"Deep Packet Inspection ist nicht per se böse", sagt Andreas Bogk. Er ist Mitglied im Chaos Computer Club und Experte, wenn es um technische Überwachungsmöglichkeiten des Internets geht. Als solcher war er bereits Gutachter vor dem Bundesverfassungsgericht zu Themen wie Onlinedurchsuchung oder Internetsperren. Bei der Konferenz re:publica berichtet er über ein sehr viel alltäglicheres Instrument der Überwachung – eben DPI, Deep Packet Inspection.

Tief in die Pakete schauen, heißt das und meint, dass Internetanbieter sich nicht nur die Herkunft und das Ziel von Informationspaketen anschauen können, sondern problemlos auch deren Inhalt. Ähnlich einem Postboten, der nicht nur die Adresse liest, sondern den gesamten Brief, bevor er ihn austrägt.

Vor einigen Jahren wäre das technisch aufwändig gewesen, inzwischen aber funktioniert es in Echtzeit: Ohne dass der Surfer eine Verzögerung spürt, kann sein Provider im Zweifel "mitlesen", was der Kunde sich auf welchen Seiten anschaut und welche Botschaften er verschickt.

Diese Möglichkeit könnte das Netz komplett verändern: Sie bietet staatlicher Überwachung neue Sammelpunkte. Auch die Daten für personalisierte Werbung ließen sich dadurch prima abgreifen – das tut auch Google Analytics, doch kann der Nutzer das blockieren, wenn er es nicht will. Die Spionage durch DPI nicht. Man bekommt sie nicht einmal mit. Die Musikindustrie beispielsweise ist an der Technik schwer interessiert und würde damit gern illegale Kopierer überführen.

Doch ist DPI auch eine wirksame Waffe gegen Spam und schädliche Programme. Virenscanner nutzen die zugrunde liegenden Algorithmen. Außerdem bietet sie Netzanbietern die Chance für neue Gebührenmodelle: einfaches Surfen gäbe es nahezu umsonst, Internettelefonie, Filme schauen oder Filesharing kosten. Wer den Inhalt kennt, kann zwischen solchen Anwendungen trennen und abgestuft kassieren.

"Man kann es nicht einfach verbieten", sagt Bogk. So muss ein Weg gefunden werden, damit umzugehen. Das Schlagwort in der politischen Debatte dazu lautet Netzneutralität. Auf der re:publica nimmt es einigen Raum ein, will die Konferenz doch diskutieren, wie das Netz in Zukunft aussehen wird. Und Neutralität ist dabei eines der wichtigsten Themen.