Open Data Mit alten Daten neues Wissen schaffen
Staatliche Daten und Statistiken zugänglich zu machen, kann der Gemeinschaft nutzen, glaubt die Open-Data-Bewegung. Auf der re:publica diskutierte sie viele Beispiele.
© GREG WOOD/AFP/Getty Images

Börsendaten
Es braucht keine Finanzkrise, um das Problem von Ratingagenturen zu begreifen: Wenn sie die Kreditwürdigkeit von Firmen bewerten sollen, werden sie von den Firmen dafür bezahlt. Die wiederum haben Interesse an einem guten Rating, senkt das doch ihre Kreditkosten. Weshalb es wohl besser wäre, wenn unabhängigere Institutionen diese Bewertung machen. Die Gemeinschaft zum Beispiel.
Das ist die Idee von freerisk.org, einer Webseite von Jesper Andersen und Toby Segaran. Doch braucht es für gute Finanzanalysen auch zuverlässige Daten. Und damit ist die Seite nur eines von vielen Beispielen, warum Regierungs- und Unternehmens-Daten frei zugänglich sein sollten.
Eine ganze Bewegung ist um diese Forderung nach Open Data gewachsen. Denn die Gesellschaft könnte davon profitieren, sind sich die Beteiligten sicher. So kann man in Großbritannien im Netz sehen, wie der eigene Abgeordnete zum Irakkrieg oder zum Klimawechsel abgestimmt hat (theyworkforyou.com). Oder den Werdegang einer Gesetzgebung nachverfolgen (Govtrack). Auf fixmystreet.org werden die Bürger selbst zu Datenlieferanten, indem sie Probleme direkt an ihren lokalen Abgeordneten übermitteln.
Ein Weg ist es, die Regierung um die Freigabe von Daten zu bitten. Ein anderer, die Daten selbst zu sammeln. So geschehen etwa bei Openstreetmap, dem seit 2004 laufenden Versuch von Steve Coast, alle Straßen der Welt zu kartografieren.
Inzwischen scheint sich noch ein dritter Weg zu etablieren: Man eignet sich die Daten an. Zum Beispiel die britischen Postleitzahlen. Eine Gruppe, die sich nach Ernest Maples, dem Erfinder der britischen Codes benannte, hatte diese zum Herunterladen angeboten, um viele andere Datenauswertungsprojekte zu verbessern. Die britische Post fand das nicht witzig und wollte es verbieten, doch nach Protesten und Medienberichten ist es nun erlaubt.
Rob McKinnon, der auf der re:publica einen Vortrag über Open Data and Open Government hielt, ist der festen Überzeugung, dass der Verlust des Datenprivilegs zu neuen Machtstrukturen innerhalb einer Gesellschaft führen kann. "Wir fangen gerade erst an, das ganze System zu verstehen", sagt er.
- Datum 16.04.2010 - 17:04 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Und sie verweist auf rechtliche Probleme. Vor allem strenge Gesetze beispielsweise zum Urheberrecht, zum Wettbewerbsrecht oder zum Datenschutz seien dafür verantwortlich, dass man in Deutschland hinterherhinke."
Es gibt immer eine Ausrede.
Frei zugängliche Daten sind längst überfällig. Demokratie war zu lange die Regierungsform mit den lustigen roten Kreuzchen. Vielleicht wird es Zeit, dass der Souverän wieder die Augen öffnet.
Während es bei Daten öffentlicher Stellen langsam voran geht, sehe ich bei Firmen wenig Fortschritte. Geschäftsgeheimnis ist da so ein Begriff. Jeder kennt ihn und viele finden es verständlich, dass Unternehmen sich so vor der Konkurrenz (und praktischerweise auch vor dem Staat und den Kunden) schützen.
Was häufig übersehen wird ist, dass Märkte nicht nur Wettbewerb brauchen um zu funktionieren sondern auch absolute Transparenz. Jeder Marktteilnehmer muss im Idealfall immer alles Relevante wissen.
Wenn das nicht möglich ist, dann muss zumindest symmetrische Information herrschen, also beide Transaktionspartner halten gleich viel geheim.
Derzeit sieht es aber so aus, dass Firmen mit klassischer Marktforschung, elektronischer Überwachungstechnologie (Payback oder auch Thermalkameras in Supermärkten), Scoring und Datamining den Kunden sezieren. Dieser kann aber nicht hinter die Fassade des Unternehmens blicken.
Unter dieser Voraussetzung funktionieren Märkte suboptimal und zum Schaden der gesamten Gesellschaft.
Freie Unternehmensdaten sind also kein wirtschaftlicher Irrsinn sondern sogar volkswirtschaftlich geboten. Kampflos wird der private Sektor seinen Vorteil gegenüber den Kunden aber nicht aufgeben.
Für Open Government Data ist eines entscheidend: Politischer Wille. So sind die erfolgreichen Initativen in den Staaten und in UK zwar auch auf fundierte Basisarbeit zurückzuführen, doch den wirklichen Boost haben die Kabinette von Brown und Obama selbst gegeben.
Dem dagegen ist der Weg als Basisbewegung ein sehr mühsamer und mindestens genauso kompliziert, wie die Entscheidungstukturen der DatenhalterInnen in Bund, Stadt, Land und Gemmeinden.
Vielleicht sollten die aufgezeigten Beispiele für Open Government Data mehr beschreiben, welche positive Beschäftigungswirkung das neue Netz der Daten im ICT-Bereich haben könnte, anstatt permanent zu wiederholen, wie widerwillig Regierungen ihre Daten herausgeben.
Ich bin gespannt, welchen Wege hier in Österreich gegangen werden. Basis-Bewegung oder Regierungsinitiaitive, oder gar beides gemeinsam? Ein erstes Meetup hat es schon gegeben, weitere folgen: http://www.zukunftsweb.at...
Kann mir irgendjemand ein paar Beispiele für "open data" nennen, also was für Daten man veröffentlichen könnte?
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