Wäre das Internet ein Wald, gäbe es in Zukunft noch ein paar mehr Bäume, in die jemand "Ich war hier" geritzt hat. Möglich macht das Facebook. Mark Zuckerberg, Chef des größten sozialen Netzwerks im Internet, hat auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 am vergangenen Mittwoch neue Funktionen vorgestellt, die das Surfen im Netz sozialer werden lassen. Wichtigste Neuerung: Der "Gefällt mir"-Knopf hat sich von der Facebook-Seite gelöst und kann jetzt auf jeder beliebigen Website, in Blogs, Videoportalen oder Communitys eingebunden werden. Das ist zwar keine Revolution, wird aber dafür sorgen, dass wir beim Surfen nie mehr allein sind.

Auf den Facebook-Seiten selbst war es bislang schon sehr einfach, seine Lieblingsartikel oder Musikvideos mit anderen zu teilen. Wer von nun an auf einer Website unterwegs ist, die den "Gefällt mir"-Knopf (englisch: "I Like") eingebunden hat, muss ihn nur anklicken. Schon teilt man seinen Freunden mit, was man gerade im Netz gesehen hat. Die entsprechende Nachricht taucht dann auf der eigenen Facebook-Seite auf. Umgekehrt kann man künftig auch sehen, welche Freunde die betreffende Seite bereits besucht haben. So entwickelt sich das Surfen im Netz mehr und mehr zu einer geführten Gruppenreise. Ob die User das wirklich wollen, muss sich erst noch zeigen. Einige Blogs experimentieren bereits mit dem neuen Knopf.

Dass die Idee auch nach hinten losgehen könnte, hat Arnab Nandi, Doktorand an der Universität Michigan herausgefunden und dokumentiert. Tatsächlich muss der "Gefällt mir"-Knopf nicht zwingend auf die Webseite verweisen, die man gerade sieht und empfehlen will. Erlaubt sich der Programmierer der Seite einen Scherz, empfiehlt man statt der gewünschten Webseite plötzlich das neue Album von Schlagersänger Michael Wendler und ruiniert damit möglicherweise seinen Ruf. Das wäre die harmlosere Variante. Doch kann auf diese Weise auch jeder unfreiwillig zur Schleuder für unseriöse Seiten werden, hinter denen pornografische Inhalte, Viren oder Trojaner lauern.

Der auf Reisen geschickte "Gefällt mir"-Knopf ist der eine Teil des sogenannten "Open Graph Protocols", das Zuckerberg vorgestellt hat. Ein anderer ist die Verknüpfung des eigenen Profils mit sogenannten Partnerseiten. Wem dort etwas "gefällt", der füttert gleichzeitig die Datenbank des Seitenbetreibers. "Diese Seiten personalisieren dein Erlebnis, indem sie deine öffentlichen Facebook-Informationen verwenden", heißt es in den Datenschutz-Einstellungen von Facebook. Bisher machen zum Beispiel das Webradio-Angebot Pandora, der Restaurantführer Yelp und die Filmdatenbank IMDB mit. So ist es möglich, dass "gemochte" Filme direkt ins eigene Profil zu den dort aufgeführten Interessen wandern – vorausgesetzt, man erlaubt das in den Datenschutzeinstellungen. Am sichersten geht selbstverständlich, wer den "Gefällt mir"-Knopf nirgends verwendet.

"Wir bauen ein Web auf, in dem der Standard sozial ist", sagte Zuckerberg auf der F8. Und damit könnte auch das große Geschäft mit der Suche gemeint sein. Vieles spricht dafür, dass Facebook die Suche nach Inhalten sozialer machen und sich damit einen Vorteil gegenüber Google sichern will. Auf likebutton.me kann man in Echtzeit sehen, welche Seiten besonders viel "gemocht" werden und was Freunde empfehlen. Facebook, so scheint es, möchte uns am liebsten nicht mehr allein surfen lassen.