...
In diesen Zeiten verlernen es die Leute eh zu "hören". Früher wurde ein Album von vorne bis hinten durchgehört, da lief das Hören von "Tubular Bells" von Oldfield nach einem festen Ritual ab. Und heute? Heute denken viele Künstler nur noch in 2-3 Songs, die als Single rausgebracht werden - meistens zusammen mit einer Hand voll Remixen, die eh keine Sau braucht. Und das Album ist dann nur noch Füllmaterial.
Ich finde es wirklich lustig wie jetzt auf PF rumgehackt wird. Wenn sie aus allem Geld machen wollten würde ihnen Kommerz vorgeworfen. Jetzt wird es auch vorgeworfen, weil man nur ganze Alben kaufen kann. Was denn nun?
@Apollo 23: Der Vegleich mit der Kuh hinkt gewaltig. Es gibt auch Unternehmen, bei denen sie nur ganze Kühe kaufen können. Wollen Sie sich darüber auch aufregen? Es bleibt auch hier dem Erzeuger belassen, in welcher Form er seinen Kram veräußert.
@lapje
Und noch "früherer" gab es ein paar Bands wie die Beatles, Rolling Stones oder Kinks, die in ihrer Anfangsphase ihre Musik vorwiegend als Singles herausbrachten (und darauf auch ihr Hauptaugenmerk lagen), da das Album noch gar nicht als eigenständige Kunstform angesehen wurde. Das Album entstand eher auf drängen der plattenfirmen, die noch zusätzlich etwas verdienen wollten. Wie sich die Zeiten doch ändern.
In der Popmusik gibt es allerdings immer noch viele Bewegungen, die viel mehr auf Singles als auf Alben fokussiert sind (z.B. Punk).
Die heutige (ich gebe zu in erster Linie wirtschaftliche) Entwicklung geht ja eigentlich wieder zu den Ursprüngen der Popmusik zurück, in den Köpfen ist das Album aber immer noch als Gesamtkunstwerk anzusehen.
Daher sollte sich vielleicht jeder Künstler erst einmal die Frage stellen, ob den auch jedes Album wirklich als Gesamtkunstwerk angesehen werden muss/sollte (das muss es nämlich nicht und nach eigener Erfahrungen sind sie es auch nicht ;)). Bei Pink Floyd ist dies jedoch in der Tat so und daher halte ich dieses Urteil aus der sicht von Pink Floyd auch für legitim (aus den Gründen, die hier bereits genannt worden sind). Was der Verbraucher im Endeffekt daraus macht, ist egal.
@lapje
Und noch "früherer" gab es ein paar Bands wie die Beatles, Rolling Stones oder Kinks, die in ihrer Anfangsphase ihre Musik vorwiegend als Singles herausbrachten (und darauf auch ihr Hauptaugenmerk lagen), da das Album noch gar nicht als eigenständige Kunstform angesehen wurde. Das Album entstand eher auf drängen der plattenfirmen, die noch zusätzlich etwas verdienen wollten. Wie sich die Zeiten doch ändern.
In der Popmusik gibt es allerdings immer noch viele Bewegungen, die viel mehr auf Singles als auf Alben fokussiert sind (z.B. Punk).
Die heutige (ich gebe zu in erster Linie wirtschaftliche) Entwicklung geht ja eigentlich wieder zu den Ursprüngen der Popmusik zurück, in den Köpfen ist das Album aber immer noch als Gesamtkunstwerk anzusehen.
Daher sollte sich vielleicht jeder Künstler erst einmal die Frage stellen, ob den auch jedes Album wirklich als Gesamtkunstwerk angesehen werden muss/sollte (das muss es nämlich nicht und nach eigener Erfahrungen sind sie es auch nicht ;)). Bei Pink Floyd ist dies jedoch in der Tat so und daher halte ich dieses Urteil aus der sicht von Pink Floyd auch für legitim (aus den Gründen, die hier bereits genannt worden sind). Was der Verbraucher im Endeffekt daraus macht, ist egal.
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