Netzneutralität Den Zugang zum Netz erleichtern
Noch sind im Internet alle Daten gleich. Doch könnte sich das bald dramatisch ändern. Netzneutralität ist daher bei der re:publica ein großes Thema. Von Kai Biermann
© Thierry Zoccolan/AFP/Getty Images

Vermutlich müssen sich die Verfechter der Gleichbehandlung aller Daten im Internet künftig wärmer anziehen
"Deep Packet Inspection ist nicht per se böse", sagt Andreas Bogk. Er ist Mitglied im Chaos Computer Club und Experte, wenn es um technische Überwachungsmöglichkeiten des Internets geht. Als solcher war er bereits Gutachter vor dem Bundesverfassungsgericht zu Themen wie Onlinedurchsuchung oder Internetsperren. Bei der Konferenz re:publica berichtet er über ein sehr viel alltäglicheres Instrument der Überwachung – eben DPI, Deep Packet Inspection.
Tief in die Pakete schauen, heißt das und meint, dass Internetanbieter sich nicht nur die Herkunft und das Ziel von Informationspaketen anschauen können, sondern problemlos auch deren Inhalt. Ähnlich einem Postboten, der nicht nur die Adresse liest, sondern den gesamten Brief, bevor er ihn austrägt.
Vor einigen Jahren wäre das technisch aufwändig gewesen, inzwischen aber funktioniert es in Echtzeit: Ohne dass der Surfer eine Verzögerung spürt, kann sein Provider im Zweifel "mitlesen", was der Kunde sich auf welchen Seiten anschaut und welche Botschaften er verschickt.
Diese Möglichkeit könnte das Netz komplett verändern: Sie bietet staatlicher Überwachung neue Sammelpunkte. Auch die Daten für personalisierte Werbung ließen sich dadurch prima abgreifen – das tut auch Google Analytics, doch kann der Nutzer das blockieren, wenn er es nicht will. Die Spionage durch DPI nicht. Man bekommt sie nicht einmal mit. Die Musikindustrie beispielsweise ist an der Technik schwer interessiert und würde damit gern illegale Kopierer überführen.
Doch ist DPI auch eine wirksame Waffe gegen Spam und schädliche Programme. Virenscanner nutzen die zugrunde liegenden Algorithmen. Außerdem bietet sie Netzanbietern die Chance für neue Gebührenmodelle: einfaches Surfen gäbe es nahezu umsonst, Internettelefonie, Filme schauen oder Filesharing kosten. Wer den Inhalt kennt, kann zwischen solchen Anwendungen trennen und abgestuft kassieren.
"Man kann es nicht einfach verbieten", sagt Bogk. So muss ein Weg gefunden werden, damit umzugehen. Das Schlagwort in der politischen Debatte dazu lautet Netzneutralität. Auf der re:publica nimmt es einigen Raum ein, will die Konferenz doch diskutieren, wie das Netz in Zukunft aussehen wird. Und Neutralität ist dabei eines der wichtigsten Themen.
- Datum 15.04.2010 - 18:52 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Netzneutralität ist ein kompliziertes Thema. Die Standardantwort ist aber: Ja, man will sie behalten und man möchte sicherlich kein DPI überall oder willkürlich auf Providerebene.
Andreas Bogk klingt etwas aus dem Kontext gerissen bzw. verstehe ich nicht, wann er DPI wichtig findet und wann nicht. Vermutlich sollte man einfach mal das republica Video verlinken, falls es schon eins gibt.
Ausnahmen kann es geben, aber die sollten Sinn aus Gründen von Fairness machen: "Notruf"-Funktionen, P2P bei wenig Bandbreite stoppen, verschiedene Flatrate Packte, etc.
Aber die meisten Dinge, die man mit DPI machen kann, sind für den Nutzer eher schlecht und sie fördern die Entwicklung willkürlicher Beschränkungen, ohne dabei Dinge wie Fairness als Hintergrund zu haben. (Cryptoverbote, Dienstverbote, Softwareverbote)
Besonders im Bereich der Netzsperren (DNS Sperren funktionieren nun mal nicht) wird es bald eh eine traurige Renaissance dieser Technik als Lösung geben …
Natürlich lässt sich die Technik für allerhand Positives nutzen. Jedoch birgt sie auch große Gefahren.
Wer will denn, dass z.B. eine Behörde das komplette Surfverhalten eines Users kennt? Oder noch schlimmer, ein Unternehmen mit Profitstreben? Was man damit alles anstellen könnte, darüber mag ich gar nicht nachdenken.
1984 lässt grüßen.
Zum Titel:
Sollte dieser nicht eher heissen "Den Datenverkehr kontrollieren"? Denn wohin diese Technik führen wird, dazu brauche ich nicht einmal meine Glaskugel abzustauben.
Menschen über die man alles genau weiß lassen sich besser erpressen und kontrollieren als freie Menschen mit ihren privaten Geheimnissen.
Jetzt weiß man heute schon sehr genau wo wir was und wann und wieviel eingekauft haben, wenn wir eine Kreditkarte dazu benutzen oder abbuchen lassen.
Man kann auch nachvollziehen in welchem Hotel wir wann und mit wem übernachtet haben.
Und man kann sehr gut kontrollieren auf welchen Webseiten wir surfen, wo wir was wann bestellen oder uns einloggen.
Selbst unsere E-Mails werden systematsisch erfasst und ausgewertet.
Und internationale Überweisungen werden überwacht.
Bei internationalen Flügen müssen wir uns ausführlich identifizieren und Einreisepapiere ausstellen bzw. Visa beantragen.
Man weiß also schon sehr,sehr viel über jeden von uns.
Und das soll jetzt noch weiter getrieben werden in Richtung totaler Kontrolle und gezielter Werbung.
Amen.
Es ist richtig, daß ich mich im Vortrag vornehmlich auf die technischen Aspekte konzentriert habe. Das war Absicht, schließlich habe ich mit Ralf Bendrath gemeinsam vorgetragen, der sich auf die politischen Aspekte fokussiert hat und immerhin auch aus politikwissenschaftlicher Sicht zu dem Thema forscht.
Ob und wann es ein Video von der re:publica gibt, ist noch unklar. dctp.tv hat aber noch ein Interview mit mir geführt, das meines Erachtens ganz gelungen ist und vielleicht etwas Klarheit in die oben zitierten Aussagen bringt. Zu finden ist es unter http://www.dctp.tv/#/repu...
Gibt es evtl. noch Folien vom Vortrag, die man ggf. verlinken könnte?
Ich finde die Idee, technische Details mit möglichen politisch/juristischen Folgen darzustellen sehr begrüßenswert. Ich bin mal gespannt.
Gibt es evtl. noch Folien vom Vortrag, die man ggf. verlinken könnte?
Ich finde die Idee, technische Details mit möglichen politisch/juristischen Folgen darzustellen sehr begrüßenswert. Ich bin mal gespannt.
Gibt es evtl. noch Folien vom Vortrag, die man ggf. verlinken könnte?
Ich finde die Idee, technische Details mit möglichen politisch/juristischen Folgen darzustellen sehr begrüßenswert. Ich bin mal gespannt.
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