Netzneutralität Den Zugang zum Netz erleichternSeite 2/2

Das Problem: Das Thema ist so schwer vermittelbar. "Bei einigen Entscheidern ist es noch nicht angekommen, dass Netzneutralität ein Grundpfeiler des Internets ist, wie wir es kennen", sagt Falk Lüke. Er beschäftigt sich für den VZBV mit dem Thema, den Bundesverband der deutschen Verbraucherzentralen. Und er fürchtet, es könne allein dem Markt überlassen bleiben, die Formen dieses Grundpfeilers zu bestimmen. Das könnte fatal sein.

Johnny Haeusler, Mitveranstalter der re:publica, schrieb in einem Gastkommentar in der Zeitung Freitag, zum Glück habe ein Informatiker das Internet erfunden und nicht ein Unternehmer: Sonst müssten wir uns den Zugang zum weltweiten Wissen "in unterschiedlichen Inhalts- und Zugangstiefen erkaufen". In Form eines "Basis-Pakets" beispielsweise, bei dem man "1000 Mails an bis zu vier Adressen versenden könne". Wer mehr wolle, bezahle dann extra für "Power Knowing mit Wikipedia- und Suchmaschinenzugang", oder für "Business@home", mit dem "auch E-Mail-Adressen im Ausland erreichbar wären".

Das "gute, alte Netz", wie Ralf Bendrath es nennt, der sich erst als Wissenschaftler und nun im europäischen Parlament mit diesem Thema beschäftigt, kannte keine Prioritäten, es war per Voreinstellung neutral: Das für den Transport der Daten zuständige Protokoll namens TCP ließ es nicht zu, diese zu unterscheiden und manche schneller, andere dagegen langsamer zu verschicken. Alle waren gleich. So wuchs auch die Struktur, dank derer bislang jeder einspeisen und lesen kann, was er will.

Doch das ändert sich derzeit. Vor allem die Zugangsanbieter drängen. Was Vorteile haben könnte, ließe sich damit doch die Auslastung regeln, um Staus in der Leitung zu verhindern. Aber wie jede Technik beinhaltet es auch Gefahren.

Bislang nimmt die Debatte darüber keinen großen Raum ein. Geert Lovink, Chef des niederländischen Institute for Network Cultures, sagt dazu: "Die Sachen im Netz, die richtig spannend sind, werden immer gleich sehr technisch und sehr bürokratisch." Und damit würden sie leider auch schwer zugänglich.

Wie im Vortrag von Bogk, in dem es die ganze Zeit um Layer und Protokolle und Algorithmen geht. Experten sind wichtig, sagt Lovink, Laien hätten kaum noch eine Chance, solche Themen weiter zu entwickeln. Damit Laien sich aber eine Meinung bilden und verstehen könnten, worum es geht, brauche es dringend mehr "Vermittler", wie er sie nennt. Menschen wie Haeusler, die in der Lage sind zu übersetzen. Und eine Konferenz wie die re:publica, bei der beide zu Wort kommen.

ZEIT ONLINE ist Medienpartner der re:publica 2010.

 
Leser-Kommentare
  1. Netzneutralität ist ein kompliziertes Thema. Die Standardantwort ist aber: Ja, man will sie behalten und man möchte sicherlich kein DPI überall oder willkürlich auf Providerebene.

    Andreas Bogk klingt etwas aus dem Kontext gerissen bzw. verstehe ich nicht, wann er DPI wichtig findet und wann nicht. Vermutlich sollte man einfach mal das republica Video verlinken, falls es schon eins gibt.

    Ausnahmen kann es geben, aber die sollten Sinn aus Gründen von Fairness machen: "Notruf"-Funktionen, P2P bei wenig Bandbreite stoppen, verschiedene Flatrate Packte, etc.

    Aber die meisten Dinge, die man mit DPI machen kann, sind für den Nutzer eher schlecht und sie fördern die Entwicklung willkürlicher Beschränkungen, ohne dabei Dinge wie Fairness als Hintergrund zu haben. (Cryptoverbote, Dienstverbote, Softwareverbote)

    Besonders im Bereich der Netzsperren (DNS Sperren funktionieren nun mal nicht) wird es bald eh eine traurige Renaissance dieser Technik als Lösung geben …

    • holzi
    • 15.04.2010 um 21:37 Uhr

    Natürlich lässt sich die Technik für allerhand Positives nutzen. Jedoch birgt sie auch große Gefahren.
    Wer will denn, dass z.B. eine Behörde das komplette Surfverhalten eines Users kennt? Oder noch schlimmer, ein Unternehmen mit Profitstreben? Was man damit alles anstellen könnte, darüber mag ich gar nicht nachdenken.
    1984 lässt grüßen.

    Zum Titel:
    Sollte dieser nicht eher heissen "Den Datenverkehr kontrollieren"? Denn wohin diese Technik führen wird, dazu brauche ich nicht einmal meine Glaskugel abzustauben.

    • Puqio
    • 15.04.2010 um 22:01 Uhr

    Menschen über die man alles genau weiß lassen sich besser erpressen und kontrollieren als freie Menschen mit ihren privaten Geheimnissen.

    Jetzt weiß man heute schon sehr genau wo wir was und wann und wieviel eingekauft haben, wenn wir eine Kreditkarte dazu benutzen oder abbuchen lassen.
    Man kann auch nachvollziehen in welchem Hotel wir wann und mit wem übernachtet haben.
    Und man kann sehr gut kontrollieren auf welchen Webseiten wir surfen, wo wir was wann bestellen oder uns einloggen.

    Selbst unsere E-Mails werden systematsisch erfasst und ausgewertet.
    Und internationale Überweisungen werden überwacht.

    Bei internationalen Flügen müssen wir uns ausführlich identifizieren und Einreisepapiere ausstellen bzw. Visa beantragen.

    Man weiß also schon sehr,sehr viel über jeden von uns.

    Und das soll jetzt noch weiter getrieben werden in Richtung totaler Kontrolle und gezielter Werbung.
    Amen.

  2. Es ist richtig, daß ich mich im Vortrag vornehmlich auf die technischen Aspekte konzentriert habe. Das war Absicht, schließlich habe ich mit Ralf Bendrath gemeinsam vorgetragen, der sich auf die politischen Aspekte fokussiert hat und immerhin auch aus politikwissenschaftlicher Sicht zu dem Thema forscht.

    Ob und wann es ein Video von der re:publica gibt, ist noch unklar. dctp.tv hat aber noch ein Interview mit mir geführt, das meines Erachtens ganz gelungen ist und vielleicht etwas Klarheit in die oben zitierten Aussagen bringt. Zu finden ist es unter http://www.dctp.tv/#/repu...

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    Gibt es evtl. noch Folien vom Vortrag, die man ggf. verlinken könnte?

    Ich finde die Idee, technische Details mit möglichen politisch/juristischen Folgen darzustellen sehr begrüßenswert. Ich bin mal gespannt.

    Gibt es evtl. noch Folien vom Vortrag, die man ggf. verlinken könnte?

    Ich finde die Idee, technische Details mit möglichen politisch/juristischen Folgen darzustellen sehr begrüßenswert. Ich bin mal gespannt.

  3. 5. Danke

    Gibt es evtl. noch Folien vom Vortrag, die man ggf. verlinken könnte?

    Ich finde die Idee, technische Details mit möglichen politisch/juristischen Folgen darzustellen sehr begrüßenswert. Ich bin mal gespannt.

    Antwort auf "Mehr Details im Video"

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